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„What the fuck? I love you Paris. It’s nice to meet you guys. I had an off day yesterday, and I gotta say Paris is maybe the coolest place I’ve ever been in my whole life. Genuinely had the best time. So thank you guys for buying tickets and bringing us all the way. We sold this out. I’ve never been to Europe before. My crowds are usually kind of split down the middle. The half of the crowd is here for therapeutic reasons and wants to work through some trauma, maybe have a cry. The other half is bunch of degenerates. You are way too horny to be in public right now. And I think it’s time we figure out who’s who.“ Mit einem vielsagenden Grinsen blickte der Fronter straight in die Runde und erfreute sich an den amüsiert-irritierten Gesichtsausdrücken seiner Fans.
„Kill Or Be Killed“ erfasste einen gar körperlich. Jutes Stimme durchfuhr einen durch und durch, während sich über der treibenden Instrumentierung eine hinreißende Gitarrenmelodie legte. Der Track bewegte sich zwischen innerem Druck, Überlebensinstinkt und dem Gefühl, sich in einer kalten Welt behaupten zu müssen – absolut emotional und befreiend zugleich. Auf kollektives headbangen trafen bereits in der nächsten Zeile Augenblicke, in denen man innerlich die Arme ausbreiten und die halbe Welt – oder zumindest die mitfeiernden Fans – umarmen wollte. Gerade dieser Kontrast verlieh dem Stück fast eine kathartische Wirkung.
Meiner Meinung nach zählt „Disassociate“ aktuell zu den stärksten Songs des Kanadiers. Zwischen dunkler Sinnlichkeit, emotionaler Schwere und völliger Hingabe entfaltete der Track live eine beinahe hypnotische Wirkung. Samt geshlossener Augen legte Jutes spürbar all sein Gefühl in die sinnlichen Zeilen. Der pulsierende Drum-&-Bass-Part verlieh „Disassociate“ dabei etwas Rauschhaftes — als würde man einen Moment vollständig der Realität entgleiten. Mit einem grinsenden „I guess you know this line“ deutete Jutes schließlich den berüchtigten Rap-Part an. Genau in diesem Moment wurde die Bühne in tiefrotes Licht getaucht — und das Le Trabendo explodierte förmlich. Als er zu „Spread your legs for me, watch me eat my way to your heart“ ansetzte, schrien die Fans die Zeilen entfesselt mit. Trotz der provokanten Direktheit wirkte der Moment dabei nie plump, sondern vielmehr wie ein weiterer Ausdruck jener ungefilterten Intensität, die Jutes’ Songs so mitreißend macht. Er selbst wurde im Anschluss mit ohrenbetäubendem Jubel belohnt.
„Paris, are we having fun? I’m having so much fun. You guys are amazing. Oh my God, there’s a magic in the room tonight. I can feel it. Thank you for bringing that energy. Funny story to that song we just played. We used to play it before it was out. And I was, like, oh man, they hate this song. We should probably maybe take it out of the set. Maybe, you can put it out at all. And then I put it out, and I was, like, oh shit, now, it’s one of the biggest songs in my whole career. So we were, like, hmm, maybe we should play more unreleased music, when we tour. So, is it okay if I play a couple of unreleased songs for you? Okay, so here’s what’s gonna happen. I’m gonna play two unreleased songs in a row. First, one is called ,Mannequin‘. Second, one is called ,Goodnight (Interlude)‘. And an interlude can only mean one thing: an album! I have finished an album. It is coming. And ,Mannequin‘ and ,Goodnight‘ are actually going to come out as soon as this tour is over. So, I just needed you guys to hear it first, and then the rest of the world can happen.“
Besonders „Mannequin“ packte dabei vom ersten Moment an mit einer außergewöhnlichen Emotionalität. Gebannt richteten sich die Blicke auf die Bühne, die Fans hingen quasi an den Lippen von Jutes, während sich eine spürbare Spannung über den Raum legte. In einem besonders intensiven Part brach gar mitten im Song spontaner Zwischenjubel aus — fast so, als müssten die Zuschauer die aufgestauten Emotionen unmittelbar hinauslassen. Tief unter die Haut ging schließlich das Interlude von „Goodnight“. Der Club wurde augenblicklich still, während sich die melancholische Atmosphäre des Stücks langsam ausbreitete. Gerade diese ruhigeren Augenblicke zeigten eindrucksvoll, wie stark Jutes nicht nur über Energie und Härte funktioniert, sondern ebenso über Verletzlichkeit und emotionale Nähe. Und auch der smarte Sänger selbst wirkte durchaus etwas ergriffen.
Ebenfalls gefühlvoll schloss sich anschließend „I Can Fix You“ an. Gemeinsam mit dem Fronter schwang die Crowd dabei die Arme von links nach rechts. Die Stimmung wirkte an diesem Abend wahrlich bezaubernd. Sichtlich fasziniert blickte Jutes immer wieder in die Menge, als wolle er diese Momente innerlich verankern. Immer wieder wurde spürbar, wie sehr er jede einzelne Sekunde dieses Abends nicht einfach performte, sondern tatsächlich fühlte und lebte.
„Alright, if you know the words to this next one, please help me sing it.“ Spätestens mit „Obsessed“ gab es im Le Trabendo endgültig kein Halten mehr. Der Song entfaltete live jene verführerische, fast schon süchtig machende Wirkung, die ihn ohnehin zu einem der eingängigsten Tracks von Jutes macht. Getragen von tanzbarer Dynamik, lässigem Hüftschwung und seiner charismatischen Bühnenpräsenz bewegte sich Jutes vollkommen losgelöst über die Bühne — und die Crowd tat es ihm nur allzu gerne gleich. Überall sah man selige Gesichter, lockere Bewegungen und Menschen, die sich völlig in diesem Moment verloren. Gleichzeitig setzte sich „Obsessed“ mit seiner beharrlichen Melodie sofort tief im Gehörgang fest. Einer dieser Songs, die einen noch Tage später unvermittelt wieder einholen, bis man irgendwann lachend feststellen muss: Jutes hat hier definitiv etwas gesät – entrinnen ausgeschlossen!
„I’m obsessed with you! And I’m also obsessed with these guys. Go and meet my band. Go ahead and scream for Julian on guitar. Give it up for Jonathan on the drums. And the newest member of the band. He has actually some family here tonight, so make sure you scream for Cairn. That’s enough yapping for me.“ Basslastig setzte „Eulogy“ ein und riss das Le Trabendo sofort erneut mit sich. Ausgelassen sprang Jutes über die Bühne, peitschte die Energie immer weiter nach oben und brachte schließlich den gesamten Club in Bewegung. Überall wippten Köpfe, bewegten sich Körper im Takt und selbst die hinteren Reihen ließen sich vollkommen von der Dynamik des Songs erfassen. Und doch verlor Jutes bei all der Euphorie nie die Nähe zu seinen Fans. Immer wieder suchte er intensiven Blickkontakt zur Menge, hielt inne oder sang Zeilen direkt in die ersten Reihen hinein. Tatsächlich entstand dadurch beinahe das Gefühl, jeder einzelne Besucher würde an diesem Abend von Jutes wahrgenommen und förmlich in seine Welt hineingezogen werden. Gerade diese seltene Mischung aus Rockstar-Energie und ehrlicher Nahbarkeit machte es absolut unmöglich, sich seinem Sog zu entziehen.
Mitten im immer weiter eskalierenden Abend zog Jutes schließlich sein Hemd aus, woraufhin eine Vielzahl seiner Schwarz-Weiß-Tattoos zum Vorschein kam, während er lediglich im weißen Achselshirt weiter performte. Die Temperaturen im Le Trabendo waren mittlerweile spürbar angestiegen und genau diese aufgeheizte Atmosphäre schien sich unmittelbar auf „Parasite“ zu übertragen. Trotz seiner harten Momente nahm der Song live stellenweise beinahe laszive Züge an. Als Jutes die Zeile „Don’t be shy, take a bite, eat me alive“, wirbelte er völlig losgelöst über die Bühne, während sich immer wieder ungezügelte Schreie unter das Geschehen mischten und die Stimmung endgültig zu kochte.
„So, thank you for being a party dream’s coming true. You’re a part of that. It’s my first time here, we’re making history. I just want you guys to all know how grateful I am from the bottom of my heart. Thank you. I will never forget this. And if you feel like you’ve been trying to make progress in your life in any area, it doesn’t have to be music. And you feel like you keep falling on your face. I’m 35 years old, and it’s just now starting to happen for me, so it can happen, I promise. And if you love what you do, then just do it. And you never know what can happen. My wife recently dropped an album. And it’s really, really good. There’s a song on there called ,Ghost‘. And if you’ve heard it, you know how beautiful that song is. The is songs about, if I die before she does, she wants me to let her know that I’m still always going to be around by sending a chill down her spine or flickering the lights. And it really touched me. I know I can never make a song so beautiful, but I wanted to make a song in response to that song, and it’s called ,White Butterflies‘.“ Lauter Herzblut steckte in diesem Stück das spürte man einfach. Jutes strahlte so intensiv von innen heraus und während er für seine Demi Lovato seine Lyrics sang, fasste er sich gefühlvoll an sein Herz.
„You get another song and I want you to sing it.“ „Red Velvet“ verwandelte das Le Trabendo in einen euphorischen Taumel voller Leichtigkeit. Der Song brachte eine fast sehnsuchtsvolle Wärme in den Abend, wirkte trotz aller Emotionalität jedoch nie schwer, sondern vielmehr wie ein gemeinsames Loslassen. „We’ve got one more song for you and I need all this energy in this one — we’re all losing our minds!“ Mit diesen Worten leitete Jutes schließlich „Facelift“ ein — einen Song, der vor allem von seiner explosiven Dynamik, dem permanenten Vorwärtsdrang und dem fiebrigen Genre-Mix lebt. Mittlerweile war Jutes’ weißes Achselshirt komplett durchnässt, unter dem Stoff blitzten seine Tattoos deutlich hervor, während auch die Crowd längst von der Hitze und Intensität dieses Abends gezeichnet war. Vor und auf der Bühne wurde ausgelassen gefeiert. Menschen sprangen durch den Raum, Haare wirbelten durch die Luft und die Endorphine flirrten förmlich durch die Venue. Dieser Abend wirkte wie ein kollektives Ventil voller Euphorie, Nähe und gemeinsamer Hingabe zur Musik. „Paris, I fucking love you!“
Unter ohrenbetäubendem Jubel verließen Jutes und seine Musiker schließlich zunächst die Bühne. Doch kaum waren die Lichter heruntergefahren, begann der gesamte Club lautstark auf den Boden zu trampeln, zu pfeifen und nach einer Zugabe zu verlangen — erfolgreich. Als Jutes schließlich zurückkehrte, legte er seine Hand an die Stirn und hielt Ausschau in die Menge, als wolle er sich vergewissern, dass ihn wirklich alle noch einmal sehen wollten. Mit „Sleepyhead“ erklang schließlich jener Song, der Jutes mit inzwischen rund 53 Millionen Streams endgültig weit über die Alternative-Szene hinaus bekannt machte. Live spielten Zahlen allerdings keine Rolle. Hier zählte allein das ganz große Gefühl. Eine fast greifbare Sehnsucht legte sich über den Raum. Nach all der Ekstase wirkte das emotionale Stück wie ein kollektives Ausatmen – verletzlich, ehrlich und unsagbar nah. Während hunderte Fans Zeile für Zeile mitsangen, schienen alle nochmal näher zusammenzurücken.
Inhaltlich kreist „Sleepyhead“ um Einsamkeit, Verlustängste und das Gefühl, sich selbst irgendwo zwischen inneren Dämonen und dem Wunsch nach Nähe zu verlieren. Gerade diese Mischung aus Dunkelheit und zärtlicher Sehnsucht verlieh „Sleepyhead“ an diesem Abend eine fast schmerzhaft schöne Intensität. Besonders Zeilen wie „I’d die in my sleep to live in your arms“ trafen mitten ins emotionale Zentrum. Jutes sang sie nicht einfach — er lebte sie mit jeder Faser seines Körpers. Schweiß rann ihm weiterhin über Gesicht und Hals, während seine Stimme gleichzeitig eine Zerbrechlichkeit transportierte, die den zuvor noch euphorisch tobenden Club nach 80 Minuten beseelt zurückließ. „Thank you so fucking much, Paris.“ Mit Luftküssen verabschiedete sich Jutes schließlich von der Menge, ehe er noch einmal an den Bühnenrand trat, um zahlreiche Hände der ersten Reihen dankbar abzuklatschen.
Setlist JUTES – Paris, Le Trabendo (20.05.2026):
- Left On Dilworth
- One Of Us
- Blink Twice
- SMUT
- Kill Or Be Killed
- Disassociate
- Limerence
- Mannequin
- Goodnight (Interlude)
- I Can Fix You
- Obsessed
- Eulogy
- Parasite
- It Takes Two
- Icarus
- Vertigo
- White Butterflies
- Red Velvet
- Facelift
- Sleepyhead (Z)
Weblinks JUTES:
Webseite: jutesmusic.com/
Facebook: @JutesMusic
Instagram: @jutesmusic
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