Wumpscut – Fuckit

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Wumpscut – Fuckit

Wumpscut - Fuckit

Alle Jahre wieder nähert sich rechtzeitig zum Frühlingsanfang das Osterfest und seit 2004 steht auch dessen moralischer Gegenpol Rudy Ratzinger mit seinem Projekt Wumpscut und einer neuen Veröffentlichung in den Startlöchern. Mit seinem Debütalbum "Music For A Slaughtering Tribe" und vor allem dessen Nachfolger "Bunkertor 7" aus dem Jahre 1995, machte sich Rudy in der Wave-Electroszene unsterblich, waren seine Sounds zu diesem Zeitpunkt doch äußerst innovativ und besaßen einen hohen Wiedererkennungswert. Wumpscut waren seither Vorreiter einer Schar von Bands, die in den Folgejahren ein ähnliches Genre beackern sollten. Der beschriebene Wiedererkennungswert besteht auch heute noch, allerdings ist es mit der Innovation auf Ratzingers letzten Werken nicht mehr allzu weit her gewesen, so dass ich auch dem neuesten Output "Fuckit" mit entsprechend geringer Vorfreude entgegen sah. Und um es vorweg zu nehmen, das Album hat mich weitestgehend in meiner Meinung bestätigt, dass es für Wumpscut an der Zeit wäre, mal eine längere Schaffenspause einzulegen und so vielleicht wieder genug Kraft zu sammeln um zu alter Genialität zurückzufinden. Denn so wie die Abstände zwischen den Veröffentlichungen fließbandartig konstant bleiben, wirkt auch die Musik allzu oft wie Convenience-Food für die hungrigen Mäuler der Fangemeinde. Allerdings muss man anerkennen, dass "Fuckit" einen Schritt in die richtige Richtung macht und man den Songs einen gewissen Fortschritt nicht absprechen kann: Der ein oder andere ansprechende Song hat sich hier auf die kleine silberne Scheibe verirrt, was insbesondere bei den unmittelbaren Vorgängern nicht der Fall war.

"Fuckit" beginnt zunächst mit einem reinen Samplestück, in dem die Verbindung von Wumpscuts Musik mit dem finnischen Amokläufer Matti Juhani Saari und dem Ritualmord Ruda in Witten 2001 thematisiert wird. Grundlage der Samples ist ein Pressebericht, dem seine Seriosität durch die falsche Aussprache des Bandnamens als "Vampscout" bereits aberkannt werden könnte. Zum Schluss kommt Rudy zu dem Ergebnis "Kann jemand der diese Musik gehört hat, ich meine wirklich gehört hat, ein schlechter Mensch sein?". Was dann folgt sind die bekannten Wumpscut-Klänge mit dem noch bekannteren Verzerrgesang, wobei zumindest bei "The Boo" Futurepop ähnliche Klänge mit in die atmosphärisch-dumpfen Beats einfließen. Man kann nicht unbedingt sagen, dass das Entstandene schlecht wäre, aber irgendwie scheint die Zeit etwas ohne Wumpscut weitergelaufen zu sein und mir persönlich fehlt einfach das Besondere, das, was einen bewegt, einen bestimmten Song oder gar das ganze Album wieder hervorzukramen und erneut zu genießen. Höhepunkt des Albums ist für mich "Autophagy Day", doch auch "Gulag" und "Cut To See How Much I Bleed" wissen durchaus zu überzeugen.

Das neue Album, welches natürlich auch wieder in einer limitierten Box erscheint, nährt die Hoffnung auf ein endlich wieder überzeugendes Wumpscut-Werk, ohne diesen Anspruch jedoch schon jetzt selbst befriedigen zu können. Endgültig abschreiben sollte man Rudy Ratzinger vielleicht aber noch nicht. Also auf ein Neues … vermutlich im April 2010.

Tracklist:
01. Schlechter Mensch
02. The Boo
03. Fuckit
04. Cut To See How Much I Bleed
05. Achtung – Menschen
06. Autophagy Day
07. Pooch
08. Leichenteilchen
09. Broken
10. Bloodbathing Tub
11. Rumpelkammer
12. Gulag
13. Videotrack Bonus

Bewertung: 6 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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