Project Pitchfork – Quantum Mechanics

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8 Bewertung

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Project Pitchfork – Quantum MechanicsProject Pitchfork - Quantum Mechanics

Project Pitchfork - Quantum Mechanics


Nachdem Project Pitchfork bereits in den vergangenen beiden Jahren mit zwei mordsmäßigen Alben bewiesen hatten, dass sie zwar zu den Urgesteinen der düster-elektronischen Szene gehören, aber lange noch nicht starr und bröckelig sind, hauen uns die Soundperfektionisten um Mastermind Peter Spilles auch 2011 ein neues Werk um die Ohren. Wo „Dream, Tiresias!“ (2009) und „Continuum Ride“ noch eindeutig einen Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft vollführten, ist das aktuelle „Quantum Mechanics“ dieser geteilten Zeit schon längst entwischt und startet ohne Kompromisse ab in die Zukunft.

Bereits beim Opener „Freeze In Silence“ werden wir in einen Strudel aus skurrilen Klängen geworfen, so als verschlucke uns ein großes schwarzes Loch, um uns irgendwo im Pitchfork- Imperium wieder auszuspucken. Gesagt, getan! Und schon befinden wir uns in einer wabernden, rummsenden Klangkulisse, die zwar eindeutig die Handschrift Pitchforks trägt, aber dennoch musikalisch revolutioniert klingt. Viel mehr Effekt, viel mehr Maschinerie und dazwischen ein grunzender, verzerrter Peter Spilles: „Freeze in silence and listen to our thunder!“.

„Lament“ startet etwas ruhiger, versprüht ein bisschen typische Pitchfork- Atmosphäre, holt dann jedoch auch sehr schnell zur Uptempo- Nummer aus und steht damit stark im Kontrast zu den emotionalen Lyrics, die sich auf Vergangenes und Verlorenes beziehen. Ein starkes Stück, das mir aber wahrscheinlich ohne das ganze futuristische Gespiele doch noch etwas besser gefallen hätte. Zum Luftholen kommt man auch bei „Run For Cover“ nicht, denn es wird sofort weiter geballert. Leider wirkt der ganze Song durch das viele Herumexperimentieren teils etwas überladen, so dass es mir schwer fällt, diesen Track wirklich bis zum Schluss durch zu hören. Kompromisslos geht es mit „Radical Business“ weiter: „Mirror, mirror on the wall. Who in the land is the meanest one of all“. Schneewittchen für Fortgeschrittene! Musikalisch sind weiterhin kraftvolle, laute, schnelle Beats angesagt, die dieses Antimärchen passend untermalen. Langweilig wird es auf Quantum Mechanics zumindest nicht. Mit „Mute Spectators“ gelingt Spilles und seinen Mannen erneut ein Song, der in meinen Augen Größe besitzt. Düster- melancholische Klänge führen uns in eine mitreißende, nachdenkliche Nummer und leiten direkt über zum Titeltrack „Quantum Mechanics“, bei dem sich das Blatt im Vergleich zu den anfänglichen geradlinigen und unbekümmerten Songs gehörig ändert. Zwei wirklich geniale Stücke!

„The Queen Of Time And Space“ kommt wieder ungehaltener und krachiger daher und bringt einen eingängigen, sich festsetzenden Refrain mit sich, der sich verspielter melodischer Untermalung erfreuen darf. Nett, aber eher unspektakulär. Unspektakulär ist „Splice“ hingegen ganz und gar nicht. Aggressive, straighte Lyrics paaren sich mit einer treibenden Grundrhythmik, die dann doch an vergangene Pitchfork- Klassiker anknüpfen darf. Teilweise wird auch hier wieder etwas stark mit der Effektmaschine herumgespielt, aber stören tut es in diesem Zusammenhang und an dieser Stelle eher wenig. An ein bisschen Atmosphäre versucht sich „We Will Descent“, schafft das Gewollte aber in meinen Augen nur zum Teil umzusetzen. Zwar werden dramatische und ergreifende musikalische Umrisse gewählt, jedoch sind diese teils so monoton, dass das ganze Stück dann doch eher so dahin plätschert. Kein ausgetüftelter Aufbau, keine Steigerung. Und die Lyrics reihen sich mit zahlreichen Wiederholungen ein in diese grundsätzliche Monotonie. Beendet wird Quantum Mechanics mit „You Rest In My Heart“, einem Stück, das älteren Pitchfork Klassikern in nichts nachsteht und bei so viel Zukunftsmusik tatsächlich das Ruder nochmal ein Stück weit herumreißen kann. Das ist der Mix aus „Alt und Neu“, der mich schon auf den vergangenen beiden Scheiben gepackt hat. Super!

Insgesamt liefern Project Pitchfork, die -nebenbei erwähnt- dieses Jahr ihr zwanzigstes Jubiläum gefeiert haben, eine gelungene Scheibe ab, die auf jeden Fall berechtigt nur ein Jahr nach „Continuum Ride“ in den Läden steht. Ein Schnellschuss war das Ganze somit nicht, auch wenn mich nicht jeder Song so zu packen vermag, wie es bei „Continuum Ride“ oder „Dream, Tiresias!“ der Fall war, um mal einen Vergleich zu der nahen Vergangenheit zu ziehen.

Für Quantum Mechanics kann somit eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Man darf nun gespannt sein, zu was Project Pitchfork noch alles in der Lage sind. Ich habe das leise Gefühl, dass das große Schaffen gerade erst begonnen hat.

Tracklist CD1:
01. Freeze in Silence
02. Lament
03. Run for Cover
04. Radical Business
05. Mute Spectators
06. Quantum Mechanics
07. The Queen of Time and Space
08. Splice
09. We will descend
10. You rest in my Heart


Tracklist CD2 (nur Limited Edition):

01. Tempest
02. Insomnia
03. Freeze in Silence (Ice Version)
04. Run for Cover (Antimatter Remix)
05. Lament (Death Remix)
06. Quantum Mechanics (Instrumental)

Autorin: Tanja Pannwitz


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Project Pitchfork - Quantum Mechanics

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