Lesedauer: 4 Minuten
Lesedauer: 4 MinutenSo richtig gut meint es das Schicksal im Jahr 2026 nicht mit den Mitgliedern von Beyond The Black. Anfang Februar musste die Band vier Konzerte der Tour zum aktuellen Album „Break The Silence“ verlegen, weil Gitarrist Chris Hermsdörfer in Folge einer drohenden Netzhautablösung notoperiert werden musste. Auch Schlagzeuger Kai Tschierschky kämpfte seinerzeit mit einer Grippe. Sieben Monate später sollten die Konzerte in Hamburg, Antwerpen, Oberhausen und Nijmegen dann stattfinden – allerdings immer noch ohne Drummer Kai. Der wird sich, wie die Band kurz vor Tourstart mitteilte, „bis auf Weiteres eine Auszeit von unseren Live-Shows nehmen, um sich ganz auf seine Gesundheit und Genesung konzentrieren zu können.“ Wir wünschen an der Stelle gute Besserung!
Mit Ersatzmann Sebastian Lanser ging es an diesem Mittwochabend in eine gut gefüllte Turbinenhalle 1. Für das Warm-up konnte die Band SetyØursails gewonnen werden. Die kommen aus Köln und sind ebenfalls in dominanter Klamottenfarbe Schwarz, musikalisch aber eine ganze Ecke härter und zügiger unterwegs – die Endsilbe -core kann man bei der Genre-Beschreibung guten Gewissens dranhängen. Auch hier gab es kürzlich einen Besetzungswechsel. Bassist Nicolai Hoch verließ die Band im Juli und wurde durch Stanislaw „Stanni“ Czywill ersetzt. Den Tattoo-Artist kennen Szenekundige womöglich durch ein früheres Engagement bei GhØstkid.
Blickfang und Meisterin der Zeremonie ist aber zweifelsohne Frontfrau Jules Mitch. Die rast und wirbelt über 45 Minuten wie der tasmanische Teufel über die Bühne und haut zwischendurch Sprüche wie „Ich will Genicke brechen sehen“, „Denkt Ihr, Ihr seid zum Spaß hier?“ oder „Wer hat heute schon gebechert raus?“ Mitch wandelt zwischen Klargesang und deftigen Growls, hier und da erklingt (leider) zusätzlich die eine oder andere Vokaleinlage vom Band. Kleiner Punktabzug in der B-Note für Playback.
Abgesehen davon liefert das Quartett aber eine mitreißende Show mit elf Songs, viel Energie und Publikumsinteraktion ab. Mitch fordert immer wieder zu Pits oder dem bewährten „Alle gehen in die Hocke und springen auf 3 hoch“-Spielchen auf, Stanni performt gleich zwei Songs inmitten des Publikums und auf dem Bartresen, die Lieder preschen meist in hohem Tempo mächtig nach vorne. Zwischendurch covern SetyØursails noch Limp Bizkits Klassiker „Break Stuff“, und das sehr ordentlich, Mitch schwingt eine Fahne gegen Rassismus, Homofeindlichkeit sowie sonstigen menschenverachtenden Dreck und wird am Ende nach zunehmendem Jubel doch ein wenig rührig: „Ihr bringt mich gleich zum Heulen. Danke, dass Ihr so süß wart“. Im Februar geht die Band übrigens auf Headliner-Clubtour mit zehn Gigs in ganz Deutschland, Termine über die Links weiter unten.
Setlist SETYØURSAILS @ Oberhausen, Turbinenhalle (23.09.2026)
- Bad Blood
- Nightfall
- In My Head
- Why
- Mirror
- Bad Company
- T.F.M.F.
- Break Stuff
- Fckoff
- Halo
- Best of Me
Weg vom Metalcore, hin zum Symphonic Rock: Gegen 21.15 Uhr erklingt das bewährte Rolling-Stones-Intro „Paint It Black“, bevor Beyond The Black mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Break The Silence“ eröffnen. Schnell wird jedoch klar, dass das hier kein reines Showcase für die LP ist, sondern auch zahlreiche alte Hits den Weg ins Set fanden. „Hysteria“ und „Heart Of The Hurricane“ holen zügig diejenigen ab, die BTB schon ein wenig länger in ihre Herzen geschlossen haben.
Das Quartett performt vor einer mächtigen Videowand, die sinnvoll genutzt wird: Jeder Song erhält ureigene, atmosphärische, teils auch kräftig bunte Visuals, was bei einigen Stücken zu einer grandiosen Grundstimmung beiträgt. Insbesondere beim eher balladesken „Ravens“ und einer ruhigeren Remix-Fassung von „Wounded Healer“, bei der Sängerin Jennifer Haben gar selbst in die Tasten greift. Sie liefert einmal mehr eine fehlerfreie Performance ab – wie auch ihre Kollegen um „Notfalldrummer“ Sebastian Lanser.
So geht es durch sechs Alben und einen mitreißenden Hit-Reigen. Fans der Debüt-LP „Songs of Love and Death“ durften sich gar über fünf Stücke freuen, darunter die abschließenden „Running to the Edge“ und „Hallelujah“. Was allerdings fehlt, sind die Momente, die frühere Konzerte von Beyond The Black noch ein wenig besonderer machten. Zum Beispiel die superreduzierten „Nur Piano und Stimme“-Blöcke, die so richtig ans Herz gingen sowie die damit verbundene Publikumsnähe, weil Haben und Hermsdörfer diese Versionen meist auf einer Mini-Bühne mitten im Publikum respektive am Mischpult spielten. Schade auch, aber wohl unvermeidlich: Zur Kollabo „The Art of Being Alone“ stand Featuregast Chris Harms von Lord of the Lost am Vorabend in seiner Heimatstadt Hamburg noch mit auf der Bühne – in Oberhausen und bei den weiteren Konzerten der Tour kam Harms Stimme nur vom Band.
Auch die Zwischenansagen wirkten fast durch die Bank generisch und sind wohl so auch bei jedem anderen Konzert der Tour gefallen. Ein zwischenmenschliches Lob an die Vorgruppe („Das Wichtigste auf Tour ist, dass man mit tollen Menschen unterwegs ist“). Ein politisches Statement, das genau so vorsichtig formuliert wurde, dass bloß niemanden im Publikum zu sehr vergrätzt wird („Die Grautöne existieren nicht mehr. Es gibt nur noch Schwarz oder Weiß da draußen. Wir sollten mehr Grautöne suchen, die uns vereinen …“) und das obligatorische „Wir hoffen, dass wir bald wieder bei euch sein können“.
Dabei wäre gerade die Oberhausener Turbinenhalle der perfekte Ort für längere Wortbeiträge gewesen. Es war der sechste Auftritt von Beyond The Black innerhalb von elf Jahren in der früheren Industrielocation, mit fast keiner anderen Konzerthalle hat die Gruppe so eine enge, langjährige Verbindung. Vom Festival-Opener (2015) spielten sich Haben & Co. in eine gut gefüllte Turbinenhalle 2 (2022) und nun in eine ebenfalls gut gefüllte Turbinenhalle 1. In all der Zeit ist doch sicherlich die eine oder andere interessante Geschichte passiert, die das mitgewachsene Publikum trefflich hätte unterhalten können.
Chris Hermsdörfer ergriff immerhin einmal das Wort, wies etwas selbstironisch darauf hin, dass „ich ja schuld bin, dass wir erst jetzt hier sind. Aber hey, es haben alle ihre Karten gehalten und es sind sogar mehr Leute da als es im Februar gewesen wären.“ Die sahen eine super souveräne 90-Minuten-Rockshow, die wohl niemanden unzufrieden zurückließ, der aber diesmal das gewisse Etwas fehlte.
Setlist BEYOND THE BLACK @ Oberhausen, Turbinenhalle (23.09.2026)
- Break The Silence
- Hysteria
- Rising High
- Heart of the Hurricane
- Reincarnation
- Songs of Love and Death
- Wounded Healer
- Ravens
- The Flood
- Lost in Forever
- Written in Blood
- Let There Be Rain
- When Angels Fall
- Shine and Shade
- In The Shadows
- The Art of Being Alone (Z)
- Running to the Edge (Z)
- Hallelujah (Z)
Weblinks BEYOND THE BLACK
Homepage: https://beyond-the-black.com
Instagram: beyondtheblack_official
Facebook: beyondtheblackofficial
Weblinks SETYØURSAILS
Homepage: https://set-your-sails.myshopify.com
Instagram: www.instagram.com/setyoursailsband
Facebook: www.facebook.com/setyoursailsband
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