ENEVELDE – s/t

ENEVELDE – s/t
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8

Gesamtnote

8

Um ein Album, wie das oben stehende zu verstehen, muss man erst einmal wissen, dass es eine Welt im Black Metal gibt, die noch schwärzer, noch kälter und noch obskurer ist als der Black Metal selbst, beziehungsweise als alles, was man heute so mit dem „gängigen“ Black Metal verbindet. Vorrangig vertreten durch das Label Terratur Possessions finden hier Künstler:innen ihren Platz, die sich dem sogenannten Nidrosian Black Metal verpflichtet fühlen. Pflicht scheint hierbei das passende Wort, denn bei dieser Bezeichnung handelt es sich weniger um eine eigene Spielart des Black Metals, sondern vielmehr um eine spezielle Einstellung zu diesem.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Nidrosian geht dabei auf den ursprünglichen Namen Trondheims zurück (Nidaros). Jene norwegische Stadt also, die knapp unter dem Polarkreis liegt und sich nicht nur seit Beginn seiner zweiten Welle einer regen und kreativen Black Metal Szene erfreut. Sie steht darüber hinaus eben auch für diesen Stil, der für viele Anbeter:innen des Genres mit der Definition des Unverfälschten und des wahren Spirits verbunden wird. Dass man dabei nicht zwingend aus Trondheim oder gar Norwegen kommen muss, um dieser Gruppe zugerechnet zu werden, zeigen Vertreter:innen wie Urfaust oder Svartidauði. Dass man nicht zwingend einen Black Metal im Stile von De Mysteriis Dom Sathanas (Mayhem, 1994) machen muss, zeigen die flirrenden, komplexen Kaskadenriffs von Vemod (die nun aber wiederum direkt aus Trondheim stammen). All diese Bands sind oder waren bei Terratur Possessions unter Vertrag. Was aber ein Großteil der Bands dieser Richtung eint, ist diese vermaledeite Geheimniskrämerei ihrer Protagonist:innen, die einen bei der Recherche schier zur Verzweiflung treiben können.

Bei Enevelde handelt es sich um ein Trondheimer Ein-Mann-Projekt. Vorliegendes Album ist ein Debüt. Der Mann hinter Enevelde dürfte Kennern des Nidrosian Black Metals ein Begriff sein. Denn als Sänger der Band Misotheist legte B. Kråbøl 2018 ebenfalls sein selbstbetiteltes Debüt vor. Seither wartet man ungeduldig auf Nachschub aus dieser Richtung. Hier tröstet nun erst einmal Enevelde mit seinen vier Tracks, die sich auf knapp 40 Minuten Spielzeit großzügig entfalten können. Kråbøl verantwortet hierbei nahezu alles. Songwriting, Performance und das Producing gehen auf seine Kappe. Darüber hinaus hat er sich bei zwei der vier Songs namhafte Kollaborationen mit Vertretern der „Trondheimer Szene“ ins Studio geholt: So ist bei Forringelse die Stimme von Whoredom Rifes K. R. zu hören und bei Daukjøttet findet sich Nosphoros von Mare an der Leadgitarre.

Und so bekommen Genre-Liebhaber:innen bei Enevelde auch exakt das, was sie sich erträumen: sehr guten, sehr sehr klassischen Black Metal der alten norwegischen Schule mit einem Mann am Mikrofon, dessen Stimme einem das Blut in den Adern stocken lässt. Die Spannweite der vier Tracks erstreckt sich zwischen schleppendem, schmutzig schwarzem, scharfkantigem Eis, das von Kråbøls finsterem, bestialischem Gebrüll niedergedrückt wird und eingängigeren Passagen gesteigerten Tempos, die sich bisweilen zu hypnotischen, reißenden Strömen steigern können. Dabei greift man gekonnt auf die Elemente nordischen Handwerks zurück, um diese widerstreitende Atmosphäre frostiger Distanz zu erzeugen, die so unwiderstehlich anziehend ist, dass man sich darin verliert und an ihrer kalten Flamme verbrennt. Spröd klirrende Tremolo Riffs, lauernde, sich zu dunklen Skulpturen auftürmende Melodiegewitter, donnernde Blasts.

Wenn sich am Beginn von Daukjøttet unstete, flirrende Ambientflächen mit der zarten Stimme einer Frau gleich einem fernen Echo mischen und kurz darauf die Hölle, eine wilde Hatz aus Blasts und scheidenden Riffs darüber hereinbricht, wähnt man sich nicht nur am Rande eines eisigen Flusslaufs, sondern man nimmt Enevelde nicht im mindesten übel, das Genre des Black Metals mit diesem Album in keinster Weise neu erfunden zu haben.

Das selbstbetitelte Debüt ist am 29. Mai bei Terratur Possessions (Ván Records) erschienen.

Enevelde - Enevelde (Full Album)

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Tracklist ENEVELDE – s/t:

01. Kroppens Mani
02. Forringelse (feat. guest vocals by K.R. of Whoredom Rife)
03. Irrgangen (feat. T. Kråbøl on drums)
04. Daukjøttet (feat. guitar solo/lead by Nosophoros of Mare)

ENEVELDE – s/t

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Weblinks ENEVELDE:

Bandcamp: https://terraturpossessions.bandcamp.com/album/enevelde
Label: https://terraturpossessions.bandcamp.com/album/enevelde

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