Interview: SCHEUBER

Interview: SCHEUBER
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Nur zehn Monate nach dem Solo-Debüt The Me I See erscheint mit Changes nun bereits das zweite Album von Scheuber. Der elektro-poppige Sound des Debüts wird hierbei auf ein neues Level gehoben, neue Einflüsse tauchen auf, die Weiterentwicklung ist klar hörbar. Nach wie vor hörbar ist bei Scheuber dabei die Verarbeitung des Erlebten der letzten Jahre, denn auch nach dem Debüt war noch vieles offen. Hörbar ist aber auch, dass der Titel Changes sehr passend ist, denn nicht nur im Sound bei Scheuber haben sich Neuerungen ergeben – auch sonst hat sich eben vieles verändert beim Künstler. Im Interview gab er uns ausführlich Auskunft dazu und war auch selbst neugierig, wie das neue Album auf einen wirkt, was sich beispielsweise daran zeigte, dass die erste Frage unüblicherweise vom Interviewten selbst kam…

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wie findest Du denn das Album? Findst Du das toll?

Ja, ich find das toll. Sogar eine Steigerung gegenüber dem ersten.
Oh, das höre ich natürlich gerne. Das finde ich schwer einzuschätzen. Es sind ja bei den neuen Songs auch welche dabei, die ich bereits für das erste Album geschrieben hatte. Ich fand die auch gut, weil sie so einen schönen touchigen „Pop“-Charakter hatten, ein bisschen 80s, diese Melancholie. Das sollte alles noch das Licht der Welt erblicken. Ich wollte das veröffentlichen. Es ist ein Abschluss von einem Prozess und jetzt starte ich sozusagen neu. Ich bin eigentlich schon mittendrin.

Interview: SCHEUBERGenau da wollte ich auch einhaken. Das erste Album erschien im August 2016, jetzt ist kein Jahr vergangen und der Nachfolger ist schon fertig.
Ich hatte das Material und ich hatte Lust, es zu veröffentlichen. Ich sehe da keinen Sinn drin, dass wenn Songs darauf warten, atmen zu dürfen und die Möglichkeit besteht, sie zu verwerten, diese dann ewig liegen zu lassen. Klar, das muss nicht von heute auf morgen passieren, aber ich hatte das schon vorher abgeklärt, dass ich in relativ kurzen Abständen veröffentlichen möchte. Ich wollte das von der Seele haben und auch live ein bisschen Material haben, damit ich es ausgiebiger präsentieren kann – sprich: auch längere Spielzeiten zu haben, wenn es sich dann mal ergibt. Das zweite Album hat auch ein bisschen mehr Material. Es war alles da, ich hab genug Zeit für die Musik, warum soll ich sie nicht nutzen?! Das hat alles gut geklappt, auch mit den Absprachen mit Gerrit, der mit Eisfabrik viel zu tun hat. Trisol hatte auch nichts dagegen. Die Zeiten sind eh schnelllebig genug. Bevor das wieder vergessen wird, macht man es gleich dingfest und haut das zweite hinterher. Ich sitze jetzt schon am dritten Album, das will ich dann auch schon Anfang nächsten Jahres präsentieren. Und dann lass ich es erst einmal sacken!

Aus welchem Zeitraum stammen denn jetzt die Stücke auf dem zweiten Album? Beim ersten Album hat man ja im Grunde alle Zeit der Welt, weil sich alles Aufgestaute verarbeiten lässt…
Genau – und da war noch so viel Material vorhanden, was raus wollte. Die Songs waren schon soweit geschrieben, aber die Texte eben noch nicht. Die habe ich nach und nach vollendet. Ich hatte ja auch bereits zwei neue Stücke live gespielt, eines davon hat es auf das Album geschafft, das andere kommt nochmal unters Messer. Alles hat mehr Farbe und Kontrast bekommen, sich immer mehr gefestigt. Man steht wieder ein bisschen mehr im Leben. Es gab einfach viel zu verarbeiten. Das tut mir auch echt gut. Ich habe viel mit mir ausgemacht, habe viel mehr Struktur in mein Leben gebracht. Das Gefühl war da, die Songs waren da und das passte alles. Es hat etwas mehr „Happy-Charakter“ in der Melodieführung, so empfinde ich es zumindest, es ist eingängiger. Da kam eins zum anderen und ich musste mich gar nicht groß anstrengen. (lacht) Das klingt jetzt so, als hätte ich mir keine Mühe gegeben, aber es ist ja manchmal so: Wenn es läuft, dann läuft es auch. Ich hab mir da gar nicht so große Gedanken gemacht, das war irgendwie cool. Nachdem ich genesen bin, war es so nach dem Motto: ,,Es ist an der Zeit, das Erlebte musikalisch und textlich mit mir alleine auszumachen, ohne Kompromisse.“ Und so hab ich mein eigenes Ding und mich „frei“ gemacht. Da hat sich über die ganzen Jahre so vieles angesammelt, bevor dann durch Peter der erste Kontakt Trisol kam. Ich hatte ‘ne Menge Material angesammelt und nun musste ich mich entscheiden ,welche Titel ich auf das Album nehme. Bei der Anzahl von Tracks ist das nicht immer einfach. Da musste ich mich entscheiden, wollte aber auch nicht zu viele Stücke auf einem Album haben. Bei mir ist es so: Wenn ich ein Album mit 14 Tracks höre, ist das für mich zu viel, da hab ich dann nach einer gewissen Spielzeit manchmal gar kein Ohr mehr für, das kann man dann nicht mehr so wahrnehmen. Daher hab ich jetzt die zwölf Stücke. Das sollte man gerade noch so verkraften.

Das was ich noch liegen habe, kommt dann demnächst auf eine EP, die voraussichtlich im September veröffentlicht wird. Da sind dann noch einmal zwei Tracks mit drauf und ein paar Remixe von Bliss. Davon wird es eine schöne Piano-Version geben von Dirk Riegner, die find ich richtig gut. Gerrit hat noch einen Eisfabrik-Mix gemacht und der Markus Adamsky hat von Not For You einen schönen Mix beigesteuert. Das wird eine schöne runde Sache. Dazu wird es dann auch noch ein Video geben. Aber jetzt kommt erstmal das Album raus und dann bin ich gespannt, wie es so aufgenommen wird. Die Reaktionen sind bisher ganz gut im Freundes- und Bekanntenkreis.

Interview: SCHEUBERWenn man jetzt etwas mehr auf das Album guckt: Ich habe mal die Cover vom ersten und zweiten Album nebeneinander gelegt. Auf dem einen das linke Auge in Schwarz-Weiß und jetzt das rechte Auge in Farbe. Ist das Zufall oder hat das Symbolcharakter?
Ganz ehrlich: Bei dem Album sind so viele Sachen dabei, die unterbewusst für mich schon klar waren. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht. Das ist mir selber später dann aufgefallen, da musste ich selber etwas schmunzeln: Das eine von der Seite Schwarz-Weiß und jetzt das andere farbig. Da muss ich beim nächsten Album das komplette Gesicht auf dem Cover erscheinen lassen und das zusammenfügen. Ich könnte mir jetzt natürlich eine ganz wunderbar faszinierende Story ausmalen. Die gibt es aber nicht. Es hat sich unbewusst so ergeben… Aber wer weiß, was sich mein Seelenlicht dabei gedacht hat. Im Nachhinein war es jetzt ein Moment, den ich gar nicht so wahrgenommen hatte. Ich mag da gar nicht so viel rein interpretieren, aber ich finde, Schwarz-Weiß ist eine Sicht der Dinge auf der einen Seite, mehr dieses Sich-Finden und dann in die andere Hälfte das Suchen, rein ins Farbige, wo es sich zusammenführt. Das kann ich mir jetzt auch gerne so ausdenken. (lacht) Aber das ist wirklich unbewusst so passiert. Ohne große Absicht, es fiel mir dann erst im Nachhinein selber auf. Man kann es so sehen, man kann es so betrachten, muss man aber nicht. Es hat natürlich schon eine gewisse Bedeutung, die Texte haben ja auch eine Bedeutung. Das Farbige war mir in dem Moment wichtig. Wie beim Vorgänger eben die Schwarz-Weiß-Atmospäre. Letztendlich bevorzuge ich da aber die künstlerisch-kreative Schwelle aus beidem, das wird auch in den Pressefotos etwas beibehalten, der Chris Ruiz hat da super Arbeit geleistet. Und die Idee mit dem ganzen Gesicht dann beim dritten Album ist auch ernst gemeint. Das könnte man dann als Vollständigkeit betrachten. Mir war, wie am Anfang schon gesagt, wichtig, drei Platten hintereinander zu machen. Ich will das etablieren, das ist heute eh schwierig. Da muss man vielleicht etwas mehr in kürzester veröffentlichen, damit das nicht allzu schnell in Vergessenheit gerät und dann auch live spielen. Das ist jetzt noch etwas schwierig. Da kommen jetzt so nach und nach ein paar Sachen, die man machen kann. Da springt vielleicht nichts bei raus, aber für mich ist erstmal auch wichtig, als Sänger ein bisschen mehr Erfahrung zu haben und das ein bisschen routinierter auch wahrzunehmen. Das ist eine kleine Umstellung, aber ich denke, umso mehr Shows ich spiele, umso mehr verselbstständigt sich das dann auch.

Das Album heißt Changes. Welche Veränderungen thematisierst Du denn?
Das ist echt komisch, in diesem Jahr gab es wirklich viele Veränderungen. Das ist wieder so ein Ding.

Ist das mehr bei Dir, mehr im Sound oder beides?
Changes im Allgemeinen. Bezüglich meiner Person natürlich, weil sich viel verändert hat. Mein „bescheuerter“ Zwischenfall, den ich gerademal so noch auf zwei Beinen überstanden habe, liegt bald sechs Jahre zurück. Da hat sich viel getan. Es ist viel mehr Struktur in mein Leben gekommen, viel mehr Klarsicht. Ich stehe jetzt viel mehr und fester im Leben. Es hat sich vieles herauskristallisiert und Struktur bekommen. Das kennst Du ja vielleicht auch, wenn das so schwammig ist und man gar nicht so weiß, wo es lang geht. Es tun sich unterschiedliche Wege auf und man weiß gar nicht, wo man zuerst hingehen soll oder welchen Weg man bestreiten soll. Das hat sich in den letzten Jahren immer mehr ergeben, dass die Wege immer weniger wurden und sich nach und nach der klare Pfad gezeigt hat. Ich bin ein Gefühlsmensch. Da kamen auch viele Begegnungen in meinem Leben dazu, die mich dabei unterstützt haben in dem, was ich mache, wie ich denke, wie ich fühle. Das hat vieles einfacher gemacht. Dadurch gewinnt man Selbstbewusstsein und findet sich auch selber wieder. Du entdeckst deine Stärken, du entdeckst neue Stärken, entdeckst Schwächen wieder und lernst, dich neu zu lieben. Das ist ein Prozess. Und Changes zeigt diesen Weg der Veränderungen, die da stattfinden. Es ist das zweite Album und ich bin total happy und glücklich mit meinen ganzen Umständen: privat, musikalisch, familiär. Das ist gerade alles echt gut. Und das hat sich nach und nach alles wieder neu belebt. Ich bin dankbar, dass ich das alles überlebt habe. Da weiß ich schon, dass ich es „Gott“ sei Dank richtig gemacht habe und wirklich sehr viel Glück hatte. Das weiß ich wirklich zu schätzen. Ich weiß auch noch viel mehr zu schätzen, dass die Leute letztendlich noch zu mir gestanden haben. Das war ein „heavy way“. Es fügt sich alles sehr zusammen. Ich verlange gar nicht so viel, ich bin eigentlich sehr happy. Das könnte ich mal so sagen. Und das wird sich wahrscheinlich beim nächsten Album auch noch ein wenig bemerkbar machen. Ich werde natürlich keine lustige Popmusik machen, einen melancholischen Beigeschmack hat es bei mir sowieso, so ein Typ bin ich halt. Aber in meinem persönlichen Leben ist das gerade alles echt gut.

So soll es doch eigentlich auch sein…
Eigentlich ja. Klar, zu meckern findet sich immer was, aber es gibt viele Sachen, die funktionieren halt nun mal nicht immer so. Aber das sind äußere Umstände, die man nicht so beeinflussen kann. Damit muss man wieder umzugehen lernen. Aber hey, wer kann sich davon freisprechen?

Interview: SCHEUBERGenau! Und in Silhouette singst Du ja auch „It feels so good to be free, it feels so good to be me“. Würdest Du sagen, dass Du bei Dir selbst angekommen bist?
Absolut! Das ist auch so, dieses sich selbst wieder zu entdecken. Und sich selbst auch wieder richtig lieb zu haben und zu sagen „hey man, du bist schon okay“. Da kommen viele andere Umstände dazu. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind viele Menschen, die ich fast verloren hätte, die jetzt wieder da sind, die ein großer Bestandteil in meinem Leben waren und wieder sind. Auf unterschiedlichste Art und Weise: Ob es meine damalige Freundin war, mit der mich immer noch ein super engen und vertrauten Kontakt habe, mein bester Kumpel… Das sind alles so Sachen, die sich dann wieder gefunden haben, das ist sehr wichtig für mich. Das bestärkt einen und gibt auch Selbstvertrauen. Man traut sich, Wege zu gehen, an die man sich sonst so nicht rangetraut oder mit zu kämpfen hatte. Ob das nun die alltäglichen Begleiterscheinungen sind, die manchmal unangenehm erscheinen, wie zum Beispiel sich mit diversen Behörden auseinandersetzen. Dinge die man halt, gerne mal wegschiebt. Da sagt man jetzt eher „komm, heute geh ich ran an den Speck und schaffe das aus der Welt“. Die alltäglichen Probleme eben, Situationen, die irgendwie jeder Mensch hat. Ich fühle mich stark genug. Das gibt einem Freiheit. Eigentlich ist alles gut so. Ich weiß, wer ich bin, ich kenne meine guten Seiten und auch meine weniger guten – momentan fällt mir aber keine ein… (lacht) Ich stehe auch dazu und setze mich dann auch damit auseinander. Und ich versuche auch, so durch das Leben zu gehen, gar nicht großartig rumzuzicken oder irgendwelche Attitüden an den Tag zu legen, sondern mein Umfeld zu genießen und klarzukommen. Klar, man trifft auch Leute, mit denen man nicht auf Anhieb oder eben gar nicht auskommt, aber das erkennt man auch schnell und lernt, sich damit zu arrangieren. Da muss man nicht sinnlos Kompromisse eingehen, um zu merken, dass es doch nicht passt. Ich habe das, was ich habe, das ist mein kleiner Kosmos und der ist wunderbar. Klar, wenn ein neuer Stern auftaucht, der schön leuchtet und dir mit Liebe entgegenkommt, dann ist das auch toll. Aber was nicht stimmig ist, ist halt nicht stimmig. Und mit dem muss man sich dann auch nicht rumschlagen. Damit fühle ich mich sehr gut. Das gibt mir diese gewisse Freiheit und dieses Selbstbewusstsein. Das ist schon gut, wenn man sich ein bisschen kennt.

Die Zeit nach meinem Unfall, mit meiner ganzen Alkoholsucht (nachdenklich)… Das ist schon eine Freiheit, wenn du diesen ganzen Zwang dann nicht mehr hast. Wenn man dann realisiert, dass man doch noch bei Verstand ist und sich geistig nicht völlig kaputt gesoffen hat… Dafür bin ich unendlich dankbar. Natürlich auch für den Halt in der Familie, bei Freunden und… Kollegen… Und ich weiß, dass es mehr als nicht einfach war. Ich meine, das hätte auch ganz anders ausgehen können. Es gibt genug Leute, die mit ihrem Leben dann gar nicht klarkommen und auf der Straße landen und da verrecken. Das darf man nicht vergessen. Ich weiß das zu schätzen.

Diese Abhängigkeit von irgendwelchen Sachen, sei es Rauchen, Alkohol oder sonst irgendeine Scheiße… Es ergibt keinen Sinn, ich erkenne da keinen Sinn mehr drin. Und es gab auch nie einen. Es gibt auch so viele Leute, die beim Trinken halt sagen: „Ja, so ein Gläschen…“ Mein Gott, das soll jeder machen. Von mir aus gerne. Abgesehen davon, dass ich es gesundheitlich sowieso nicht mehr machen könnte, ist es so, dass ich auch gar nicht weiß, warum man es macht. Früher hab ich auch gedacht: Ja, Alkohol, Geselligkeit usw… Diese Überlegungen kenne ich ja auch. Ich bin inzwischen ein bisschen ruhiger geworden, definitiv. Kann auch am Alter liegen… Aber ich hab trotzdem noch meine Macken, meinen Blödsinn im Kopf… Und nüchtern ist das manchmal auch sogar um einiges lustiger. Aber wenn ich manchmal sehe, wie die Leute am nächsten Tag rumhängen und ihren Hangover haben, dann vermisse ich das überhaupt nicht. Ich kann auch so super gesellig sein. Ich schätze, ich bin jetzt sogar noch geselliger als früher. Im angetrunkenen Zustand kommt ja auch schon mal eine ganze Menge Blödsinn aus einem raus. Jetzt redet man zwar auch Blödsinn, aber da weiß man wenigstens, was man von sich gibt. Hehe.

Interview: SCHEUBERAnderer Blödsinn…
Dann ist das okay. Das empfinde ich auch als Freiheit. Ich kriege dadurch viel mehr auf die Reihe. Wenn man sich ein bisschen kennt, ist das gut. Eigentlich bin ich gerade wirklich glücklich. Ich könnte auch sagen, ich hätte jetzt gerne noch dies, aber hätte, haben, tun, wollen… Im Grunde habe ich das, worauf es im Leben wirklich ankommt: Ich habe eine tolle Familie, eine tolle Partnerin und Freundin, bin gesund… Weltpolitisch sieht es zwar sehr viel beängstigender aus, alles wirkt nicht nur sehr nah, sondern steht tatsächlich vor der Tür. Deshalb sollte man sich zumindest in seinem kleinen Kosmos, seinem Umfeld, ein bisschen Frieden bewahren und versuchen, damit gut zu leben.

Du hast jetzt gerade gesagt: Weltpolitisch gesehen ist alles ein bisschen im Argen. An sich wirkst Du sehr gefestigt, trotzdem ist da auch ein Stück namens Fragile. Bezieht sich das auf die Weltlage, dass da alles sehr zerbrechlich ist?
Mit dem Texte-Schreiben ist das so: Eigentlich entstehen die Texte immer aus einer gewissen Melancholie. Grundsätzlich ist das so, dass das auf einer zwischenmenschlichen Begegnung beruht. Manchmal ist es einfach nur ein Empfinden. Das kann man in dem Moment ganz gut wiedergeben. Wenn dann die Eingebung kommt und das Gefühl und Stimmung im Einklang sind, dann passiert das einfach von ganz alleine. Es ist nicht so, dass ich mich jetzt in diese oder jene Richtung oder Situation hineindenke, sondern letzten Endes schreibe, was das Gefühl und mein Herz mir diktiert… Hier und da ertappt man sich in einer Situation oder einem Gedanken und so könnte man im Nachhinein in jeden Song auch zwei drei andere Sichtweisen hinein interpretieren. Das bleibt immer ziemlich offen. Und wenn es so ist, dann ist es eher unbewusst. Es ist einfach ein Gefühl. Ich kann nicht sagen, dass ich bewusst einen Text schreibe, der mich bewusst in eine Richtung lenkt. Ich mache mir da wenig Gedanken und gebe eher dem Gefühl freien Lauf. Ich weiß gar nicht, ob das andere Musiker besser beschreiben können. Ich denke, jeder hat da unterschiedliche Herangehensweisen… Das klingt jetzt vielleicht etwas abstrus oder albern, aber manchmal kann auch nur ein Wort ein Aufhänger sein. Dann denkt man sich da hinein und wenn dann noch eine Situation da hinzukommt, mag sie noch so kurz oder kurzfristig sein, dann kann das eine riesige Story sein. Wenn man es dann geschrieben hat und die Musik dazu interpretiert, es singt… Es ist auch beim Einsingen so: Ich bin da voll drin und hab unterschiedlichste Empfindungen. Manchmal sogar von Take zu Take. Klingt konfus, ist es aber nicht. Ich kann es nur so sagen, wie ich es selbst empfinde. Und wenn das jemand für sich eben nicht so empfindet oder seltsam findet, dann ist das für mich völlig in Ordnung. Aber ich würde mich nie auf bestimmte Sachen festlegen. Letztendlich sind es bei mir immer zwischenmenschliche Situationen oder Geschehen. Es geht grundsätzlich immer um Verlust, Liebe, Verlangen… Klar ist da ein bisschen Romantik dabei, ein bisschen Träumerei – und viel Herzblut!

Das ist grundsätzlich das, was ich im Herzen trage, was wichtig ist. Bei Rumors ist das dann so, dass da Leute sind, die mir einfach nur tierisch auf den Sack gehen, wo man meint, man müsste denen mal die Meinung geigen. Da muss man das dann auch mal raus rotzen. Manchmal ist die Situation halt da und man trägt dieses Stimmungsbild in sich. Dann kommt eins zum anderen, es entsteht ein Wortmassaker – und ab dafür. Bei Rumors war das etwas schwierig, weil ich eigentlich gerne verzeihe und mich nicht Ewigkeiten an irgendwas aufhänge. Daher war es schwer, so ein Gefühl aufrecht zu erhalten, aber es hat im Endeffekt doch noch geklappt. Das ist so eine Persona, die in meiner Vergangenheit existent war. Da müssen wir gar nicht weiter drüber reden, denn alles ist gut so wie es jetzt ist.

Interview: SCHEUBERWenn Du das Album generell siehst. Wie sind Deine Ziele damit? Wen oder was möchtest Du erreichen?
Zehn Millionen Einheiten verkaufen, ich brauche einen Pool… Und auf Island brauche ich ein Haus. Dann baue ich noch ein Haus auf den Bahamas. Man weiß ja nie. Natürlich lasse ich es bauen… Also klar, Multimillionär will ich werden. Was halt jeder Musiker will, nur keiner traut sich, das auszusprechen. Jeder redet so daher, ich möchte ein bisschen die Welt retten und so, aber in der Wirklichkeit schreien sie alle danach. Hahaha.

Nein, Quatsch. Ich freue mich über jeden, der das für sich entdeckt und in sein Herz schließen kann. Man macht ja Musik schon, um Leute zu erreichen und etwas zu vermitteln. Musik ist heutzutage so unterschiedlich, so facettenreich, die Geschmäcker sind alle so unterschiedlich und ich stelle es einfach zur Verfügung. Wenn man sich darin wieder findet oder sich davon berührt fühlt, dann ist das super. Das ist letzten Endes auch alles, was du erwarten kannst. Die Welt verändern oder so will ich gar nicht, das machen andere schon genug. Dann helfe ich lieber so mit ein paar Texteinsichten oder Gefühlsbeschreibungen, mit denen sich manche vielleicht identifizieren können. Das will ich gar nicht so dramatisieren, vielleicht sehe ich das aus einer etwas romantischen Sicht. Wenn Leute sich darin wiederfinden, dann ist das für mich schon eine große Sache. Da bin ich sehr dankbar für. Umso mehr, umso besser und wenn es weniger sind, ist es auch völlig in Ordnung. Da mache ich mich nicht so heiß.

Nach dem letzten Album warst Du bereits auf Tour. Wie hattest Du die Tour generell empfunden? Gerade auch in der Rolle als Frontmann, das ist ja auch nicht immer so bei Dir.
Das war keine große Umstellung in dem Sinne, aber es war schon neu. Ich habe früher mit meiner Rock-Kombo Kyova die Rolle gehabt, aber das war mehr so, dass wir auch ein bisschen lustig unterwegs waren. Da waren wir jünger und man wusste noch nicht, wo wir eigentlich hin wollen. Man hat es schon ernst genommen, aber ich wusste noch nicht so richtig, ob mir das so wirklich steht als Sänger zu agieren. Letzten Endes hatte ich einfach das Verlangen, zu singen und mein Zeug loszuwerden. Ich brauche da noch ein bisschen Routine. Andere gehen da vielleicht souveräner mit um, wenn ich das mit anderen Sängern vergleiche. Die singen aber auch schon seit zehn bis fünfzehn Jahren. Anfangs ist das immer etwas schwierig. Selbst, wenn ich viel Bühnenerfahrung habe, habe ich sie nicht als Sänger. Das ist dann schon eine andere Hausnummer. Auf der Tour mit der Eisfabrik war natürlich schon ein bisschen Unsicherheit dabei. Am letzten Tourtag in Hannover ging es mir dann richtig gut. Da hatte ich auch zu mir gesagt: „Hey, was soll passieren?“ Da muss man dann auch ein bisschen Selbstvertrauen haben. Ich dachte mir, ich vertraue mir jetzt einfach und ziehe das durch. Da ist ein Knoten geplatzt, das hat mir richtig Spaß gemacht. Da habe ich gemerkt, wie man das mit dem Publikum handhabt. Ich bin ja schon sehr offen und dann hätte das ab dem Zeitpunkt richtig losgehen können. Da hätte ich noch einmal zehn bis fünfzehn Shows spielen können. Das hätte ich dann am liebsten gemacht und dachte: „Schade, jetzt wo ich gemerkt habe, dass ich mich auch da gefunden habe.“

Interview: SCHEUBERGibt es sonst denn schon weitere Pläne für weitere Shows? Vielleicht dann auch mal als Headliner?
Ich habe da jetzt ein paar Sachen, die verstreut sind. In Bautzen ist am 30.09. eine Show, dann in Cottbus. Nik Page macht da das Booking. Hier und da sind ein paar Festivals, ich denke mal, dass nächstes Jahr da auch ein bisschen mehr kommen wird. Das ist nicht so einfach, da heutzutage ranzukommen. Wenn ich das noch mehr etablieren kann, wäre das toll. Live spielen muss sein. Da muss man schauen, was machbar ist, wo man nicht auch noch großartig drauf zahlt. Wenn man einen Teller Suppe und ein Kopfkissen bekommt, kann man das schon realisieren. Da muss man heutzutage realistisch bleiben, dass man da nicht mit riesigen Gagenforderungen kommen kann. Das ist eine Geburt, die da stattfindet und das Kind muss geschmeidig wachsen. Sobald es möglich ist, mache ich es auch. Solange sich das nicht mit Pitchfork beißt, ist alles okay.

Das war es von mir soweit mit Fragen. Zum Schluss hätte ich jetzt gefragt, wie die weiteren Pläne sind, aber das hattest Du ja bereits ganz gut dargelegt.
Mit dem Geld und dem Millionär und so, oder? Und dem Haus auf Hawaii… (lacht)

Ja, das kommt dann ja nach dem dritten Album.
Genau!

Weblinks SCHEUBER:

Homepage: www.scheuber-music.de
Facebook: www.facebook.com/ScheuberMusic
Shop: www.project-pitchfork.eu/store

Bilder: Chris Ruiz

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