ACTORS / HALLOWS – Bochum, Trompete (09.09.2026)

Actors © Patrick Friedland
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Lesedauer: 3 Minuten

Jason Corbett muss Höllenqualen leiden. Aber er zieht gnadenlos durch. Vor allem ist er gnadenlos zu sich selbst. „Ich wollte diese Tour auf keinen Fall absagen“ , sagt er schon nach den ersten Songs, die er auf einem Barhocker sitzend performt. 15 Auftritte umfasst die Europa-Konzertreise der Actors im September. Und Corbett steht direkt vor Tourbeginn eines Morgens auf und hat plötzlich Ischias. Ziemlich dolle Ischias. Wer das einmal durchgemacht hat, ahnt, wie schwer es für den Frontmann und Gitarristen sein muss, Abend für Abend hochwertig zu performen. Vor kleinen dreistelligen Kulissen am anderen Ende der Welt. Dafür gebührt ihm jeder nur mögliche Respekt.

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Zuvor erhielten aber erst einmal Hallows die Gelegenheit, das Publikum auf einem verregneten Mittwochabend in der geschätzt etwas mehr als halb gefüllten Bochumer Trompete von sich zu überzeugen. Das Duo könnte die erste und einzige Schwarze-Szene-Band aus Mauritius aller Zeiten sein. Mittlerweile haben sich Vanee Dusoruth and Dom Rolando in Los Angeles niedergelassen und versuchen von dort aus, die Welt mit ihrem „Dark Electropop“ zu erobern. Im Klangbild steckt ganz viel 80er, die härteren Songs liegen irgendwo zwischen 80er-Synthwave und Ultra Sunn. Bemerkenswert: Rolando hämmert die Sequenzerbässe durch die Bank weg live in sein Instrument – die lassen sonst gefühlte 98 Prozent aller anderen Bands eigentlich nur vom Band kommen.

Zu zwei Songs schnappt er sich gar das Mikro. Dass sich die Leadstimmen bei Hallows abwechseln, lockert den Gesamteindruck doch sehr auf. Denn Vanee hat sicherlich eine angenehme Gesangsstimme, in den lang gezogenen Vocalparts leiert es aber doch etwas. Das soll aber auch der einzige echte Kritikpunkt sein. Hallows wissen, wie man catchy Songs und Refrains schreibt, die Sounds klingen frisch wie Retro zugleich und die beiden legen auch körperlich viel in ihre Performance rein. An einer Stelle nutzt Dom gar ein Break, um auf der Bühne Liegestütze zu machen. Szenenapplaus. Wer auf düsteren, treibenden, poppigen Electro steht, darf beim aktuellen Album „Dream“ jedenfalls ohne Bedenken ein bis zwei Ohren riskieren.

Gerade einmal zehn Minuten später legen Actors bereits los. Eine wunderbar kurze Umbaupause – wenn das immer mal so zügig funktionieren würde! Mit zwei Stücken ihres neuen, pünktlich zur Tour veröffentlichten dritten Album „Our Love Will Live Forever“ legten Jason Corbett, Shannon Hemmett (Keyboards), Kendall Wooding (Bass) und Adam Fink (Schlagzeug) los. Die Reaktionen? Positiv, aber noch ein wenig verhalten. „Wer von euch kennt denn schon unser neues Album?“ , fragt Corbett. Dass diese Frage von nicht allzu vielen Gästen mit „Yeah“ beantwortet wird, hat ein lakonisches „Fünf Prozent. Na toll.“ zur Antwort. Überhaupt unterhält der Sänger trotz seiner Malaise mit trockenem, ironischen Humor in den Zwischenansagen, liefert allen Schmerzen zum Trotz eine stimmlich einwandfreie Performance ab.

Mit „Luv U More“ und „Like Suicide“ von der „Acts of Worship“-LP steigt dann auch die Stimmung vor der Bühne. Diese ist in der Trompete bekanntlich extrem niedrig, die Fans in den vorderen Reihen sind hautnah dran. Jede Mimik und Gestik kann präzise verfolgt werden. Auffällig: Die großartige Chemie des in dieser Besetzung seit 2020 zusammen spielenden Quartetts. Ständig scherzen die Vier zwischen den Songs miteinander rum – ganz so, als ob die missliche gesundheitliche Lage Corbetts Actors noch ein wenig enger zusammenschweißt. Musikalisch mischen sich alte Highlights wie „Slaves“ vom Debüt „Our Time Will Come“ mit neuen Krachern der Güteklasse „CTRL“ mit seinem irre voll klingenden, drückenden Wave-Bass. Diese kombiniert aktuell fast keine Band so gut mit verhallten Gitarren-Licks und Ohrwurm-Hooks wie Actors.

Die besten Reaktionen erhalten dennoch die ganz alten Songs. Die Freude über „How Deep Is The Hole?“ ist groß, da drückt Corbett schon zur verhältnismäßig frühen Uhrzeit gegen 21.40 Uhr auf die Euphoriebremse. „Zwei Songs noch, dann gehe ich ins Krankenhaus“ , so kündigt er furztrocken den Endspurt an. Bei „Post-Traumatic Love“ erklingt der „Yeeaahyeeaahyoo“ -Refrain-Chor im Publikum wunderbar laut, doch schon wenige Minuten und ein „Bury Me“ später ist wirklich schon Schluss. 60 Minuten, keine Zugabe. Vermutlich das Maximum von dem, was für Jason Corbett aktuell drin ist. Aber mal im Ernst: Wer will schon mit entzündetem oder eingeklemmtem Ischias zehn Stunden von Vancouver nach Deutschland fliegen? Beispielsweise über „L’Appel du Vide“, den mitreißenden Opener vom Debüt, in einer kurzen Zugabe hätten sich jedoch sicher viele Fans gefreut. Diese hatten stattdessen noch mehr als ausreichend Zeit für einen Schnack mit den gesunden Bandmitgliedern sowie Hallows, die sich über den ganzen Abend hinweg sehr sympathisch am Merchandise präsentierten. Ein kurzer, jedoch erfüllender Abend für Freunde von Dark Wave und Synthiepop – wir wünschen Mr. Corbett gute Besserung!

Setlist ACTORS @ Bochum, Trompete (09.09.2026)
  1. Dead Inside
  2. Object of Desire
  3. Luv U More
  4. Like Suicide
  5. Left On Read
  6. In Real Life
  7. Strangers
  8. Slaves
  9. CTRL
  10. Youth
  11. We Don’t Have To Dance
  12. Face Meets Glass
  13. How Deep is the Hole?
  14. Post-Traumatic Love
  15. Bury Me

Eine vorerst letzte gemeinsame Deutschland-Show spielen Actors und Hallows am 13. September im Rüsselsheimer Club Das Rind. Karten sind noch für 30,50 € erhältlich.

Weblinks ACTORS:

Webseite: www.actorstheband.com
Facebook:  actors1984
Instagram:  actors_the_band
Bandcamp: Bandcamp
YouTube: @ACTORStheband

Weblinks HALLOWS:

Webseite: www.hallowsband.com
Facebook: www.facebook.com/hallows.sadwave
Instagram: www.instagram.com/hallows_band
Bandcamp: hallows.bandcamp.com


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