EDITORS / WHISPERING SONS @ D√ľsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (31.01.2020)

Editors © Angela Trabert
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Auf das Best-of-Album folgt, na klar, die Best-of-Tournee. Drei Konzerte spielten Editors zur Ver√∂ffentlichung der Compilation in Deutschland, eines davon am lukrativen Freitagabendtermin in D√ľsseldorf. Die Halle schien (trotz einiger abgehangener Bl√∂cke) etwa zu zwei Drittel gef√ľllt, es werden wohl rund 4500 Menschen vor Ort gewesen sein.

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Und die bekamen zun√§chst eine Vorband zu Gesicht und Geh√∂r, an der sich die Geister schieden. Whispering Sons geh√∂ren mit ihrem Shoegaze-/Dark Wave-/Postpunk-Gemisch innerhalb der Gothic-Szene zu den definitiv besten Newcomern der letzten Jahre. Da haben wir aber auch schon das Problem: Innerhalb der Gothic-Szene. Dieser Sound, diese Songs, diese Stimme ‚Äď all das geh√∂rt in kleine, intime Clubs, wo vor der B√ľhne (nahezu) ausschlie√ülich schwarz gekleidete Menschen stehen. In D√ľsseldorf waren die Meinungen geteilt. Einige feierten das sieben Songs starke Set, in dem die Belgier leider komplett auf St√ľcke der Deb√ľt-EP Endless Party verzichteten, komplett ab ‚Äď andere blieben stumm stehen oder verzogen sich nach dem dritten Song in Richtung Bierstand.

Die ewige Melancholie und Verzweiflung, die in fast jedem Whispering-Sons-Song steckt, die androgyne Stimme plus die durchaus als extravagant zu bezeichnende B√ľhnenperformance von Frontfrau Fenne Kuppens und der √ľberdurchschnittliche Anteil an St√ľcken, die keinem Strophe-Refrain-Schema folgen ‚Äď all das funktioniert nicht mit einer ‚ÄěNormalo‚Äú-Crowd, die zum Konzert kommt, um 60 Minuten sp√§ter auf Stadionrocker wie A Ton Of Love oder supereing√§ngige Discostampfer wie Papillon abzugehen. Schade eigentlich. An dem Auftritt, in den insbesondere die ganz in wei√ü gekleidete Kuppens wieder einmal alles reinlegte, was ging, gab’s jedenfalls nix zu meckern.

Setlist WHISPERING SONS @ D√ľsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (31.01.2020)

01. Stalemate
02. Got A Light
03. White Noise
04. Alone
05. Vision
06. Hollow
07. Waste

30 Minuten Umbaupause, dann war(en) alle(s) f√ľr die Zeitreise mit den Editors bereit. Der B√ľhnenaufbau war als durchaus beeindruckend zu bezeichnen, die komplexen Licht-Konstruktionen machten gewaltig was her und tauchten die Stage √ľber die gesamten 110 Minuten immer wieder in stimmungsvolle Farben. Apropos Stimmung: Die war nat√ľrlich von Beginn an √ľberragend. Wie sollte es auch anders sein, wenn die Jungs aus Birmingham direkt mit An End Has A Start und Bullets loslegen? Generell nahmen die beiden ersten Platten, The Back Room und eben An End Has A Start, deutlich mehr Platz im Set ein, als viele erwarteten. 13 der gespielten 24 St√ľcke stammen von den beiden ‚ÄěIndierock-Alben‚Äú.

Das freute nat√ľrlich vor allem diejenigen, die mit dem Editors-Output der sp√§teren Jahre nicht mehr so viel anfangen konnten. Vielen ist das, was ab In This Light And On This Evening ver√∂ffentlicht wurde, zu elektronisch oder zu Coldplay-esk. Das Gute daran: Bei den Live-Shows interessiert das (so gut wie) keine Sau. Tom Smith, stimmlich nat√ľrlich wie gewohnt bestens aufgelegt, dirigierte die Menge durch ein Set, das kaum W√ľnsche offen lie√ü. Nach dem Treatment f√ľr die Anh√§nger der ersten Stunde begann mit einem der brandneuen Songs, Upside Down, ein m√§chtiger Elektro-Block, besonders auff√§llig hier der tolle √úbergang zwischen den beiden Dancefloor-Brechern Frankenstein und Papillon.

Immer wieder streuten Editors aber auch Ruhepausen ein. Smith setzt sich des √Ėfteren ans Klavier und performte unter anderem eine sehr sch√∂ne, reduzierte Version von The Weight Of The World, einem der vielen Sch√§tzchen von fr√ľher, denen lange keine Live-Auff√ľhrung mehr verg√∂nnt war.

Die Tatsache, dass die Engl√§nder nun auf sechs Studioalben plus einige weitere Singles zur√ľckblicken k√∂nnen, bringt aber auch ein Problem mit sich: Letztlich fehlten dann doch noch einige Songs, die man gerne wieder (oder zum ersten Mal) geh√∂rt h√§tte. Vor allem No Harm,¬†das ruhige Konzert-Highlight schlechthin der letzten Jahre fehlte, daneben¬†schafften es seltsamerweise auch das l√§rmig-energetische Hallelujah (So Low) , die wundersch√∂ne Ballade No Sound But The Wind und (warum?) ausgerechnet Black Gold, der Titeltrack der Best-of-Platte, nicht ins Set.

Aber man kann eben nicht alles haben. So gingen sicher die meisten Zuschauer nach dem abschlie√üenden Hit-Dreier mit The Racing Rats, Munich und Smokers Outside The Hospital Doors gl√ľcklich nach Hause. Wieder einmal stellten Editors eindringlich unter Beweis, dass sie die perfekte Band f√ľr all diejenigen sind, die sich nicht zwischen Depeche Mode, Joy Division, U2 und Coldplay entscheiden k√∂nnen oder wollen. Auf die n√§chsten sechs Alben!

EDITORS @ D√ľsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (31.01.2020)

01. An End Has A Start
02. Bullets
03. Bones
04. Escape The Nest
05. Magazine
06. Sugar
07. Upside Down
08. Violence
09. Frankenstein
10. Papillon
11. Ocean Of Night
12. The Weight Of The World
13. Spiders
14. A Ton Of Love
15. Formaldehyde
16. Eat Raw Meat = Blood Drool
17. Blood
18. Fingers In The Factories
19. Walk The Fleet Road
20. You Are Fading
21. Distance (Z)
22. The Racing Rats (Z)
23. Munich (Z)
24. Smokers Outside The Hospital Doors (Z)

Weblinks Editors:

Homepage: www.editors-official.com
Facebook: www.facebook.com/editorsmusic

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