Siamese – Dissolution

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Lesedauer: 18 Minuten
Unsere Wertung
9 / 10

Manche Alben entwickeln eine Anziehungskraft, die mit jedem Hören größer wird. Genau so erging es mir mit „Dissolution“ von Siamese. Bereits am 26. Juni 2026, pünktlich zum offiziellen Release um Mitternacht, drehte das Album seine erste Runde – und seitdem ist es zu einem treuen Begleiter geworden. Mittlerweile ist sogar die Vinyl-Edition bei mir eingezogen und irgendwann wurde mir bewusst: Dieses Album verdient wahre Aufmerksamkeit! Also lasst uns gemeinsam tiefer unter die Oberfläche blicken und herausfinden, was dieses Werk so besonders macht.

🔊 Lass Dir den Beitrag vorlesen (KI-Stimme):

Das Timing hätte für Siamese kaum herausfordernder sein können. Mit dem Ausstieg von Andreas Krüger verlor die Band im Mai 2025 nicht nur ihren Gitarristen, sondern auch den prägenden Songwriter und kreativen Motor der vergangenen Jahre. Plötzlich stand die Band vor einer Frage, an der schon viele Projekte gescheitert sind: Wie geht es weiter, wenn eine der wichtigsten kreativen Säulen wegbricht?

Aufzugeben war jedoch keine Option. Stattdessen entschieden sich die Dänen bewusst für einen Neuanfang. Gemeinsam mit einem kleinen Kreis vertrauter Co-Autoren fand die Band zu einer neuen Arbeitsweise. Während Musik und Produktion federführend zusammen mit Mads Zelasny (Cold Culture) und Zachary Baker entstanden, schrieb Mirza Radonjica sämtliche Texte selbst. Das Ergebnis ist „Dissolution“ – ein Album, das bemerkenswert instinktiv wirkt.

Während die Vorgänger „Home“ und „Elements“ universellere Themen behandelten, richtet Mirza den Blick diesmal konsequent nach innen. Im Mittelpunkt steht die komplizierte Beziehung zu seinem inzwischen verstorbenen Vater – geprägt von Alkoholismus, häuslicher Gewalt und der widersprüchlichen Erfahrung, einen Menschen trotz allem zu lieben.  Diese persönliche Auseinandersetzung macht „Dissolution“ zum bislang intimsten Album der Band und bildet das emotionale Fundament für alles, was folgt.

Schon das Cover wirkt dabei wie eine visuelle Vorahnung dieser inneren Reise. Die organischen, beinahe körperhaften Formen lösen sich zu fragmentierten Strukturen auf, während angedeutete Kreise an Zyklen erinnern, in denen man sich immer wieder bewegt. Hände, Gesichtsausschnitte oder Körperpartien scheinen nur bruchstückhaft hervorzutreten, ohne je vollständig greifbar zu werden. Genau darin spiegelt sich die emotionale Welt von „Dissolution“: Erinnerungen, Schuld, Schmerz und Selbstbilder geraten in Bewegung, verschwimmen und lösen sich langsam voneinander.

Siamese haben ihren Sound deutlich weiterentwickelt. „Dissolution“ präsentiert sich härter, direkter und stellenweise aggressiver als seine Vorgänger. Tief gestimmte Gitarren, markante Breakdowns und variantenreiche Screams prägen das Klangbild, ohne dass die Band ihre größte Stärke aus den Augen verliert: das Gespür für große Melodien und emotionale Refrains. Elektronische Elemente und atmosphärische Passagen bleiben fester Bestandteil des Sounds und sorgen dafür, dass die Songs trotz ihrer Schwere erstaunlich zugänglich wirken.

Doch „Dissolution“ ist weit mehr als die Aufarbeitung einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung. Mirza richtet den Blick ebenso kompromisslos auf sich selbst. Anstatt sich hinter Schuldzuweisungen zu verstecken, spricht er offen über eigene Fehlentscheidungen, Drogen- und Alkoholkonsum sowie Untreue. Gerade diese schonungslose Ehrlichkeit verleiht den Texten eine bemerkenswerte Authentizität.

Lasst uns eintauchen: „Dark“ eröffnet „Dissolution“ mit einer trügerischen Sanftheit. Elektronische Klänge legen sich vorsichtig unter Mirzas Stimme, die zunächst fast schwebend wirkt – als würde der Song genau jenes Gefühl nachzeichnen, das Alkohol in einem Moment der Überforderung vermitteln kann: Leichtigkeit, Wärme, ein kurzes Schweben über allem, was eigentlich nach unten zieht. Vor dem Hintergrund von Mirzas Aussage, dass Alkohol für ihn zeitweise zu einem vermeintlichen Freund wurde, erhält diese Atmosphäre eine bittere Klarheit. Die Dunkelheit, von der der Song spricht, wirkt nicht bedrohlich im klassischen Sinne, sondern verführerisch. Sie säuselt ein, verspricht Ruhe und zieht doch immer weiter hinein.

Wenn Saiteninstrumente und Drums einsetzen, öffnet sich „Dark“ zu einem kraftvollen, sphärischen Refrain. Die Hingabe, die dort beschrieben wird, ist freiwillig – und gerade deshalb so beklemmend. Der Song erzählt nicht von einem abrupten Absturz, sondern von einem bewussten Nachgeben gegenüber etwas, das sich im ersten Moment wie Rettung anfühlt. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch den gesamten Track: Klarheit und Kontrollverlust, Trost und Selbstzerstörung, Schweben und Ertrinken liegen hier erschreckend nah beieinander.

Besonders eindringlich wird „Dark“, wenn Mirzas Gesang in der zweiten Strophe gehetzter wirkt, beinahe unter Druck gesetzt, während die sanfteren Passagen weiterhin diese verführerische Wärme behalten. Später kippt der Song in einen Moment größerer Verzweiflung: Gelayerte Stimmen lassen die innere Zerrissenheit greifbar werden, ehe ein biestiger Ausbruch die aufgestaute Dunkelheit nach außen kehrt. Zum Ende hin löst sich die Spannung nicht vollständig auf. Die Streicher im Ausklang geben dem Track vielmehr etwas Schwebendes, fast Traumartiges zurück – als bliebe man in diesem Ozean aus Nacht, Sehnsucht und Betäubung zurück.

Auch der dazugehörige Visualizer greift diese Auflösung auf. Die vier Musiker erscheinen mit freien Oberkörpern im Kopf- und Schulterbereich, werden in einem Vierer-Raster ein- und ausgeblendet und verschwimmen nahezu ineinander. Dadurch entsteht eine fragmentierte Ästhetik, die an das Cover von „Dissolution“ erinnert: Körper, Gesichter und Konturen verlieren ihre Eindeutigkeit. Passender könnte ein Bild für „Dark“ kaum sein – ein Song, der zeigt, wie sich Schmerz, Trost und Selbstverlust ineinander auflösen können.

Siamese - dark (Official Visualizer)

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Mit „Drown“ folgt jener Song, mit dem Siamese den Zyklus zu „Dissolution“ eröffneten. Bereits die erste Single grub sich tief in das hinein, was das Album später immer wieder verhandeln sollte: Selbstentfremdung, Reue und den Wunsch, den Schmerz nicht länger zu überdecken, sondern sich ihm auszusetzen. Beginnt „Dark“ noch mit der verführerischen Dunkelheit, die Trost verspricht, zeigt „Drown“, was geschieht, wenn man zu lange in ihr verweilt. Der Blick richtet sich nach innen. Im Spiegel steht einem plötzlich ein Fremder gegenüber, gezeichnet von verschwendeter Zeit, unausgesprochenen Fehlern und all den Rissen, die sich nicht mehr überdecken lassen. Besonders zentral wirkt dabei die Zeile „Now I’m drowning in the ashes I create“. Sie macht deutlich, dass es hier nicht nur um das geht, was andere hinterlassen haben. Das lyrische Ich ertrinkt auch in den Trümmern, die es selbst miterschaffen hat.

Musikalisch übersetzt „Drown“ diesen inneren Konflikt in ein Wechselspiel aus kontrollierter Zerbrechlichkeit und brachialen Ausbrüchen. Zu Beginn liegt eine fast tastende Spannung über dem Song: elektronische Elemente flirren im Hintergrund, Mirzas Stimme bleibt zurückgenommen, als würde sie sich erst vorsichtig an die eigene Wahrheit herantasten. Doch immer wieder brechen schwere Gitarren und druckvolle Passagen durch die Oberfläche. Im hymnischen Refrain entlädt sich die emotionale Wucht, ohne die Schwere zu lösen. Im letzten Drittel zieht sich die Schlinge noch enger – die Atmosphäre verdichtet sich, die Spannung wächst, bis Mirza in heftige Screams ausbricht und „Drown“ in einem dramatischen Finale kulminiert.

Auch die religiös aufgeladenen Bilder – vom falschen Messias bis zum „plastic prophet“ – verstärken dieses Gefühl einer verlorenen Erlösung. Figuren, die Hoffnung versprechen, hinterlassen am Ende keinen Halt, sondern eine bleierne Schwere. Was bleibt, ist eine Leere, in der das lyrische Ich versucht, Brüche zu reparieren, während unter der Oberfläche längst neue entstanden sind. Mirza beschrieb „Drown“ als nach innen gerichtete Wut – als den bewussten Gang an die Stelle, an der es wehtut. Genau darin liegt die Kraft des Songs: Das Ertrinken erscheint nicht nur als Kontrollverlust, sondern als radikale Konfrontation mit sich selbst.

Das Musikvideo vertieft diese Ebene noch einmal. Der Abstieg in unterirdische, überflutete Räume, das kindliche Alter Ego und die geheimnisvolle Frau im weißen Gewand machen aus „Drown“ eine visuelle Reise in verdrängte Erinnerungen. Als der Junge schließlich unter Wasser gezogen wird und sich zurück an die Oberfläche kämpft, wird das zentrale Bild des Songs körperlich erfahrbar. „Drown“ markierte damit mehr als eine starke erste Single. Es ist einer der Schlüssel zu „Dissolution“ – ein Song über den Moment, in dem Flucht nicht mehr funktioniert und die Konfrontation unausweichlich wird.

Siamese - drown (Official Music Video)

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Mit „Sense“ reißen Siamese den Blick aus dem Inneren heraus und richten ihn auf eine Welt, die unbequeme Stimmen lieber glättet, filtert oder ganz verstummen lässt. Der Song prescht ohne Vorwarnung los, hart, direkt und mit einer Wut, die sich nicht langsam aufbaut, sondern sofort im Raum steht. Schon der sprechgesangartige Einstieg wirkt bewusst fremd und kantig – wie eine atemlose Aufzählung gesellschaftlicher Mechanismen: politisch, kriminell, sichtbar, liminal. Begriffe, die nicht erklärt, sondern wie Anklagepunkte in den Raum geschleudert werden. Im Pre-Chorus kippt diese angestaute Spannung ins Erboste. Mirza schreit die Worte mit einer Dringlichkeit heraus, die an die kompromisslose Direktheit eines Sam Carter erinnert. „Sense“ spricht für die Blacklisted, die Mundtotgemachten, die von Bühnen Verbannten und all jene, deren Schmerz offenbar erst dann akzeptiert wird, wenn er weichgezeichnet wurde. Genau hier liegt die Schärfe des Songs: Er stellt die Frage, warum Wahrheit nur erträglich scheint, wenn man sie hübsch verpackt.

Besonders hart wird diese Kritik in der zweiten Strophe. „Should I just sing my songs so they’ll let me through“ klingt nicht nach Unsicherheit, sondern nach bitterem Sarkasmus. Zeilen über Autotune, Blut auf dem Bildschirm und einer sauberen, hübschen Oberfläche treffen damit einen wunden Punkt: Echtes Leid wird oft erst dann konsumierbar, wenn man es ästhetisch entschärft. Trauer soll nicht zu roh sein, Wut nicht zu laut, politische Realität nicht zu störend. „Sense“ verweigert genau diese Glättung. Der Song bleibt unbequem, kantig und bewusst ungeschönt. Das wiederkehrende „We bleed in stereo“ verdichtet diese Idee zu einem starken Bild. Dieser Schmerz ist nicht vereinzelt. Er kommt aus allen Richtungen, ist laut, mehrstimmig und global. Gleichzeitig verbindet die Zeile das Politische mit dem Musikalischen: Als würden all diese Stimmen gemeinsam aus den Boxen drängen und sich weigern, länger ignoriert zu werden. Genau deshalb wirkt der Refrain trotz seiner Eingängigkeit nicht versöhnlich, sondern wie ein kollektiver Aufschrei.

Musikalisch bleibt der Song trotz aller Wut unverkennbar Siamese. Der Refrain öffnet sich groß, druckvoll und eingängig. Später bringt das wiederholte „Hey“ samt weltumspannendem Call-and-Response kurz eine fast nu-metallische Energie ins Spiel, die dezente Limp-Bizkit-Vibes versprüht, bevor der Song erneut in den schnellen, atemlosen Wortschwall übergeht. Am Ende steht kein sauberer Abschluss, sondern ein verzweifeltes „Fuck!“ – als letzte Reaktion auf eine Realität, die sich offenbar nicht mehr sinnvoll erklären lässt.

Siamese - Sense (Official Music Video)

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Wer „Dissolution“ digital hört, bekommt bereits ein starkes Album. Die physischen Editionen haben aber bewusst mehr zu bieten. Mit „Alone“ und „Nevermore“ platzieren Siamese zwei zusätzliche Songs ausschließlich auf CD und Vinyl – ein cleverer Schachzug, der sich als weit mehr als ein bloßer Sammleranreiz entpuppt. Denn hier warten keine klassischen Bonusbeigaben, sondern zwei Stücke, die mit ihrer Substanz und emotionalen Wucht die reguläre Tracklist komplettieren. Wer „Dissolution“ ausschließlich streamt, bekommt ein starkes Werk – aber eben nicht die vollständige Geschichte.

„Alone“ entfaltet seine Wirkung unmittelbar, bleibt dabei aber zunächst bewusst reduziert. Elektronische Elemente legen eine fragile Grundlage, während Mirzas Stimme zurückblickend wirkt, leicht verhallt und beinahe so, als würde sie aus einiger Entfernung auf eine Verbindung schauen, deren Dynamik längst zu viel Kraft gekostet hat. Einzelne Zeilen wirken fast wie ein innerer Dialog – als würden verschiedene Seiten des lyrischen Ichs miteinander sprechen, erklären, warnen und doch nicht vollständig voneinander loskommen. Das Stück bewegt sich in einem Zwischenraum aus enttäuschter Nähe, körperlicher Anziehung und emotionaler Erschöpfung. Wenn Mirza singt, dass diese Person sich nie wie einer seiner Freunde angefühlt habe, während diese Form von Liebe eher wie ein Strick wirkt, entsteht das Bild einer Verbindung, die nicht trägt, sondern einschnürt. „Alone“ erzählt damit nicht von Einsamkeit als Zustand, sondern von Alleinsein als bewusster Entscheidung. Lieber allein weitergehen, als erneut in alte Spiele, gebrochene Versprechen und emotionale Abhängigkeiten zurückzufallen.

Musikalisch verbindet der Song verspielte elektronische Elemente mit jener Härte, die „Dissolution“ prägt. Der Refrain öffnet sich groß und melodisch, stellenweise mit einer Gesangsführung, die an die Handschrift von Mads Zelasny erinnert, ohne dabei den Siamese-Kern zu verlieren. Besonders in den erbosten Passagen gegen Ende zieht der Song noch einmal deutlich an: Aus Rückblick wird Aufbegehren, aus Verletzung wird Abgrenzung. Genau dadurch wirkt „Alone“ nicht wie ein Anhängsel, sondern wie ein weiterer zentraler Baustein dieses Albums – Metalcore mit Melodie, Wut und emotionaler Konsequenz.

„Friends“ öffnet sich wie ein Song, den man sofort auf der Bühne vor sich sieht. Schon der Einstieg trägt etwas Gemeinschaftliches in sich – man hat direkt mitklatschende Fans vor Augen, Hände in der Luft, diesen einen Moment, in dem Schmerz nicht verschwindet, aber gemeinsam getragen wird. Der Song ist straighter angelegt, sehr klar produziert und dennoch emotional aufgeladen. Inhaltlich blickt „Friends“ auf den langen Weg einer Band zurück: auf Träume, die schwerer wogen als erwartet, auf verpassten Ruhm, verlorenen Glauben und all das, was man unterwegs zurückgelassen hat. Doch statt daraus eine bittere Abrechnung zu machen, findet der Song Frieden in genau diesem Kampf. Wenn Mirza singt, dass Schmerz sich wie ein Freund anfühlt, klingt das nicht nach Romantisierung, sondern nach einer Erfahrung, die über Jahre vertraut geworden ist.

Besonders stark ist der Moment, in dem „Friends“ plötzlich Raum bekommt. Eine schwebende Gitarrenmelodie, eine harfenartige Synth-Figur und Mirzas aus der Ferne einsetzende Stimme erzeugen eine fast entrückte, leicht orientalisch anmutende Atmosphäre. Als die Instrumente wieder durchschlagend einsetzen, wirkt das weniger wie ein klassischer Höhepunkt als wie ein kollektives Aufrichten. Am Ende bleibt nur noch die Musik – als müsste nicht mehr alles ausgesprochen werden, weil das Gefühl längst verstanden ist.

Siamese, © Alexander Christensen

„Sinner“ gehört zu den verletzlichsten Momenten des Albums – nicht, weil der Song um Mitleid bittet, sondern weil er sich konsequent auf die Seite der eigenen Schuld stellt. Laut Mirza handelt der Track von Untreue und dem Versuch, mit Drogen zu entfliehen. Damit richtet sich der Blick nicht länger auf das, was ihm widerfahren ist, sondern auf das, was er selbst angerichtet hat. Grenzen wurden überschritten, Versprechen gebrochen,  und Vertrauen beschädigt.

Schon der Beginn macht diese Schwere spürbar. Ein dumpfer, herzschlagartiger Puls eröffnet den Song und bleibt auch später immer wieder wahrnehmbar. Er wirkt wie das körperliche Fundament einer Beichte, die nicht aus sicherer Distanz erzählt wird, sondern direkt aus dem Innersten kommt. Während der Sänger zwischen Reue, Schuld und der Angst vor endgültigem Verlust schwankt, läuft dieser Puls weiter – als würde unter all dem noch etwas schlagen, das nicht aufgegeben hat.

Zunächst startet „Sinner“ erstaunlich sanft. Mirzas Stimme klingt liebevoll, während er die Bedeutung der anderen Person betont. Doch mit dem Refrain bricht die innere Spannung nach außen. Screams und hoch gezogene, klagende Gesangslinien wechseln sich ab, während der Song immer stärker zwischen Selbstanklage und Verzweiflung pendelt. Es geht nicht um eine einfache Bitte um Vergebung, sondern um die Erkenntnis, dass die eigenen Entscheidungen Spuren hinterlassen haben, die sich nicht einfach zurücknehmen lassen. Besonders deutlich wird das in den Bildern von Substanzen, Betäubung und dem Wunsch, entweder irgendetwas oder gar nichts mehr zu fühlen. Der Konsum erscheint hier nicht nur als Selbstzerstörung, sondern als etwas, das zwangsläufig auch andere beschädigt.

In der Bridge öffnet sich der Song für einen Moment der Hoffnung. Wenn Mirza leidend darum bittet, nicht verlassen zu werden, klingt das sehnsuchtsvoll und beinahe flehend. Gleichzeitig bleibt diese Bitte ambivalent: Er übernimmt Verantwortung, sucht aber ausgerechnet bei der Person Halt, die er verletzt hat. Das macht „Sinner“ so schmerzhaft ehrlich. Der Song entschuldigt nichts, sondern zeigt, wie kompliziert Schuld sein kann, wenn Liebe, Abhängigkeit, Scham und Rettungswunsch ineinander greifen.

Der bitterste Gedanke folgt am Schluss. Die letzte Strophe führt „Sinner“ zurück zu harschen Selbstvorwürfen, zu Reue und dem Versuch, das eigene Versagen nicht länger zu beschönigen. Mirza beschreibt eine Form von Selbstbetäubung, die offenbar auch als Schutz gedacht war: Er ertränkte seine Sinne, damit die andere Person nicht sehen musste, wie sehr er innerlich zerbricht. Doch genau darin liegt die tragische Selbsttäuschung. Was wie ein Versuch wirkt, den eigenen Schmerz zu verbergen, erzeugt neuen Schmerz bei jemand anderem. Wenn das abschließende „bleed“ langgezogen herausbricht, klingt es deshalb wie der Punkt, an dem die Beichte nicht mehr nur gesprochen, sondern körperlich herausgeschrien wird. „Sinner“ endet nicht in Erlösung, sondern in einer unbequemen Wahrheit: Manchmal verletzt man Menschen nicht nur durch das eigene handeln, sondern auch durch das, was man vor ihnen zu verbergen versucht.

Siamese, © Michael Gamon

Als Titeltrack fasst „Dissolution“ das zentrale Bild des Albums noch einmal auf eine andere Weise zusammen. Der Song erzählt von einer Verbindung, die nicht abrupt zerbricht, sondern langsam in Rauschen, Leere und unausgesprochenen Wahrheiten verschwindet. Bilder von „white noise“, „static“ und leeren Räumen machen deutlich, dass hier keine klare Kommunikation mehr stattfindet. Stattdessen bleibt ein emotionales Nachhallen zurück – Gedanken, die den Raum füllen, obwohl die andere Person längst zu entgleiten scheint.

Musikalisch geht der Track überraschend unmittelbar nach vorne. Kleine, klangspielartige Elemente geben ihm eine helle, beinahe fragile Note, während rohe Ausbrüche oder Screams diesmal ausbleiben. Gerade dieser Kontrast zur Schwere des Textes macht den Titeltrack so reizvoll. Stattdessen tragen Siamese den Schmerz über einen hymnischen Refrain, der bittend beginnt und sich zunehmend zur Erkenntnis verdichtet. Wenn Mirza fragt, ob diese Liebe ihre Auflösung ist, klingt das noch suchend, fast flehend. Das spätere „Your love is dissolution“ wirkt dagegen deutlich klarer – als hätte sich die Frage längst in eine bittere Wahrheit verwandelt.

„Dissolution“ dramatisiert den Verlust nicht über Härte, sondern über Eingängigkeit. Der Refrain bleibt im Kopf, obwohl er von etwas erzählt, das sich auflöst. Besonders Zeilen wie „I gave you all of me“ und „You burned it beautifully“ tragen diesen Widerspruch in sich: Hingabe und Zerstörung, Schmerz und Schönheit, Liebe und ihr Zerfall liegen untrennbar nebeneinander. So wird „Dissolution“ zum passenden Titeltrack: kein härtester, aber einer der prägnantesten Songs des Albums. Er zeigt, dass Auflösung nicht zwingend laut oder eruptiv sein muss. Ihre eigentliche Schwere liegt hier im schleichenden Prozess – in einer Entfremdung, die sich immer weiter ausbreitet, bis aus Liebe langsam Zerfall wird.

Siamese, © Michael Gamon

„Patterns“ war für mich Liebe auf den ersten Spin – einer dieser Songs, die sofort zünden und mit jedem weiteren Durchlauf nur noch stärker werden. Zunächst klingt Mirza reumütig, während die gelayerte Stimme bereits andeutet, dass hier mehrere innere Ebenen gleichzeitig sprechen. Dann setzt der Beat ein und der Song entwickelt eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Spätestens im Refrain wird „Patterns“ wuchtig, elektronisch und zugleich erstaunlich emotional – ein Moment, bei dem man die Augen schließen und den Song vollständig in sich aufnehmen möchte.

Inhaltlich greift „Patterns“ eines der zentralen Motive von „Dissolution“ auf: wiederkehrende Kreisläufe. Was auf dem Cover bereits in angedeuteten Kreisen sichtbar wird, findet hier seine direkte textliche Entsprechung. Mirza beschreibt nicht nur einzelne Fehler, sondern Muster, die sich immer wiederholen – „again and again“. Besonders stark ist dabei das Bild vom Muster im Kopf, das nicht zum Muster im Herzen passt. Der Kopf folgt alten Mechanismen wie Angst, Rückzug oder Selbstschutz. Das Herz will etwas anderes: Nähe, Veränderung, vielleicht Wiedergutmachung. Doch genau diese beiden inneren Bewegungen finden nicht zueinander.

Musikalisch tragen Siamese diesen Konflikt mit beeindruckender Vielschichtigkeit. Der Refrain besitzt eine elektronische Wucht, die stellenweise an die emotionale Schwere von der Dark Wave Band Diary of Dreams erinnert, ohne dabei den modernen Siamese-Sound zu verlassen. Ab der Mitte verdichtet sich der Track weiter, Metalelemente flammen kurz auf und erzeugen Momente, die in ihrer Atmosphäre kurz gedanklich an Sleep Token in den Sinn kommen lassen. „Patterns“ wird von einer tanzbaren Energie getragen, die sofort mitreißt und den inneren Kreislauf beinahe körperlich erfahrbar macht. Auch Mirzas Gesang trägt entscheidend dazu bei. Wenn er einzelne Worte wie „heart“ oder „try“ vokal aufbricht, entsteht mehr als ein melodisches Detail: Die Zerrissenheit zwischen Kopf und Herz wird nicht nur beschrieben, sondern erlebbar gemacht.

Innerhalb von „Dissolution“ zeigt der Song eine weitere Facette von Siamese: dunkel, elektronisch, unüberhörbar tanzbar und doch tief im emotionalen Kern des Albums verwurzelt. Dass „Patterns“ bislang keine Single ist, überrascht fast – denn kaum ein anderer Track verbindet Eingängigkeit, Tiefe und Wiedererkennungswert so unmittelbar. Zudem ertappe ich mich regelmäßig dabei, hier zwischendurch auf Repeat zu drücken.

Siamese, © Michael Gamon

Während „Alone“ den Entschluss beschreibt, sich aus einer zerstörerischen Verbindung zu lösen, klingt der zweite Bonus Track „Nevermore“ wie der Moment danach. Die Illusion ist verschwunden, übrig bleibt Klarheit – und der Blick auf eine Person, die nicht mehr als verletzlich, sondern als manipulativ, kalt und konfliktsüchtig wahrgenommen wird. Der Song setzt sofort konfrontativ ein, elektronisch unterlegt und von unterschiedlichen Stimmvarianten durchzogen, die den distanzierten Ton zusätzlich schärfen.

Im Zentrum steht eine bittere Frage: War das je Liebe – oder ging es immer nur um den nächsten Krieg? Worte werden in „Nevermore“ zu Waffen, Schuld zur Pose, Nähe zur Bühne für ein Drama, das die andere Person selbst inszeniert. Besonders stark ist das Bild, zur „favorite tragedy“ und damit Teil einer fremden Mythologie geworden zu sein. Das lyrische Ich fühlt sich nicht mehr als Mensch gesehen, sondern als Figur in einer Erzählung, die das Gegenüber über sich selbst baut. Die eigene Verletzung wird zur Geschichte, zum Mythos, vielleicht sogar zur Selbstinszenierung des anderen.

Musikalisch bleibt „Nevermore“ klar und direkt. Der Refrain öffnet sich mit voller Instrumentierung, wirkt aber nicht versöhnlich, sondern erkennend. Wiederholungen wie „You’re so cold“ und „my nevermore“ schieben sich immer weiter nach vorne, mal wütend, mal endgültig. Gerade dadurch ergänzt der Song „Alone“ so sinnvoll: Dort steht die Entscheidung, lieber allein weiterzugehen. Hier folgt das endgültige Nie wieder – nicht als leiser Abschied, sondern als klare Grenzsetzung.

„Reveries“ führt „Dissolution“ mitten in den Konflikt mit Mirzas Vater – und verweigert dabei jede einfache Einordnung. Der Beginn wirkt schwebend und ruhig, Mirzas hoher Gesang klingt traurig, fast liebevoll. Wenn er singt, dass dieser Mensch weder Bösewicht noch Heiliger sei, sondern eine Wunde, die er nie zu zeichnen gelernt habe, steckt darin bereits die ganze Komplexität des Songs: Hier geht es nicht um eine klare Abrechnung, sondern um den Versuch, eine Beziehung zu begreifen, die von Schmerz geprägt war und dennoch Liebe in sich trug.

Mit dem Einsatz der Instrumente gewinnt „Reveries“ deutlich an Kraft. Matthew Flood, der Sänger von Caskets übernimmt die zweite Strophe mit einer etwas tieferen, aber stilistisch nah verwandten Stimme, wodurch seine Parts nicht wie ein Fremdkörper wirken, sondern eher wie ein Echo oder eine zweite innere Ebene. Während sich die Gitarren zuspitzen, entsteht das Gefühl, als würde der Song den Konflikt nicht nur erzählen, sondern noch einmal durchleben. Besonders im Refrain wird diese Wechselwirkung stark: Die Frage, warum die Stimme des Vaters noch immer durch die eigene spricht, wirkt wie der emotionale Mittelpunkt des Tracks. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um Prägung – um etwas, das weiterlebt, obwohl der Mensch selbst längst nicht mehr da ist.

Besonders eindringlich wird „Reveries“ im gesprochenen Mittelteil. Der Caskets-Part wirkt zunächst kühl und fast kontrolliert, wenn vom Mythos des Vaters, von Vergangenheit, Verlust und Verdammnis die Rede ist. Doch wenn Mirza dieselben Gedanken aufgreift, kippt die Stimmung. Plötzlich klingt alles wütend, getroffen, verletzt. Die Zeile „Love had survived / What hate had began“ bringt diese Zerrissenheit auf den Punkt: Liebe hat überlebt, obwohl der Ursprung von Schmerz und Zerstörung geprägt war. Genau darin liegt die Tragik des Songs.

Wenn Mirza schließlich „And now you’re someone else’s problem“ herausruft, entlädt sich etwas, das lange festsaß. Es klingt nicht nur nach Wut, sondern nach einem Versuch, sich von einer Last zu lösen, die nie vollständig die eigene hätte sein dürfen. Gleichzeitig bewahrt der Song seine verletzliche Seite. Der liebliche Part mit dem warmen Gitarrenklang erinnert daran, dass unter all der Verletzung eben auch Liebe lag. Diese Schönheit macht „Reveries“ nicht weicher, sondern schwerer: Weil sie zeigt, dass Vergebung, Erinnerung und Schmerz hier nicht sauber voneinander zu trennen sind.

Soundlich lässt sich nachvollziehen, warum Mirza im Interview mit Dead Rhetoric The Plot In You, Bad Omens und Silent Planet als wichtige Inspirationen für „Dissolution“ nannte. Gerade „Reveries“ trägt diese moderne, emotional aufgeladene Größe in sich, ohne bloß nach Referenz zu klingen. Der Song endet groß, aber nicht gelöst. Was bleibt, ist eine dunkle Erinnerung, die weiter spricht – und die bittere Erkenntnis, dass man manches nicht vergessen kann, selbst wenn Vergebung unmöglich bleibt.

Siamese, © Michael Gamon

„Reaper“ wirkt überaus intim und entfaltet eine melancholische Intensität. Der Song führt „Dissolution“ an einen existenziellen Punkt: Es geht um Todesangst, Glaubenszweifel und das Gefühl, von der eigenen Vergangenheit körperlich eingeholt zu werden. Vor einer dezenten Pianomelodie im Hintergrund erklingt Mirzas Stimme auffallend klar, mit einer tiefen Traurigkeit, die den Song von Beginn an prägt. Der Anfang wirkt warm und verletzlich, beinahe so, als würde das Stück nicht gegen die Angst ankämpfen, sondern sie zunächst einfach aussprechen. Wenn Mirza zu Beginn nach beruhigenden Lügen verlangt („Tell me it’s nothing / Lie through your teeth“), richtet sich diese Bitte gegen eine sehr konkrete Angst: die Angst vor dem Tod, vor dem eigenen Verfall und vor einer Vergangenheit, die längst in ihm weiterlebt. Besonders stark ist dabei das Bild, dass diese Vergangenheit in sein Blut eingebrannt ist. Sie liegt nicht einfach hinter ihm, sondern ist Teil seines Körpers geworden – etwas, das durch ihn hindurchfließt, ihn prägt und dem er nicht entkommen kann.

Der Refrain hebt den Song aus der Intimität heraus, ohne die bedrückende Grundspannung aufzulösen. „I can’t catch my breath“ und „Feel it in my chest / Like a violent thunder“ machen die Angst körperlich spürbar: als Enge, als Druck, als etwas, das im Brustkorb arbeitet. Besonders eindringlich ist der Moment, in dem aus der Begegnung mit dem Reaper eine konkrete Drohung wird: „I will see you sooner than you think“. Die Zeile endet fast abrupt auf dem letzten Wort, als bliebe dieser Satz mitten im Raum stehen.

Im religiösen Mittelteil wird „Reaper“ noch unmittelbarer. „I’m so fucking scared“ klingt bedächtig, ehrlich und vollkommen ungeschützt. Dann bricht der Song plötzlich auf. Mirza wird laut und wütender, gar bedrohlich – als würde sich die Angst in Anklage verwandeln. Besonders stark ist die Zeile „Don’t let me feed / On my lack of trust“. Sie beschreibt Zweifel nicht als passiven Zustand, sondern als etwas, das sich selbst nährt. Je weniger Vertrauen bleibt, desto größer wird die Angst. Und je größer die Angst wird, desto schwerer wird es, noch an Rettung, Glauben oder irgendeine Form von Halt zu glauben.

Genau deshalb trifft der Schluss so hart. Wenn Mirza singt, dass der Reaper ihm irgendwie ähnlich sehe, verschiebt sich die Bedrohung nach innen. Der Tod ist nicht länger nur eine äußere Gestalt, sondern trägt die eigenen Züge. Die Stimme wird biestiger, das langgezogene „Reaper“ wirkt wie ein Moment, in dem Erkenntnis und Panik ineinanderfallen. „Reaper“ endet damit nicht in Trost, sondern in einer beunruhigenden Selbstkonfrontation: Vielleicht ist das, wovor man am meisten Angst hat, längst ein Teil von einem selbst.

Mit „Twisted“ endet „Dissolution“ nicht in völliger Dunkelheit, sondern in einer beinahe überraschend positiven musikalischen Grundstimmung. Der Beginn wirkt ruhig und leicht schwebend, fast versöhnlich, doch inhaltlich ist längst klar, dass hier nichts mehr zu retten ist. Zwischen „Let me in“ und „I need you to leave“ liegt die ganze Erschöpfung einer Verbindung, die sich immer wieder im Kreis gedreht hat. Was bei „Nevermore“ bereits als endgültige Grenzziehung formuliert wurde, erscheint hier noch einmal als Analyse der Dynamik dahinter: dieselben Muster, dieselben Gespräche, dieselbe Stille.

Der Refrain wirkt zunächst sanft und desillusioniert, bis „we got it twisted“ schließlich herausgeschrien wird und die Instrumente aufbrechen. Genau dieser Moment macht deutlich, dass die ruhige Oberfläche trügt. Unter ihr liegt all das, was nicht mehr repariert werden kann. Besonders stark ist die Zeile „We are the sound / Of broken records“. Sie greift das zentrale Motiv des Albums noch einmal auf: Menschen, die auf Wiederholung gestellt sind, gefangen in alten Reaktionen, alten Verletzungen und einem Default-Modus, aus dem sie nie wirklich herausgefunden haben.

Auch musikalisch trägt „Twisted“ diesen Loop-Charakter in sich. Wiederkehrende Passagen, erneut aufgegriffene Zeilen und das mehrfache „we got it twisted“ lassen den Song selbst wie einen Kreislauf wirken. Gleichzeitig entfaltet sich der Refrain zunehmend klarer und geradliniger, als würde aus der Erschöpfung langsam Erkenntnis werden. Wenn Mirza am Ende fast flüsternd „it’s the end“ sagt, wirkt das deshalb nicht wie ein dramatischer Abgang, sondern wie die einzig mögliche Konsequenz. „Dissolution“ endet mit dem Bewusstsein, dass manche Muster erst dann brechen, wenn man aufhört, sie weiterzuspielen.

Fazit:

Am Ende ist „Dissolution“ weit mehr als das Album einer Band, die sich nach einem personellen Umbruch neu sortieren musste. Es ist ein Werk über Zyklen, Schuld, Verlust, Selbstbetäubung, Sehnsucht und den schwierigen Versuch, sich aus alten Mustern zu lösen. Siamese klingen härter, direkter und emotional schonungsloser, verlieren dabei aber nie ihr Gespür für große Melodien und unmittelbar greifbare Refrains. Gerade diese Verbindung macht „Dissolution“ so stark. Das Album sucht nicht nach einfachen Antworten und löst seine Widersprüche nicht bequem auf. Stattdessen bleibt es dort, wo es weh tut: in den Brüchen, den Wiederholungen und den unbequemen Wahrheiten, aus denen diese Songs ihre Kraft ziehen.

Dass „Alone“ und „Nevermore“ nur auf den physischen Editionen enthalten sind, unterstreicht zusätzlich, wie geschlossen dieses Album in seiner vollständigen Form wirkt. Wer „Dissolution“ nur digital hört, bekommt bereits ein starkes Werk. Wer jedoch auch diese beiden Kapitel kennt, versteht noch deutlicher, wie viele Facetten Siamese in diese Platte gelegt haben.

„Dissolution“ ist kein Album, das einfach vorbeizieht. Es bleibt hängen, wächst weiter und fordert dazu auf, genauer hinzuhören. Vielleicht ist genau das seine größte Stärke: Es beeindruckt nicht nur durch Härte oder Eingängigkeit, sondern durch die Ehrlichkeit, mit der Siamese sich den eigenen Brüchen stellen. Ein mutiges, intensives und bemerkenswert vielschichtiges Album, das die Aufmerksamkeit verdient, die es einfordert.

Und an dieser Stelle gibt es nur eine logische Konsequenz: another spin!

„Dissolution“ ist am 26. Juni 2026 über Long Branch Records erschienen und in verschiedenen physischen Varianten erhältlich.

Tracklist SIAMESE – Dissolution:
  1. Dark
  2. Drown
  3. Sense
  4. Alone*
  5. Friends
  6. Sinner
  7. Dissolution
  8. Patterns
  9. Nevermore*
  10. Reveries feat. Caskets
  11. Reaper
  12. Twisted
    * Dies beiden Songs sind ausschließlich auf den physischen Tonträgern (CD & LP) enthalten. 

Im Winter lässt sich diese neue Phase auch live erleben: Siamese begleiten Dayseeker auf deren UK-/Europa-Tour als Special Guest und dürften dort sicher einige Songs aus „Dissolution“ mit auf die Bühne bringen. Nach einem Album, das so sehr von innerer Spannung, Aufbruch und emotionaler Direktheit lebt, könnte genau dort noch einmal spürbar werden, wie viel Kraft in dieser neuen Phase der Band steckt.

Dayseeker Tour Poster 2026

 

Termine SIAMESE als Special Guest von DAYSEEKER:

09.12.2026 Oberhausen, Turbinenhalle 1
10.12.2026 Hannover, Capitol
13.12.2026 Berlin, Huxley’s
16.12.2026 München, Tonhalle

Weblinks SIAMESE:

Webseite: siamese.dk/
Facebook: @siamesedk
Instagram: @siamese_band


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