LUDWIG VAN BEETHOVEN X – The AI Project

KÆLAN MIKLA - Undir Köldum Norðurljósum
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Künstliche Intelligenz ist für viele sicherlich Fluch und Segen gleichermaßen. Je nachdem, aus welchem Winkel man es betrachtet. Es gibt Vorteile, es gibt Nachteile und – wie so oft – ist es natürlich auch immer ein klassischer Fall von „kommt drauf an“. Wie in vielen Lebensbereichen dürften sich auch in der Musik die Geister daran scheiden, denn nun wurde Ludwig van Beethoven Gegenstand der Arbeit mit künstlicher Intelligenz. Unter dem Titel Beethoven X – The AI Project wurde das Projekt gestartet, die 10. Symphonie zu erschaffen, die ursprünglich nur teilweise existierte und auch nur skizzenhaft in handschriftlicher Form. Der Versuch einer Rekonstruktion wurde nicht zum ersten Mal unternommen, aber die technischen Möglichkeiten sind heute natürlich anders als vor 30 Jahren, als Barry Cooper einen ähnlichen Versuch unternahm.

Zunächst einmal wurde dabei auf das bisherige Material zurückgegriffen, das für die zehnte Symphonie bereits geschrieben wurde, ist dies doch schließlich „Beethoven in Reinform“. Die Notenfolgen wurden ergänzt um musikalische Kenntnisse aus der Zeit Beethovens, sowohl seine eigenen Werke als auch die von Zeitgenossen wie Haydn und Mozart. Dieses diente der künstlichen Intelligenz als Basis, bevor sie gewissermaßen zur Kreativität aufgefordert wurde. Matthias Röder, einer der Köpfe hinter dem Projekt, sagt: „Die KI hat all das Wissen, das wir ihr bereitgestellt haben, aufgegriffen und weitergedacht. Über Nacht entstehen dann vielleicht 300 verschiedene Versionen eines Motivs, die alle denselben Anfang haben, sich aber von dort alle ein bisschen anders entwickeln.“

Klingt alles sehr technisch, ist es auch, sodass das natürlich nicht alles sein kann. Aus den vielen Möglichkeiten musste eine Auswahl vorgenommen werden. Hier kam Komponist Walter Werzowa ins Spiel, der diese traf, erneut mit der KI hantierte, bevor es zu einer Auswahl kam, bei der der Mensch wieder ganz für die Klänge zuständig wurde: Das Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung des Dirigenten Dirk Kaftan ließ all das Technische zu etwas Organischem werden und es entstand eine klassische Aufnahme, bei der man, geht man ganz unvoreingenommen heran, ohne das Hintergrundwissen eher nicht wüsste, welche kühle Basis darunterliegt.

Wichtig bleibt am Ende: Die ganze Geschichte ist ein Projekt und sie bleibt auch ein Projekt. Fragen der Marke „Musste das sein?“ muss jeder für sich selbst beantworten, inwieweit es wirklich eine zehnte Symphonie geworden ist, wie Ludwig van Beethoven sie leibhaftig geschrieben hätte, darüber lässt sich auch nur mutmaßen. Für den unbedarften Musikhörer, der auch schon mal Klassik zwischendurch hört, ist es eine schöne Aufnahme, alles Weitere aber sollen Kenner, Experten und Liebhaber für entscheiden. Dadurch, dass hier ein echtes Orchester aus Vollblutmusikern die Klänge eingespielt hat, wissen wir auf jeden Fall weiterhin: Musik ist mehr als Algorithmen!

Ohne Gesamtnote.

Tracklist LUDWIG VAN BEETHOVEN X – The AI Project:

Ludwig von Beethoven 1770-1827
Symphonie No. 8 in F Dur, Op. 93

01. I. Allegro Vivace E Con Brio 09:21
02. II. Allegretto Scherzando 03:53
03. III. Tempo Di Menuetto 04:30
04. IV. Allegro Vivace 07:06

Ludwig Van Beethoven / Beethoven AI / Walter Werzowa Beethoven – The AI Project
05. III. Scherzo. Allegro – Trio 08:49
06. IV. Rondo 12:39

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