ROTTING CHRIST – The Heretics

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung:


8

Gesamtnote

8

Guten Tag, hÀtten Sie kurz Zeit mit uns wider den Herrn zu lÀstern?

Über 30 Jahre haben Rotting Christ nun schon auf dem Buckel. Genau gesagt 31 Jahre sind vergangen seit ihrem Demo Leprosy Of Death aus dem Jahr 1988. Sie können auf die Erfahrung von zwölf Studioalben, unzĂ€hlige EPs, Splits, Live-Alben, Einzelveröffentlichungen und Beteiligung an Compilations zurĂŒckblicken. Innerhalb dieser drei Dekaden ist es den Griechen immer wieder gelungen, mit den Genres zu spielen. Da ging eigentlich alles im Spannungsfeld des extremen DĂŒster-Metals: von minimalistischem Black Metal, ĂŒber Gothic Metal, Melodic Black Metal bis hin zu Grindcore. Trotzdem hatte man bei Rotting Christ nie den Eindruck, dass sie sich irgendwie verzetteln oder irgendeinem Zeitgeist anbiedern, denn ihre Alben klangen immer unverwechselbar nach ihnen selbst.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Sicherlich war und ist das auch immer dem symbiotischen Zusammenspiel der beiden BrĂŒder Sakis und Themis Tolis aus Gesang, Gitarre und exzellent akzentuierter Drumarbeit geschuldet. So entstehen immer wieder melodische Ideen und musikalischen AtmosphĂ€ren, fĂŒr die so manch Anderer die eigene Schwiegermutter verkaufen wĂŒrde. Und bevor sich das alles jetzt doch irgendwie wie so ein Nachruf anhört – denn das soll es ja nicht – versuche ich eine wenig elegante Überleitung in die Gegenwart. Allerdings, das sei noch hinzugefĂŒgt, gehören Rotting Christ definitiv zur Chef-Riege metallischer Teufelsanbeter und wenn man dergestalt  nun Album Nummer 13 vorlegt, wird man sich doch wohl mal kurz bilanzierend zurĂŒcklehnen dĂŒrfen, oder?

The Heretics wird vom Label Season Of Mist als Atmospheric Dark Metal eingeordnet. Vorbei also die Zeit des schweren bedrohlichen Black Metals, wie auf dem als Meisterwerk gefeierten VorgĂ€ngers Rituals (2016)? Scheint ganz so. Bereits auf dem Opener In The Name Of God geht es episch und Ă€ußerst eingĂ€ngig zu Werke. The Heretics besitzt alles, was man so benötigt, um hingebungsvoll und feierlich, ja sehr feierlich, dem Heiland zu lĂ€stern, sich gegen den institutionalisierten Glauben zu wenden und dem Geißgesichtigen oder heidnischen Göttern zu huldigen. Es gibt Chöre, mĂ€chtig viele Chöre, gesprochene Beschwörungsformeln in Latein und griechischer Sprache. Gesungen wird auch in fremden Zungen. Die Songs ĂŒberschlagen sich in epischem Pathos, wuchten sich zu dĂŒsteren, aber nicht zu dĂŒsteren Hymnen in schwindelerregende atmosphĂ€rische Höhen des Blasphemischen.

Die Produktion ist astrein. Und auch am Songwriting ist nichts auszusetzen, obwohl einige StĂŒcke gut und gerne miteinander ausgetauscht werden könnten. In The Name Of God hört sich frappierend wie Vetry Zlye an, wĂ€ren da nicht die weiblichen Vocals von Irina Zybina. Auch Heaven And Hell And Fire klingt recht Ă€hnlich. Umso mehr freut man sich ĂŒber musikalische Ausreißer wie Dies Irae und The Raven, bei dem charismatisch intoniert das gleichnamige Gedicht von Altmeister Edgar Allen Poe sehr stimmig seinen Platz gefunden hat. Aber auch das ist irgendwie nicht neu und irgendwie nicht der ganz große kreative Wurf.

Rotting Christ scheinen sich auf The Heretics auf sich selbst verlassen zu haben, auf ihre musikalische Erfahrung, die sie zweifelsohne besitzen. Auch thematisch beackern sie ein Feld, auf dem schon immer etwas gewachsen ist und auch immer noch etwas zu wachsen scheint. Das haben schließlich unlĂ€ngst auch wieder Behemoth mit ihrem letzten Album I Loved You At Your Darkest bewiesen. Und obwohl Rotting Christ auf ihrem Album diese gotteslĂ€sterlichen PflĂ€nzchen deutlich wĂŒrdevoller und weniger anbiedernd kultivieren, darf man ihnen auf The Heretics ein LiebĂ€ugeln mit dem leicht gangbaren vorwerfen. Ja, nun gut. Und nun kommen wir zu der alles entscheidenden Frage: Nervt mich das? Ich muss sagen: Nein, irgendwie ĂŒberhaupt nicht. Denn The Heretics hat mir richtig Spaß gemacht. Selten wurde Gott so reich, so pathetisch, so episch und damit auch so gefĂ€hrlich nahe, aber eben auch nur nahe, am Kitsch gelĂ€stert.

The Heretics ist in unterschiedlichen Formaten am 15. Februar bei Season Of Mist erschienen.

Anspieltipps: Dies Irae, The Raven, Heaven And Hell And Fire

Rotting Christ – Heaven and Hell and Fire (Official Lyric Video)

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Tracklist ROTTING CHRIST – The Heretics:

1. In The Name Of God
2. Vetry Zlye (????? ????)
3. Heaven And Hell And Fire
4. Hallowed Be Thy name
5. Dies Irae
6. I believe (??S???O)
7. Fire God And Fear
8. The Voice Of The Universe
9. The New Messiah
10. The Raven

Weblinks ROTTING CHRIST:

Official: https://www.rotting-christ.com/en
Facebook: https://www.facebook.com/Rotting-Christ-290468585669/

Geschrieben von
Mehr von Katja Spanier

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