MESH – Köln, Carlswerk Victoria (10.04.2026)

Mesh © Sandro Griesbach
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Lesedauer: 4 Minuten

Fast ein Jahrzehnt nach ihrem letzten Studioalbum meldeten sich Mesh mit „The Truth Doesn’t Matter“ eindrucksvoll zurück – einem Werk, das derzeit entsprechend gefeiert wird. Im Carlswerk Victoria zeigte die Band, wie stark sich die neuen Songs live entfalten und sich nahtlos in ihr gewachsenes Repertoire einfügen. Mit frischem Material und starker Unterstützung im Vorprogramm entwickelte sich der Abend zu einer dichten Mischung aus Emotion, Energie und synthgetriebenen Klanglandschaften.

Pünktlich um 19:30 Uhr begann der musikalische Reigen im Kölner Carlswerk mit der US-amerikanischen Sängerin Mari Kattman. Bekannt wurde sie als Frontfrau von Helix (gemeinsam mit Tom Shear von Assemblage 23, mit dem sie auch liiert ist). Bereits mit ihren ersten Soloalben „Hover“ und „Stay Up“ machte die Künstlerin eindrucksvoll auf sich aufmerksam. Der Stil ihrer Musik bewegt sich zwischen Electro, Industrial, EBM, Trap und Ambient und trägt dabei dennoch eine klare eigene Handschrift. Begleitet von ihrem Keyboarder präsentierte sie Songs wie „Typical Girl“, „Ascending“ oder „The Worst“, die melodisch-düster durch das bereits gut gefüllte Carlswerk Victoria klangen.

Die Atmosphäre der Songs und ihre starke Stimme nahmen das Publikum sofort in ihren Bann, das sie mit offenem Applaus belohnte. Ein wirklich gelungener Opener, der Lust auf mehr machte. Am Ende der Performance verabschiedete sich Mari – allerdings nur kurz, denn später sollte sie noch eine weitere Rolle spielen.

Weblinks MARI KATTMAN:

Bandcamp: marikattman.bandcamp.com
Facebook: MariKattman
Instagram:  themarikattman

Der zweite Streich folgte kurz darauf: Das schweizerisch-niederländische Duo Blackbook betrat mit Fechtmasken auf den Gesichtern die Bühne, und ihr gefälliger Synthie-Sound kam beim Publikum direkt gut an. Die Band brachte tanzbaren Electropop mit viel 80er-Flair, während die Live-Drums den Songs zusätzlich Schub verliehen. Während der Drummer maskiert blieb, zeigte Sänger Albert Den Dekkervon Blackbook sein Gesicht und hatte die Zuschauer schnell im Griff – sie reagierten prompt auf den Schweizer Charme, tanzten und klatschten mit. Tracks wie „I Dance Alone“ und „Nobody Loves You“ funktionierten durch die reduzierte Produktion und den melancholischen Gesang, während „I Am Not a Robot“ eher wie eine missglückte Kraftwerk-Parodie daherkam. „My Beautiful Witch“, ein Song über die Frau des Sängers (die an diesem Abend Geburtstag hatte), machte das jedoch wieder wett.

Ein kurzweiliges Vergnügen und ein gelungener Anheizer für das folgende Hauptprogramm.

Weblinks BLACKBOOK:

Facebook:  blackbook
Instagram:  blackbook.music
Bandcamp: Bandcamp

Um 21:03 Uhr ging es dann endlich los. Fast zehn Jahre hatte ich Mesh um die Musiker Richard Silverthorn und Mark Hockings nicht mehr live gesehen; ihr letztes Album „Looking Skyward“ erschien 2016. Mit einem Paukenschlag war die Gruppe aus Bristol zurück – mit ihrem neuen Werk „The Truth Doesn’t Matter“. Das brillante Album liefert genau das, was man erwartet: atmosphärisch dichten Synthiepop, der direkt ins Herz und in die Beine geht.

Mit dem groovigen Intro „Cipher“ betraten zunächst Keyboarder und YouTuber Vaughn George sowie Drummer Sean Suleman die Bühne und begaben sich an ihre Plätze. Mit dem Titelsong „The Truth Doesn’t Matter“ kamen schließlich auch Mark und Rich dazu und wurden mit großem Applaus empfangen. Schon hier zeigte die Band ihre Klasse, denn bereits der erste Track zog alle Anwesenden in seinen Bann.

„A Storm Is Coming“ zeichnet textlich das Bild einer Welt voller Unsicherheiten, vermittelt dabei aber zugleich ein Gefühl von Zusammenhalt und Hoffnung – Hand in Hand mit den Protagonisten auf der Bühne. Der Klassiker „My Protector“, mit Rich an der E-Gitarre, ließ die Beine der Fans zappeln, das Herz aufgehen und die Hände rhythmisch klatschen. Viele Bands wären froh über eine B-Side wie „Lone Wolf“ – bei Mesh wirkt selbst so ein Song wie ein vollwertiges Highlight.

Auf den riesigen LED-Leinwänden waren KI-generierte Videoprojektionen zu sehen, während die Lichtshow die Atmosphäre zusätzlich verdichtete. Es ging Schlag auf Schlag weiter, und der Gassenhauer „Crash“ ließ das Publikum endgültig eskalieren: Das prall gefüllte Carlswerk Victoria bebte, die Wände schienen zu vibrieren. In den kurzen Atempausen zwischen den Songs waren immer wieder „Scares me!“-Rufe zu hören – sehr zur sichtlichen Freude der Band.

Es nutzte dennoch nichts: Die Gruppe spielte brillante Liveversionen der Singles „Hey Stranger“ und „Bleed for You“ sowie „Kill Your Darlings“, präsentiert in einer angenehm rockigen Version. Apropos Klassiker: Interessant, dass sich die Band dafür entschied, nahezu das komplette neue Album live zu spielen und nur wenige ältere Stücke einzustreuen. Dem Konzert tat das jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil: Die neuen Songs fügten sich nahtlos ins Set ein, sodass man schnell das Gefühl hatte, sie schon seit Jahren zu kennen.

Auch der Sound in der Halle überzeugte: Produzent Olaf Wollschläger sorgte am Mischpult für einen transparenten und druckvollen Klang. Wieder waren die „Scares me!“-Einwürfe aus dem Publikum zu hören, und diesmal reagierte Vaughn direkt darauf und ließ eine kurze Piano-Improvisation des Songs einfließen. Die gesamte Halle sang den Refrain mit – ein wirklich großer Moment.

Insgesamt muss man festhalten, dass die vier Musiker wie eine Einheit agierten und Vaughn George eine echte Bereicherung für die Show war. Eine weitere Überraschung folgte mit „Bury Me Again“, als Mari Kattman auf die Bühne zurückkehrte und im Duett mit Mark Hockings für einen besonders intimen Moment sorgte. Auch bei „Tilt“ konnte sie mit ihrer Stimme glänzen, während Rich an der Gitarre zusätzliche Dynamik ins Bühnengeschehen brachte.

Die beiden letzten Stücke „Taken for Granted“ (bei dem die Fans den Chorus lautstark mitsangen) und „Be Kind“ wurden in eindrucksvollen Versionen präsentiert, bevor sich die Band zunächst verabschiedete. Doch der tosende Applaus holte sie schnell zurück auf die Bühne, um mit „The Last One Standing“, „Born to Lie“ und der ersten Single „Exile“ aus ihrem aktuellen Album noch einmal ein starkes Finale zu setzen.

Ein Abend, der eindrucksvoll zeigte, warum Mesh auch nach all den Jahren nichts von ihrer Intensität und Relevanz verloren haben – und der das Publikum zufrieden in die Kölner Nacht entließ.

Setlist Mesh Köln, Carlswerk Victoria (10.04.2026)

01. Cipher (Intro)
02. The Truth Doesn’t Matter
03. A Storm Is Coming
04. My Protector
05. Lone Wolf
06. It Scares Me (Live Impro)
07. Crash
08. Hey Stranger
09. I Bleed Through You
10. Kill Your Darlings
11. Not Everyone Is Lonely
12. Everything as It Should Be
13. Bury Me Again (Duett mit Mari Kattman)
14. Tilt (Duett mit Mari Kattman)
15. State of Mind
16. This World
17. Kill Us With Silence
18. Taken for Granted
19. Be Kind
20. The Last One Standing (Z)
21. Born to Lie (Z)
22. Exile (ZZ)

Weblinks MESH:

Webseite: www.mesh.co.uk
Facebook:  meshtheband
Instagram:  mesh.co.uk
YouTube: @meshtheband


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