THE SISTERS OF MERCY – Köln, E-Werk (05.10.2026)

THE SISTERS OF MERCY, Köln - © Jens Meyer
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Lesedauer: 3 Minuten

Es gibt wohl kaum eine Band, die trotz lediglich drei Alben einen so großen Einfluss hatte und nach wie vor in aller Munde ist wie The Sisters of Mercy. Eine Erklärung dafür liegt auch in der Anzahl der Singles und E.P.s, die in den 1980er-Jahren erschienen sind. Abschließend lässt sich der Erfolg damit aber nicht erklären. Der maßgebliche Faktor heißt Qualität und den Willen, auch ohne Studioveröffentlichungen neue Songs zu schreiben und zu präsentieren. Trotz mehrerer Besetzungswechsel im Laufe der vergangenen viereinhalb Jahrzehnte hauchte Andrew Eldritch der Band mit seinen Veröffentlichungen immer wieder frisches Leben ein, das bis heute anhält.

Die Live-Qualität der Sisters wird von den einen oftmals kritisiert, während die anderen sie bejubeln. Den vielen kritischen Äußerungen stehen immer wieder ausverkaufte Shows gegenüber. Mir stellt sich daher die Frage, ob es nicht einfach auch die Erwartungshaltung der Fans ist, die die Sisters in der gewünschten Form gar nicht erfüllen müssen, weil sie etwas anderes schaffen: eine dichte Atmosphäre durch den Einsatz von Nebel, Licht, Musik, Stimme sowie dem Zusammentreffen von Vergangenheit und Gegenwart.

Da die Sisters seit Jahrzehnten zu meinen Lieblingsbands gehören, war ich natürlich euphorisch, die Band einmal mehr live zu sehen – genau wie gut 2.000 andere Menschen im ausverkauften Kölner E-Werk. Während schon die ersten leichten Nebelschwaden durch die Location waberten, ging es natürlich erst einmal zum Merch. Eine kleine aber feine Auswahl an Tour- und anderen Shirts sowie einem Hoodie stand zur Auswahl. Den Preis von 40 Euro für ein Tour-Shirt empfinde ich als angemessen.

Gegen 21:15 Uhr wurde der Nebel dichter, die Spannung größer und die Sisters eröffneten den Abend mit „Ribbons“ vom 1990 erschienenen Album „Vision Thing“. Der Song entfaltete eine intensive Atmosphäre, die den Grundstein für den gesamten Abend legen sollte. Andrew Eldritch und seine Band waren im Nebel und Gegenlicht mal mehr, mal weniger deutlich als Schemen erkennbar, was für mich zur Gesamtatmosphäre beitrug. Im Anschluss folgten mit „Don’t Drive on Ice“, „Crash and Burn“ sowie „I Will Call You“ drei unveröffentlichte Songs, bevor mit „Alice“ ein Klassiker gespielt wurde, der das Publikum natürlich zum Mitsingen und Tanzen einlud.

Zu diesem Zeitpunkt ließ sich schon erahnen, dass sich die Setlist nicht lediglich aus bekannten und sicheren Hits zusammensetzen, sondern viel Neues beziehungsweise Unveröffentlichtes enthalten würde. Dazu gehörte beispielsweise auch der Track „Summer“, der schon länger zum Live-Repertoire der Band gehört. Ergänzt wurde die Setlist zu diesem Zeitpunkt außerdem durch „Giving Ground“ vom The-Sisterhood-Longplayer „Gift“.

Bei „Marian“ dürften dann viele der Besucher:innen gedanklich in ihre Vergangenheit gereist sein. Dabei ließ sich feststellen, dass dieses Lied nichts von seiner Intensität eingebüßt hat. Der Titeltrack des Debütalbums „First and Last and Always“ wurde in einer verlangsamten „Dub-Version“ präsentiert, die mir persönlich gut gefallen hat. Im Anschluss daran wurden dem Publikum mit „Eyes of Caligula“ und „Here“ zwei weitere unveröffentlichte Songs präsentiert, bevor „More“ ertönte und einmal mehr viele Smartphones einen Teil des Abends als Erinnerung festhalten wollten.

Nach erneut drei unveröffentlichten Stücken bildete „Temple of Love“ den Abschluss des Hauptsets, ein Song, der nach wie vor zu den einprägsamsten und erfolgreichsten der Band gehört, und das nicht erst, seitdem er in einer neuen Version 1992 erschien. Der Zugabenblock war dann weiteren Klassikern gewidmet. Mit „This Corrosion“ und einem bis in die hinteren Reihen singenden und klatschenden Publikum wurde das Konzert auf einem stimmungsvollen Höhepunkt beendet.

Ja, der Abend bestand auch aus Nostalgie. An der Menge der unveröffentlichten Stücke wird jedoch deutlich, dass die Sisters selbst nicht in dieser verharren. Auch am Publikum zeigt sich, dass die Band immer noch jüngere Menschen erreicht, die lange nach der aktiven Studiozeit geboren wurden. Das ist ein Zeichen dafür, dass Andrew Eldritch und seine Band nach wie vor faszinieren. Zusammen mit der Band um ihn herum, die nicht nur die Songs, sondern auch die eingangs angesprochene Atmosphäre mitträgt, und dank der abwechslungsreichen Setlist kann man sich auf weitere Auftritte freuen.

Setlist THE SISTERS OF MERCY – Köln, E-Werk (05.10.2026)

  1. Ribbons
  2. Don’t Drive on Ice
  3. Crash and Burn
  4. I Will Call You
  5. Alice
  6. Summer
  7. Giving Ground (The Sisterhood Cover)
  8. Marian
  9. But Genevieve
  10. Doctor Jeep / Detonation Boulevard
  11. First and Last and Always (Dub Version)
  12. Eyes of Caligula
  13. Here
  14. More
  15. Quantum Baby
  16. On the Beach
  17. When I’m on Fire
  18. Temple of Love
  19. Colours (The Sisterhood Cover) (Z)
  20. Lucretia my Reflection (Z)
  21. This Corrosion (Z)
Weblinks THE SISTERS OF MERCY:

Webseite: www.the-sisters-of-mercy.com/

 


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