KRAFTWERK – Frankfurt (M), Jahrhunderthalle (01.12.2025)

Kraftwerk © Sandro Griesbach
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Lesedauer: 3 Minuten

Am Abend des 1. Dezember 2025 verwandelte sich der Kuppelsaal der Jahrhunderthalle Frankfurt in einen akustischen und visuellen Resonanzraum. Kraftwerk schickten das Publikum im Rahmen ihrer „Multimedia Tour 2025“ auf eine konzentrierte Reise durch fünf Jahrzehnte elektronischer Musik. Schon die Anreise zeigte den großen Andrang, lange Autoschlangen stauten sich früh vor dem Gelände. Der Besucherandrang war enorm, der Parkplatz füllte sich schnell. Ich erreichte die Halle gerade noch rechtzeitig zum pünktlichen Konzertbeginn um 20.00 Uhr, eine Punktlandung sozusagen. Kurz darauf wurde der Parkplatz wegen Überfüllung geschlossen, draußen warteten noch hunderte Autos. Das Konzert war restlos ausverkauft. Auf der Bühne setzten Kraftwerk mit betont reduzierter Präsenz auf Klang, Licht und Struktur statt auf klassische Rock-Show. Sie zeigten einmal mehr, wie konsequent ihre Vision von Musik als avantgardistisches Gesamtkunstwerk auch 2025 noch wirkt.

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Als sich der Saal in Dunkelheit tauchte, betraten die vier Musiker die Bühne, angeführt von Ralf Hütter, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied, der mit seinen 79 Jahren noch immer hinter dem Pult steht und singt, beeindruckend und bewegend zugleich, kein großes Bühnengetöse, keine klassischen Rock-Gesten, stattdessen leuchtende Pulte, klare Linien und pure Konzentration, alles war präzise abgestimmt, jedes Signal, jeder Ton, jede Bewegung wirkte wie Teil eines größeren, mechanischen Plans, auf der riesigen LED-Leinwand flimmerten grüne Zahlenkolonnen, blinkende Codes und minimalistische Grafiken, die sich nahtlos mit dem Sound verbanden, der Raum wurde zum digitalen Kunstwerk, ein Multimedia-Dom, in dem Technik und Emotion verschmolzen.

Das Konzert begann mit dem treibenden Doppel „Nummern“, „Computerwelt“ und „Computerwelt 2“, ein perfekter Einstieg, bei dem rhythmisch pulsierende Zahlenreihen auf der Leinwand flimmerten, begleitet von messerscharfen Sequenzen und einer beklemmenden Aktualität, die durch Themen wie digitale Kontrolle und Informationsfluss kaum zeitgemäßer wirken konnte. Danach folgte „Heimcomputer“, das mit überarbeiteten Arrangements überraschte, der Sound blieb klar und dynamisch, die Bässe tief und druckvoll, was dem minimalistisch gehaltenen Material neue Kraft verlieh.

Mit „Spacelab“ hob die Show im wahrsten Sinne ab, eine animierte Untertasse nahm Kurs auf Frankfurt, landete direkt vor der Jahrhunderthalle und sorgte für ein kollektives Staunen im Saal. Danach entfalteten sich Stücke wie „Ätherwellen“, „Tango“, „The Man-Machine“ und „Electric Café“ in klar strukturierter Präzision, während „Autobahn“ mit seiner ikonischen Fahrsequenz durch fließende Visuals auf der Leinwand ein Gefühl von Bewegung und Weite erzeugte. „Computerliebe“, „Das Model“, „Neonlicht“ und „Metropolis“ zeigten, wie elegant Kraftwerk Romantik, Stil und Urbanität in elektronische Klangarchitektur übersetzen.

Besonders berührend war das ruhige, fast fragile „Merry Christmas, Mr. Lawrence“, ein Instrumentalstück, das Ralf Hütter seinem langjährigen Freund Ryūichi Sakamoto widmete, der vor zwei Jahren verstarb, es war der einzige Moment des Abends, an dem Hütter persönlich zum Publikum sprach, still, respektvoll, zutiefst menschlich, ein Kontrast zur sonst streng durchkomponierten Show. Im Anschluss wurde es politisch mahnend, mit „Geigerzähler“ und dem folgenden „Radioaktivität“, für mich der emotionalste Moment des Konzerts, gerade mit dem Wissen, was atomare Bedrohungen der Erde und allem Leben antun können, und dem Hintergrund, dass Deutschland bereits 2011 den Atomausstieg beschloss, auf der großen LED-Leinwand erschienen die Namen von Orten wie Tschernobyl und Fukushima, begleitet vom Warnsymbol für Radioaktivität, eine eindrückliche visuelle Mahnung im Spannungsfeld aus Klang, Geschichte und Verantwortung.

In der zweiten Hälfte des Sets entfalteten sich die Stücke mit kraftvoller Dynamik, beginnend mit dem pulsierenden „Vitamin“, das die Energie spürbar ansteigen ließ. Der mehrteilige „Tour de France“-Block zog das Publikum mit treibenden Rhythmen und lebendigen Klanglandschaften in seinen Bann, bevor „La Forme“ mit seinen klaren, präzisen Linien die Atmosphäre verdichtete. Klassiker wie „Trans-Europa Express“ zusammen mit den rhythmischen Samples von „Metall auf Metall“ und dem treibenden „Abzug“ führten die Reise weiter, während „Planet der Visionen“ eine fast futuristische Klangkulisse schuf, die perfekt in das Gesamtkonzept passte. Das Finale mit „Boing Boom Tschak“, „Techno Pop“ und „Musique Non Stop“ brachte die Bühne zum Beben, bevor „Die Roboter“ als Zugabe den Abend mit der unnachahmlichen Mischung aus Technik und Menschlichkeit abschloss und den Maschinen-Mythos der Band ein letztes Mal eindrucksvoll zelebrierte.

Obwohl Kraftwerks Musik nicht zum klassischen Tanzen einlädt, bewegte sich das Publikum im hypnotischen Rhythmus mit, die Verbindung von Klang und visueller Kunst schuf ein immersives Erlebnis, das weit über ein gewöhnliches Konzert hinausging. Die typischen 3D-Animationen ließen Noten und Symbole schwerelos durch den Raum schweben, verstärkten das Gefühl, Teil einer anderen, futuristischen Welt zu sein. Dass heute nur noch Ralf Hütter von der legendären Besetzung der 70er und 80er Jahre auf der Bühne steht, störte niemanden, Kraftwerk waren nie eine klassische Rockband mit Frontmann, sondern immer ein Konzept aus Sound, Bild und Idee, sie sind die Menschmaschine, eine Einheit, die unabhängig von einzelnen Persönlichkeiten funktioniert und deren Musik Generationen geprägt hat.

Setlist KRAFTWERK – Frankfurt(M), Jahrhunderthalle (01.12.2025)
  1. Nummern / Computerwelt / Computerwelt 2
  2. Heimcomputer / It’s More Fun to Compute
  3. Spacelab
  4. Ätherwellen
  5. Tango
  6. The Man-Machine (teilweise auf Deutsch)
  7. Electric Café
  8. Autobahn
  9. Computer Liebe
  10. Das Model
  11. Neonlicht
  12. Metropolis
  13. Merry Christmas Mr. Lawrence (Ryūichi Sakamoto Cover)
  14. Geigerzähler
  15. Radioaktivität (teilweise auf Japanisch)
  16. Vitamin
  17. Tour de France / Étape 3 / Chrono / Étape 2
  18. La Forme
  19. Trans-Europa Express / Metall auf Metall / Abzug
  20. Planet der Visionen
  21. Boing Boom Tschak / Techno Pop / Musique Non Stop
  22. Die Roboter (Z)
Weblinks KRAFTWERK:

Homepage: kraftwerk.com
Facebook: Kraftwerk
Instagram: kraftwerkofficial


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