Interview: LENNART SALOMON (SONO)

Geschätzte Lesezeit: 11 Minute(n)

Auf der B├╝hne feiern Martin und Flo ihre eigene Party…

Es ist Freitagmorgen, irgendwo in Hamburg St.Georg. Ein schickes Caf├ę an der langen Reihe. Durch die T├╝r kommt ein junger Mann, Heaphones auf den Ohren, die Jacke mit Fellkragen hochgeschlossen, l├Ąssig in Jeans und Sneakers. W├╝rde man es nicht wissen, k├Ânnte man es kaum glauben, dass hier gerade einer der vielseitigsten Musiker und Entertainer durch den Laden marschiert, den ich bis heute pers├Ânlich kennenlernen durfte.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wir haben uns zum Fr├╝hst├╝ck mit Lennart Salomon verabredet. Lennart – Texter, Komponist, Solok├╝nstler und Frontman von Sono -, einer ├Ąu├čerst innovativen kleinen Electroband aus Hamburg, die gerade ihr neues Album Human am Start hat und auch bereits damit auf Tour ist.

Lennart ist genervt. Nicht von uns, der Uhrzeit oder der Tatsache hier zu fr├╝hst├╝cken. Man hat nach dem Konzert in Leipzig den Bandbus aufgebrochen und zum wiederholten Mal – in Leipzig – versucht, die Band zu bestehlen.

Mensch Lennart, das ist ja mal was, was die Welt nicht braucht, oder? Ich habe davon bei Instagram gelesen.
Ja, vor allem zum wiederholten Mal. Damals hatten wir ein super Konzert in Leipzig. Tolle Leute, tolle Stimmung, und beim Verladen merkten wir, dass da was fehlt. Merch-Artikel, mein In-Ears-System und ein Beamer waren weg. Das haben wir damals in angrenzenden Parks dann verstreut wiedergefunden. Und jetzt schon wieder. Aber wir sind durch das Erlebnis damals vorgewarnt gewesen und haben f├╝r uns einen zus├Ątzlichen Securitymann angefordert, der den Verladeprozess ├╝berwachen sollte. Dummerweise war es dann am n├Ąchsten Tag mittags um halb zw├Âlf passiert. Da hat sich dann jemand an unserem Transporter zu schaffen gemacht. Aber zum Gl├╝ck gibt es Videoaufzeichnungen und der T├Ąter ist dann auch gefasst worden. Bl├Âd war, dass wir danach ein paar Stunden Verz├Âgerung hatten und nicht p├╝nktlich in Berlin zum n├Ąchsten Konzert ankamen. Alles war sehr knapp gestrickt, aber das Berliner Publikum hatte sehr viel Verst├Ąndnis und es wurde noch eine fette Party.

Ein Transporter? Einen Tourbus habt Ihr aber nicht, oder?
Nein, es ist ein gr├Â├čerer Transporter, in dem vielleicht neun Leute Platz haben k├Ânnten und dann haben wir noch gen├╝gend Platz f├╝rs Equipment.

Habt Ihr denn einen Fahrer? Nach so einem Auftritt ist man doch bestimmt ziemlich fertig?
Nein, Florian (Sikorski) ist bei uns immer der Fahrer. Er raucht nicht, trinkt nicht und f├Ąhrt halt gerne. Manchmal f├Ąhrt auch Rene, unser Lichtmann. Solange ich nicht fahren muss, bin ich zufrieden (lacht).

Na, wenn man sich einig ist, passt es doch. Schlie├člich hast Du ja auch noch andere anstrengende Aufgaben auf Tour. Wenn man Dich auf der B├╝hne beobachtet, legst Du doch schon einen kleinen Marathon hin.
Vor allem bei dieser Show, unserer l├Ąngsten bisher, ist es schon eine k├Ârperliche Anstrengung.

Danach muss man auch erst einmal runterkommen?
Ja genau, das ist dann das gef├Ąhrliche. Du kommst nach so einer Show von der B├╝hne und hast so einen merkw├╝rdigen Chemiecocktail aus Adrenalin und anderen Hormonen im K├Ârper. Die ganzen Emotionen, die Konzentration, und dann die Erleichterung. Das muss man erst einmal verdauen, ohne das reale Leben aus dem Fokus zu verlieren. Und dann so zwei Stunden nach der Show, wenn das alles verdaut ist, kommt dieser Fall-Down und Du denkst Dir nur: „wow“ÔÇŽ

Hat das nicht etwas von einem gewissen Suchtfaktor?
Ja, aber das ist es auch, worum es uns geht. Wir machen Musik, um Konzerte zu spielen. Wir wollen die Musik pr├Ąsentieren, die wir uns erarbeitet haben. Du bekommst das direkte Feedback vom Publikum. Das ist der totale Wahnsinn. Und je gr├Â├čer die Konzerte werden, desto schwerer wird es auch, auf das normale Leben wieder umzuschalten.

Um mal auf die Musik zu kommen. Du hast erz├Ąhlt, dass Ihr im letzten Jahr auf dem Synthpop-Festival in Berlin u. a. mit De/Vision gespielt habt. F├╝hlt Ihr Euch eigentlich einer bestimmten Szene zugeh├Ârig?
Also die einzige Szene, der wir uns zugeh├Ârig f├╝hlen, ist die Musikszene. Wir bewegen uns bestimmt nahe der Szene um Bands wie De/Vision, Mesh etc., da wir auch meist von den szenetypischen Veranstaltern gebucht werden. Ich habe so einige Kollegen kennengelernt und sch├Ątze die Leute sehr. Aber meine Musik ist das nicht immer.

Wo seid Ihr denn musikalisch zu Hause?
Oh, das ist schwierig. Ich bin da ja sehr breit gef├Ąchert unterwegs. Das ist aber auch mit das, was uns bei Sono vereint. Der Humor und der breite Musikgeschmack aus dem wir zehren k├Ânnen.

Wenn man so ├╝berlegt, was ich alles von Dir schon geh├Ârt oder gesehen habe, bist Du wahrlich ein Weltenbummler. Deine Song-Ping-Pong-Auftritte, dann die Akkustikauftritte. Du bist als Begleitmusiker f├╝r VNV Nation und Witt auf Tour gewesen und komponierst auch noch f├╝r den KiKa.
Sagen wir mal so, ich habe alle Facetten, um mich musikalisch auszudr├╝cken. Wenn ich als Musiker unterwegs bin, mache ich meinen Job, mit dem ich Geld verdiene. Da genie├če ich es total in der zweiten Reihe zu stehen und nicht alle Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Bei allem Respekt f├╝r die K├╝nstler, f├╝r die ich arbeite, aber zu Hause muss ich so etwas nicht immer h├Âren, auf der B├╝hne macht es aber einen Mega-Spa├č!

Um endlich mal auf Sono zu kommen: als wir uns im M├Ąrz getroffen haben, sagtest Du, 2018 k├Ąme kein Album, h├Âchstens eine EP und jetzt habt Ihr mit Human eines der f├╝r mich st├Ąrksten Alben ver├Âffentlicht.
Es war einfach so, dass wir zu kreativ waren. (lacht) Wir haben einfach gemacht, ohne uns Gedanken zu machen, wie wir das zuk├╝nftig handhaben wollen, mit den Ver├Âffentlichungen. Man glaubt es kaum, aber die Platte ist einfach so passiert, ohne dass wir es geplant haben.

Eines Tages rief mich Martin an und sagte, hey, wir haben jetzt zehn oder zw├Âlf Songs. Eigentlich k├Ânnten wir auch ein Album machen. So haben wir die Songs zusammengepackt, und das Ding war fertig.

Das Tolle ist, wenn Du Dein eigenes Label hast, sind die Entscheidungswege sehr kurz. Dir redet keiner mehr rein und Du kannst vieles schnell umwerfen. Unsere letzte Single zum Beispiel. Wir haben Somewhere Beyond The Sea fertiggemacht, und dann kam mit einem Mal das Thema Mittelmeer, Seenotrettung und Flüchtlingen in den Fokus. Da zerren sie den Typen von der Life-Line vor Gericht, weil er Menschenleben gerettet hat. Wir haben uns kurz beratschlagt, warum machen wir das nicht als Single, und sofort war es beschlossene Sache.

Die Entscheidung, ein eigenes Label zu gr├╝nden, basiert worauf?
Die Idee, kam nach dem letzten Album┬á und ehrlicherweise auch nicht von uns. Als wir den Leuten unserer ehemaligen Plattenfirma ein neues St├╝ck vorspielten, von dem wir k├╝nstlerisch ├╝berzeugt waren, was aber so gar nicht in das sonstige Label-Umfeld passte, fragte man uns, warum wir das denn nicht selber machen. Wir k├Ânnen weiter das Netzwerk des Labels nutzen, verdienen mehr Geld und k├Ânnen alleine entscheiden. Nat├╝rlich sind auf der Vertriebsseite auch Probleme aufgetreten, in die wir fr├╝her nie involviert waren und wo wir jetzt selber lernen mussten, wie der Hase l├Ąuft.

Human ist am 12.10.2018 erschienen. Bereits einen Tag vorher fand das erste Konzert der Human-Tour im Hamburger Mojo-Club statt.

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Ein Release-Konzert einen Tag vor der Ver├Âffentlichung zu veranstalten, ist auch ein bisschen Gl├╝ckssache. Man wei├č ja gar nicht, wie und ob das Publikum die neuen St├╝cke so annimmt.
Ja, clever w├Ąre es vielleicht, in drei oder vier Monaten noch mal ein paar Konzerte nach zu legen, wenn die Leute alle die Platte geh├Ârt haben. Aber, das ist auch der Sache geschuldet, dass wir erst Termine gemacht haben und uns dann eingefallen ist, doch ein Album zu machen. Aber wir haben bis zum Album bereits vier neue Titel ver├Âffentlicht. Es war mutig, aber wir dachten uns, dass wir mittlerweile so viele Alben haben, dass wir getrost den Abend gestalten k├Ânnen. Wir wollten auch nicht zu viel Zeit von der letzten Tour bis jetzt verstreichen lassen, sondern auch in einem gewissen Zeitrahmen bleiben, damit die Leute uns nicht wieder vergessen.

F├╝r mich, nein, f├╝r uns war der Termin halt wichtig. Das Mojo ist ein Kultladen, und als wir den gebucht haben und unseren Termin hatten, haben wir den Rest der Tour drum herum gebaut, weil es einfach wichtig f├╝r uns war.

Wie hast Du denn f├╝r Dich die Reaktionen des Publikums auf die neuen St├╝cke wahrgenommen? Ich hatte an dem Abend den Eindruck gehabt, Hamburg h├Ątte Dir aus der Hand gefressen, egal was Du machst.
Ich denke gerade bei neuen St├╝cken eher an meine Performance als an die anderen Leute, weil ich es so gut machen will, wie ich nur kann. F├╝r mich bedeutet das immer, dass, wenn ich es nicht gut performe, wird es wohl auch nicht gut ankommen. In erster Linie muss also ich mit meiner Performance zufrieden sein. Wir hatten ja schon ein paar Sachen aus dem Album drau├čen, und ich bin halt ├╝berzeugt von dem, was wir gemacht haben. So hielt sich meine Aufregung eher in Grenzen.

Als ich das Album das erste Mal geh├Ârt habe, dachte ich, das ist im Vergleich zu seinen Vorg├Ąngern sperrig. Aber langsam komme ich hinter das Album und sehe es doch eher als Weiterentwicklung zu Backyard Opera (2016). F├╝r mich habt Ihr Euch in der Komposition weiter raus getraut. Top Of The World ist f├╝r mich ein sch├Ânes Beispiel.
Ja das Ding fliegt ganz gut. Aber das ist ja auch das, was wir erreichen wollten. Guck Dir die Spielzeiten an. Musikfernsehen gibt es quasi nicht mehr, im Radio finden wir nicht statt. Da ist Top Of The World ein gutes Beispiel f├╝r unsere neue Kompromisslosigkeit. Wir machen jetzt einfach im Aufbau so, wie wir es f├╝r richtig halten, ohne auf Radiokompatiblit├Ąt achten zu m├╝ssen. Aber das freut mich, wenn man kompositorisch selbst auch Dinge dann entdeckt, von denen man im Nachhinein geflasht wird.

Wenn Du es gerade so erw├Ąhnst, w├Ąre das ein Wunsch gewesen, Sono im Radio zu h├Âren?
Ja klar, unter der Voraussetzung, dass es so ist wie jetzt auf dem Album, w├Ąre das schon geil. Wir haben keine Lust mehr, uns zu verbiegen und etwas zu machen, wo wir nur halbherzig hinter stehen k├Ânnten.

Behind These Eyes hat f├╝r mich f├╝r mich eine extreme 80ÔÇÖs Bass Line. Wer kam darauf? Ich will es jetzt nicht unbedingt Retro nennen aberÔÇŽ
Nein, schon okay. Es ist total retro angehaucht. Wir haben viele 80er-Einfl├╝sse f├╝r unsere Musik verwendet. Mir ist es eigentlich auch egal, aus welcher Dekade der Sound jetzt gerade kommt, den wir verwenden. Wenn er gut klingt, nehmen wir ihn.

Was 80er-Pop angeht, was wir alle drei geil finden, ist z. B. Nik Kershaw. Was f├╝r Kompositionen und Harmonien der verwendet hat. Da muss man auch gar nicht die Alben kennen. Was er schon auf den Singles aufgerufen hat, war echt meisterhaft.

Wer schreibt eigentlich die Songs bei Sono. Bist Du alleine f├╝rs Komponieren verantwortlich?
Eigentlich haben wir zwei verschiedene Arbeitsweisen. Zum einen ist es tats├Ąchlich so, dass ich einen Song schreibe und eine Demoproduktion mache und das dann den Jungs gebe, die das dann ausarbeiten. Zum anderen kommt es auch vor, dass die Jungs im Studio ein Instrumental vorbereiten und mir das dann schicken in der Hoffnung, dass ich darauf einen guten Text mache. Da kommen ganz gro├čartige Sachen bei raus, wie zum Beispiel bei Amplify. Das ist eine wunderbare RockÔÇÖnÔÇśRoll-GeschichteÔÇŽ┬á Ich war im letzten Jahr mit meiner Tochter zum Dreh eines Kinofilms u. a. in Bukarest. Ich sa├č da in einem Hotel, das auch noch World Trade Center hie├č, im 28.Stock und die Jungs schickten mir dieses Demo. Da meine Tochter alleine zum Dreh war, sa├č ich da, schaute auf Bukarest, spielte mit meinem iPhone und fand heraus, dass ich neben das Demo eine zweite Spur h├Ąngen konnte und habe im Hotelzimmer den Text geschrieben und eingesungen. Anfangs waren die Jungs skeptisch, aber als ich wieder zu Hause war, habe ich das nochmal richtig eingesungen und die beiden waren hin und weg.

Sono ┬ę Philipp Rathmer

Um nochmal auf Eure Liveperformance zu kommen. Als wir uns das erste Mal ├╝ber den Weg gelaufen sind, dachte ich, was f├╝r ein Nerd ist das bitte. Wenn der zu einer Band geh├Ârt, steht der mit Sicherheit im Halbschatten am Keyboard. Und dann standest Du auf der B├╝hne vorne am Mikro und hast den Laden gerockt, ebenso wie jetzt bei Eurem Mojo-Gig. Wo nimmst Du diese „Wahnsinnig geile Sau“-Mentalit├Ąt her, die Du auf der B├╝hne auslebst?
Ich habe keine Ahnung! Es ist mein B├╝hnen-Ich. Da sind wir beim Thema der verschiedenen Facetten einer Pers├Ânlichkeit. Es gibt ja viele Schauspieler oder auch S├Ąnger, bei denen ist die ganze Welt eine B├╝hne. Ich finde den Entertaimentfaktor extrem wichtig. Aber nur auf der B├╝hne. Abseits davon bin ich ein ganz normaler Typ, der zu Hause auch mal den M├╝ll rausbringen muss. Je l├Ąnger ich aber mal nicht auf so einer B├╝hne war, muss dann auch einfach mal alles raus. Ich brauche das.

Wie nimmt Deine Familie das denn auf, wenn Du auf der B├╝hne so ein Tanzm├Ąuschen bist?
Das ist f├╝r mich eine gr├Â├čere Gratwanderung als f├╝r die Familie. Das Jahr hat 365 Tage und davon stehe ich nur ein paar auf der B├╝hne. Zu Hause muss ich im normalen Leben funktionieren, wie jeder andere auch. Das finde ich aber auch sehr gesund. Meine Frau ist ja auch im Mojo dabei gewesen. Aber das ist dann ein anderes Ich, was sie dann sieht. Ich mache da wahrscheinlich auch eine Verwandlung durch, wenn ich dann auf die B├╝hne gehe. Der da oben hat halt sehr wenig mit dem zu tun, was ich zu Hause mache. Ich habe zu Hause zwei Kinder und die interessiert es wenig, was ich auf der B├╝hne mache. Zu Hause bin ich Papa, wie jeder andere auch. Da kann ich meinen Kindern auch nichts vorspielen. Ich spiele auch auf der B├╝hne nicht, es ist nur ein anderer Teil von mir. Wenn ich den ganzen Tag so rumgockeln w├╝rde wie auf der B├╝hne, w├Ąre es sehr anstrengend. F├╝r mich und besonders f├╝r alle anderen um mich herum. (lacht)

Wie sehen Florian und Martin Deine Rolle als Entertainer? Finden die das gut so oder bremsen sie Dich auch mal aus?
Nee, ├╝berhaupt nicht. Die lassen mich machen und feiern ihre eigene kleine Party. Teilweise ist es tats├Ąchlich sogar so, dass sie viel aufgeputschter sind als ich, wenn wir von der B├╝hne kommen. Das h├Ąngt auch damit zusammen, dass ich bei unseren Konzerten ja In-Ears trage. Ich bekomme akustisch die Publikumsreaktionen meist mehr ├╝ber mein Mikro mit als dass ich es wirklich h├Âre. Deswegen nehme ich auch ├Âfters einfach einen H├Ârer raus, um das Publikum ungefiltert zu erleben.

Sind In-Ears dann ├╝berhaupt so gut?
Ja, ich m├Âchte trotz der ganzen Show und dem Drum und Dran zus├Ątzlich eine perfekte Gesangsperformance abliefern. An erster Stelle kommt die Stimme, dann die Gitarre und dann die Show. Durch die In-Ears habe ich ├╝berall auf der B├╝hne den perfekten Sound und kann alles h├Âren, nur leider das Publikum nicht.

Im Mojo haben wir drei oder vier Songs das allererste Mal live gespielt. Da ist eine Menge Konzentration dabei, so dass ich das auch gar nicht so richtig genie├čen kann. Bei weiteren Shows wird es dann mehr zur, ich will es nicht Routine nennen, aber Normalit├Ąt, wo auch ich gelassener an die Sache gehen kann und es mehr sch├Ątzen kann.

Dazu kommt dann auch, dass gerade bei den neueren St├╝cken welche dabei sind, die verdammt schwierig zu singen sind. Da muss ich mich vor der Show richtig warm machen und brauche ein Cool-Down danach.

Steht Dir eigentlich ein Vocalcoach zur Seite?
Ich bin ja selber Vocalcoach. Ich muss da aber schon echt diszipliniert sein. Fr├╝her bin ich oft von der B├╝hne und hab ein Bier getrunken und alles war top. Dieses Mal ist es wirklich so, dass ich von der B├╝hne komme, meine Stimme f├╝nf Minuten runterbringen muss, einen halben Liter warmes Wasser trinke und dann irgendwann auch mal ein Bier trinken kann.

Bist Du denn ausgebildeter Vocalcoach?
Nein, ich habe mich weitergebildet. Ich habe schon fr├╝h im Knabenchor gesungen, in zwei Kirchench├Âren und so meine Erfahrungen sehr fr├╝h gemacht. Meine gro├če Schwester ist ausgebildete Mezzosopranistin, mit der tausche ich mich sehr viel aus.

Dann stammst Du anscheinend aus einer sehr musikalischen Familie.
Ja, kann man so sagen. Meine Eltern haben immer gesungen und musiziert. Als ich sechs war, wollte ich dann auch Klavier spielen, sp├Ąter Geige, dann Schlagzeug, dann Gitarre.

Also k├Ânntest Du auch eine Platte ganz alleine f├╝r Dich einspielenÔÇŽ
Quasi ja. Es war jetzt aber auch nicht so ausartend. Ich hatte ein Jahr Schlagzeugunterricht und hab danach zw├Âlf Jahre gespielt. Ich habe nie wirklich Gitarrenunterricht gehabt. In der Schule habe ich mal ein paar offene Akkorde gelernt, aber das war es dann auch. Du hast dann eher gewisse Musikst├╝cke geh├Ârt und konntest die aber nicht nachspielen. Da habe ich dann halt meine eigenen Songs draus gemacht. Ich bin quasi aus Faulheit zum Songschreiben gekommen.

Wo Du die Gitarre erw├Ąhnst. Wie kommt es bei Sono zu diesem Ding aus Hardfloor-Electro und Gitarrenriffs?
Das war schon immer mein Wunsch gewesen, das zu kombinieren. Unsere ersten beiden Singles waren reine Dance Tracks aber schon bei 2000 Guns haben wir das erste Mal die Gitarre mit eingebaut. Ich komme ja auch gar nicht so aus der elektronischen Musik.

Aber Florian und Martin haben schon elektronische Wurzeln, oder?
Ja, Die beiden waren fr├╝her Techno-DJs. Die gr├Â├čte musikalische Schnittmenge, die wir haben, sind u. a. Depeche Mode, David Bowie und Prince. Bei allen dreien ist alles irgendwie da. Dance, Disco und Gitarre. Und was ich bei Prince sehr spannend finde, ist, dass er bei einigen St├╝cken einen Gesangspart mit einem kurzen Gitarrenleak kombiniert und dann geht es in die n├Ąchste Ebene. Das ist etwas, was wir besonders auf Human benutzt haben. ├ähnlich wie bei Depeche Mode. Da hast Du die k├╝hlen Synthies und dann kommt diese warme tiefe Gitarre, die diese harten Kanten irgendwie zusammenklebt. Das finden wir ├Ąu├čerst spannend.

Wie w├╝rdest Du die Verbindung mit Florian und Martin beschreiben? Ist es eine Gesch├Ąftsbeziehung oder doch eher Kumpel unter sich?
Also, als rein berufliche Beziehung denke ich, w├╝rde es nicht funktionieren. Es ist was Kreatives, teils auch Emotionales, was wir da zusammen schaffen. Wir sind jetzt nicht die dicksten Freunde und m├╝ssen jeden Moment gemeinsam verbringen. Das bringen unsere Privatleben schon mit sich. Wir sind drei unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Freundeskreisen. Trotzdem ist es immer sehr lustig und herzlich, wenn wir uns treffen.

Wenn Ihr so verschiedene Leben habt, wie habt Ihr Euch dann doch gefunden?
Das kam ├╝ber eine dritte Person. Martin und Flo haben damals ja auch schon Musik gemacht. Martin war DJ und brauchte jemanden mit Studio, mit dem er auch mal Ideen umsetzen konnte. Das war halt Florian. Zusammen haben die beiden einen Remix gemacht, den der Auftraggeber dann aber doch nicht haben wollte. Die beiden fanden den Track aber so geil, dass sie daraus einen eigenen Titel machen wollten. Meine damalige Ausbilderin war die Mitbewohnerin von Martin, die hat mich an die beiden empfohlen. Dann haben die beiden mich angerufen. Ich spielte damals in einer Rockband und sie fragten, ob ich mir vorstellen k├Ânne, auf eine Techno-Nummer zu singen. Kurze Zeit sp├Ąter haben wir uns im Studio getroffen und probiert, und daraus ist dann relativ schnell Keep Control entstanden. Wir haben das eigentlich gar nicht so ernst genommen, viel rumgealbert und ausprobiert, und dann war da auf einmal dieses Sono-Ding, wo wir bis heute mit viel Liebe und Herzblut dabeibleiben.

Weblinks SONO:

Homepage: http://www.sono.fm/
Facebook: https://www.facebook.com/sonofm/

Geschrieben von
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