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Lesedauer: 7 MinutenDas 33. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig verwandelte die Stadt auch in diesem Jahr wieder in einen lebendigen Treffpunkt für Szeneanhänger aus aller Welt. Für viele Besucher ist es ein Wiedersehen nach langer Zeit, für andere ein festes Ritual, das jedes Jahr aufs Neue zelebriert wird. Über das gesamte Pfingstwochenende hinweg entstand ein Gesamtgefühl, das nur das WGT in dieser Form hervorbringt. Rund 170 Bands und Künstler sowie etwa 20.000 erwartete Besucher verteilten sich auf zahlreiche Locations wie den Agra Messepark, die Moritzbastei, den Felsenkeller oder das Stadtbad. Das musikalische Spektrum reichte von Darkwave, Gothic Rock und Post-Punk über EBM, Synthpop und Industrial bis hin zu Neofolk, Mittelalter-Acts und vielen weiteren Stilrichtungen. Das Wochenende zeigte sich von seiner besten Seite und bot freundliches Frühlingswetter, das die Stimmung zusätzlich hob. Zwischen Headlinern, Newcomern und überraschenden Entdeckungen fanden sich auch viele Künstler, die man auf dem WGT fast schon traditionell wiedertrifft. Bereits am Donnerstag reisten Besucher aus zahlreichen Ländern an, nutzten die ersten Eröffnungsveranstaltungen und konnten sich entspannt auf das bevorstehende Wochenende einstimmen. Neben den Konzerten bot das Festival ein vielfältiges Rahmenprogramm aus Picknick, Ausstellungen, Lesungen, Partys und dem Heidnischen Dorf, das den besonderen Charakter des WGT abrundet.
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Freitag (22.05.2026)
Das Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park markierte für viele Besucher wie in jedem Jahr den inoffiziellen Auftakt des Festivals. Bereits gegen Mittag füllten sich die Wiesen rund um den See, und gegen 15 Uhr war das Gelände nahezu vollständig gefüllt. Zwischen blühenden Sträuchern und schattenspendenden Bäumen entfaltete sich eine farbenprächtige Szenerie aus viktorianischen und Gothic-Gewändern, Steampunk-Elementen und fantasievollen Stil-Mischungen. Einige Gäste hatten liebevoll dekorierte Tische aufgebaut, komplett mit Obstschalen, passendem Geschirr, Kerzenständern und Blumenarrangements, was dem Picknick einen beinahe märchenhaften Charakter verlieh. Der Park bot eine Mischung aus ruhigen Picknickrunden und regem Treiben, bei dem viele Gäste umhergingen, Eindrücke sammelten und Gespräche führten. Trotz der großen Besucherzahl blieb alles gelassen und respektvoll, getragen von der Freude über den gemeinsamen Auftakt. So begann das Festivalwochenende mit einem farbenreichen Bild, das die Vielfalt und Kreativität der Szene eindrucksvoll widerspiegelte.
Viktorianisches Picknick – Clara-Zetkin-Park
Nach Ductape und Dlina Volny betraten Bragolin die Bühne des Felsenkellers, die kurzfristig für Minuit Machine eingesprungen waren. Das Duo verband Post-Punk- und Darkwave-Einflüsse mit einem markanten Mix aus Gitarrenlinien und analogen Synthesizer-Sounds, wodurch ein eigenständiger, leicht düsterer Klangraum entstand. Das Publikum nahm den Ersatz mit spürbarer Offenheit an. Rotes und violettes Licht sowie dichter Nebel verliehen dem Auftritt zusätzliche Tiefe, die sich ideal mit den charakteristischen Klangmustern des Projekts verband. Am Ende zeigte sich das Publikum dankbar und zufrieden – ein Ersatz, der den Abend souverän weiterführte. Das italienische Trio Ash Code hat sich längst im Line-up des WGT etabliert und bewegt sich bereits in Richtung Main Act. Ihre Mischung aus Coldwave-Melancholie, klaren Gitarren und präzisen Synths wirkte zugleich modern und nostalgisch. Unter blauem, grünem und rotem Licht sowie einer dezenten Videoshow entstand ein eindringlicher Eindruck, der sofort auf das Publikum übersprang. Die Besucher tanzten, lauschten und ließen sich treiben.
Bragolin – Felsenkeller
Ash Code – Felsenkeller
Danach übernahmen Scratch Massive die Bühne und brachten einen völlig anderen Klangcharakter mit. Das Duo aus Frankreich präsentierte ein Set, das Electro-, Downtempo- und Coldwave-Einflüsse miteinander verband. Dichter Nebel und starkes Gegenlicht reduzierten die visuelle Ablenkung und richteten die Aufmerksamkeit ganz auf die Musik. Das Publikum war interessiert, wenn auch nicht mehr ganz so zahlreich wie zuvor – viele nutzten die Gelegenheit, sich auf die hypnotischen, minimalistischen Klangflächen einzulassen. Für viele Besucher war es eine neue Erfahrung, die den Abend ruhig, aber eindrucksvoll ausklingen ließ.
Scratch Massive – Felsenkeller
Samstag
Das Steampunk Picknick hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil des WGT-Samstags entwickelt und fand nun bereits zum zweiten Mal im Clara-Zetkin-Park statt. Bei warmem Frühlingswetter versammelten sich ab dem frühen Nachmittag zahlreiche Besucher auf der Wiese, die von Bäumen und blühenden Sträuchern eingerahmt wurde. Die Stimmung war gelöster als beim großen viktorianischen Picknick und bot Raum für gute Gespräche und persönliche Begegnungen. Besonders ins Auge fielen die liebevoll gestalteten Outfits mit Schweißerbrillen, Armbändern, Zylindern und detailreichen Accessoires, die den typischen Steampunk-Charme ausmachen. Viele Gäste hatten beeindruckende technische Konstruktionen dabei – teils verspielte, teils aufwändig ausgefeilte Apparaturen, die neugierige Blicke auf sich zogen. Zwischen Kuchentabletts, Blechschachteln, Picknickutensilien und alten Weckern entstand ein stimmiges Gesamtbild, das den kreativen Geist der Szene widerspiegelte. So bot das Picknick einen ruhigen, aber inspirierenden Einstieg in den zweiten Festivaltag.
Steampunk Picknick – Clara-Zetkin-Park
Danach begann es musikalisch im Felsenkeller mit The Palace of Tears, die den Saal bereits am Nachmittag gut füllten. Unter rotem und blauem Licht, durchzogen von starkem Gegenlicht, entfaltete das Duo aus Erick R. Scheid und L.V. Darkling eine dichte, melancholische Klangwelt. Ihre Mischung aus Darkwave, Ethereal-Elementen und shoegazigen Gitarrenflächen erzeugte einen Klangraum, der sofort fesselte. Der Auftritt wirkte zugleich intensiv und zerbrechlich, getragen von Darklings eindringlicher Stimme und Scheids Gitarrenarbeit. Ein Auftakt, der den Abend wirkungsvoll eröffnete. Im weiteren Verlauf des Nachmittags betraten Myrna Loy die Bühne – ihr erstes Konzert seit über 30 Jahren und zugleich ihr WGT-Debüt. Die Band aus Bonn präsentierte eine Mischung aus Synth-Pop, Darkwave, Post-Punk und New Wave, die sofort nostalgische Gefühle weckte. Das Publikum reagierte neugierig und aufmerksam, während die Instrumente eine geheimnisvolle Tiefe erzeugten. Der Auftritt wirkte wie ein Wiedererwachen einer lange ruhenden Formation und wurde entsprechend warm aufgenommen.
The Palace of Tears – Felsenkeller
Myrna Loy – Felsenkeller
Nach einer kurzen Umbauphase übernahm Soko Friedhof die Bühne und brachte eine deutlich härtere, elektronisch geprägte Note in den Abend. Das Projekt von David A. Line kombinierte EBM, Electro und Industrial-Elemente mit markanten Texten und typischen Szene-Anspielungen. Begleitet von Keyboard-Sounds entstand eine energiegeladene Performance, die das Publikum sofort in Bewegung versetzte. Viele Besucher freuten sich über die Rückkehr des Projekts, das mehrere Jahre nicht live zu sehen war. Die Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen sorgte für ein durchgehend tanzbares Set. Als sich der Saal bis in die letzte Reihe füllte, war klar, dass Grausame Töchter zu den Höhepunkten des Abends zählen würden. Die Band um Aranea Peel präsentierte eine schillernde, kunstvolle Show mit wechselnden Sängerinnen und choreografierten Tanzeinlagen. Musikalisch bewegte sich das Set zwischen EBM, Industrial und Dark Electro, ergänzt durch die charakteristisch düsteren Texte. Die Verbindung aus Performancekunst und musikalischer Härte fesselte das Publikum vom ersten Moment an. Die Besucher dankten es mit begeisterter Resonanz und anhaltendem Applaus.
Soko Friedhof – Felsenkeller
Grausame Töchter – Felsenkeller
Zum Abschluss des Abends trat Alles Schwarz auf – das neue Projekt von Oswald Henke, das im Vorfeld bereits für viel Neugier gesorgt hatte. Unterstützt von Luci van Org, Tobias Siebert, Mariska von Waldstetten und Viktor Hildebrand entstand eine vielseitige Besetzung, die unterschiedliche musikalische Hintergründe einbrachte. Die Bühne war bewusst schlicht ausgeleuchtet, wodurch der Fokus ganz auf den Stimmen und Instrumenten lag. Abwechselnder Gesang und der Einsatz von Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug verliehen dem Auftritt eine besondere Dynamik. Die Darbietung präsentierte sich eigenständig und voller Ausdruckskraft – ein markanter Abschluss des zweiten Festivaltages.
Alles Schwarz – Felsenkeller
Sonntag
Der Sonntag im Stadtbad begann mit einem angenehm ruhigen Einlass, der den Besuchern ein entspanntes Ankommen ermöglichte. Die historische Architektur verlieh der Location einen unverwechselbaren Charakter, der sich hervorragend mit den elektronischen und dunklen Klängen des Abends verband. Das Publikum verteilte sich schnell im Saal und wartete gespannt auf die ersten Acts. Bestial Mouths eröffneten den Abend mit einem eindrucksvollen Auftritt. Das Publikum war sofort gefesselt. Unter dominantem rotem Licht und leichtem Nebel entstand eine dichte, fast rituelle Aura, unterstützt von einer dezenten Videoshow. Die Kombination aus weiblichem Gesang, Drums und Keyboard verlieh dem Set eine rohe, emotionale Intensität. Lynette Cerezo zeigte sich zugleich verletzlich und kraftvoll und führte durch ein Klangspektrum von Darkwave bis Industrial. Für viele Gäste war es ein starker Auftakt im Stadtbad. Im weiteren Verlauf des Abends betrat Soft Vein die Bühne und brachte eine geheimnisvolle, minimalistische Note mit. Das Soloprojekt aus Kalifornien wechselte mühelos zwischen Keyboard und Gitarre und schuf dabei eine Mischung aus EBM-Elementen, Darkwave-Melancholie und modernen Synth-Pop-Einflüssen. Grünes Licht und eine reduzierte Bühnenästhetik unterstrichen die nachdenkliche Tiefe der Stücke. Die klare Stimme und das präzise Songwriting standen im Mittelpunkt und ließen die Besucher tief in die Sphären eintauchen.
Bestial Mouths – Stadtbad
Soft Vein – Stadtbad
Mit großer Spannung erwartete das Publikum die Europapremiere von Noromakina. Das Duo auf der Bühne – Gesang/Keyboard und Drums – präsentierte einen experimentellen Sound, der lokale Einflüsse aus Kolumbien mit Darkwave, Electro-Post-Punk und Synthwave verband. Die Tracks wechselten zwischen treibenden Rhythmen und atmosphärischen Passagen, wodurch ein abwechslungsreiches und modernes Klangbild entstand. Die bewusst unpolierte Soundstruktur und die dunklen Effekte verliehen dem Set zusätzliche Tiefe. Als Qual die Bühne betrat, drängten sich die Besucher dicht an die vorderen Reihen. In rotes Licht und nahezu undurchdringlichen Nebel gehüllt, entwickelte sich ein intensiver, düsterer Auftritt, der keine Sekunde Stillstand zuließ. William Maybelline nutzte die gesamte Bühne und schuf eine bedrohliche, mystische Szenerie, die perfekt zu seinem harschen, elektronisch geprägten Sound passte. Die Mischung aus Darkwave, EBM und Industrial wirkte kompromisslos und direkt.
Noromakina – Stadtbad
Qual – Stadtbad
Zum Abschluss des Abends betrat Zanias die Bühne – ein Höhepunkt für viele Besucher des Festivals. Unterstützt am Schlagzeug und getragen von ihrem eindrucksvollen Gesang formte Alison Lewis eine geheimnisvolle, fast tranceartige Stimmung. Die Besucher tauchten meist tanzend in die Klangwelt ein. Die Verbindung aus emotionaler Intensität, elektronischer Präzision und performativer Präsenz machte den Auftritt zu einem besonderen Erlebnis.
Zanias – Stadtbad
Montag
Der letzte Festivaltag führte viele ins Haus Leipzig, eine zentrumsnahe Location, die mit ihrer guten Erreichbarkeit einen idealen Rahmen für den Abschluss des WGT bot. Das Line-up war hochkarätig besetzt und versprach einen abwechslungsreichen Abend. Bereits beim Einlass herrschte eine ruhige, aber erwartungsvolle Grundhaltung, und viele Besucher nutzten die Gelegenheit, den finalen Tag bewusst zu genießen. So entstand ein würdiger Abschluss, der das Festival harmonisch ausklingen ließ. Der Abend begann mit Dews Pegahorn, die den Saal bereits zu Beginn gut füllten und neugierige Blicke auf sich zogen. Der aufstrebende Künstler aus Stuttgart präsentierte eine Mischung aus Gothic- und Alternative-Rock, getragen von seiner markanten Stimme und unterstützt durch Gitarre und Schlagzeug. Trotz der noch jungen Bandgeschichte wirkte der Auftritt selbstbewusst und aktiv. Die Einflüsse aus Indie- und modernem Alternative-Rock waren klar erkennbar und verliehen dem Set eine frische Note. Als Nächstes betraten The Essence die Bühne. Das Trio aus Gesang/Gitarre, Bass und Schlagzeug setzte auf einen gitarrenbetonten Sound, der zwischen Goth Rock, Synth-Pop und New Wave variierte. Die ruhigen Bewegungen der Musiker standen im Kontrast zur emotionalen Tiefe ihrer Songs und erzeugten eine besondere Intensität. Das Publikum ließ sich von der musikalischen Darbietung treiben. Ein souveräner Auftritt, der lange nachhallte.
Dews Pegahorn – Haus Leipzig
The Essence – Haus Leipzig
Die Spannung im Raum war deutlich spürbar, als Ist Ist die Bühne betraten. Für viele Besucher ist diese Band ein Highlight. Das Quartett aus Manchester lieferte eine energiegeladene Mischung aus Indie-Rock und Post-Punk, getragen von markanten Basslinien und eindringlichem Gesang. Die Musiker bewegten sich agil über die Bühne. Der tanzende Saal wirkte fast zu klein für die Wucht des Auftritts. Zum Abschluss spielten Pink Turns Blue, eine Band, die seit Jahrzehnten fest in der Szene verankert ist. Das deutsche Trio präsentierte ein ruhigeres, aber dennoch tanzbares Set, das von blauem und violettem Licht untermalt wurde. Die Mischung aus Post-Punk, New Wave und Coldwave wirkte zeitlos und zeigte, warum die Band bis heute so geschätzt wird. Viele Besucher genossen diesen würdevollen Abschluss.
Ist Ist – Haus Leipzig
Pink Turns Blue – Haus Leipzig
Das WGT 2026 war erneut ein wundervolles Event, das mit seinem unverwechselbaren Charakter und seiner Vielfalt begeisterte. Bekannte Bands, spannende Newcomer und überraschende Entdeckungen sorgten für ein musikalisch reiches Wochenende. Das Rahmenprogramm mit Picknicks, Ausstellungen, Lesungen und Partys ergänzte die Konzerte perfekt. Die unterschiedlichen Locations boten individuelle Erfahrungen. Mit vielen Eindrücken im Gepäck bleibt die Vorfreude auf das nächste Jahr bereits jetzt spürbar. Ein Festival, das erneut gezeigt hat, warum es einzigartig ist.
Weblinks Wave Gotik Treffen:
Homepage: www://wave-gotik-treffen.de
Facebook: www.facebook.com/WaveGotikTreffen
Instagram: www.instagram.com/wgt_leipzig
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