HOLYGRAM im Interview: „Bei uns l√§uft auch mal Atomic Kitten im Tourbus“

HOLYGRAM, © Danny Sotzny
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Mit ihrem Deb√ľtalbum Modern Cults lie√üen Holygram im vergangenen Jahr m√§chtig aufhorchen. Der Mix aus Post-Punk, Shoegaze und Dark Wave mit einem Hauch Krautrock heimste nicht nur bei uns Bestnoten ein, nun geht die K√∂lner Band um S√§nger Patrick Bl√ľmel erstmals auf eine gr√∂√üere Headliner-Tour (Daten siehe unten). In den letzten zwei Jahren waren Holygram schon mit Gr√∂√üen wie OMD und zuletzt VNV Nation auf Konzertreise – uns erz√§hlten sie nun von ihren Erlebnissen und dem, worauf man sich als Konzertgast auf der Modern Cults-Tour freuen darf.

Jungs, wie f√ľhlt man sich so kurz vor der ersten Headliner-Tour? Aufgeregt, nerv√∂s oder empfindet Ihr einfach nur Vorfreude?

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wir freuen uns alle total auf die Tour. Nachdem wir in den letzten zwei Jahren vor allem als Support f√ľr OMD und VNV Nation unterwegs waren und viele Live-Erfahrungen in Europa und Nordamerika sammeln konnten, ist es aufregend, jetzt endlich wieder selber als Headliner Konzerte zu spielen. Mit der Tour wollen wir die Intensit√§t und Bandbreite des Deb√ľtalbums nun auf die B√ľhne bringen – inklusive einiger √úberraschungen.

Wer Euch noch nie zuvor gesehen hat: Wie w√ľrdet Ihr eine Holygram-Liveshow beschreiben, was erwartet die Besucher?

Wir lieben Gegens√§tze! Das spiegelt sich in vielen unserer Songs wider und damit unweigerlich auch in unserer Live-Performance. Wir lieben noisige Gitarren und s√§gende Synthesizer, aber auch poppige Songs, die direkt ins Ohr gehen und dich mitsingen lassen. Wer auf unsere Konzerte kommt, der muss offen f√ľr sehr unterschiedliche Musikstile sein. √úber allem schweben die Begriffe ‚ÄěPostpunk‚Äú oder ‚ÄěShoegaze‚Äú, was aber auch nur Schubladen sind, in die wir uns irgendwann einmal einordnen mussten. Wie vermittelt man sonst seine Musik an Menschen, ohne ihr ein Label aufzudr√ľcken? Wer also durchaus auch was mit Psychedelic, Techno oder Kraut anfangen kann, der ist bei uns gut aufgehoben. Dar√ľber hinaus sind wir eine sehr visuelle Band. Bei uns geht nichts ohne Nebel und das richtige Licht. Auf der kommenden Tour werden wir diesen Aspekt noch einmal v√∂llig neu aussch√∂pfen.

Es ist ungewöhnlich, dass eine so junge Band wie Ihr die Chance bekommt, nicht nur Szene-Acts wie She Past Away auf Tour zu begleiten, sondern gleich mit internationalen Schwergewichten wie OMD und VNV Nation zu touren. Wie kam es eigentlich dazu?

Andy und Paul von OMD haben uns aktiv als Support f√ľr die Tour 2017 angefragt und wir haben nat√ľrlich nicht lange gez√∂gert. Wir sind selber Fans der Band und mit ihren Hits gro√ü geworden. Wer kennt nicht Electricity oder Enola Gay?! Umso aufregender war es dann, das erste Mal pers√∂nlich auf die Band zu treffen. W√§hrend der Tour hat sich ein sehr freundschaftliches Verh√§ltnis entwickelt, so dass wir regelm√§√üig Backstage abgehangen und uns ausgetauscht haben. Wir konnten bei den Shows wichtige Erfahrungen sammeln, immerhin haben wir z.B. in der Mitsubishi Electric Halle in D√ľsseldorf vor 6000 Menschen gespielt. Man muss sagen, dass die Bandmitglieder trotz der gro√üen Erfolge sehr bodenst√§ndig geblieben sind und bis heute den jugendlichen Elan von damals behalten haben. Die Energie bei den Shows war sehr beeindruckend und inspirierend f√ľr uns.

Bei der ersten Show der Tour mit OMD in Hamburg haben wir Ronan von VNV Nation kennengelernt, der im Publikum war. Er war von unserer Performance so angetan, dass er uns letztes Jahr mit auf die Tour in Europa und Nordamerika nehmen wollte. Ende 2017 hatten wir gedacht, dass man die Tour mit OMD nicht toppen könnte, aber es kam alles anders als erwartet. Die zwei Monate mit VNV Nation waren der absolute Wahnsinn!

Wie waren die Publikumsreaktionen? Der typische Holygram-Sound weicht ja recht stark vom nicht selten partyorientierten Klang bei VNV Nation ab …

Das Publikum auf der Tour war toll. Es ist nat√ľrlich f√ľr uns eine gro√üe Herausforderung gewesen, einem Publikum mit Gitarre und Bass gegen√ľber zu treten, das den elektronischen Sound von VNV Nation erwartet. Umso mehr hat uns dieses Publikum jeden Abend √ľberrascht, denn wir haben ausnahmslos positives Feedback w√§hrend der Konzerte und auch danach erhalten. Die Idee hinter dem Line-Up war, die Bandbreite der musikalischen Szene, mit der beide Bands identifiziert werden, zu demonstrieren, Abwechslung zu schaffen und Erwartungen aufzubrechen. Das Konzept ist – wie wir finden – vollends aufgegangen . In Nordamerika wurden die Shows sogar noch um den Retro-Synth-Act The Rain Within erweitert, der eine zus√§tzliche Facette hinzugef√ľgt hat. Wenn man etwas aus der Tour lernen kann, dann, dass man niemals das Publikum untersch√§tzen sollte.

HOLYGRAM – Signals (official video)

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Erz√§hlt doch mal, wie Eure Tagesabl√§ufe in den USA waren. Blieb ausreichend Zeit f√ľr Sightseeing und wart Ihr √ľberhaupt vorher schon mal dort?

Der Touralltag insbesondere in Nordamerika war f√ľr uns alle eine v√∂llig neue Erfahrung. Die meisten von uns waren noch nicht in den USA oder Kanada und dementsprechend nachhaltig sind die vielen unterschiedlichen Eindr√ľcke. Nat√ľrlich entwickeln sich gewisse Muster, die t√§glich ablaufen, wenn man √ľber einen Monat fast jeden Tag in einer anderen Stadt spielt: Aufstehen, Fahren, Aufbauen, Soundchecken, Essen, Performen, Einladen, Fahren, Schlafen. Das klingt so jetzt erst einmal sehr automatisiert, aber theoretisch l√§uft jeder Tag fast identisch ab. Die kleinen Details machen dabei den gro√üen Unterschied aus und jeden Gig, den wir gespielt haben, zu etwas Besonderem. Jede Stadt, die wir gesehen haben, hatte einen eigenen Charakter, ihre unverwechselbaren Menschen, eine einzigartige Atmosph√§re. Und die Landschaft hat einem nat√ľrlich eh permanent die Sprache verschlagen. F√ľnf bis sechs Stunden Autofahrt am Tag sind mit der entsprechenden Kulisse ganz gut zu ertragen. Ab und zu haben wir sogar auch Sightseeing machen k√∂nnen. Wir waren z.B. in Snoqualmie, wo die Serie Twin Peaks gedreht wurde, oder auf dem Empire State Building in New York City. Das hat alles wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Modern Cults wurde ja nicht nur bei uns √ľber den gr√ľnen Klee gelobt. Was zieht Ihr aus den Kritiken? W√ľnscht man sich nicht auch mal etwas negatives Feedback, um daraus wom√∂glich neue Inspirationen und Motivation zu ziehen?

Positive Kritik ist nat√ľrlich erst einmal super, wenn man ein Deb√ľtalbum rausbringt. Gerade nach unserer EP von 2016, die von vielen Seiten sehr gut besprochen wurde, sind wir etwas unter Druck gewesen. Die Reaktionen zeigen aber, dass der Funke, der uns zum Schreiben der neuen Songs veranlasst hat, auch auf das Publikum √ľbergesprungen ist und unsere Musik etwas mitbringt, das begeistert. Etwas Besseres kann man sich einfach nicht w√ľnschen. Und da wir selber unsere gr√∂√üten Kritiker sind, bedarf es keines externen negativen Feedbacks, um stets an uns und unserem Sound zu arbeiten. Inspiration und Motivation ziehen wir aus so vielen Dingen, ein Verriss in der Presse ist da nicht vonn√∂ten.

Läuft bei Euch zuhause oder im Tourbus eigentlich Musik, die Eurem Sound ähnelt? Beschreibt man die Musik von Holygram, landet man ja doch immer wieder bei denselben Bands als Vergleichswert …

Wir h√∂ren alle recht unterschiedliche Musik, was auch den Sound von Holygram sehr gepr√§gt hat. Im Tourbus hat normalerweise der Fahrer das Recht, die Musik zu w√§hlen, die gespielt wird. So hat jeder die Chance, den anderen Bandmitgliedern seine Neuentdeckungen oder All-Time-Favourites vorzuspielen. Da gab es durchaus schon einige √ľberraschende Momente. Selbstverst√§ndlich sind auch immer wieder Bands dabei, deren Sound unserem eigenen √§hnelt. Wir haben uns nicht ganz willk√ľrlich in der Szene verortet. Fun Fact: Auf der Tour mit OMD lief bei uns im Bus immer mal wieder Whole Again von der Girlgroup Atomic Kitten, die von den Bandmitgliedern¬†Andy McCluskey¬†und¬†Stuart Kershaw gegr√ľndet und produziert wurde.

Was macht Ihr eigentlich, wenn Ihr nicht gerade tourt oder an Musik werkelt? Davon leben könnt Ihr ja wahrscheinlich (noch) nicht, oder?

Wir haben alle Jobs, die uns die zeitlichen und finanziellen M√∂glichkeiten geben, Musik auf einem gewissen Niveau zu machen. Die Nordamerika-Tour hat diese Flexibilit√§t in unseren Jobs schon sehr ausgereizt, aber das war es auch wert. Surreal ist es meistens nur dann, wenn man z.B. nach zwei Monaten Tourleben pl√∂tzlich wieder am Schreibtisch sitzt und seiner Arbeit nachgeht. Dann wird einem bewusst, dass man eigentlich ein Doppelleben f√ľhrt.

Welchen einen Song von Euch w√ľrdet Ihr jemandem empfehlen, der noch nie etwas von Euch geh√∂rt hat?

¬†Still There verk√∂rpert vieles von dem, was Holygram ausmacht, aber unser Sound ist so unterschiedlich, dass ein Song ihm nicht gerecht werden w√ľrde. Aber als Einstieg ist er gut. Das Video gibt auch schon einen ganz guten Eindruck von dem, was einen live bei uns erwartet: Nebel und Stroboskoplicht.

HOLYGRAM – Still There (Official video)

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Zu guter Letzt vervollständigt bitte diesen Satz: Holygram werden in zehn Jahren …

13 Jahre alt sein.

Termine HOLYGRAM Tour 2019

08.02.2019 Bielefeld, Nr. z.P
09.02.2019 Bochum, Rockpalast
10.02.2019 Hannover, Lux
15.02.2019 Dresden, Reithalle Strasse E
16.02.2019 Berlin, Urban Spree
20.02.2019 Hamburg, Logo
28.02.2019 M√ľnchen, Backstage Club
01.03.2019 Leipzig, Moritzbastei

tickets

Weblinks HOLYGRAM

Homepage: holygram.band
Facebook: www.facebook.com/holygram.official

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