Wave-Gotik-Treffen (WGT) 2016 ‚Äď Sonntag 15.05.2016

Welle:Erdball,© Danny Sotzny
Geschätzte Lesezeit: 13 Minute(n)
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Der 3. Tag des Wave-Gotik-Treffens birgt wieder gro√üe Namen alter und neuer Helden. Wir waren f√ľr euch bei 13 Konzerten vor Ort. Darunter u.a. schon recht fr√ľh um 17:00 Uhr die Lord of the Lost in der AGRA-Halle, es folgten Dirk Ivens, Drangsal und viele mehr bis hin zu altbekannten Bands wie Mesh, Solar Fake oder Welle:Erdball. Das Wetter war Sonntags schon etwas k√§lter und verregneter, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Ein Highlight gab es auf jedenfall mit PIL als Mitternachtsspezial um 1Uhr.

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Agra-Treffenpark

17:00 Uhr
Chris „The Lord“ Harms und seine Mannen alias Lord of the Lost st√ľrmten nach dem Intro von Six Feet Underground in der klassischen Swan Songs Version, einzeln unter viel Applaus und Jubel auf die B√ľhne. Seit 2006 begeistern Sie mit hartem Dark-Rock der zeitweise in den Metal abdriftet und andererseits mit Ihrem erst 2015 erschienen kammermusikalischen Geniestreich Swan Songs ihre Fans. Auch dieses Mal bieten Sie nicht nur musikalisch ihrem Publikum viel Abwechslung, sondern auch rein optisch. Eine gelungene Lichtshow mit Nebel sowie die B√ľhnenoutfits, die ein wenig an Zombies erinnern, als w√§ren sie direkt dem Grabe entflohen, tragen zu einem gelungen Auftritt bei. Fronter Chris besticht durch seine Entertainer-Qualit√§ten, seinem Cello-Solo sowie mit seiner brachialen Stimme. Auch der Rest der Band gibt alles auf der B√ľhne, das extrem mitrei√üende Schlagzeugsolo von Tobias Mertens muss hier hervorgehoben werden. Von Song zu Song f√ľllt sich die Halle immer mehr, die Fans singen die Refrains, teils allein und ohne Aufforderung, mit. Ab der ersten Minute ist eine Bombenstimmung und die Agra Halle bebt zum Schluss. Es werden alte Songs gespielt, wie auch ihre brandneue Single The Love of God vorgestellt. La Bomba l√§sst die Emotionen √ľberkochen und die Masse tanzt und gr√∂lt mit. Das Highlight, wie bei jedem Lord of the Lost Konzert, ist die Abschluss Fan-Hymne Credo. Ein Meer aus H√§nden, die im Takt hin und her gehen, und dabei „We give our hearts‚Ķ“ im Chor zusammen mit der Band singen. G√§nsehautfeeling pur mit einer Wahnsinnsstimmung bis in die hinteren Reihen. Ganz einfach ein erstklassiges Konzert. (KS)

01:00 Uhr
Zusammen mit den Sex Pistols war John Lydon einer der ganz gro√üen Vorreiter der Punk Szene Ende der Siebziger Jahre. Nach der Aufl√∂sung machte er irgendwann weiter als PIL und vor allem der Song This Is Not A Lovesong sorgt f√ľr mehr als nur einen Achtungserfolg. Jetzt ist John mit eben diesem Projekt zur√ľck und bestreitet am Sonntagabend de facto das einzige Mitternachtsspezial des Jubil√§ums-WGTs. Wie es sich f√ľr einen heutigen Punk geh√∂rt, steht er relativ p√ľnktlich um 1:00 Uhr auf der B√ľhne und sofort geht es los. Ganz so punkig wie fr√ľher sieht er allerdings nicht mehr aus, sondern wirkt in seiner Robe eher wie ein Priester oder alternder Messdiener. Power hat er aber noch, vor allem in seiner Stimme. Zumindest die ist auch noch unverkennbar John Lydon. Gleich als zweites haut die Band ihren gr√∂√üten Hits raus, vielleicht will man den Unentschlossenen einen Grund geben zu bleiben oder es ihnen auch erleichtern, ohne schlechtes Gewissen bereits vorzeitig gehen zu k√∂nnen. Trotzdem verweilen die meisten in der Agra und auch wenn das alles mit fr√ľheren Zeiten nicht mehr vergleichbar ist, so verlassen am Ende doch die meisten der Anwesenden die Halle zu sp√§ter Stunde mit einem guten Gef√ľhl. (MG)

Heidnisches Dorf

14:10 Uhr
Trotz der k√ľhleren Temperaturen und einzelner Regenschauer finden sich viele Schaulustige auf dem Heidnischen Dorf ein, um gute mittelalterliche Musik zu h√∂ren. Die Band Harpyie, erst 2011 im dunklen Ostwestfalen gegr√ľndet, passt da wunderbar hinein. Das Publikum bekommt modernen Metal und deftigen Mittelalterrock auf die Ohren, ein Mix aus harten Gitarren und mittelalterlichen Instrumenten wie Dudels√§cke und Geigen erzeugt einen einzigartigen und vielschichtigen Klang. Dabei erz√§hlt Fronter Aello mit seiner unverwechselbaren Singstimme skurrile Geschichten und wei√ü das Publikum zu begeistern. Neben der Vorstellung ihres neuen Albums Freakshow, dessen Name wahrhaft Programm ist, wird auch ein Cover von Eiffel 65s Blue im Stil des Mittelalterrock dargeboten. Wer glaubt, dass das nichts werden kann, der irrt. Dieser Song kommt absolut gut an und bringt eine super Stimmung, er verleitet die letzten still stehenden Zuschauer zum Springen, H√ľpfen und Tanzen. Jeder singt mit und man vergisst die paar Regentropfen. Der Song klingt in dieser Version um einiges besser als das Original. Immer wieder fordert S√§nger Aello zum Springen auf, und die Fans folgen seiner Aufforderung h√∂rig. Mit dankbaren Gesten der Band und viel Applaus aus dem Publikum, verlassen sie die nachmitt√§gliche B√ľhne. (KS)

15:00 Uhr
Auf einer kleineren B√ľhne im hinteren Marktbereich spielen die Gr√ľnder Bjorn und Haki von Heydenrausch aus Tirol. Die mittlerweile 4 Wikinger, in ihrer skandinavischen Kluft, geben auf mittelalterlichen und teilweise modernen Instrumenten eine Mischung aus eigenem und √ľberliefertem Liedgut wieder. Die Musik l√§dt zum Verweilen und Lauschen der Kl√§nge ein, aber auch zum Mitsingen. In ihren mehrsprachigen Liedern geht es meist ums Feiern und Feste feiern im Mittelalter oder auch um die damaligen Br√§uche. Ein paar Leute bleiben auf ihrem Streifzug √ľber das Heidnische Dorf vor der B√ľhne stehen, verweilen kurz bzw. ruhen sich von dem Trubel kurz aus, h√∂ren der Band zu, um sich danach weitere Marktst√§nde anzusehen. Genau solche Unterhaltung braucht man an einem mittelalterlichen Ort! (KS)

15:30 Uhr
P√ľnktlich zu der One-Man-Show von Aurelio Voltaire auf der gro√üen B√ľhne, kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Einen K√ľnstler wie Aurelio, der aus Havanna (Kuba) stammt und in den USA nicht nur als Musiker, Filmemacher sowie Comic -und Buchautor und nebenbei als Dozent an der School of Visual Arts in New York t√§tig ist, hat das WGT wohl noch nicht zu bieten gehabt. Der Vorplatz f√ľllt sich nach den ersten Kl√§ngen und viele vorwiegend ausl√§ndische G√§ste, auch einige aus den USA, wie man nach einem Insider Witz des S√§ngers √ľber New York am Gel√§chter des Publikums vernehmen konnte, lauschen dem S√§nger. Nur mit einer Gitarre auf einem Hocker sitzend, singt er M√∂rderballaden, bitterb√∂se Star-Trek Lieder und treibt mit seiner spitzen Zunge sein Unwesen. Alles melodisch und mit hervorragender Stimme vorgetragen, so begeistert er sein Publikum. Mit einigen Jokes und Kurzgeschichten zwischen den Liedern bringt er die Leute zum Lachen. Sein Charme, seine Ausstrahlung und seine schr√§ge Art kommen hervorragend an, wie man unschwer am Applaus- und Lachpegel ablesen kann. Diesen schr√§gen Allrounder muss man unbedingt mal gesehen haben. (KS)

Kohlrabizirkus

16:30
Gegen 16:30 Uhr er√∂ffnen Pride and Fall den Konzertabend im Kohlrabizirkus. Das Trio aus dem norwegischen Stavanger wurde im Jahr 2000 von Sigve Monsen (Gesang), Per Waagen (Synthies) und Svein Joar Anglaend Johnsen (Gitarre, Synthies) gegr√ľndet. Sechs Jahre lang war es aus famili√§ren Gr√ľnden ziemlich ruhig um die norwegischen Future-Pop-Darlings, nachdem sie damals mit ihrem d√ľster-elektronischen Album In My Time Of Dying den Future Pop neu belebten. Vor einem noch √ľberschaubaren Publikum performen die drei Musiker aus dem hohen Norden Europas. Dazu gibt es die M√∂glichkeit f√ľr textsichere Fans mitzusingen, als S√§nger Sigve das Mikrofon in die Menge h√§lt. Aufgrund der doch recht kleinen Gr√∂√üe des Publikums herrscht im Kohlrabizirkus eine ganz besondere Atmosph√§re, die den einzelnen Songs eine besondere Note verleiht. Die Akustik ist ausgezeichnet und der synthetische Klang wird damit zum Genuss, da dieser direkt von der Kuppel zur√ľckgeworfen wird. Nichts ist √ľbersteuert, die Tontechniker machen einen ausgezeichneten Job. Sch√∂ne tanzbare Musik, die meine Tanzbeine nicht zum still stehen kommen lassen, wozu auch die einzelnen Lichteffekte auf der B√ľhne beitragen. Zu Beginn des Konzertes waren die Reaktionen noch etwas verhalten und nur wenige tanzten, doch mit Dauer des Auftrittes gelingt es den Skandinaviern deutlich sichtbar das Publikum zu begeistern. Aber auch auf der B√ľhne scheinen die Musiker immer mehr Spa√ü am Auftritt zu finden. Die Stimmung wird immer besser und auch der Applaus dauert zunehmend l√§nger. Der Funke zwischen Band und Publikum ist einfach √ľbergesprungen. Der k√ľhle Norden Europas heizt dem Kohlrabizirkus geh√∂rig ein. Diese Jungs aus Norwegen muss man unbedingt im Auge bzw. im Ohr behalten, denn ihre Musik verspr√ľht einfach gute Laune. Zu Recht wird nach einer Stunde der Wunsch nach einer Zugabe laut und die Jungs erf√ľllen uns diesen auch schnell. Leider ist auch dieser Auftritt zu schnell wieder vorbei. Somit ist es f√ľr mich wieder einmal ein grandioser Start in einen gro√üartigen WGT Sonntag. (CM)

18:00 Uhr
Nach einem kurzen Umbau startet p√ľnktlich um 18:00 Uhr die isl√§ndische Band Legend um Frontmann Krummi Bj√∂rgvinnson. Mit einem ‚ÄúHallo Leipzig‚ÄĚ begr√ľ√üt das Trio seine anwesenden Fans. Gleich von Anfang an heizen sie m√§chtig ein. Mit ihrem Electronic-Pop treffen sie genau meinen Geschmack und viele Fans haben die Halle des Kohlrabizirkus gef√ľllt. Die Akustik ist genau wie bei der Band vorher sehr gut und die tanzwilligen zahlreichen Fans haben auch noch gen√ľgend Platz. Jeder der nun folgenden elf Songs ist abwechselnd einmal rockiger und dann wieder poppiger. Auch die eine oder andere Ballade inklusive Kirchenkl√§nge, die schon einmal hymnenartig erklingt, ist zu h√∂ren. Die Stimme des charismatischen Frontmannes kommt voll und ganz zur Geltung und ist sehr gut zu verstehen. Viele der anwesenden Fans singen textsicher mit. Die Stimmung wird von Song zu Song aufgeheizter. Auch dem Trio auf der B√ľhne macht ihr Auftritt riesigen Spa√ü. Frontmann Krummi agiert viel mit dem Publikum. Sogar zu einer Tanzeinlage auf den Boxen im B√ľhnengraben l√§sst er sich verleiten und h√ľpft im Takt freudig auf diesen herum. Sehr zur Freude der Fans, die begeistert ihre Band feiert. Alle Songs √§hneln sich sehr im Grundton und variieren im Rhythmus. Trotzdem ist es f√ľr mich nur Musik zum chillen und tr√§umen. Au√üergew√∂hnlich ist jedoch die Stimme des S√§ngers Krummi. Leider ist auch dieses Konzert wieder einmal viel zu schnell vorbei. Sie haben es einfach drauf, diese Isl√§nder. (CM)

19:30
Solar Fake locken mit ihren bekannt treibenden progressiven Beats aber auch melodischen tanzbaren Kl√§ngen¬†sehr viele Interessierte in den Kohlrabizirkus. Die Akustik ist allerdings an diesem Abend eher schlecht als recht. Sven Friedrich und Andre Feller werden vom Fanblock, der sich in der Mitte befindet, unter Jubel und Kreischen auf das Herzlichste empfangen. Das Publikum beginnt bei den ersten T√∂nen an zu Tanzen und Mitzusingen. W√§hrend Andre Feller wieder mal sportlich verausgabend sein Keyboard bearbeitet, sieht man Sven Friedrich zwar die gute Laune, aber anfangs auch leichte Nervosit√§t an. Ein bisschen √ľber die B√ľhne springen und sich eingrooven hilft. Auch ein kleines technisches Problem, beim Start des n√§chsten Liedes, bringt Solar Fake wie auch die Fans nicht aus der Feierlaune. Das am Rand stehende Publikum macht allerdings einen eher verhaltenen Eindruck. Diese verfallen nur kurz in Jubel als Sven Friedrich den Remix Never Enough von Aesthetic Perfection zusammen mit Daniel Graves singt. Bei dem zweiten √úberraschungsgast Peter Spilles (Project Pitchfork), der mit Sven Friedrich zusammen The Dividing Line singt, kommt die Randgruppe dann doch noch mehr aus sich heraus. Die echten Fans hingegen feiern die Band, tanzen und verausgaben sich unter anderem zu I hate you more than my life, More than this oder I don‚Äôt want you in here. Bei einem reinen Solar Fake Konzert ist die Stimmung definitiv besser. Nichtsdestotrotz werden die beiden sympathischen Akteure am Ende mit viel Applaus von der B√ľhne verabschiedet. (KS)

21:00 Uhr
Wer nun noch in den Kohlrabizirkus m√∂chte um die n√§chste Band live zu erleben, d√ľrfte Schwierigkeiten bekommen, denn der Kohlrabizirkus ist ziemlich voll. Kein Wunder, denn Mesh stehen nun auf dem Programm. P√ľnktlich um 21 Uhr beginnen die Briten. Die Geschichte der Band aus Bristol w√§hrt genauso lange wie die des WGTs. Auf der Leinwand im Hintergrund der B√ľhne spielen Videosequenzen, dar√ľber sind Spots installiert, die rhythmisch die B√ľhne in Licht tauchen.
Beim ersten Song Petrified beginnen sie noch ruhiger, doch schon mit dem ersten Refrain baut sich der Song auf und wird zunehmend schneller. Die Akustik ist gro√üartig und die Gesangsstimme des S√§ngers Mark Hockings versteht man ebenfalls √ľberraschend gut. Jedoch wird diese durch das Schlagzeug von Sean Suleman zun√§chst √ľbertrumpft. Das nun folgende You didn‚Äôt want me ist gut tanzbar und die Stimmung steigt, es wird begeistert geklatscht. Die Fans tanzen ausgelassen und singen textsicher mit. Der dritte Song, You want what‚Äôs owed to you ist wieder ein sch√∂ner tanzbarer Song und meine Tanzbeine wollen einfach nicht stillstehen, zumal der Song einfach gute Laune verspr√ľht. Bei Last one standing steigt die Stimmung, denn Mesh heizen m√§chtig ein. Viele M√ľnder der anwesenden Fans bewegen sich textsicher mit und sogar Seifenblasen fliegen durch die Luft. Die folgenden Songs Everything I Made und Crash sind abwechslungsreich, ein schneller, rockiger Song und ein SynthiePop-Song. Bei der rockigeren Variante greift Keyboarder Richard Silverthorn nun zur Gitarre, beim poppigeren Crash spielt er wieder Keyboard und singt zus√§tzlich die zweite Stimme. Das Zusammenspiel von Gesang und zweiter Stimme ist harmonisch und passt perfekt zusammen. Die Stimmung bei den Fans steigt und steigt, alle klatschen und singen begeistert mit, es herrscht eine tolle und unbeschreibliche Atmosph√§re. Das nun Folgende kill your darlings ist ein neuer Song der gleichnamigen Single, die noch im Juni 2016 erscheinen wird. Wieder greift Keyboarder Richard in die Gitarrensaiten und singt die zweite Stimme. Ein gro√üartiger rockiger SynthiePop-Song. Mesh verk√ľnden, dass in 2016 noch zwei Alben ver√∂ffentlicht werden sollen. Das noch unbenannte Klassikalbum, basierend auf ihrem Konzert beim Gothic meets Klassik in 2015 und Looking Skyward, der Automation Baby-Nachfolger. Die nun folgenden Just leave us alone und Born to lie heizen den Fans m√§chtig ein. Die Stimmung kocht √ľber und die Stimmen der singenden Fans lassen den Kohlrabizirkus erbeben, bis in die hinteren Reihen wird gesprungen und getanzt. Frontmann Mark animiert seine Fans immer wieder zum Mitsingen und die Stimmung ist ausgelassen. Vor allem bei From this Height geht es rund. Beim nun folgenden Taken for granted singen die Fans die letzten Akkorde des Refrains immer und immer wieder. G√§nsehautfeeling pur, Mesh sind begeistert und bedanken sich bei ihren Fans. Mit einem L√§cheln im Gesicht und ganz vielen Endorphinen im Blut werden die Fans von den Briten mit Friends like these in einen viel zu schnell kommenden Feierabend geschickt. Die Jungs aus Bristol sind mein pers√∂nliches WGT-Highlight. Sie machen eine gro√üartige Show und die Akustik im Kohlrabizirkus spielte gut mit. Auch wenn man die Songs von Mesh nicht so gut kennt, wird man gleich infiziert und singt und klatscht automatisch bei den abwechslungsreichen Songs mit. Der Gesang ist einfach nur grandios und das so gew√ľnschte G√§nsehautfeeling zog sich durchs ganze Konzert. Zwischen den Songs agieren Mesh mit dem Publikum und man merkt ihnen den Spa√ü an der Musik und diesem Abend zu jedem Zeitpunkt an. (CM)

22:40 Uhr
Als kurzfristig angek√ľndigter √úberraschungsact, beginnen √ľberp√ľnktlich Welle:Erdball die Zuh√∂rer mit ihrer Musik, einem Mix aus Neuer Deutscher Welle, analoger Elektromusik und New Wave, zu beschallen. Seit 1993 senden die beiden Moderatoren Honey und A.L.F, ihre Symphonie der Zeit durch den √Ąther, zusammen den beiden Damen Frl. Venus und Lady Lila sowie ihrem vollwertigen Bandmitglied dem Commodore 64. Das WGT-Konzert wird etwas untypisch, mit dem ersten Song 1000 Engel in einem vollem Kohlrabizirkus unter viel Applaus er√∂ffnet. Sie haben alles im Gep√§ck, was zu einem Welle:Erdball Konzert geh√∂rt. Es werden bei Hoch die Fahnen die Fahnen von Frl. Venus und Lady Lila geschwenkt, sie werfen riesige wei√üe Luftballons (viel mehr als sonst) bei Schweben, Fliegen und Fallen ins Publikum und das Glitzer-Konfetti f√§llt bei Liebe der 3. Art. Das Publikum sing immer und immer wieder allein die Refrains weiter, sie tanzen, springen, verausgaben sich und treiben die Luftfeuchtigkeit derart ich die H√∂he, sodass es von der Kuppeldecke tropft. Eine Meisterleistung bei den kalten Au√üentemperaturen. Ein Hit nach dem anderen folgt und unter anderem mit 23, Ich bin nicht von dieser Welt, Arbeit adelt oder Telegraph bringen die Vier die Massen zum Kochen. Sie verleihen dem Kohlrabizirkus eine besonders sch√∂ne Atmosph√§re, trotz der recht miesen Akustik. Diesem Welle:Erdball Konzert fehlt es nicht an Stimmung, im Gegenteil. Es macht einfach nur Spa√ü! (KS)

Täubchenthal

19:20
Wieviele Menschen braucht man, um eine geile Electro/Industrial-Party auf der B√ľhne zu zelebrieren und den Saal zum Tanzen zu bringen? Einen – zumindest wenn es dieser ganz spezielle Belgier ist. Dirk Ivens ist gekommen um uns mit allerlei elektronischer Spitzenware zu unterhalten und hat daf√ľr ganz tief in seiner mannigfaltigen Vergangenheit gekramt. Mal mit einfachem Micro, aber auch durch sein bekanntes Megaphon, br√ľllt er uns die meist mit viel Hall unterlegten, pr√§gnanten Lyrics entgegen, w√§hrend die Beats, je nach gerade aufgef√ľhrtem Projekt, mal hart, schnell oder schleppend aus den Boxen knallen. Ob Dive (Bloodmoney, There Is No Hope) oder Klinik (Sick in your mind, Moving Hands), die Message kommt an und das gut gef√ľllte T√§ubchenthal bewegt sich im Rhythmus. Und auch Ivens selbst l√§uft nat√ľrlich wieder wie ein rastloser Tiger in seinem K√§fig √ľber die B√ľhne und f√ľllt diese durch seine aktive Performance ganz alleine voll aus. (MG)

Volkspalast – Kantine

21:35
Besitzt eine Band, die auf dem WGT spielt, eigentlich noch Welpenschutz? Im Falle von Drangsal will man das nur zu gerne bejahen, denn mit einem Charme der eher an eine Sch√ľlerband, als eine gestandene Band auf dem Wave-Gotik-Treffen erinnert, wirken die Jungs zun√§chst recht eingesch√ľchtert. Doch nach einem nerv√∂sen Auftakt steigern sich die vier mehr und mehr und sp√§testens mit Love Me Or Leave Me Alone sind sie wieder auf Kurs. Applaus gibt es trotzdem bereits schon von Anfang an, das Publikum ist ihnen sehr wohlgesonnen und hat sie -trotz fr√ľhem Verspieler- l√§ngst ins Herz geschlossen. Die Promo-Maschinerie hat Fahrt aufgenommen und zeigt Wirkung. Es trifft aber auch nicht zwangsl√§ufig die Falschen, denn wenn man mal die sonstige B√ľhnenpr√§senz und anf√§ngliche Schwierigkeiten au√üer acht l√§sst, dann bleibt durchaus gute Musik, die zu keinem Zeitpunkt weh tut und es einem leicht macht, sich wohlzuf√ľhlen. Wenn Max Gruber aka Dramgsal weiter so akribisch an seiner Karriere arbeitet, dann kann er es wohl noch weit bringen. (MG)

Volkpalast ‚Äď Kuppelhalle

22:20
Letzter Act in der Kuppelhalle am heutigen Sonntagabend sind die Briten I Like Trains, die nach 2009 und 2013 auch schon zum dritten Mal beim WGT dabei sind, sich in letzter Zeit ansonsten aber eher etwas rarer gemacht haben. Wie schon den ganzen Tag im Volkspalast, gibt es auch hier eine Verz√∂gerung, so dass es weit nach 22:30 Uhr ist, als die F√ľnf ihre Spielger√§te in die Hand nehmen und sich anschicken, die Zuschauer in eine andere Welt zu entf√ľhren. Ihr Post-Rock ist eher gem√§chlich, daf√ľr umso intensiver und kommt im alten Gem√§uer recht gut zur Geltung. Das insgesamt 10 Songs umfassende Set befasst sich mit allen Schaffensphasen der Band und mit Bodies und Desire Is A Mess sind auch zwei neue Tracks dabei, die sich bestens ins Gesamtklangwerk einf√ľgen. Man muss sich schon ein wenig auf die Band einlassen und diese auf sich wirken lassen, dann packt sie dich und l√§sst dich so schnell nicht mehr los. Insbesondere das w√§hrend der Zugaben performte Sea Of Regrets frisst sich nachhaltig in unsere Geh√∂rg√§nge und so sehen wir nach diesem intensiven Erlebnis gl√ľckselig dem letzten Festivaltag entgegen. (MG)

Haus Leipzig

14:00
Wer zum Vortrag von Dr. Mark Benecke wollte, musste schon ziemlich zeitig sein und sich brav in die sich schnell bildende und immer l√§nger werdende Schlange stellen. Jeden Tag an diesem Pfingstwochenende l√§dt der K√∂lner Kriminalbiologe zum Vortrag ins beschauliche Haus Leipzig ein. Dabei beantwortet er eine der h√§ufigsten Fragen und zwar, ob es Vampire wirklich gibt. Sein Thema ist somit: ‚ÄúVampire und Subkulturen, real live Vampire und andere schwarze Identit√§ten‚ÄĚ Nat√ľrlich gibt es sie laut Benecke. Anschaulich beweist er den Anwesenden, dass die Vampire als Nervens√§gen durchs Leben laufen und den ‚ÄúNormalos‚ÄĚ die Zeit, Energie und nat√ľrlich auch noch deren Blut stehlen. Sie lieben einfach st√§rker und bringen damit den ganzen Laden ziemlich durcheinander. Vampire f√ľrchten meist das Licht und finden nur im Dunklen Schutz. Bis heute gibt es zudem Fehldeutungen. Diese beweist Benecke anhand von auf eine Leinwand projizierten Fotos anschaulich, wenn zum Beispiel verfaulte Leichen ausgegraben werden, denen auch noch fl√ľssiges Blut aus dem Mund l√§uft. M√ľsste es nicht eigentlich schon l√§ngst getrocknet sein? Und warum sind dann auch noch die Fingern√§gel so lang, die Augen so hell und klar? Dass das zwar alles stimmt, die meisten Menschen aber die Zersetzungsstadien von Leichen leider nicht kennen und nur solche ausgraben, die vorher schon als Hexer, Vampire oder Nachzehrer galten, f√§llt somit unter den Tisch des Gruseligen. Dr. Mark Benecke kennt sich aus und r√§umt alle so kursierenden Klischees √ľber die dunkle Subkultur mit viel Witz und Charme aus dem Weg. Nat√ľrlich wird auch √ľber den Mythos des Sunnyboy-Vampir Edward Cullen aus der „Bis(s)“-Reihe abgel√§stert. Unterhaltsam und kurzweilig geht dieser auf eine Stunde gehaltene Vortrag vorbei. Das anwesende Publikum bekommt viel zu Lachen. Noch einmal schnell an den anwesenden Schaben vorbei, die gem√ľtlich in einer roten Brotdose auf der B√ľhne verweilen und schon ist auch dieser Vortrag zu schnell vorbei. Die Erkenntnis f√ľr mich an diesem Nachmittag: Vampire gibt es wirklich ‚ÄĒ sie sehen aber einfach anders aus, als man sie aus den Filmen kennt. Und ich bekam Antworten auf die Frage, woher kommen die recht einheitlichen Merkmal von Vampirleichen? Ein Vortrag den man sich nicht entgehen lassen sollte! (CM)

Redaktion / Foto: Claudia Marquadt (CM), Danny Sotzny (DS), Katrin S. (KS), Michael Gamon (MG)

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