Lesedauer: 3 Minuten
Lesedauer: 3 MinutenDie Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf wurde zum Tempel der elektronischen Avantgarde. Kraftwerk, die legendären Architekten synthetischer Klangwelten, luden zu einer Reise ein, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmolz. Das Heimspiel der Mensch-Maschine war mehr als ein Konzert: Es war ein Ritual, präzise inszeniert und voller Überraschungen.
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Pünktlich um 20 Uhr ertönte die ikonische Ansage: „Meine Damen und Herren, die Menschmaschine Kraftwerk“. Mit stoischer Ruhe traten Ralf Hütter, Henning Schmitz, Falk Grieffenhagen und Georg Bongartz auf ihre Podeste. Die schwarzen Overalls mit LED-Streifen, die je nach Komposition in passenden Farben leuchteten, ließen sie wie Teil der Projektionen wirken, die sich über die gesamte Bühne spannten. Schon in den ersten Minuten war klar: Hier regieren Disziplin, Ästhetik und Klangarchitektur. Die Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt, rund 7000 Besucher blickten gebannt auf die Leinwand, die sich wie ein Portal in andere Welten öffnete.
Der Abend begann mit „Nummern“ und „Computerwelt“, begleitet von pulsierenden Codes und Zahlen, die über die Musiker hinwegflimmerten. Das Publikum wurde sofort in die digitale Matrix von Kraftwerk hineingezogen. Bei „Spacelab“ verwandelte sich die Bühne in ein Raumschiffcockpit. Ein UFO flog über Düsseldorf (zu sehen waren der Fernsehturm und der Medienhafen) und landete gegen Ende des Songs virtuell vor der Halle – ein Moment, der Science-Fiction und Konzertkunst vereinte. „Die Mensch-Maschine“ erzeugte ein fast greifbares 3D-Feeling, während „Autobahn“ mit einem kleinen Tonaussetzer (einen kritischen Blick zu seinen Kollegen nach links konnte sich Hütter nicht verkneifen) und naiver Animation für ein charmantes Augenzwinkern sorgte. „Metropolis“ begann mit minimalistischen Hochhaus-Visualisierungen in Schwarz-Weiß, die den futuristischen Geist der Band eindrucksvoll unterstrichen. Die Zuschauer reagierten mit Staunen, Applaus und spürbaren Lächeln, wenn Technik und Humor sich unerwartet die Hand gaben.
Und Kraftwerk wären nicht Kraftwerk, wenn sie nicht auch mit Unerwartetem aufwarten würden: Eine Synthpop-Version von „Ätherwellen“, im Original auf dem „Radioaktivität“-Album, überraschte das Publikum mit frischem Glanz. Das unveröffentlichte Stück „Tango“ sorgte für neugierige Spannung und Diskussionen über ein mögliches neues Album. Doch Zeit für Spekulationen blieb kaum, denn die Hits kamen Schlag auf Schlag. Besonders bewegend: Ralf Hütters Ansage zu Ehren von Ryūichi Sakamoto. Mit einer Version von „Merry Christmas Mr. Lawrence“ gedachten Kraftwerk dem 2023 verstorbenen Freund und Musiker. Hütter erzählte, wie er Sakamoto 1981 in Tokio kennenlernte und wie dieser später sogar Texte für eine japanischsprachige, seit einigen Jahren auch live gespielte Version von „Radioaktivität“ beisteuerte. Ein stiller, respektvoller Augenblick, der die Halle in nachdenkliche Ruhe tauchte. Und sicherlich besonders, denn Zwischenansagen gibt es bei Kraftwerk sonst eigentlich nie.
Im Anschluss rollte der „Trans-Europa-Express“ durch Düsseldorf, gerade durch den „Metall auf Metall“-Part ein industrielles Happening. Klassiker wie „Das Model“, „Computerliebe“, „Radioaktivität“ und „Tour de France“ wurden ebenso gefeiert wie neuere Stücke aus „Tour de France Soundtracks“ (2003). Auch die vergleichsweise weniger bekannten „Vitamin“ und „La Forme“ fanden ihren Platz im Set.
Zum Finale fusionierten „Boing Boom Tschak“, „Techno Pop“ und „Musique Non Stop“ aus dem Album Electric Café (1986). Wie in den letzten Jahren üblich, schien die Show damit beendet – einige Zuschauer bewegten sich bereits Richtung Ausgang. Doch ein Kraftwerk-Konzert ohne die „Roboter“? Undenkbar. Nach tosendem Applaus der Menge kehrten die vier Herren zurück, und die unverzichtbaren Maschinenwesen übernahmen die Bühne: die ganze Halle tanzte entzückt „mekanik“.
Die 135-minütige Show war ein beeindruckendes Zusammenspiel aus Klang, Licht und konzeptioneller Präzision, eine Hommage an Vergangenheit und Zukunft der elektronischen Musik. Kraftwerk zeigten eindrucksvoll, wie zeitlos ihr Schaffen ist, und wie ihre multimediale Präsentation selbst Jahrzehnte alte Stücke in neuem Glanz erscheinen lässt. Dass eine Band, deren letzte Studioalben aus den Jahren 1986 und 2003 stammen, auch 2025 noch internationale Hallen füllt, unterstreicht ihre andauernde Relevanz.
Kraftwerk in Düsseldorf 2025: ein Gesamtkunstwerk, ein Heimspiel voller Magie und ein Triumph der Mensch-Maschine.
Setlist KRAFTWERK, Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall (14.12.2025)
- Nummern / Computerwelt / Computerwelt 2
- Heimcomputer / It’s More Fun to Compute
- Spacelab
- Ätherwellen
- Tango
- The Man-Machine
- Electric Café
- Autobahn
- Computer Liebe
- Das Model
- Neonlicht
- Metropolis
- Merry Christmas Mr. Lawrence (Ryūichi Sakamoto cover)
- Geigerzähler
- Radioaktivität
- Vitamin
- Tour de France / Tour de France Étape 3 / Chrono / Tour de France Étape 2
- La Forme
- Trans-Europa Express / Metall auf Metall / Abzug
- Planet der Visionen
- Boing Boom Tschak / Techno Pop / Musique Non Stop
- Die Roboter (Z)
Weblinks KRAFTWERK:
Website: KRAFTWERK
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