AUGER im Interview: „Man weiß nie, was bei Auger als Nächstes kommt.“

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Lesedauer: 16 Minuten

An der Band Auger kommt man gerade nicht vorbei und das ist auch gut so! Auger ist eine unverkennbare Mischung aus Rock, elektronischen Elementen, Gothic und dunklen Pop-Einflüssen. Damit hat sich das Projekt von Kyle Blaqk längst seinen eigenen festen Platz in der schwarzen Musikszene geschaffen. Mit dem im Mai 2026 erschienenen, neuen Album „The Old Arcade“ schlägt die deutsch-britische Band nun ein weiteres Kapitel ihrer musikalischen Reise auf und beweist einmal mehr, dass Auger sich nicht in eine Schublade stecken lässt. So viele Facetten zeigt das Album und verbindet dabei die charakteristische elektronisch-rockige Energie mit atmosphärischen, eingängigen und zugleich auch überraschenden Klängen.

Derzeit ist Auger auf Headlinertour durch Deutschland und am 16.10.2026 startet die letzte Etappe der „The Old Arcade“-Tour 2026.

Am 25.09.2026 machten Auger in der Leipziger Moritzbastei Halt. Zwischen Ankommen, Aufbau, Fotos, Soundcheck und Konzert hat sich Kyle Blaqk für uns Zeit genommen und wir konnten mit unseren Fragen zum neuen Album, Songentstehung, Vorbildern und einem eventuellen Plan B ein bisschen „nachbohren“.

„What if I bend? What if I break?
What if I learn to change mistakes?
Where would I turn
How would I know to let you go?
Gravity hurts when you fall
So what’s the point of holding on
Channel your pain into the beauty you create“

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag!

Vielen, vielen Dank!

„The Old Arcade“ ist nun schon seit fast einem halben Jahr auf dem Markt – wie fühlt es sich an, mit den neuen Songs als Headliner auf Tour zu sein?

Das ist wirklich aufregend! Die Planung für das Album hat einige Zeit gebraucht, aber auch die Tourplanung selbst. Und es ist schön, dass sich nun endlich alles zusammensetzt und ich mehr von den neuen Songs zeigen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Diese Songs sind schon etwa vier Jahre alt und wir haben viele davon schon so oft gespielt. Ich glaube, „Goodbye“ spielen wir schon seit dem Erscheinen des letzten Albums. Und doch hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich die Songs ja noch gar nicht veröffentlicht sind, aber ich spiele sie schon seit Jahren.

Jetzt kann ich die Songs also spielen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Aber es hat uns auch die Chance gegeben, das gesamte Repertoire ein bisschen aufzufrischen und zu testen, wie die Songs auf der Bühne wirken, wie sie in die Setlist passen und so weiter. So können wir immer ein neues Gesamtpaket präsentieren, anstatt jedes Mal immer die gleiche Setlist zu spielen. Es ist so schön, etwas mehr Freiheit zu haben und Neues zu singen – es ist ein tolles Gefühl und es wird immer besser.

Gibt es einen Song „The Old Arcade“, auf den du dich bei jedem Konzert besonders freust? Und wenn ja, warum?

Ganz ehrlich, auch wenn es ein bisschen nach einer Ausrede klingt, aber mir gefällt die Vorstellung, sie alle zu spielen. Wann immer ein neuer Song herauskommt, freue ich mich einfach riesig darauf, ihn mit den Leuten zu teilen – eben weil ich die Songs auch schon so lange live spielen möchte.

Ich denke aber von allen Songs ist es „Pretty When You Cry“. Das Lied ist eigentlich ein Cover eines Songs meiner Lieblingsband VAST. Dieses Lied live zu spielen ist immer so schön, weil ich dann vier Minuten lang so tun kann, als wäre ich Jon Crosby. (Kyle muss herzlich lachen!)

Und abgesehen davon gibt es noch „The Old Arcade“ – den Titelsong des Albums. Ich mag es sehr, wenn diese kleinen Synthesizer-Klänge einsetzen. Der Song ist wirklich ruhig, und man hat das Gefühl, dass alle zuhören und aufmerksam sind.

Es ist eine wirklich schöne Gelegenheit, den Leuten etwas nahezubringen und nicht nur in einen Raum zu singen, in dem Leute zuhören. Man bekommt direkt eine Verbindung zum Publikum, weil auf dem Backing-Track nicht allzuviel los ist. Das Schlagzeug spielt nicht, die Gitarre spielt nicht – es sind nur der Gesang und ein wirklich schöner Synthesizer. Der Song fühlt sich wie eine wirklich schöne Verbindung zu den Zuhörern an. Ich freue mich immer darauf, weil ich weiß, dass das Lied den Leuten auch viel bedeutet und welche Kraft dieser Song hat. Wenn der letzte Teil des Refrains einsetzt, beobachte ich gerne die Reaktionen des Publikums, während alle Gitarren und das Schlagzeug einsetzen. Das ist wundervoll und fühlt sich auf der Bühne unglaublich an. Man spürt, wie sich der Saal in diesem Moment mitbewegt – deshalb ist das Lied für mich immer ein Highlight.

Auger - The Old Arcade (Official Video)

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Das ist genau der Song, den ich auch so sehr mag! Ich hatte Gänsehaut, als ich ihn zum ersten Mal gehört habe.

Das freut mich so sehr, auch weil er sehr authentisch und direkt ist. Es ist ein sehr offener Song, bei dem ich nicht wirklich versucht habe, den Text allzu sehr in Metaphern zu verpacken. Er ist sehr persönlich, und es ist schön, dass das Publikum ihn so sehr mag. Es ist ja nicht so, dass ich mein Herzblut in etwas stecke und dann ist es einfach nur ein weiteres Lied. Die Leute scheinen sich in dem Song wiederfinden zu können und das bedeutet mir sehr viel. Es ist für mich auch eine Art Katharsis, wenn ich meine Musik schreibe.

Also, ja, es wird für immer einer meiner Lieblingssongs sein, den ich live spiele.

Wie hat sich das Album während des Schreib- und Aufnahmeprozesses entwickelt? Gab es Songs, die am Anfang ganz anders klangen?

Ja, ein paar davon klangen zu Beginn schon anders. Ich mache jeden Mittwoch diese Livestreams, und einige der Songs sind tatsächlich während der Livestreams entstanden. Ich habe sie also gemeinsam mit allen geschrieben, was schon irgendwie seltsam ist. Aber natürlich haben sie sich seit ihrer Entstehung ziemlich stark verändert – nicht nur, um sie zu verbessern und zu verfeinern, sondern auch, um sie ein bisschen anders zu gestalten. Sonst wäre die Überraschung ja hinüber, wenn die Songs dann endlich erscheinen. Einige der Songs gibt es ja auch schon eine Weile. „Where Do We Go?“ zum Beispiel habe ich 2021 geschrieben, also noch vor dem letzten Album. Seitdem hat sich die Struktur des Songs doch schon sehr geändert.

Viele Songs haben es auch gar nicht auf das Album geschafft. Ich glaube, es waren insgesamt 37 Lieder, und am Ende sind es 14 geworden. Es gibt also noch jede Menge Demos, die noch herumliegen. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass zwischen den beiden Alben so viel Zeit vergangen ist. Musikalisch gesehen sind vier Jahre zwischen zwei Alben eigentlich gar nicht so lang. Für eine Band aber, die noch recht jung und relativ neu ist, fühlt es sich wie eine ziemlich große Zeitlücke an. Ich glaube, ich habe mich seit dem letzten Album auch persönlich wirklich sehr stark weiterentwickelt.

Du machst das im Studio alles ganz allein – du bist der Songwriter, du bist der Komponist, du bist der Dichter, du bist der Produzent, du bist einfach alles hinter Auger. Das ist beeindruckend.

Das ist es und ich mag das. Manche Leute würden das vielleicht „Kontrollfreak“ nennen. Ich muss gestehen, ich bin auch ein bisschen geizig, Geld für etwas auszugeben, was ich selber erledigen kann. (Er muss schmunzeln.) Das mache ich dann eben auch!

Aber ja, es ist vor allem so toll, weil es mir ungeheuer viel Freiheit gibt, Dinge zu tun und zu probieren und so kann die Musik sehr abwechslungsreich und sprunghaft sein. Sie kann von sehr düster zu sehr fröhlich wechseln, von heavy zu synthlastig. Man weiß nie, was bei Auger als Nächstes kommt.

Ich glaube, das Publikum hat sich auch mittlerweile daran gewöhnt, dass sie für alles, was ich veröffentliche, ziemlich offen sind. Ich versuche dennoch, es innerhalb eines bestimmten stilistischen Rahmens zu halten.

Aber du wirst beim Set heute Abend sehen, wie sich die Songs abwechseln – von hart zu sanft, von sprunghaft zu langsam – es ist alles dabei. Es macht unglaublich Spaß.

Ich habe euch letztes Jahr als Support bei Diary of Dreams und dann beim Wave-Gotik-Treffen gesehen und es macht immer so großen Spaß, Teil des Publikums zu sein.

Ich bin froh, dass es so ist! Und ich glaube, genau diese Dynamik ist es, die dafür sorgt, dass es so großen Spaß macht. Es geht nicht nur darum, die ganze Zeit auf dem gleichen Niveau zu spielen, sondern darum, Momente zu haben, in denen es ruhiger wird, und dann wieder Momente, in denen es richtig kracht. Ja, das hält einen auf Trab. Letztendlich geht es um Unterhaltung, und ich möchte, dass die Leute Spaß haben und am Ende des Abends mit dem Gefühl nach Hause gehen, einen schönen Abend verbracht zu haben. Wenn das also bedeutet, ein „hodgepodge“ – einen bunten Mix aus ganz unterschiedlichen Stilen zu kreieren, dann soll es eben so sein.

Das hält auch mich auf Trab, obwohl ich das Set heute Abend ein bisschen ändern musste. Die Setlist enthielt zuviele „jumpy upy down songs“ – also Hüpflieder hintereinander und beim fünften Song war ich dann schon außer Atem. Ich dachte mir: „Oh mein Gott, ich brauche mal eine Pause, Leute. Ich muss das Tempo drosseln!“ Also habe ich versucht, mein Tempo während des gesamten Sets ein wenig anzupassen. Das ist echt lustig.

Deine Lieder sind sehr poetisch – „Even flowers must die despite our care“ zum Beispiel haut mich jedes Mal um, wenn ich es höre. Oder „No one plans to make mistakes“ – so einfach und doch so ehrlich. Ja, manchmal sind es gerade die einfachen Dinge, die so eindrucksvoll sind.

Das glaube ich auch. Ich finde es schwierig, eine Geschichte in nur vier Minuten rüberzubringen. Das ist wirklich schwer. Man singt ja auch nicht die ganzen vier Minuten lang, sondern nur in einzelnen Abschnitten. Eine ganze Geschichte mit buchstäblich nur ein paar Zeilen hier und da zu vermitteln, ist wirklich nicht einfach. Ich glaube, es ist eine echte Kunst, mit so wenigen Worten wie möglich so viel wie möglich zu vermitteln. Das ist etwas, worin ich versucht habe, gut zu werden und habe es sehr bewusst bei diesem Album forciert. Ich habe mir die Texte noch einmal genau angesehen und mir überlegt: Wie kann ich die Geschichte vermitteln? Wie kann ich die Geschichte vorantreiben, etwas erklären oder etwas in dieser Geschichte einführen, indem ich nur drei Wörter verwende, denn mehr habe ich in dieser Zeile nicht? Wie kann ich das also strukturieren? Was kann ich mir einfallen lassen, das dies erreicht wird und dabei hilft, die Geschichte voranzubringen?

Deshalb habe ich mir wirklich die Zeit genommen, auf die kleinen Details zu achten und zu versuchen, Geschichten zu erschaffen. Jeder Song ist für sich genommen ja eine kleine Geschichte.

Meine Inspiration kommt zum Teil von Musikern und Songwritern, die in ihren Songs Geschichten erzählen, wie Fish von Marillion oder Suzanne Vega. Diese Leute sind so gute Geschichtenerzähler, und genau das möchte ich auch tun. Daher stammen meine Ideen – ein Versuch, Geschichten durch Musik zu erzählen!

Ich bin froh, dass es ganz gut geklappt hat, und ich freue mich, dass dir „No One Plans To Make Mistakes“ gefällt, denn der Song wird nicht besonders oft erwähnt. Aber ich fand, er war der perfekte Abschluss für das Album. Er ist meine kleine Hommage. Da steckt ein bisschen White Lies drin, da sind Tears for Fears, da sind Duran Duran – es gibt in diesem Song viele textliche und musikalische Anspielungen. In gewisser Weise ist es also ein etwas egoistischer Song, den ich mit aufgenommen habe und ich wollte ihn einfach auf dem Album haben. (Er muss schmunzeln.)

Auger - Too Soon ft. Bonnie Mavis (Official Video)

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Auf der Bühne gibst du immer alles und jeder kann dir ansehen, wieviel Spaß es dir macht, Konzerte zu geben und live aufzutreten. Auf der Bühne arbeitest hervorragend mit Paula und Alex zusammen und ihr harmoniert fantastisch. Wie seid ihr alle zusammengekommen? Wie sind Paula und Alex zur Band gekommen?

Ich bin im Juli – offiziell dann im Oktober 2024 – nach Deutschland zu meiner jetzigen Ehefrau gezogen, mit der Idee, hier eine Band zu gründen. Ich habe mir dann ein paar Plattformen angeschaut, auf denen Musiker nach Bandmitgliedern oder musikalischen Projekten suchen, und habe dann einfach ein paar E-Mails verschickt. Das hat wirklich gut geklappt, denn ich glaube nicht, dass ich mehr Glück mit den Leuten um mich herum hätte haben können. Sie helfen mir dabei, die Geschichten zu erzählen, die ich geschrieben habe, und sie einem Publikum zu präsentieren. Sie sind es, die diese Geschichten für mich neu erschaffen und sie auf der Bühne zum Leben erwecken – auf eine Art und Weise, die ich alleine nicht schaffen würde. Deshalb bin ich wirklich unheimlich dankbar für ihr großartiges Engagement für alles. (Kyle muss lächeln!)

Das klingt wunderbar! Gibt es denn einen Song von einem Künstler, bei dem du dir denkst: „Verdammt noch mal, den hätte ich so gerne selbst geschrieben!“?

Oh ja! Ich glaube, ich könnte eine 10-stündige Playlist mit Songs zusammenstellen, bei denen ich denke: „Mist, warum ist mir das nicht selbst eingefallen?“ Und dann schaue ich mir den Song an und stelle fest, dass er schon 20 Jahre vor meiner Geburt geschrieben wurde. Vielleicht ist mir das deshalb nicht eingefallen! (Wieder muss Kyle herzlich lachen!)

Aber ja, es gibt so viele. Ein Song, der mir da spontan einfällt, ist „The Suburbs“ von Arcade Fire. Ich finde den Song einfach genial. Er hat so eine fröhliche Melodie, ist aber gleichzeitig so herzzerreißend. Musikalisch ist er auch brillant, aber textlich trifft er mich wirklich tief. Ich liebe ihn einfach. So sehr, dass ich mir denke: „Mensch, ich könnte damit durchkommen, so etwas mit Auger auf die Bühne zu bringen!“, aber das geht nicht, weil sie es eben schon zuerst geschrieben haben! Es gibt ziemlich viele solcher Songs und ich schätze sehr, was andere Künstler geschaffen haben. Und dann ist da VAST! Wenn ich ehrlich bin, würde ich so gerne ihr gesamtes bisheriges Repertoire mein eigen nennen. Wirklich!

Ich versuche, mich von den Dingen inspirieren zu lassen, die ich liebe. Viele Songs entstehen dadurch, dass ich mir vorstelle, wie es wäre, sie auf der Bühne zu spielen. So höre ich auch Musik. Manchmal höre ich etwas und denke: „Oh ja, das würde sich auf der Bühne richtig gut anfühlen.“ Also schreibe ich selbst etwas, das mir dasselbe Gefühl vermittelt, wenn ich es live spiele. Ich kopiere den Song nicht oder singe gar dasselbe! Nein! Ich versuche, genau dieses Gefühl einzufangen. Genau so schreibe ich eigentlich immer – sehr bildhaft. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlen wird. Welches Gefühl löst es in mir aus? Das hilft mir sehr beim Geschichtenerzählen, denn es bedeutet, dass ich eindringlich sein muss. Ich sage das jetzt alles und hoffe sehr, dass es auch musikalisch für mein Publikum funktioniert?!

Das tut es auf jeden Fall! Sag, gibt es einen Künstler oder eine Band, mit der du derzeit gerne zusammenarbeiten würdest?

Es gibt niemanden Bestimmten. Ich glaube, ich könnte wahrscheinlich zehn Leute aufzählen, mit denen ich gerne irgendwann einmal zusammenarbeiten würde. Mir geht es darum, mit Leuten zu plaudern und Menschen kennenzulernen, anstatt einfach nur mit jemandem abzuhängen und dann gemeinsam etwas zu schreiben. Unsere Musik unterscheidet sich ja auch von anderer Musik der Szene und ganz sicher auch vom Mainstream.

Aus geschäftlicher Sicht würde ich Muse nennen, denn ich denke, eine Zusammenarbeit mit ihnen würde uns wahrscheinlich ziemlich gut tun. Aber aus tiefstem Herzen würde ich gerne mit Suzanne Vega zusammenarbeiten. Nicht, dass das unbedingt mit Auger klappen würde, aber das wäre ein persönliches Ziel von mir.

Ich freue mich aber immer über Ideen. Wenn Menschen also auf mich zukommen und mir vorschlagen, gemeinsam an einem Song zu arbeiten.

Gab es eigentlich jemals einen Plan B? Also für den Fall, dass es mit der Musik und dir nicht geklappt hätte? Ein Bürojob vielleicht?

Ich hatte viele Bürojobs, und Auger ist eher zufällig entstanden – das war überhaupt nicht geplant. Ich hatte nie vor, Musiker oder Sänger zu werden.

Wirklich? Na glücklicherweise hast du dich doch dafür entschieden!

Da hast du recht! Ich habe damals einfach aus Spaß mit meinem Freund Kieran einen Song geschrieben und ihn meinem Stiefvater geschickt, weil ich wusste, dass er diese Art von Musik mag und er Konzerte veranstaltet. Er meinte: „Das ist wirklich gut!“ Er fragte mich tatsächlich, ob ich noch mehr Songs hätte – hatten wir zu dem Zeitpunkt natürlich nicht. Also dachten wir: „Na gut, dann schreiben wir eben noch ein paar mehr.“, und haben es einfach gemacht. Wir haben etwa vier oder fünf Titel geschrieben. Und dann meinte mein Stiefvater: „So, ihr habt dann jetzt einen Auftritt!“ Das war am 14. Juli 2017 in Stockton! Etwa zwei Stunden von uns damals entfernt.

Dann fragte er mich, wie die Band heißt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht einmal, dass das eine Band ist! Also mussten wir uns noch schnell einen Namen ausdenken. Das war alles wirklich ein einziger großer Zufall. Genau zu dem Zeitpunkt arbeitete ich gerade als Grafikdesigner an der Hochschule. Und dann ging das einfach richtig los, so dass ich kündigte, um mich voll und ganz der Musik zu widmen.

Da wir aber noch eine kleine Band waren und nicht wirklich viel Geld verdient haben, musste ich mir in der Zwischenzeit einen anderen Job suchen, um über die Runden zu kommen. Am Ende arbeitete ich als Bestatter. Wir fuhren zu Krankenhäusern, holten die Verstorbenen ab und transportierten sie in einem Leichenwagen oder einem Krankenwagen zum Krematorium.

Ich bin dann aber wieder zur Musik zurückgekehrt und arbeitete ein paar Jahre lang für die Sophie-Lancaster-Stiftung. Irgendwann wurden die Auftritte aber einfach zu viel. Wir spielten etwa 30 bis 40 Konzerte im Jahr und zusätzlich auf Festivals. All das musste ich mit einem Vollzeitjob unter einen Hut bringen.

Das war ganz schön viel!

Genau! Und ich dachte mir dann: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um einen Neuanfang zu wagen, mich wieder zu 100% darauf zu konzentrieren und dranzubleiben.“ Es gab also nicht wirklich einen Plan B im eigentlichen Sinne. Ich lasse mich einfach treiben und bisher funktioniert das ganz gut.

Was würdest du also heute deinem 2017er Ich sagen, als Auger gerade erst angefangen hat?

Mach es! Ich würde einfach sagen: „Mach weiter!“ Ich glaube sowieso nicht, dass ich jemals damit aufhören würde. Musik zu schreiben macht einfach so viel Spaß. Es macht total süchtig. Ich liebe es. Ich könnte es den ganzen Tag lang machen, und es macht mich so glücklich.

Und ich hätte nicht gedacht – naja eigentlich doch – dass ich das vom allerersten Tag an, mit der ersten Show, zu meinem Lebensunterhalt machen könnte. Ich war einfach unglaublich optimistisch und dachte mir: „Weißt du was? Warum eigentlich nicht? Warum sollte ich das nicht auf die Beine stellen können?“

Ich habe sogar ausgerechnet, wie viele Streams ich bräuchte, um davon leben zu können, falls es keine Shows oder Ähnliches gäbe. Ich hatte vielleicht nicht so viel Selbstvertrauen – aber auf jeden Fall ganz viel Optimismus. Ich dachte: „Ich möchte in Stadien spielen, also lass es uns einfach tun!“

Auger - Oxygen (Official Video)

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Vielleicht muss das alles einfach so sein!

Genau. Einfach weitermachen und nicht aufhören!

Ich würde meinem jüngeren Ich nichts sagen wollen, was den Verlauf der Dinge ändern würde, denn es hat ja alles ziemlich gut geklappt. Ich würde wahrscheinlich sagen: „Lass das zweite Album vielleicht aus und spring direkt zum dritten!“ Ich liebe das zweite Album; es ist eines meiner Lieblingsalben. Aber ja, es ist einfach unter dem Radar geblieben, also hätte ich mir damit wahrscheinlich etwas Zeit sparen können.

Ansonsten würde ich nichts ändern wollen. Da ist der Schmetterlingseffekt! Würde ich im etwas sagen, wäre etwas anderes passiert, und ich wäre am Ende doch wieder Bestatter geworden!

„Auger“ – der Name der Band – ist ja ein anderes Wort für ein Bohrwerkzeug. Warum hast du diesen Bandnamen gewählt? Bedeutet er, dass du damit tiefer in Gefühle, Musik und Emotionen vordringen wolltest? Was war der Grund dafür?

Das würde ich heute auf jeden Fall so sagen! Am Anfang war das anders. Wie gesagt, es war am Anfang eher alles ein Scherz, und wir brauchten einen Namen. Wir hatten ein paar Songs über Minen und Städte geschrieben, wo es Kohlebergwerke gibt. Also wollten wir einen Namen, der industriell klang. Also haben wir einfach „Bergbau von A bis Z“ eingegeben, und das erste Wort, das auftauchte, war „Anvil“ – „Amboss“: Leider war der schon vergeben! Und das zweite Wort war „Auger“ (Schneckenbohrer). Ich dachte mir : „Das klingt gut. Den nehme ich.“ Also haben wir uns einfach dafür entschieden, dann haben wir diese Show damals gespielt und alles nahm einfach seinen Lauf.

Aber jetzt – da hast du recht – nutze ich den Namen als Metapher! Ich gebe auf der Bühne und in der Musik alles. Ich gebe alles, was ich habe. Und das Schöne an einem Auger (Schneckenbohrer) ist, dass er, während er in die Erde eindringt, die Erde immer auch wieder mit nach oben bringt. Das entspricht der Idee, dass man das wieder bekommt, was man einbringt. Das ist eine schöne Metapher für das Leben: Je mehr ich investiere, desto mehr bekomme ich zurück. Wenn ich 110 % gebe, bekomme ich 110 % zurück. Das ist seit dem ersten Tag meine Philosophie, und es ist schön, dass sie irgendwie mit dem Namen „Auger“ zusammenfällt. Das ist auch defintiv eine schönere Geschichte als zu sagen „Ich habe es einfach gegoogelt.“ (Kyle muss herzlich lachen.)

Zum Abschluss noch eine kurze Runde mit „Entweder-Oder“-Fragen: Synthesizer oder Gitarre?

Mmmmhhh – Synthesizer sind so vielseitig. Sie können so vieles! Aber ich finde, Gitarren sind einfach cool, oder? Nichts für ungut, aber Gitarren sind cool!

Club-Gig oder Festivalbühne?

Club – auf jeden Fall! Ich mag das Licht dort so sehr. Das geht auf einer Festivalbühne manchmal verloren. Wenn es eine Indoor-Festivalbühne ist, ist das etwas anderes, aber meistens haben Clubbühnen einfach eine dramatischere Atmosphäre als Open-Air-Bühnen. Dort geht die Atmosphäre ein bisschen unter, weil der ganze Himmel so hell ist. Der Fokus ist einfach ein anderer. In einem dunklen Raum hingegen gibt es nur die Lichter. Die bündeln die Aufmerksamkeit und lässt das ganze Erlebnis meiner Meinung nach intensiver wirken.

Lampenfieber oder absolute innere Ruhe?

Absolute innere Ruhe.

Wirklich?

Ja. Und ich bin ein sehr scheuer Mensch. Ich bin so introvertiert, das ist verrückt. Ich kann gut reden und bin gesprächig, deshalb klinge ich manchmal, als wäre ich extrovertiert, aber das bin ich nicht. Auf die Bühne gehen? Kein Problem! Ich kann nicht einmal etwas bestellen und mag es nicht, zur Post gehen. Ich mag nicht einmal sagen: „Können Sie das bitte verschicken?“ Aber auf die Bühne kann ich gehen. Das ist total verrückt!

Album oder Single?

Ja, wenn ich Musik höre, greife ich immer zum Album. Ich mag es, ein Album aufzulegen, Play zu drücken und als Ganzes zu hören.

Studio oder Bühne?

Ooooh, Bühne! Das macht mehr Spaß.

Vinyl oder Streaming?

Na ja, natürlich ist Vinyl schön. Ich sammle gerne Sachen, und es sieht auch einfach toll aus. Aber Streaming ist sehr praktisch, und ich habe dadurch so viel tolle Musik entdeckt. Musik, von der ich nicht wusste, dass es sie gibt, Veröffentlichungen von Künstlern, von denen ich nicht wusste, dass sie etwas Neues herausgebracht haben, und neue Künstler, von denen ich noch nie zuvor gehört hatte. Das ist genial. Es ist gut für Künstler, auch wenn sie mehr bezahlen könnten, aber es ist wirklich großartig. Ich finde, die Reichweite, die es Künstlern verschafft, ist einfach unübertroffen.

Elektro oder Rock?

Auf jeden Fall Rock!

Morgens oder abends im Studio?

Tatsächlich morgens. Meine Frau steht um eine schreckliche Uhrzeit auf, also bin ich auch ziemlich früh wach. Ich gehe einfach direkt ins Studio und fange an, etwas zu machen. Ich kann aber auch bis in die Nacht hinein arbeiten. Mittwochs arbeite ich manchmal lange, aber gegen zehn Uhr bin ich einfach müde und möchte ins Bett. (Er muss wieder schmunzeln.)

Perfektion oder Chaos?

Ein bisschen von beidem, glaube ich. Ich bin ziemlich chaotisch – mein Schreibtisch ist sehr chaotisch, aber ich bin auch ein ziemlicher Perfektionist. Gleichzeitig denke ich dann aber auch: „Ach, das passt schon!“

Stille oder Lärm?

Stille. Ich liebe Stille. Im Auto ist das großartig. Keine Musik im Auto! Ich bin einmal zehneinhalb Stunden lang gefahren, ohne anzuhalten und ohne Musik zu hören. Und es war perfekt.

Planung oder Improvisation?

Improvisation! Ich mag die Idee der Planung, aber sie funktioniert nie.

Auger in drei Worten?

Abwechslungsreich, unterhaltsam und gefühlvoll.

Kyle in drei Worten?

Oh Gott! (Und Kyle muss herzhaft lachen!) Tollpatschig, groß und optimistisch.

Das neue Album in drei Worten?

Ich könnte jetzt schlau sein und einfach „The Old Arcade“ sagen, aber um es wirklich auf den Punkt zu bringen: melancholisch, positiv und getrieben.

Getrieben?

Ich finde, es hat einen getriebenen Sound, und auch die Herangehensweise an das Album war von einer getriebenen Haltung geprägt. Was die Texte angeht, gibt es den Antrieb, am Ende ein besserer Mensch zu werden. Und musikalisch gibt es viel mehr Bassgitarre als sonst, sodass sich auch durch das Album ein Gefühl von Dynamik zieht.

Ein weiteres Album oder der Rückzug aus dem Musikgeschäft?

Na ja, ich werde einfach weiter Songs schreiben. Ich glaube nicht, dass ich mich zurückziehen kann. Ich würde gerne ein paar Stadionkonzerte geben und ein bisschen Geld für einen Urlaub haben. Musik macht einfach zu viel Spaß, um damit aufzuhören!

Gibt es vielleicht wieder eine Weihnachtsüberraschung?

Ja! Wie jedes Jahr verschicken wir eine Weihnachtspostkarte in die ganze Welt. Es entstehen keine direkten Kosten dafür, aber man kann entweder das Porto übernehmen oder eine Spende in beliebiger Höhe leisten. Das gesamte Geld wird für wohltätige Zwecke gespendet. Ich übernehme die Kosten für Porto und Druck, sodass jede Spende direkt den Wohltätigkeitsorganisationen zugutekommt. Letztes Jahr gingen die Spenden an die Tafel in Fürstenwalde, die örtliche Lebensmittelausgabe, sowie an den Castellan African Trust, dessen Treuhänder ich bin. Dieses Jahr wird es wahrscheinlich wieder genauso sein, wobei das Geld zwischen den beiden Organisationen aufgeteilt wird.

Lovely to chat!

Lieber Kyle! Vielen, vielen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast und natürlich für das kurzweilige, sehr interessante und so humorvolle Gespräch! Thank you for being so kind during my first interview with you! You’re one of a kind, and we all wish you nothing but happiness!

Termine AUGER 2026/2027

16.10.2026 Göttingen, Exil
17.10.2026 Karlsruhe, Stadtmitte
18.10.2026 München, Backstage Club
09.01.2027 Oberhausen, Kulttempel

Karten für die kommenden Live-Events gibt es hier oder hier.

Weblinks AUGER

Homepage: Auger
Facebook: Auger
Instagram: Auger
Bandcamp: Auger


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