HURTS – Festung Königstein, Open Air (05.07.2026)

Hurts © Sandro Griesbach
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Lesedauer: 6 Minuten

Am Sonntag, dem 5. Juli, liegen über 400 Kilometer zwischen meinem Wohnort und der Festung Königstein. Für ein Konzert ist das eine lange Anreise, doch mit jedem Kilometer durch das Elbsandsteingebirge wächst die Vorfreude. Hoch über der Landschaft erhebt sich eine der beeindruckendsten Festungsanlagen Europas. Nicht innerhalb der Festung, sondern am Fuße ihrer mächtigen Sandsteinmauern findet an diesem Abend der Auftakt der Hurts-Sommertour statt. Das Wetter zeigt sich wechselhaft. Immer wieder ziehen dichte Wolken über die Anlage hinweg, doch der angekündigte Regen bleibt aus. Bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad strömen nach und nach immer mehr Besucher auf das Konzertgelände. Vor der Bühne rücken die Fans enger zusammen, letzte Getränke werden geholt und wiederholt wandern erwartungsvolle Blicke zur Bühne. Mit jeder Minute steigt die Erwartung auf einen Konzertabend in außergewöhnlicher Kulisse.

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Die Uhren zeigen viertel nach Acht, als sich langsam die Bühne füllt. Die Liveband nimmt ihre Plätze ein, die beiden Backgroundsängerinnen treten ins Licht und mit den ersten Takten von „Redemption“ baut sich vor den mächtigen Mauern der Festung eine fast greifbare Spannung auf. Noch fehlt die markante Stimme von Theo Hutchcraft, doch bereits diese kurze instrumentale Einleitung sorgt dafür, dass die Erwartung im Publikum mit jeder Sekunde wächst. Dann betritt Theo unter lautem Jubel die Bühne. Gekleidet in ein cremefarbenes Sakko über einem weißen Tanktop und eine schwarze Hose, komplettiert durch eine dunkle Sonnenbrille, erscheint er mit jener Eleganz, die seit jeher zu seinem Markenzeichen gehört. Kaum hat er das Mikrofon in der Hand, richtet er sich mit den Worten „Königstein, make some noise!“ an die Menge. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Ohne Umschweife eröffnet „Silver Lining“ den Abend und bereits nach den ersten Zeilen verwandelt sich das Konzertgelände in einen riesigen Chor. Vom ersten Moment an ist spürbar, dass Theo Hutchcraft und das Publikum an diesem Abend eine besondere Verbindung eingehen. Als der Song endet, blickt der Sänger lächelnd über die Menge, legt sich anerkennend die Hand auf die Brust und bedankt sich damit wortlos für den überwältigenden Empfang.

Mit „Some Kind of Heaven“, „Ready to Go“ und „Miracle“ gewinnt der Abend spürbar an Dynamik. Theo Hutchcraft nutzt vom ersten Moment an jeden Meter der Bühne. Unermüdlich ist er in Bewegung, tanzt, sucht immer wieder die Nähe zum Publikum und setzt den Mikrofonständer als festen Bestandteil seiner Performance ein. Mal wirbelt er ihn spielerisch durch die Luft, mal trägt er ihn lässig über die Bühne, ehe er ihn im nächsten Moment wieder elegant in die Choreografie einbindet. Dabei wirkt keine seiner Bewegungen aufgesetzt. Seine Mimik verändert sich mit jedem Song, von konzentrierter Ernsthaftigkeit bis zu einem verschmitzten Lächeln, mit dem er das Publikum immer wieder zum Mitsingen animiert. Während Theo das Publikum nahezu pausenlos in seinen Bann zieht, sorgt die Liveband gemeinsam mit den beiden Backgroundsängerinnen dafür, dass die elektronisch geprägten Arrangements von Hurts auch live ihre ganze Atmosphäre entfalten. Synthesizer, präzise Rhythmen und behutsam eingesetzte Gitarren ergänzen sich zu einem ebenso kraftvollen wie eleganten Klangbild.

Zwischen den Songs nimmt sich Theo Hutchcraft immer wieder Zeit für kurze Ansagen. Mal spricht er auf Deutsch, mal auf Englisch, bedankt sich für die jahrelange Unterstützung und betont, wie sehr ihm die deutschen Fans am Herzen liegen. Mehrfach schwärmt er von der beeindruckenden Kulisse der Festung Königstein und wirkt dabei keineswegs einstudiert. Seine Begeisterung für die Region kommt dabei nicht von ungefähr. Bereits beim Gastspiel im Jahr 2023 nutzten Theo Hutchcraft und Adam Anderson die Gelegenheit, das Elbsandsteingebirge rund um die Festung Königstein zu erkunden. Die beeindruckende Felslandschaft blieb den beiden Musikern offenbar in guter Erinnerung – umso authentischer wirken Theos Worte, als er auch diesmal die besondere Atmosphäre der Region und der Festung mehrfach hervorhebt. Seine Worte bleiben nie lange Monologe. Immer wieder sucht er den Blickkontakt zu den Menschen vor der Bühne, reagiert auf Zurufe und nimmt die Begeisterung der Fans dankbar auf. Besonders in den ersten Reihen kennt der Jubel kaum Grenzen. Vor allem die jungen Frauen feiern nahezu jeden Song, formen Herzen mit ihren Händen und strecken sie Theo entgegen, der diese Gesten immer wieder mit einem Lächeln oder einem dankbaren Nicken erwidert.

Zu den eindrucksvollsten Bildern des Abends gehören die champagnerfarbenen Rosen, die Theo während des Konzerts immer wieder ins Publikum wirft. Farblich greifen sie das cremefarbene Sakko des Sängers auf und entwickeln sich im Laufe des Abends zu einem wiederkehrenden Symbol der Show. Die Fans versuchen, die Blumen zu fangen, reichen sie weiter oder halten sie wie kleine Erinnerungsstücke in die Höhe. Nicht weniger bewegend ist ein handgeschriebenes Schild aus den ersten Reihen mit der Aufschrift: „You were there during my darkest days, without ever knowing it. Thank you.“ Ein einziger Satz reicht aus, um zu verdeutlichen, welche Bedeutung die Musik von Hurts für viele Menschen besitzt. Es sind solche stillen Momente, die diesen Abend weit über ein gewöhnliches Konzert hinausheben.

Mit der einsetzenden Dämmerung verändert sich auch die Stimmung vor den mächtigen Mauern der Festung Königstein. Während „Devotion“, „Somebody to Die For“ und „Illuminated“ gewinnt das Konzert noch einmal an Intensität. Auch im letzten Drittel der Show bleibt Theo Hutchcraft unermüdlich aktiv und verliert dabei nie seine elegante Ausstrahlung. Er nimmt Rosen entgegen, verschenkt sie wenig später wieder an die Fans und schafft es selbst mit kleinen Gesten, große Wirkung zu erzielen. Gesanglich präsentiert er sich über den gesamten Abend in beeindruckender Verfassung. Kraftvoll in den hymnischen Refrains, einfühlsam in den ruhigeren Passagen und stets mit jener charakteristischen Stimme, die den Songs von Hurts seit jeher ihre unverwechselbare Identität verleiht.

Mit „Blood, Tears & Gold“ und „Evelyn“ wird einmal mehr deutlich, weshalb die Musik von Hurts auch sechszehn Jahre nach dem Erscheinen von „Happiness“ nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat. Doch nicht nur die Songs machen diesen Abend besonders. Immer wieder tauchen in den ersten Reihen rote Herzballons auf, auf denen die Namen „Theo“ und „Adam“ zu lesen sind. Dazwischen formen unzählige Fans Herzen mit ihren Händen und strecken sie der Bühne entgegen. Theo registriert diese Gesten, lächelt den Fans zu und erwidert sie mit einem kurzen Winken oder einem dankbaren Blick. Nicht spektakuläre Showeffekte bleiben von diesem Abend in Erinnerung, sondern die vielen kleinen Begegnungen zwischen Theo Hutchcraft und seinem Publikum. Genau diese Nähe verleiht dem Konzert eine besondere Intensität.

Als schließlich die ersten Takte von „Wonderful Life“ erklingen, erreicht die Stimmung ihren emotionalen Höhepunkt. Kaum ein anderer Song ist so eng mit der Geschichte von Hurts verbunden wie dieser Klassiker. Tausende Stimmen verschmelzen zu einem einzigen Chor, während über den Köpfen der Besucher schwarze und weiße Ballons im Takt der Musik geschwenkt werden. Für einen Moment scheint es, als würde das gesamte Konzertgelände den Song gemeinsam tragen. Theo Hutchcraft tritt immer wieder einen Schritt zurück, überlässt den Refrain den Fans und genießt sichtlich diesen besonderen Augenblick. Während die letzten Sonnenstrahlen hinter den Sandsteinfelsen verschwinden und die mächtigen Mauern der Festung langsam im Bühnenlicht aufgehen, entfaltet der Abend seine größte emotionale Kraft. Spätestens jetzt wird deutlich, weshalb Hurts auch anderthalb Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch auf eine so treue Fangemeinde zählen können.

Doch der Abend hat noch längst nicht seinen Schlusspunkt erreicht. Mit „Sunday“, „Better Than Love“ und „Wings“ hält die Band das hohe Niveau mühelos bis in die Schlussphase. Noch einmal wechseln sich tanzbare Momente mit nachdenklichen Passagen ab, noch einmal fliegen champagnerfarbene Rosen in die Menge und werden von den Fans dankbar aufgefangen. Nach lautstarken Zugaberufen kehrt Hurts für „Nothing Will Be Bigger“, „Under Control“ und den abschließenden Klassiker „Stay“ auf die Bühne zurück. Als die letzten Zeilen erklingen, wirft Theo ein letztes Mal Rosen ins Publikum. Minutenlang brandet Applaus auf, viele Besucher bleiben noch stehen, obwohl die Bühne längst dunkel geworden ist. Niemand scheint diesen Abend vorschnell verabschieden zu wollen.

Für mich schließt sich an diesem Sonntag ein Kreis. im Oktober 2011 durfte ich Hurts bereits während der „Happiness“-Tour in der Frankfurter Jahrhunderthalle erleben. Damals standen Theo Hutchcraft und Adam Anderson am Beginn einer außergewöhnlichen Karriere. Heute haben ihre Songs nichts von ihrer Wirkung verloren – im Gegenteil. Zwischen den mächtigen Mauern der Festung Königstein wirkten „Silver Lining“, „Wonderful Life“ oder „Stay“ zeitloser denn je. Das Konzert war weit mehr als ein nostalgischer Rückblick. Es war der Beweis, dass Musik Menschen über Jahre hinweg begleiten, verbinden und immer wieder aufs Neue berühren kann. Die champagnerfarbenen Rosen, die während des Abends immer wieder ihren Weg ins Publikum fanden, wurden dabei zum Sinnbild dieses besonderen Konzertabends – einer kleinen Geste, die ebenso elegant wie herzlich wirkte und vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Mit dem Auftritt von Hurts ist die Open-Air-Saison an der Festung Königstein noch längst nicht beendet. In den kommenden Wochen gastieren unter anderem Royal Republic, Saltatio Mortis, Diary of Dreams gemeinsam mit In Strict Confidence, Kärbholz, Eisbrecher mit Schattenmann sowie Schiller vor der beeindruckenden Kulisse der Festungsanlage. Nach diesem gelungenen Tourauftakt dürfen sich die Besucher auf weitere besondere Konzertabende an einem der außergewöhnlichsten Veranstaltungsorte Deutschlands freuen.

Setlist HURTS – Festung Königstein, Open Air (05.07.2026):
  1. Silver Lining
  2. Some Kind of Heaven
  3. Ready to Go
  4. Miracle
  5. Rolling Stone / Road
  6. Devotion
  7. Somebody to Die For
  8. Illuminated
  9. Voices
  10. Sandman
  11. Blood, Tears & Gold
  12. Evelyn
  13. Wonderful Life
  14. Sunday
  15. Better Than Love
  16. Wings
  17. Nothing Will Be Bigger (Z)
  18. Under Control (Calvin Harris Cover) (Z)
  19. Stay (Z)
Weblinks HURTS:

Webseite: www.informationhurts.com/
Facebook: @hurts
Instagram: @theohurts


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