Lesedauer: 12 Minuten
Lesedauer: 12 MinutenVom 05.-07.06.2026 öffnete das Traditions-Festival Rock am Ring wieder seine Pforten und rund 90.000 Fans pilgerten gen Eifel, um der gepflegten Live-Unterhaltung zu huldigen. Nachdem im Jubiläumsjahr 2025 gar vier Bühnen aufgebaut wurden, verteilten sich die rund 80 Bands diesmal wieder auf drei Stages. Zudem gab es die Atmos-Area mit Sitzplätzen, Foodcourt, Tattoo-Gelegenheit, Bull-Riding und mehr. Damit man dort musikalisch beim Chillen nichts versäumte, wurde live von beiden Hauptbühnen übertragen. Und bereits am Donnerstagabend startete die Festival-Sause hier mit der Pre-Party.
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Die Wetteraussichten für das Wochenende waren mehr als wechselhaft und die Besucher mussten ihre Zelte am Donnerstag im strömenden Regen aufbauen. So erschienen dann am Freitag auch viele mit Regenponchos und Gummistiefeln ausgerüstet auf dem Gelände, um für das Schlimmste gewappnet zu sein. Doch so dramatisch wurde es gar nicht, denn abgesehen von kleineren Schauern blieb es das ganze Wochenende weitestgehend trocken und zeitweise gar sonnig.
Vielleicht war das auch dem Host Ingo von den Donots zu verdanken, der Besserung prophezeit hatte und von der Utopia Stage verkündete „Ich steh’ zu meinen Wort, die Sonne kommt raus!“ Damit fiel dann auch der Startschuss an der Hauptbühne, aus den riesigen Videowürfel-Türmen schossen Flammen und aus den Boxen dröhnte Rage Against The Machines ikonisches „Killing in the Name“.
Derweil hatten allerdings Loathe aus Liverpool auf der Mandora Stage den musikalischen Reigen bereits mit ihrer ganz persönlichen Mischung irgendwo zwischen Metalcore, Nu Metal, Melodic Hardcore und Alternative Metal eröffnet. Die Bühne hatte in diesem Jahr ein massives Upgrade erhalten und bot nun mehr Platz und bessere Sicht dank zweier riesiger Videowände links und rechts.
Es folgten We Came As Romans, die inzwischen über zwanzig Jahre Bandgeschichte vorzuweisen haben. Dabei war es nach dem Tod des Sängers Kyle Pavone, der 2018 an einer versehentlichen Überdosis starb, zunächst unklar, ob und wie es mit der Metalcore-Combo aus Michigan weitergeht. Schließlich übernahm Dave Stephens, bis dato für die Screams zuständig, auch den Klargesang.
„Bad Luck“ brachte schon zu Beginn Bewegung in die Menge und der Fronter stachelte die Fans ordentlich an: „It’s amazing to be with you… Did anyone come here to mosh and sing and have a good time?“ Eine klare Ansage gab es zu „Cold Like War“ – „You can sing with me or you can fucking circle pit. So if you’re not circle pittin‘ you better be singing. And if you’re not singing, you better be circle pittin“, forderte Stephens.
Emotional wurde es bei „Lost in the Moment“ den das Quintett seinem verstorbenen Sänger widmete, der genau an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte. Immer bestrebt eine positive Message zu senden, hatte Dave zu „No rest for the dreamer“ noch eine Motivationsansprache für die Fans, in der er von eignen Rückschläge, Fehlentscheidungen und Tragödien sprach, die es zu überwinden gilt und von denen man sich nicht definieren lassen soll. „Where did you go?“ komplettierte das Set und sorgte für zufriedene Gesichter bei den Besuchern.
Das Grunge auch 2026 noch funktioniert stellten Bush am Nachmittag auf der Utopia Stage unter Beweis, wo zuvor das Frankfurter Rap-Duo Mehnersmoos die Party-Stimmung angeheizt hatte. Ein ziemliches Kontrastprogramm, bei dem die Briten die Laune der Besucher aber mühelos oben hielten.
Mit einem massiven Drumsolo startete das Set, ein strahlender Gavin Rossdale kam auf die Bühne gerannt und ging mit dem Klassiker „Machinehead“ gleich in die Vollen. Nach dem körperlichen Einsatz entledigte er sich anschließend schon der ersten Klamotten und kam zu „The Land of Milk and Honey“ vom aktuellen Album auf den langen Steg, der ins Publikum reichte. Er tanzte ausgelassen, suchte die Nähe zu den Fans und man merkte, hier hatte jemand richtig Bock: „Incredible. You’re fucking awesome. Jesus Christ!“
So ließ er sich dann bei „Flowers on a Grave“ auch zu einem doch recht ausgedehnten Spaziergang in der Menge hinreißen, bei dem die Kamera kaum hinterherkam. Dabei legte er keinerlei Berührungsängste an den Tag, klatschte die Fans ab, ließ sich drücken, posierte für Selfies und wagte sich ziemlich weit nach hinten. So brachte er die Band ein wenig ins Schwitzen, die nach Ende des Songs die Zeit überbrücken musste, bis der Sänger auf der Bühne zurück war.
Dort stimmte er dann mit „Swallowed“ einen der größten Hits der Combo an. Allein mit Gitarre am Bühnenrand entzückte er die Fans mit einer ruhigen, verlangsamten Version des Titels bei dem die Band erst ganz zum Schluss einsetzte. Unter dem Jubel der Menge auf dem gut gefüllten Infield fasste Gavin seine sichtliche Begeisterung in Worte: „I’m so happy to be here…You never know what to expect, when there‘s so many fucking people. I think it’s the most beautiful thing. I‘ve ever seen, I swear!“
Zum Finale griffen Bush dann nochmal ganz tief in die Repertoire-Kiste und holten mit „Glycerine“ und „Comedown“ zwei Stücke ihres 1994er Debüt-Albums hervor. Der Frontmann hatte zuvor geäußert, dass es durchaus schwierig sei bei 10 Platten die passenden Songs für ein Festivalset auszusuchen, da man sich natürlich wünscht, das die Zuhörer alle Lieder kennen und mögen. Die Sorge, dass die alten Lieder nicht gut ankommen, erwies sich allerdings als unberechtigt und die Reaktionen vor der Bühne bewiesen, dass die Auswahl mehr als festivaltauglich war. So ließ der Auftritt Band und Publikum gleichermaßen happy zurück.
Am frühen Abend wurde es im Graben der Mandora Stage sehr geschäftig. Über Minuten sortierte sich die Security im Vorfeld des The Plot In You Gigs durch, wohl wissend was auf sie zukommen würde. Die Mannen um Sänger Landon Tewers haben sich mit ihrer experimentellen Mischung aus harten Sounds und emotionalen Melodien über die Jahre eine ordentliche Fanbase in der internationalen Metalcore- und Alternative-Szene aufgebaut.
Entsprechend voll wurde es vor der zweiten Bühne. Als der Sänger mit „Divide“ den ersten Song anstimmte, öffnete sich auch gleich der erste Pit. „Let’s kick this shit up, this is a brand new one“ begrüßte er die Fans und ging ohne Umschweife zur aktuellen Single „You Get One“ über. Während auf der Bühne das Set voranschritt, war das Personal im Graben mit der stetigen Flut an Crowdsurfern beschäftigt.
„First time that song has ever gotten a circle pit, I never thought I’d see that day“, amüsierte sich der Fronter beim eher ruhigeren „Closure“. Ein gelungener Wechsel aus brachialen Bangern und sanften Momenten prägte den Auftritt, wobei die ungewöhnliche und vielseitige Stimme Tewers bei emotionalen Songs wie „Enemy“ besonders zum Tragen kam.
„You all are psycho, I love it!“, freute sich Landon über die begeisterte Stimmung und die Action in der Crowd. Die gab beim letzten Song nochmal alles und sang lauthals mit, denn ihren viralen Hit „Feel Nothing“ hatten sich die Jungs aus Ohio bis zum Schluss aufgespart.
Als sich der erste Festivaltag allmählich seinem Höhepunkt näherte, wurde die Anziehungskraft von Linkin Park schon deutlich spürbar. Es hatte sich bereits eine beachtliche Menge an Fans vor der Utopia eingefunden. Doch erst mal ging es mit den Architects weiter.
Selbstbewusst und mit weit ausgebreiteten Armen schlenderte Sänger Sam Carter auf die Bühne und ließ sich nicht von der Tatsache verunsichern, dass viele schon auf den Headliner warteten und einige vermutlich keine Ahnung von der Metalcore-Combo aus Brighton hatten. Zunächst sanft schraubte sich „Elegy“ rasant in die Höhe und entlud den aufgebauten Druck in einem Schrei – laut, wild, kraftvoll. Diese Energie übertrug sich sofort ins Publikum, wo Kenner der Band direkt die ersten Pits starteten. „Alright motherfuckers, are we ready to party?“, heizte der Fronter die Besucher weiter an und mit „Whiplash“ ging es unvermindert wuchtig weiter. Sam hockte sich auf den Steg und forderte die Masse auf es ihm gleichzutun „I wanna make history, I wanna see the biggest fucking bounce the world has ever seen!“ Bis in die hintersten Reihen wurde gehüpft und aus tausende Kehlen schallte der Refrain „Is the world done fucking around“.
Die Band war bereits einige Male bei Rock am Ring zu Gast, aber in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Main Stage. Ein Platz, der ihnen nicht ohne Grund eingeräumt wurde, zählen sie derzeit doch zu den gefragtesten Live-Acts und prägendsten Einflüssen im modernen Metal. Carter fühlte sich sichtlich wohl auf der großen Bühne, kam aus dem Grinsen gar nicht mehr raus und lobte Rock am Ring als eines der besten Festivals der Welt. „As far as these motherfucking eyes can see, I see motherfucking bodies“ zeigte er sich beeindruckt von der riesigen Crowd und betonte, dass ohne die Fans alles sinnlos wäre.
Nach einer kleinen Verschnaufpause beim eher melancholischen „Broken Mirror“ war bei „Brain Dead“ dann wieder Vollgas angesagt. Unzählige Pits durchzogen die Menge und das Publikum wurde einmal gründlich durchgequirlt. Die Briten hatten die Masse erfolgreich im Griff und Sam konnte kaum glauben, dass er hier gerade bei der „Arbeit“ war. „Animals“ beendete einen gelungenen Auftritt, der musikalisch keine Wünsche offen ließ und nicht zuletzt wegen des euphorischen und überaus sympathischen Frontmanns in Erinnerung bleiben wird.
Auf der Mondora Stage ging es unterdessen deutlich getragener, aber nicht minder energetisch zu. Mit Within Temptation performte dort eine der Szenegrößen des Gothic- und Symphonic Metal. Sängerin Sharon den Adel betrat die Bühne wie üblich in einem Kleid mit weit schwingendem Rock in elegantem Weiß. Eine goldene Maske und ein Kopfschmuck der an die Freiheitsstatue erinnerte, komplettierten das Outfit. Fröhlich begrüßte sie das Publikum auf holländisch mit „Goedendag Rock am Ring“.
Songs wie „Faster“ und „Stand My Ground“ machten die Niederländer in den 2000ern weit über die Genre-Grenzen hinweg bekannt und kamen auch an diesem Festivaltag entsprechend gut an. Es wurde lauthals mitgesungen, gehüpft, die Hände zur Pommesgabel gereckt und die Musiker agierten auf der Bühne mit der gleichen Begeisterung wie die Fans davor. „If you wanna have paradise, we have to create one“ merkte die Frontfrau im Vorfeld zu „Paradise (What About US?)“ an und preiste das Festival als einen solchen magischen Ort, wo man unter Gleichgesinnten gemeinsam die Musik und das Leben genießt.
Zum Abschied entfaltete sich das epische „Mother Earth“ mit symphonischer Wucht und die einmalige Stimme von Sharon kam nochmal eindrucksvoll zur Geltung. Jubel brandete auf und das Set war wie im Flug vergangen. Ein Erinnerungsfoto wurde noch geschossen und bis zu einem Wiedersehen am Ring vergehen hoffentlich nicht wieder 21 Jahre.
Als Trivium den Reigen auf der Mandora fortsetzten, waren Einige bereits zur Main Stage abgewandert, denn dort starteten parallel Papa Roach ihren Auftritt. Nichtsdestotrotz war der Platz noch gut gefüllt, denn über die Jahre haben sich die US-Amerikaner eine treue Community aufgebaut.
1999 gegründet, können die Mannen um Fronter und Gitarrist Matt Heafy aus einem umfangreichen Repertoire schöpfen und hatte an diesem Tag zahlreiche ihrer beliebtesten Hits im Gepäck, darunter „Pull Harder on the Strings of Your Martyr“, „Down from the Sky“, „Until the World Goes Cold“ und „In Waves“.
Der Sänger ist inzwischen das einzige verbliebene Gründungsmitglied und prägt den Stil der Band durch sein rasantes Gitarrenspiel und den markanten Wechsel zwischen klarem Gesang und aggressiven Shouts/Growls. Die Mischung aus schnellen Thrash-Riffs, klassischen Heavy-Metal-Melodien und Metalcore-Elementen erfreute das Publikum und auch Heafy war sichtlich gut gelaunt. Er entließ die Menge mit der Aussicht auf Album Nummer 11 und eine entsprechende Tour im kommenden Jahr.
Gerappelt voll war es inzwischen vor der Utopia, als Papa Roach sich für ihren Auftritt scheinbar mit dem Hubschrauber einfliegen ließen, Teil einer aufwendigen Inszenierung zum Start ihres Sets war. Bekleidet mit einem zerfledderten Umhang und eine Art Kakerlakenkopf mit Gasmaske in die Luft reckend, wirkte Jacoby Shaddix wie der Protagonist eines Endzeit-Dramas als er die Bühne betrat. Und sofort ging es begleitet von Feuer und Nebel mit dem ersten Song „Even If It Kills Me“ los. Der Umhang fiel und enthüllte eine Nietenjacke mit „Roach 93“-Backprint.
Ende der 90er gehörte die Band zu den Pionieren des Nu-Metal und trug dazu bei die üblichen Genre-Grenzen zu sprengen und den Weg zu eben für all das, was den modernen Metal heute ausmacht. Gerade deshalb funktioniert ihre Musik generationsübergreifend und wirkt keinesfalls überholt.
„Let me see you put your hands up!“ forderte Shaddix bei „Getting Away With Murder“, während Bassist und Gitarrist auf dem Steg mit dem Klassiker loslegten, der vom Publikum lauthals mitgesungen wurde. Gleich darauf folgte der aktuelle Song „See U in hell“, aus der Netflix-Serie „Devil May Cry – Season 2″, der in Kollaboration mit Rapper Hanumankind entstanden ist. „We’re so absolutely blessed and grateful to be on this stage here with all of you amazing people. I appreciate it so much.“, freute sich der Fronter entsprechend über die allgemeine Euphorie vor der Bühne.
Während das Publikum ausdauernd „Papa Roach“ skandierte, wirkte Jacoby sichtlich bewegt. „I used to be a slave to drugs an alcohol“, erklärte er und betonte, dass er die Sucht dank seiner Freunde, Familie und der Fans überwunden hat. Es sei wichtig sich gegenseitig zu unterstützen, wenn man gerade eine schwere Zeit durchmacht, legte er der Menge ans Herz, bevor er „Scars“ anstimmte.
Nach einer Stippvisite des Don Broco Sängers Rob Damiani bei „Between Angels and Insects“ hatten die Kalifornier noch ein besonders Highlight vorbereitet. „Nu-Metal time machine“ flüsterte der Sänger ins Mikro und lud zu einer Reise in die Vergangenheit ein. „Korn was the first major label band that ever took us on the road. So I got nothing but love for Korn!“, berichtete er bevor er deren Song „Blind“ ansang. Dann rief er sofort wieder „Nu-Metal time machine“ und es folgten die ersten Zeilen von Deftones „My Own Summer (shove it)“. Die Besucher hatten das Konzept inzwischen verstanden und antworteten auf „Nu-Metal“ fortan inbrünstig mit „time machine“. Snippets von Limp Bizkits „Break Stuff“ und System of a Downs „Chop Suey“ heizten die Stimmung richtig an. Die Aktion bereitete der Band genauso viel Spaß wie den Fans und gipfelte in ihrem eignen Mega-Hit „Last Resort“, der wie aus einer Kehle übers ganze Gelände schallte, was Shaddix sehr gerührt zurückließ.
In der Umbaupause verkündete man mit Countdown und Feuerwerk Blink 182 als ersten Headliner für das nächste Jahr und dann stand der mit Spannung erwartete Auftritt von Linkin Park unmittelbar bevor. Man hatte inzwischen das Gefühl, dass nahezu alle Festivalbesucher vor der Main Stage standen, denn groß war die Neugierde auf die „neue“ Sängerin Emily Armstrong. Als wohl weltweit erfolgreichste Band der Nu-Metal/Alternative-Ära haben die US-Amerikaner eine riesige Fanbase und der einstige Sänger Chester Bennington wurde nicht erst mit seinem Suizid 2017 zur Ikone. Im Vorfeld wurden also große Erwartungen geschürt, zumal die Combo schon 2025 ganz oben auf der Wunschliste der Ringrocker gestanden hatte. Die Ankündigung für dieses Jahr brach dann auch alle Vorverkaufsrekorde.
Während auf der Leinwand ein Timer zurücklief, tönte aus den Boxen NSYNCs „Bye Bye Bye“ und dann war es endlich soweit. Ein riesiges Paket aus drei Songblöcken plus Zugaben hatte man für das Festival geschnürt und wie beim ersten Rock am Ring Auftritt vor 25 Jahren stand DJ Joe Hahn zunächst allein da. Den Eröffnungssong „With You“ hatten Linkin Park seit 2014 nicht mehr live gespielt und es folgte der Klassiker „Somewhere I Belong“. Mit „Up From The Bottom“ und „Emptiness Machine“ waren auch zwei der neuen Songs direkt zu Beginn an der Reihe. Trotzdem blieb die Performance zunächst sehr verhalten, war die Ehrfurcht vielleicht doch zu groß.
Unberechtigterweise, denn die Frontfrau macht ihre Aufgabe eigentlich gut und hatte auf der Tour bereits ganz anders agiert. Bei „The Catalyst“ wagte sie sich dann im pinken Konfetti-Regen doch auf den Steg vor und wurde allmählich lockerer. „Ich liebe euch! Ihr seid der Besten Deutschland“ rief sie dem Publikum nach „Burn It Down“ zu und wurde mit lauten „Emily!“-Rufen belohnt. Eine verkürzte Version von „Where’d You Go“, einem Song von Shinodas Side-Project Fort Minor, ging in „Waiting for the end“ über und bei „Two Faced“ kam dann auch der Frontmann nach vorn, versuchte das Publikum mit den Händen zu einer Wall of Death und Circle Pits zu animieren. Technische Probleme sowohl beim Ton als auch mit den Videowänden brachten das Set wieder ins Stocken. Zwischenzeitlich wurde es komplett dunkel und die Masse vertrieb sich die Zeit mit „Scheiß Tribüne!“-Rufen.
„One Step Closer“, „Breaking the Habit“; „What I’ve Done“ und „Numb“ brachten die Crowd aber schnell wieder auf Spur, denn diese Hymnen beherrschen nicht nur eingefleischte Fans und das konnte man deutlich hören. Mike Shinoda nutzte den Moment, um seine Dankbarkeit auszudrücken und hatte sich dafür extra eine kleine Botschaft auf deutsch notiert, die er vom Zettel ablas: „Danke, dass ihr all die Jahre bei uns wart. Wir lieben Deutschland und wir lieben euch alle“.
Zu „Heavy is the Crown“ kam Emily sogar runter an die Barrikade und überwand sich zu einer Mini-Runde Crowdsurfing. So langsam ging es dem Ende zu, aber natürlich nicht ohne „In the End“, dem unbestrittenen Klassiker und wohl erfolgreichsten Song der Band, den die Zuschauer aus voller Brust intonierten.
Zu guter Letzt verabschiedeten sich Linkin Park mit Flitter und Feuerwerk und Emily hatte ihre Feuerprobe überstanden. Alles in allem ein solider Auftritt, wenngleich die US-Amerikaner ein wenig vom Erwartungsdruck gehemmt wirkten und es so an Leichtigkeit und Ausgelassenheit fehlte.
Damit war aber noch nicht Schluss, denn mit Limp Bizkit standen die nächsten Nu-Metal-Giganten in den Startlöchern. Zuvor musste man sich aber erst mal einen Weg von der Main Stage zur zweiten Bühne bahnen, was sich als nicht ganz einfach erwies, denn in die Richtung wollten nun ALLE. Der Auftritt von Fred Durst und Konsorten war extra nach hinten verschoben worden, damit die Fans Linkin Park bis zum Schluss sehen konnten. Dies führte dann allerdings zu massivem Gedränge was manche Festivalbesucher im Nachgang als äußerst unangenehm beschrieben. Hier hätte man die Menschenströme wohl mehr leiten müssen.
An der Mandora angekommen verbreitete das Bühnenbild mit einem übergroßen Ghettoblaster und entsprechenden Kassetten sofort ein nostalgisches Flair und der Startschuss für den Abriss ließ nicht lange auf sich warten. An Limp Bizkit scheiden sich die Geister und Viele stoßen sich an der immensen Attitüde des Frontmanns. Dabei mangelt es ihm aber auch nicht an Witz und Selbstironie und eben jene, manchmal arrogant wirkende Haltung, ist es, die seine Bühnenpräsenz befeuert und die Shows der Band zu absoluten Partys macht.
So traten die Jungs auch an diesem Abend an, die Meute zum Kochen zu bringen und potentielle Müdigkeit ob der fortgeschrittenen Uhrzeit davonzufegen. Fred diesmal ohne Perücke im typischen Hoodie und Cap und Wes Borland wie immer extravagant in einem Kostüm in schwarz und gold, das wie eine Gladiatoren-Rüstung wirkte. Man machte es den Fans leicht in Stimmung zu kommen. Zwischen den einzelnen Songblöcken wurden 80er Hits angespielt, auf der Leinwand gab es lustige Botschaften, Memes und vor allem die Songtexte zum Mitsingen.
„Show me what you got“ war zum Auftakt Songtitel und Aufforderung an die Crowd zugleich und dieser kam man nur allzu gern nach. „You’re in for a treat“, wandte sich Durst gewohnt selbstbewusst an all jene, die die Band noch nie live gesehen hatten und trieb das Set mit Vollgas voran. „We came here to party like it’s 1999.“ hieß es und dank „Hot Dog“, „Break Stuff“ und „My Genaration“ brodelte es alsbald vor der Bühne. Zu einem „When Kayne West hears Limp Bizkit“-Meme witzelte Fred „I heard he was Germany’s favorite. He’s German, isn’t he?“ was zumindest Teile des Publikums sehr amüsierte.
„Thank you so much for spending this time with us right now“, dankte der Sänger den Fans und während auf der Leinwand „Please calm the fuck down“ zu lesen war, passierte musikalisch das genaue Gegenteil: „Rollin‘ (Air Raid Vehicle)“. Ungewohnt nachdenklich wurde der Fronter als er Richie Buxton von Ecca Vandal am Bass vorstellte. „We lost a great friend of ours and a band member that we love so very much and I know, his spirit’s here tonight“, beklagte er den Tod ihres kürzlich überraschend verstorbenen Bassisten Sam Rivers und es folgte „Re-Arranged“, für dessen Entstehung Rivers den maßgeblichen Anstoß gegeben hatte.
„Everybody happy?“ war auf der Leinwand zu lesen und Fred lockerte die Stimmung wieder auf: „Who’s tent am I sleeping in tonight?“. „All of the Papa Roach merch is free during this set“ verkündete er weiter und lockte damit Jacoby Shaddix für eine Stippvisite auf die Bühne. „We continue this karaoke-party“ hieß es schließlich und die Menge schwelgte bei „Behind Blue Eyes“ laut singend und schunkelnd in Glückseligkeit. Danach war es aber direkt wieder Zeit für Kontrastprogramm. „We might as well have some motherfucking fun“, stimmte der Sänger das Publikum auf „Nookie“ ein.
Auch die schönste Party kommt mal zu einem Ende und so spaßte Durst „we know it’s way past everyones bedtime“ als es auf die letzten Lieder zuging. Das George Michael Cover „Faith“, der Mega-Hit „Take A Look Around“ und zur großen Überraschung ein weiteres Mal „Break Stuff“ bildeten das Finale. „Two is better than one“ merkte der Sänger hierzu an und bekam bei der Performance Unterstützung von der Crossover-Band Slay Squad, die an diesem Tag die Orbit Stage eröffnet hatten.
Und dann war die Sause vorbei: „everybody get back to your tents savely“ gab der Frontmann den Fans noch mit auf den Weg und die meisten hatten ein breites Grinsen im Gesicht. Limp Bizkit haben es noch drauf und Fred ist charismatisch wie eh und je. Wenn Kritiker nun die längeren Pausen und kürzere Setlist bemängeln wollen, kann man nur antworten Qualität vor Quantität!
Aufgrund von Foto-Restriktionen war es uns leider nicht möglich, Bilder von Papa Roach und Linkin Park für Euch einzufangen.
Den kompletten Festivalbericht vom Samstag findet ihr hier:
Den kompletten Festivalbericht vom Samstag findet ihr hier:
Weblinks ROCK AM RING:
Homepage: Rock am Ring
Facebook: rockamring
Instagram: rockamringofficial
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