NCN (NOCTURNAL CULTURE NIGHT) SPECIAL 2021 – Sonntag (12.09.2021)

Fotos: NCN (Nocturnal Culture Night) 2021 Special – Amphibühne und Kulturbühne (12.09.2021)
Front 242, © Thomas Bunge / NCN Festival 2021
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Am Sonntag die Augen aufgemacht und gedacht: Es gab schon wachere Sonntage. Aber auch gedacht: Es gab schon deutlich ereignisärmere Wochenende! Gerade in Zeiten wie diesen… Also fix die Müdigkeit mit einer Dusche, einem ausgiebigen Frühstück und einer guten Dosis Kaffee zu bekämpfen versucht und baldigst ein letztes Mal für dieses Wochenende den Weg zum Festivalgelände angetreten. Auch am Sonntag stand noch einmal ein vielseitiges Programm von Postpunk über Neoklassik bis Elektro auf dem Programm, das einiges an Highlights versprach.

Nachdem Beyond Obsession und Vogon Poetry mit ihren elektronischen Klängen die jeweiligen Bühnen eröffneten, standen um 14 Uhr die Gitarren im Vordergrund, als Aeon Sable mit ihrem Set an der Reihe waren. Druckvoller Gothic Rock mit Emotion gab es zu hören und zu sehen. Und auch zu spüren, denn man sah, dass die Band das lebte, das sie hier spielte, als man zwischenzeitlich der Ansicht war, der Sänger sei den Tränen nahe bei dem, was er singt. Im Klang spürte man den Old School-Charakter in den rockigen Stücken, teils an der Grenze zum Gothic Metal, merkte aber auch, wie gut die Band es schafft, diesen Charakter ins Hier und Jetzt zu bringen. So ließ die Band ein begeistertes Publikum zurück, das wohl auch so einige an den Merch-Stand gezogen haben dürfte, um sich mit CDs einzudecken.

Setlist AEON SABLE @ NCN SPECIAL 2021:
01. Bliznakis (Improvised Intro)
02. Visions
03. Burn for Salvation
04. Elysion
05. Fabulous Land
06. Dancefloor Satellite
07. White Snow
08. For the Grave and the Waters (unreleased / first time live)
09. Praying Mantis

Direkt im Anschluss spielten KatzKab auf der Kulturbühne, auf der Amphibühne wurde umgebaut für eine Künstlerin, die bereits zwei Tage zuvor mit L’Âme Immortelle auf der Bühne stand. Heute stand Sonja Kraushofer mit Persephone ein weiteres Mal auf der Bühne und zeigte ihre neoklassische und theatralische Seite. „Theatralisch“, denn: Es war nicht nur (neo)klassische Musik, sondern auch eine sehr Theater-nahe Bühnenperformance, die dargeboten wurde, während das Ensemble um Klavier, Cello, Drums/Percussion und Gesang spielte. Musikalisch gab es viel Schönheit zu erleben, während sich die Band durch die verschiedenen Alben spielte. Dass zwischen dem letzten Album Perle und dem Vorgänger Letters To A Stranger elf Jahre lagen, war dabei nicht zu spüren, die Setlist wirkte sehr in sich geschlossen. Einzig schade war, dass die Amphibühne während des – häufig eben auch sehr ruhigen – Auftritts gerne für Gespräche genutzt wurde. Davon aber ließen sich weder die Musiker noch die Zuschauer, die für diese da waren, beeindrucken. Eine gelungene Performance am späten Nachmittag.

Setlist PERSEPHONE @ NCN SPECIAL 2021:
01. Reflection
02. Dreamland of Mine
03. Summer Rain
04. Black Widow
05. The Man who swallowed my Soul
06. Phobia
07. Garden of May
08. Drowning Theme
09. Sweetest Pain
10. The Day you went away
11. Dig a little deeper
12. Mean
13. Downfall
14. Coming Home

Wie schon häufiger festgestellt: Die Nocturnal Culture Night ist auch immer wieder gut, um neue Bands kennenzulernen. Daher bot es sich an, einfach mal neugierig zur Kulturbühne rüberzugehen, um zu gucken, was sich denn eigentlich hinter dem Bandnamen She Pleasures Herself verbirgt. Zunächst wirkte es etwas verstörend, als die Musiker während des Intros in ihren Bühnenoutfits nach und nach die Bühne enterten, doch schnell verflogen die Zweifel, denn man spürte von Ich bin dead an, dass die Band aus Lissabon ordentlich was drauf hat. Eingängiger Post-Punk mit einigen Cold Wave-Elementen ließen einen keineswegs erkalten, sondern sorgten für Bewegung. Mit Stücken wie Fake, Obscure oder auch dem Red Zebra-Cover I Can’t Live in a Living Room sorgten sie für gute Laune und überraschten so manchen Besucher positiv, der die Band noch nicht kannte. Eine erfreuliche Neuentdeckung!

Setlist SHE PLEASURES HERSELF @ NCN SPECIAL 2021:
01. Intro
02. Ich bin dead
03. Fake
04. Time
05. Disposable
06. Ghost Wave
07. Trust
08. Obscure
09. I Can’t Live in a Living Room (Red Zebra Cover)
10. Dance With Her
11. Insomnia
12. Run
13. Frustration
14. Visions

Blick rüber zur Amphibühne: Rascal und Krischan hatten sich inzwischen in Position gebracht, die Show von Rotersand konnte beginnen. Ihr aktuelles Album heißt How do you feel today, was offenbar eine Frage ist, die angesichts der gut gefüllten Amphibühne und des großen Jubels beim Betreten der Bühne gar nicht erst gestellt werden muss. Wie auch das Album eröffneten sie die Show mit Who are we now?, das noch verhalten loslegte, bevor It’s about us direkt dem großen Bewegungsdrang Tribut zollte. Eine gute Stunde lang gab die Band alles, was dankbar vom Publikum zurückgegeben wurde. Waiting to be born, Electronic world transmission… Da blieben wenige Wünsche öffen, bis Exterminate Annihilate Destroy das Ende der Show besiegelte.

Setlist ROTERSAND @ NCN SPECIAL 2021:
01. Who are we now
02. It’s about us
03. Grey
04. Rushing
05. Whatever
06. You know nothing
07. Waiting to be born
08. First time
09. Silence
10. Electronic world transmission
11. Torn realities
12. War on error
13. Exterminate annihilate destroy

Ein letztes Mal an diesem Wochenende begann nun die Zeit der Headliner. Zunächst einmal auf der Kulturbühne, wo sich Spiritual Front langsam in Bewegung brachten (oder auch „Spiritual Fucking Front“, wie Sänger Simone Salvatori die Band kurzerhand nannte). Nach anfänglichen Problemen, durch die es ein wenig später losging, kam die Band letzten Endes auf die Bühne und zelebrierte ihren „Nihilist Suicide Pop“. Schwungvoll ging es bereits los mit The Shining Circle vom Albumklassiker Armageddon Gigolo, das mit seinem folkig-treibenden Moment einen guten Opener bot. Es folgte Gänsehaut mit dem berührenden I Walk the (Dead)line, auf das sichtlich gewartet wurde. Überhaupt war der Fokus an diesem Abend klar auf ein Best Of gerichtet, wie auch Darkroom Friendship und Jesus Died in Las Vegas zeigten. Die Zuschauer dankten es! Schade war jedoch, dass die Band die ihr zustehenden 65 Minuten Spielzeit mit nur neun Stücken nicht ausreizte, sondern nach Children of the Black Light als neuntem Stück bereits ihr Set beendeten. Da wäre mehr drin gewesen – das Gebotene machte definitiv Lust auf mehr.

Setlist SPIRITUAL FRONT @ NCN SPECIAL 2021:
01. The Shining Circle
02. I Walk the (Dead)line
03. Darkroom Friendship
04. Jesus Died in Las Vegas
05. Disaffection
06. Slave
07. Pain is Love
08. Bastard Angel
09. Children of the Black Light

Headliner auf der Amphibühne war im Anschluss die andere Front, denn Front 242 sollten das Festival beenden. Vor gut gefüllten Reihen startete die EBM-Legende mit First In/First Out, zeigte sich gut in Form, aber nach einer Weile wurde es still. Eine an diesem Wochenende ungewohnte Stille lag über dem Gelände und es dauerte eine Weile, bis die technischen Probleme gelöst waren und es weitergehen konnte. Dass Front 242 in einer Umgebung wie dieser ein Selbstläufer sind, war vorherzusehen und so kam es auch. Ob Funkahdafi, WYHIWYG / U-Men oder natürlich auch der Überhit Headhunter: Nachdem die anfänglichen Probleme behoben waren, ging hier nichts mehr schief und die Belgier waren ein starker Schluss-Act des diesjährigen NCN Specials.

Das zweite Jahr in Folge konnte die Nocturnal Culture Night mit einem gelungenen Special brillieren. Nun liegen alle Hoffnungen darauf, dass es im Jahr 2022 wieder mit der regulären Ausgabe weitergeht. Bereits angekündigte Headliner wie Men Without Hats, Midge Ure und Nitzer Ebb versprechen bereits jetzt wieder einiges!

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