GOLDEN APES im Interview: „Unser Weg ist mit viel Engagement, Zeit und Herzblut gepflastert“

Ⓒ Annie Bertram
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Lesedauer: 6 Minuten

Seit 1998 sind die Golden Apes eine feste Größe in der Goth-Rock- und Dark-Wave-Szene. Stets melancholisch, aber auch eindringlich präsentierten sich die Berliner um die Gründungsmitglieder Peer und Christian Lebrecht auf ihren bisherigen elf Alben. Nun machen Golden Apes das Dutzend voll. „The Sun Came Up Tremendously“ erscheint am 18. September mit zehn neuen Songs im unverkennbaren Stil. Zum Release beantwortete uns Frontmann Peer einige Fragen – und blickt dabei auch zurück auf eine ganz besondere Tour am anderen Ende der Welt vor einigen Monaten.

🔊 Lass Dir den Beitrag vorlesen (KI-Stimme):

Album Nummer zwölf erscheint nun. Mal im Ernst: War das irgendwie abzusehen, dass es so weit kommt, als Ihr Euch Ende der 90er-Jahre gegründet habt? Oder müsst Ihr Euch heute eher ab und an mal zwicken, dass es Euch immer noch gibt?

Nein, das war es natürlich nicht. Und ehrlich gesagt war es ja auch nie der Plan, so lange wie nur irgend möglich – in irgendeiner Form – präsent zu sein. Hätten sich ein paar Dinge anders entwickelt oder wäre die Chemie eine andere gewesen, dann hätte auch schon nach dem zweiten Album Schluss sein können. Aber ich bin froh, dass es nicht so war und nicht so kam.

Im Grunde hatten wir immer das große Glück, dass die treibende Kraft und das verbindende Element hinter allem, nämlich die Leidenschaft, Musik zu machen, offenbar ziemlich langlebig waren. Ich glaube, jeder von uns wäre auch heute auf irgendeine Art und Weise kreativ tätig, wenn es die Band nicht mehr geben würde. Und natürlich waren all die Jahre diesbezüglich nicht krisenfrei, aber der innere Impuls, in Verbindung mit dem Feedback all der Menschen, die Gefallen an unserer Musik gefunden haben, hat dann doch immer einen Weg gefunden. Glück oder Anspruch – ich weiß es nicht. Wir hatten immer viel gute Zeit.

Und nein, das Ganze hat nicht diesen Traumcharakter, weil es ja nicht ohne unser Zutun passiert ist. Wir haben ja nicht einfach zugeschaut und es passieren lassen. Natürlich gibt es Momente, die hätte man sich damals nicht vorzustellen getraut – zwölf Alben, Konzerte in Kanada, den USA, Russland, WGT, Castle Party etc. Das ist für eine „Hobbyband“ ohne professionellen Support schon ein wahnsinniges Privileg. Allerdings ist der Weg auch mit viel Engagement, Zeit und Herzblut gepflastert. Von daher ist es natürlich toll, dass die Band immer noch zusammen Musik macht – es überrascht aber nicht.

Beim bloßen Lesen des Songtitels der „Resistance“ denkt man direkt an ein politisches Statement. Dabei geht es im Stück, wenn ich richtig verstanden habe, um etwas ganz anderes, richtig?

Der Titel und der Song an sich sind tatsächlich nicht als eindeutiges politisches Statement zu verstehen. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dass wir nicht als Kollektiv eine Meinung zu äußern haben oder eine explizite Botschaft transportieren müssen. Dazu sind wir fünf Individuen, und jeder Einzelne soll sich positionieren und engagieren, wie er es für richtig hält. Und ich weiß, dass dem auch so ist. Aber für mich fühlen sich unsere Musik und der Raum, der sie umgibt, immer wie ein in sich geschlossener, zeitunabhängiger Ort an, an dem mehr essenzielle Frequenzen als zeitbedingte Schwingungen eine Rolle spielen. Eine Dominanz von Spiritualität über Säkularität. Was natürlich die Musik und die Worte nicht davon freispricht, zwischen den Zeilen und den Noten Freiraum für Interpretation zu gewähren …

In Zeiten, in denen viele Bands alle paar Monate Singles veröffentlichen, in denen Alben oftmals schon zum Großteil vor Release bekannt sind, habt Ihr lediglich „Resistance“ vorab ausgekoppelt. Ein bewusstes Statement gegen die heutigen Gewohnheiten der breiten Masse?

Und immer noch kein Statement. 😉 Ich glaube, wir sind da ein Stück weit Nostalgiker … oder naive Romantiker. Für mich ist ein Album immer eine Reise, ein Stück unbekannter Weg, auf dem jedes Detail und jeder Ausblick bestimmte Koordinaten und eine bestimmte Funktion haben, die dann zur Geltung kommen, je weiter man sich bewegt.

Für mich sind die Songs eines Albums Teil eines Narrativs, eines musikalischen Habitats, Teil einer symbiotischen Ordnung. Wenn du wüsstest, wie lange ich brauche, bis ich die gefühlt richtige finale Reihenfolge der Songs gefunden habe! Ach ja … und ich mag, dass es Zeit braucht, diesen Weg zu gehen, und dass er diese Zeit auch einfordert.

Golden Apes - Resistance

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Ähnliches könnte man zu den Songlängen fragen. Weiterhin sind Golden Apes eine Band, die ihren Songs Zeit zum Entfalten gibt, mehr als die Hälfte der Stücke aus „The Sun …“ knackt die Fünf-Minuten-Marke. Auch das ist heutzutage selten. Aber sitzt Ihr nicht manchmal doch zusammen und versucht, einen Zweieinhalb-Minuten-Instant-Hit zu kreieren?

Um ehrlich zu sein – nein. Zum einen, weil ich Dinge nicht mag, die instant sind, und zum anderen, weil es ja bei Musik nun mal um Emotionen geht und zumindest ich jene nicht mithilfe eines Sekundenzeigers definieren kann. Wie du richtig bemerkt hast: Es bedarf der Zeit, die es braucht, um an den Punkt zu kommen, an dem es sich richtig anfühlt. Und das ist immer dann, wenn Zeit keine Relevanz mehr hat. Kommen wir deswegen nicht ins Radio? Vermutlich. Können aber ungetrübt in den Spiegel schauen …

Man hört in der Szene seit einigen Jahren (quasi seit der Pandemie-Ära) von einem Postpunk/Gothrock/Batcave-Boom. Spürt Ihr diesen in irgendeiner Form, kommen mittlerweile vielleicht zunehmend jüngere Fans zu den Konzerten?

Tatsächlich ist mir persönlich ein spürbarer Boom so nicht wirklich aufgefallen, da ich finde, dass die Szene immer schon sehr aktiv und in Bewegung war. Aber ich glaube auch, dass die heute verfügbaren Medien und deren Reichweite schon dazu beitragen, dass bestimmte Genres ein Stück weit ihre hermetische Kapsel aufbrechen und an ein Publikum getragen werden, das aufgrund seiner Zeit und musikalischen Sozialisation sonst eher keinen direkten Zugang dazu hätte.

Und natürlich ist es toll, wenn Musik Wege findet, universell und zeitunabhängig zu wirken.

Apropos Konzerte: Bis zum Jahresende stehen drei Shows in Leipzig, Jena und Berlin im Kalender. Was können Fans von den Shows erwarten, wie viele neue Songs probt Ihr und wollt Ihr spielen?

Ich gestehe, wir sind ein wenig faul dieses Jahr – ein Umstand, den wir hoffentlich im kommenden wieder gutmachen werden. Aber die Arbeit an der Produktion des Albums, die sich fast über die komplette erste Jahreshälfte streckte, war sehr zeitintensiv, und viele private Belange mussten zurückstecken. Von daher ist die zweite Jahreshälfte etwas ruhiger geplant. Es sei gegönnt.

Bei den anstehenden Konzerten werden wir natürlich versuchen, so viele neue Songs wie möglich zu spielen, auch wenn einige ja schon einen Moment lang mit uns sind. Wir sind just dieser Tage im Proberaum, arbeiten am Set und freuen uns sehr auf die Termine.

Wann kommen denn Fans wieder in den Genuss von Golden-Apes-Liveshows, die nicht im Osten wohnen?

Das ist ja immer weniger eine Frage von Himmelsrichtungen (oder gar Lokalpatriotismus) als vielmehr von logistischen Umständen. Aber soweit ich weiß, zeigt der Kompass im kommenden Jahr auch ein paar Mal in die andere Richtung, sodass ich mir sicher bin, dass wir auch mal wieder mit der Sonne reisen werden.

GOLDEN APES feat. SHANNON HEMMETT "Dust And Dew"

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Kurzer Rückblick bezüglich der Live-Situation: Im Frühjahr durftet Ihr erstmals eine kurze Kanada-Tournee spielen. In Zeiten explodierender Kosten, die es gerade nischigeren Szene-Acts immer schwieriger macht, international zu touren: Wie hat dies funktioniert? Und was blieb euch von den Shows besonders in Erinnerung?

Nun ja, da wir die Freiheit haben, derlei Privilegien nicht als wirtschaftliches Unterfangen sehen zu müssen – eine Tatsache, auf die sich auch obiges „Hobbyband“ bezog –, haben wir vielleicht etwas mehr Spielraum als manch professionelle Kollegen, die finanziell weitaus enger kalkulieren müssen. Hinzu kommt, dass wir jetzt auch nicht 200 Tage im Jahr auf Tour sind, sondern derlei Aktivitäten für uns wirklich etwas Besonderes und sehr Angenehmes sind. Es geht darum, gemeinsam eine gute Zeit zu haben, spannende Orte zu sehen und tolle Menschen zu treffen. Und allein schon die Tatsache, dass es dort überm Meer Leute gibt, die uns live sehen und unsere Musik hören wollen, ist eigentlich Belohnung genug, sodass der Profit nicht wirklich eine Rolle spielt. Natürlich muss man finanziell kalkulieren und abwägen, aber wenn am Ende gedeckte Unkosten und Köpfe voller angenehmer Erinnerungen bleiben, dann hat es sich immer mehr als gelohnt. Und das hat es.

Was wirklich immer noch nachhallt, sind die großartigen Menschen, die wir überall treffen durften. Ihre Offenheit, Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Angefangen bei unseren Reisebegleitern, den City Gates, über die Veranstalter und Organisatoren bis, last but not least, zum grandiosen Publikum, dem wir bei allen Shows begegnen durften – eine Erfahrung, die wir ohne Zögern morgen wiederholen würden.

Nach fast 30 Jahren als Band: Gibt es noch unerfüllte Träume? Einen Ort, an dem Ihr unbedingt einmal noch spielen wollt?

Die schwierigste Frage zum Schluss. Träume klingt mir ein wenig zu realitätsfern für unseren Status Quo und dem Punkt, an dem wir im Jetzt und Hier stehen. Es gibt eher Wünsche und Hoffnungen. Nämlich, dass wir noch nicht am Ende des Weges sind und noch eine Weile musikalische Leidenschaften teilen. Ich male mir manchmal aus, wie wohl das allerletzte Golden Apes-Album klingen müsste. Noch weiß ich es gar nicht und momentan will ich es auch gar nicht wissen. Ich möchte mit der Band und der Musik noch an so vielen schönen, spannenden und interessanten Orten wie möglich spielen, egal wo diese jetzt konkret sind. Wenn das klappt, kommen wir der Vorstellung eines Traumes schon sehr nah …

Termine GOLDEN APES Tour 2026

09.10.2026 Leipzig, Moritzbastei
13.11.2026 Jena, Rosenkeller
20.11.2026 Berlin, Privatclub

Weblinks GOLDEN APES:

Homepage: goldenapes.com
Facebook: GoldenApes
Instagram: golden_apes


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