ROCK AM RING 2026 – Nürburgring, Sonntag (07.06.2026)

Sabaton, © Markus Hillgärtner
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Lesedauer: 12 Minuten

Der Sonntag empfing die Festivalbesucher mit sehr viel mehr Sonnenschein als zu erwarten war. Rock am Ring zeigte wieder einmal, dass man für alles gerüstet sein sollte – vom Wintermantel über Gummistiefel bis zum Trägertop kommt hier potentiell alles zum Einsatz.

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Den Reigen auf der Hauptbühne eröffneten an diesem Tag die Black Veil Brides. Die dramatischen, finsteren Orgelklänge von Johann Sebastian Bachs „Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 “ weckten sofort Vampir- und Horrorfilm-Assoziationen. Doch der strahlend blaue Himmel wollte nicht so recht zu der düsteren Gothic-Ästhetik der Band passen. Vielleicht war das ein Grund für die etwas fragwürdige Laune und den provokanten Humor von Frontmann Andy Biersack, dessen Outfit wunderbar in jeden modernen Blutsauger-Epos gepasst hätte.

Das Infield war durchaus gut gefüllt und im ersten Block gingen schon beim Opener „Knives And Pens“ die Arme hoch. Der Song ist die erste, damals exklusiv bei Youtube erschienene, Single der Combo und gehört bis heute zu den Fanlieblingen. So erntete der Sänger für seine Wahl auch direkt „Herzen“ aus dem Publikum. Knapp die Hälfte des Sets bestritten die Jungs aus Cincinnati aber mit Titeln ihres erst jüngst erschienen, siebten Albums „Vindicate“. „We’re the Black Veil Brides and we’re very happy to be here with you. We’re gonna play a new song that’s called ,Bleeders‘. It goes like this.“, stellte Biersack den ersten „Neuen“ vor.

Während mit „Hallelujah“, „Vindicate“ und „Certainty“, die nächsten Stücke der aktuellen Veröffentlichung folgten, tigerte der Frontmann unablässig die Bühne auf und ab und äußerte zwischendurch scheinbar irritiert: „Thank you for standing here while we play. We appreciate you. You’re very polite. No movement at all, but everybody‘s smiling. It’s very nice… It’s not at all awkward to have everybody just look at you the whole time.“ So ließen sich dann einige Fans doch zum Circle Pit motivieren, was Biersack etwas erleichtert mit „Fuck yeah! Thank you!“ quittierte.

So richtig wollte der Funke aber nicht überspringen und die Crowd blieb relativ bewegungslos, was der Sänger mit einer weiteren sarkastischen Bemerkung kommentierte. Nachdem er die Leute mehrfach winkend mit „Hi“ begrüßt hatte, mutmaßte er, dass Einige vermutlich kein Problem damit hätten, wenn der Rest des Sets nur aus Grüßen und Winken bestehen würde. Ein Humor, der, wenn auch mit einem Lächeln serviert, nicht bei Allen gut ankam. Auch ältere Titel wie „Coffin“ und „Perfect Weapon“ wurden zwar beklatscht und bejubelt, riefen aber nur vereinzelt Crowdsurfer und Pits hervor.

Alles in allem aber trotzdem ein zufriedenstellendes Ergebnis für Andy, denn wie er vor dem finalen „In the End“ erzählte, hatte die Metalcore-Combo im Vorprogramm einer Deutschlandtour von Mötley Crüe vor einer düster dreinblickenden Menge mit verschränkten Armen gespielt. So verabschiedete er sich versöhnlich mit „Have a great rest of the day… we’ll see you soon“. Am Ende waren es wahrscheinlich mehrere Faktoren, die den Black Veil Brides an diesem Tag nicht in die Karten gespielt haben – das unpassend „fröhliche“ Wetter, die „frühe“ Uhrzeit, (zu) viele neue Songs und die Tatsache, dass es bereits der letzte Festivaltag und bei manchen die Luft vermutlich einfach raus war.

 

Anschließend stand man vor der Frage „Hollywood oder Bloodywood?“. Auf der Utopia gab es mit den Kaliforniern von Hollywood Undead einen explosiven Genre-Mix aus Rap, Rock und Nu-Metal, der sich stark am Crossover-Stil der 90er-Jahre orientiert. Auf der zweiten Bühne wurde derweil eine Lanze für den indischen Metal gebrochen.

2016 als YouTube-Projekt mit Heavy-Metal-Covern bekannter Popsongs gestartet, haben sich Bloodywood aus Neu-Delhi inzwischen eine ganz ordentliche Fanbase erarbeitet. Die Mannen um Gitarrist Karan Katiyar verleihen ihrem Metalcore-Sound eine einzigartige Note, indem sie harte Gitarrenriffs, aggressiven Rapgesang und kraftvolle Shouts mit klassischer indischer Folklore und Instrumenten vermischen. Textlich sind sie dabei eher sozialkritisch unterwegs, verarbeiten Themen wie Armut, Korruption, Umweltzerstörung und sexuelle Gewalt mit englischen und indischen Lyrics.

Die Zuschauer klatschten schon beim Intro und mit synchronem Mattenschwingen zeigte die Combo beim ersten Titel „Dana Dan“ ebenfalls vollen Einsatz. In traditionelle indische Gewänder gehüllt, trugen sie ihrer Heimat auch optisch Rechnung, weil Metal dort aber keinen besonders hohen Stellenwert hat, setze man seine Hoffnungen eher auf den Rest der Welt und vor allem auch auf Deutschland betonte Sänger Jayant Bhadula.

Da waren sie bei Rock am Ring an der richtigen Adresse, denn die Fans gingen von Anfang an begeistert mit und es zeigte sich wieder einmal, dass für die Meisten die Idee vom einzig wahren Metal inzwischen der Vergangenheit angehört. Sie haben kein Problem mit kultureller Vielfalt und unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen. So wurde nicht nur gepogt und gemosht, sondern für’s richtige Bollywood-Feeling auch bereitwillig die Hüfte geschwungen. Die immer wieder aufkommenden „Bloodywood“-Rufe zauberten ein beseeltes Lächeln auf die Gesichter der Musiker und die Erkenntnis lautete: „Your dreams are worth chasing!“.

So verging die Zeit für alle Beteiligten wie im Flug. Die großen Hits „Nu Delhi“, „Gaddaar“ und „Bekhauf“, die Kollaboration mit Babymetal, fehlten natürlich nicht und es gab noch einen nicht ganz ernst gemeinten und auch nicht sonderlich erfolgreichen Versuch der Menge ein paar indische Textzeilen beizubringen. Ein kurzweiliges Set mit einer Band, die in ihrer Bescheidenheit und Dankbarkeit überaus sympathisch war.

Bereits 2017 gegründet, ließ der Durchbruch für Catch Your Breath aus Texas zunächst auf sich warten. Zwar kann die Band erst ein Album vorweisen, hat aber ihre Fangemeinde durch unermüdliches Touren stetig erweitert und gehört mittlerweile zu den international gefragten Metalcore-Acts. Die Kombination aus harten Riffs und eingängigen Synth-Elementen gepaart mit den emotionalen Texten von Josh Mowery sind hierbei das Erfolgsrezept. Und das zog eine ganze Menge Leute vor die Orbit Stage.

In Lederjacke, Cap und Sonnebrille enterte der Frontmann die Bühne und mit einer gehörigen Portion Bass und jeder Menge Screams eröffnete „Blood Money“ das Set. Der überwiegende Teil der Lieder stammte vom kommenden Album „Not Broken Enough“ welches im August erscheinen wird. Da die Titel aber bereits alle veröffentlicht wurden, waren die Fans durchaus im Bilde. So feierten sie auch die aktuelle Single „Control“, was Josh mit „Fuck yeah!“ quittierte. „I’m saying this every night, if one of you is struggling with addiction, this song is for you.“, nutze er „Y.S.K.W.“ um Betroffenen Mut zuzusprechen. Sie sollen zwei Dinge wissen: 1. „you’re not alone“, 2. „we’re so happy you’re still here!“.

Zwischen den einzelnen Titeln gab es immer wieder Videosequenzen mit gesprochen Texten, die sich inhaltlich an den oft sehr persönlichen und verletzlichen Themen der Songs orientierten. So blieb dann aber nur Zeit für insgesamt 8 Stücke, bevor der Auftritt mit den beiden Erfolgssongs „Dial Tone“ und „Shame On Me“ zu Ende ging. Nachdem der Sänger die ganze Show über sehr zurückhaltend war, entlockte ihm das euphorische Singen des Publikums bei „Dial Tone“ dann doch noch ein Lächeln und er klopfte sich auf’s Herz. Josh war sogar so bewegt, dass er nach dem Konzert ein Snippet vom Song bei Insta postete: „I know, I have played festivals before, but you should hear this.“. Man kann also wohl sagen, dass Künstler und Fans nach dem Set gleichermaßen happy waren.

Parallel hatte auf der Mandora die US-amerikanische Alternative-Metal- und Post-Grunge-Band Breaking Benjamin gespielt und die Bretter für eine sehr viel old-schooligere Nummer angewärmt.

Mit Social Distortion war dort im Anschluss eine der langlebigsten und einflussreichsten Punkbands der USA zu Gast. Seit 1979 prägt Sänger und Songwriter Mike Ness den Sound der Gruppe, der Punkrock, Rockabilly, Blues und Country vereint. Sie gelten als Wegbereiter für das Genre in den 1990er Jahren und als Vorbild so großer Bands wie The Offspring und Green Day. Der Frontmann ist inzwischen das einzig verbliebene Gründungsmitglied und musste im Laufe seines Lebens einige Rückschläge einstecken, wie die Überwindung seiner Heroinsucht und einer Krebserkrankung.

Viel Schnickschnack hatte die Band nicht im Gepäck, auf der Leinwand war das bekannte Icon der Combo, ein rauchendes, Cocktail schlürfendes Skelett, zu sehen und auf den Drums prangte das Motiv der jüngsten Veröffentlichung. 15 Jahre mussten die Fans auf ein neues Album warten und mit dem Titelsong „Born to Kill“ wurde direkt zum Auftakt klargestellt, dass die Kalifornier ihrem Stil treu geblieben sind. Darüber hinaus präsentierte sich das Stück wie eine Kampfansage, denn der Sänger hatte kurz vor der Aufnahme seine Mandelkrebsdiagnose erhalten und musste nach der erfolgreichen Behandlung mühsam das Schlucken und Singen neu erlernen.

„It’s good to see you. Thanks for coming down early!“, begrüßte Ness die überschaubare Crowd, die für Punkverhältnisse auch eher wenig Pogo sehen ließ. „The Creeps“ und „Mommy’s Little Monster“ vom 1983 Debüt brachte dann aber immerhin einen Mini-Pit hervor. „Why so quiet?“, versuchte der Fronter die Menge weiter aus der Reserve zu locken, bevor er mit „Ball And Chain“ einen weiteren Klassiker intonierte. „This next song is an old german beer-drinking sing-along… it goes back centuries“, scherzte er dann und forderte das Publikum eindringlich auf den Signature-Song „Story of my Life“ mitzusingen und tatsächlich konnte man das Publikum stellenweise hören.

„Don’t drag me down“, eine Abrechnung mit Rassismus, Diskriminierung und Ungerechtigkeit beschloss das Set, welches eigentlich einen guten Querschnitt durch alle Alben vom 83er „Mommy’s Little Monster“ bis zu ein paar brandneuen Titeln bot aber trotzdem nur verhaltene Reaktionen hervorrief.

Auf der Orbit Stage hatte unterdessen eine Band ihren Auftritt gestartet, die quasi gar keine Historie vorzuweisen hat und dennoch für massig Andrang sorgte. Erst Anfang letzten Jahres traten PRESIDENT erstmals in Erscheinung, als sie im Line-Up des Download-Festivals auftauchten, ohne überhaupt einen einzigen Song veröffentlicht zu haben. Was folgte war ein kometenhafter Aufstieg, beflügelt von dem Mysterium um die Bandmitglieder und dem massiven Streaming-Erfolg ihrer Debüt-EP „King of Terrors“.

Stets maskiert bemüht sich die Combo ihre Identität geheim zu halten und tritt damit in die Fußstapfen so populärer Bands wie Ghost und Sleep Token. Das an sich schürt schon einen gewissen Hype, da es die Öffentlichkeit danach gelüstet das Rätsel zu lösen, was für entsprechend viel Präsenz in den Medien sorgt. Eine kluge Marketing-Strategie also. Abgesehen davon haben die Briten musikalisch aber auch Einiges zu bieten. Ihr Sound bewegt sich irgendwo zwischen Alternative Metal und Metalcore gespickt mit atmosphärischer Elektronik und Popelementen, damit schlagen sie eine ähnliche Richtung ein wie die überaus erfolgreichen Bad Omens.

PRESIDENT inszenieren ihre Auftritte wie die Kundgebungen einer politischen Kampagne und so stand im Zentrum der Bühne ein Rednerpult mit dem pinken Band-Logo, welches auch als großes Leucht-Element über der Bühne hing. Ein weiterer Hingucker war das pink-durchsichtiges Drum-Set. Das Publikum verharrte in erwartungsvoller Stille, die ein jähes Ende fand, als die schwarz vermummten Musiker die Stage betraten. The President kam sehr bedächtig auf seinen Posten vor, wie immer in einer Maske, die an eine Mischung aus Reagan und Nixon erinnert und bekleidet mit einem Frack, Fliege und weißen Handschuhen. An der Kanzel angekommen reckte er seine Faust in die Höhe und die Menge stimmte ohne Umschweife in „Fearless“, einen der beliebtesten Titel, mit ein.

Insgesamt war die Crowd mit dem noch überschaubare Repertoire der Band mehr als vertraut und feierte eigentlich jeden einzelnen Song. Die Tatsache, dass der Fronter keinerlei Ansagen macht, um nicht zu viel von sich preiszugeben, störte sie nicht im Geringsten. Die euphorische Resonanz schien dem Sänger durchaus nahe zugehen, so hielt er immer wieder inne, schlug sich ob der Begeisterung beim aktuellen „Doom Loop“ sogar die Hände vor die Augen.

Die Mischung aus einer ordentlichen Portion Elektronik und den klassischen Metal-Elementen übt auf viele offenbar einen großen Reiz aus und so kam auch „Rage“ besonders gut an. Während der Titel in der ersten Hälfte wie ein reiner Dance-Track daherkam, wurden Gitarre und Schlagzeug schließlich doch noch wuchtig und der Frontmann ließ einen gewaltigen Schrei hören. Den anschließenden Jubel genoss er sichtlich und warf den Fans Kusshände zu.

Für den Schluss hatten die Briten ihren allerersten Song „In the Name of the Father“ ausgesucht, der mit reichlich Screams, harten Drums und treibenden Gitarrenriffs einiges an Metal-Energie zu bieten hatte. Der Sänger dirigierte die Menge mit Handgesten zu einem Pit und gab dann das Signal zur Eskalation. Die abschließende Dankesbekundung äußerte sich mangels Worten in Verbeugungen, dem hochreißen der Arme und weiteren Kusshänden für die enthusiastische Masse vor der Bühne.

Eine überzeugende Darbietung, die dem Rummel um die Maskierten durchaus gerecht wurde. Hervorragender Sound, stimmige Performance und wenn man doch etwas bemängeln möchte, dann, dass die Band ihre Stage-Time nicht vollständig ausgenutzt hat und durchaus noch Zeit gewesen wäre, etwa für das hymnische „Mercy“. So bleibt den Fans nunmehr die gespannte Vorfreude auf das für den 4. September 2026 angekündigte Debütalbum „Blood of Your Empire“.

Nach Social Distortion und in Konkurrenz zu The Offspring auf der Mainstage kümmerten sich Alter Bridge auf der Mandora um das Punk-Kontrastprogramm. Unüberbrückbare Differenzen hatten 2004 zur Auflösung der Erfolgsband Creed geführt, doch die Musiker um Ausnahmegitarrist Mark Tremonti blieben nicht lange arbeitslos. Mit Myles Kennedy, ehemals bei The Mayfield Four, holten sie sich kurzerhand einen neuen Sänger ins Boot und gründeten damit eine der beständigsten und einflussreichsten Hard-Rock-Bands der letzten zwei Jahrzehnte. Die Vollblutmusiker machen nicht viel Theater, überzeugen durch ihr musikalisches Talent und eine unbändige Spielfreude.

Der Platz war zwar nur locker, aber durchaus bis weit nach hinten gefüllt und Myles kam winkend mit einem Lächeln im Gesicht auf die Bühne. Der Fronter war mehr als gut gelaunt, grinste in einer Tour wie ein Honigkuchenpferd und genoss jede Sekunde der Show. Das übertrug sich vom ersten Moment an auch auf das Publikum und so wurde schon mitten im ersten Song kräftig gejubelt. „Silent Divide“ ist der Opener des Anfang des Jahres erschienen, selbstbetitelten Albums und kam schwer und düster mit unverkennbaren Grunge-Vibes daher.

„Good evening Rock am Ring. How are you doing?“, begrüßte der Frontmann die Leute schließlich offiziell vor „Cry of Acchilles“, zu dem es einen kleinen Circle Pit vor der Bühne gab. Das gefiel Kennedy sichtlich, er nahm die Brille ab, um sich das genauer anzusehen und kommentierte: „That’s beautiful!“. Es war deutlich zu spüren, wie viel Freude ihm die Reaktionen der Fans bereiteten. „I know there’s a lot of things you could be doing and you chose to come hang out with us for a few minutes“, bedankte er sich demütig, bevor er mit „Tested and Able“ einen weiteren neuen Titel vorstellte, den er gemeinsam mit Tremonti sang.

„Are you ready to ‚Rise Today‘?“, schmetterte er der Menge mehrfach entgegen, bis er die gewünschte Resonanz erhielt und dann bis in die hinteren Reihen lauthals mitgesungen und geklatscht wurde. Spätestens jetzt war das Publikum richtig in Fahrt. Beim extrem energiegeladenen „Metalingus“ ging der Sänger mit den Leuten in die Hocke und auf sein Zeichen hüpfte der ganze Platz. Vor lauter Freude musste Myles so lachen, dass er kurzzeitig das Singen unterbrach und der Masse „You guys are beautiful!“ zurief, was die am Ende wiederum mit inbrünstigen „Alter Bridge“-Rufen quittierte. Der Fanliebling „Blackbird“ und „Isolation“, einer der kommerziell größten Hits, rundeten das Set ab. „I don’t know what to say… you guys have been fucking incredible!“, äußerte sich der Fronter gerührt und die Zuschauer skandierten erneut „Alter Bridge!“.

Selten war es an diesem Wochenende so entspannt zugegangen: schönstes Wetter, ein herrlicher Abendhimmel, an dem irgendwann ein Heißluftballon vorüberzog und eine euphorische, aber gleichzeitig wunderbar gechillte Stimmung. Man hatte den Eindruck, dass Einige nur mal unverbindlich hatten vorbeischauen wollen, anstatt sich in die ersten Reihen zu drängen. Doch am Ende sind wohl die Meisten geblieben, betört von Myles Kennedys unfassbarer Aura und der großartigen Atmosphäre vor der Mandora.

 

Fragt man das Internet welches die bekannteste Metalband der Welt ist, fällt neben Metallica und Black Sabbath der Name Iron Maiden. Der ikonische Schriftzug und Maskottchen Eddie haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und die Combo hat seit Jahrzehnten Kultstatus. Die Urgesteine vereinen Generationen von Metalenthusiasten und so lockten sie als letzter Headliner auf der Mainstage am Sonntag Abend unzählige Fans und Interessierte vor die Utopia.

Was sie da ablieferten war mehr als ein Konzert, eine bildgewaltige Inszenierung, bei der sich jeder Song auch optisch in eine ganze Geschichte verwandelte. In immer wieder unterschiedlichen Kostümierungen führte Sänger Bruce Dickinson wie ein Erzähler durch das Set. Zusätzlich unterstützt wurde das Spektakel von Eddie, quasi dem sechsten Bandmitglied, der mal als drei Meter große Figur, mal auf der Leinwand ins Geschehen eingriff. Der 67-jährige Frontmann legte eine Energie an den Tag von der sich mancher Jungspund eine Scheibe abschneiden kann. Mit Zopf, Lederjacke und enger Jeans wirkte Dickinson trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch wie ein Rockstar und immer noch authentisch. Insgesamt sind die Briten auch nach fünf Jahrzehnten erkennbar mit Spaß bei der Sache und haben nichts von ihrer Spielfreude eingebüßt.

„What a great day. Unbelievable. Das Leben ist schön. Unglaublich.“, genoss der Fronter zwischendurch gerührt den Anblick der zehntausenden Menschen vor der Bühne. Die verwandelten sich wenig später in einen riesigen Chor als „The Number of the Beast“ mit heftiger Pyro den Ring erschütterte. „2 Minutes to Midnight“ ließ die Stage zum Kriegsschauplatz werden, mit einem schwer bewaffneten Eddie auf der Leinwand. Doch Dickinson nahm der Situation den Ernst, hob eine militärisch anmutende Trinkflasche in die Höhe und scherzte: „There is nothing interesting in this bottle. Fucking water, no beer, no Schnaps.“.

Stets aufwändig in Szene gesetzt, sorgte das epochale „Rime of the Ancient Mariner“ auch an diesem Abend für ein Highlight. Basierend auf dem gleichnamigen Gedicht von Samuel Taylor Coleridge aus dem Jahr 1798 erzählt der fast 14-minütige, sinfonieartige Song die Geschichte eines Seefahrers, der auf einer unheilvollen Reise einen Albatros abschießt und damit einen Fluch über sich bringt. Entsprechend sah man auf der Leinwand den großen Vogel kreisen, das gewaltige Schiff mit den tosenden Wellen kämpfen und schließlich die Besatzung in den Fluten versinken. Auf der Bühne irrte Dickinson derweil im zerfledderten Gewand umher, der Seemann, auf Ewig dazu verdammt seine Geschichte zu erzählen.

Mit der einsetzenden Dämmerung gewann die Performance noch weiter an Imposanz. Die Bühne strahlte regelrecht und vor dem dunklen Himmel wirkten Laser und Feuerfontänen noch beeindruckender. Als es schließlich finster genug war, ging auf der Leinwand ein riesiger Mond auf und es war Zeit für „Fear of the Dark“. Bruce durchschritt die Szenerie mit einer Laterne und wirkte wie ein Nachtwächter aus längst vergangenen Zeiten. Der unangefochtenen Live-Klassiker zählt zu den berühmtesten Metal-Songs überhaupt und so war es nicht verwunderlich, dass hier wirklich ALLE lauthals mitsangen. Für den positiven Abschluss sorgte dann „Wasted Years“, der dazu appelliert im Hier und Jetzt zu leben, sich nicht von der Vergangenheit lähmen zu lassen oder all seine Hoffnungen in die Zukunft zu setzen. „Have a great day, a great week, a great year, have a great fucking life – you deserve it! We’ll see you again.“, nahm der Frontmann sichtlich bewegt Abschied von der Menge.

Gut zwei Stunden Spielzeit hatte man den Engländern eingeräumt, mehr als jedem anderen Act an diesem Wochenende, und dem wurden sie durchaus gerecht. Sie ruhen sich keinesfalls auf ihrem Legenden-Status aus, sondern agieren immer noch mit einer Energie, Bühnenpräsenz und Leidenschaft über die man nur staunen kann. Und wenn man als Nicht-Fan mal einen genaueren Blick wagt, kommt hinter der düsteren Fassade und all dem überbordenden Pathos eine überraschend amüsante und positive Band zum Vorschein.

Während im Hintergrund noch Monty Pythons „Always look on the Bright Side of Life“ lief, verabschiedete sich der Ring von seinen Besuchern an der Utopia. „Danke für ein unvergessliches Festival! Ihr seid der Ring!“ war auf den Videowürfeln zu lesen. Aber wirklich Schluss war ja noch nicht, denn auf den beide kleineren Bühnen setzte sich das Spektakel noch fort.

Trotz der fortgeschrittenen Stunde hatten sich noch eine ganze Menge Leute vor der Mandora eingefunden, um den Helden des Power-Metal zu huldigen. Sabaton bringen ganz große Theatralik auf die Bühne, aber stets mit einem Augenzwinkern. Inhaltlich drehen sich ihre Songs um historische Ereignisse, militärische Konflikte und bekannte Persönlichkeiten, musikalisch verpackt ist das Ganze in energiegeladene Heavy-Metal-Hymnen, die klingen wie der Soundtrack eines Hollywoodblockbusters. Mit diesem Konzept haben sich die Schweden im Laufe der Jahre als feste Größe im europäischen Metal etabliert. Zu verdanken ist dies aber sicher auch der großen Fangemeinde, die die Combo regelrecht vergöttern. Das allerdings nicht grundlos, denn die Shows von Sabaton sind ein Kollektiverlebnis von Band und Zuschauern, bei denen Rituale gepflegt und sich zuprostend eine gemeinsame Party zelebriert wird.

19 Songs, überwiegend von den letzten Alben, hatten die Mannen um Sänger Joakim Brodén mitgebracht, dazu einen Live-Chor für den epischen Bombastsound und natürlich den obligatorischen Panzer! Das Set war ordnungsgemäß gespickt mit den großen Hits wie „Ghost Division“ (dem traditionellen Opener), „The Last Stand“, dem ikonischen „Primo Victoria“ und „Swedish Pagans“. Letzteren johlten die Fans wohl wissend schon bevor es losging und er führte über ein Mitsing-Battle der Gitarristen, zur Bandvorstellung und schließlich zu einem Ständchen für den Bassisten Pär Sundström, der genau wie bei Sabatons erstem Rock am Ring Auftritt Geburtstag hatte. „To Hell and Back“ beendete das Set mit Pyro und Feuerwerk und der Fronter verabschiedete die Fans mit „Thank you all and gute Nacht!“.

Gute Nacht hieß es anschließend wohl für die Allermeisten, wenngleich auf der Orbit Stage immer noch Programm war. Drei Tage Musik, Party und Euphorie fanden allmählich ihr Ende. Es gab Wiedersehen mit heißgeliebten Bands, die Entdeckung neuer Favoriten und die Erkenntnis, dass man manchmal in seiner Meinung bezüglich bestimmter Kapellen eines Besseren belehrt wird. Für Viele ist Rock am Ring mehr als nur ein Festival, es ist eine Art Heimkehr, ein langersehntes Treffen mit guten Freunden, eine kurze Auszeit vom Alltag oder vielleicht auch manchmal von der Realität. So verabschiedete man sich ein wenig wehmütig, zugleich beseelt, ob des Erlebten und mit Vorfreude auf das kommende Jahr. Der Letzte macht das Licht aus!

Aufgrund von Foto-Restriktionen war es uns leider nicht möglich, Bilder von President und Iron Maiden für Euch einzufangen.

Den kompletten Festivalbericht vom Freitag findet ihr hier:

ROCK AM RING 2026 – Nürburgring, Freitag (05.06.2026)

Den kompletten Festivalbericht vom Samstag findet ihr hier:

ROCK AM RING 2025 – Nürburgring, Samstag (07.06.2025)

Weblinks ROCK AM RING:

Webseite: www.rock-am-ring.com/en
Facebook: @rockamring
Instagram: @rockamringofficial


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