A FOREST OF STARS – Grave Mounds And Grave Mistakes

A FOREST OF STARS – Grave Mounds And Grave Mistakes
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9

Gesamtnote

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Grave Mounds And Grave Mistakes ist der perfekte Soundtrack für Confessions Of An English Opium Eater (Thomas De Quincey, 1821), für alle vom Vitriol entstellten Jungfern, das Mädchen mit den Schwefelhölzern, für alle von der Syphilis an Verstand und Antlitz verfressenen Huren und ihre Freier, für Drood, für Mr. Hyde, für Marie und Jack, für alle vom Ektoplasma besessenen Metaphysiker, für die finsteren stinkenden Kloaken in Whitechapel, für die Wahnhaften und ihre Mesmerierer, für die Verstorbenen, die auch nach ihrem Tod noch Familienfotos zieren und danach mit Gasen, die aus ihren Körpern treten die zu flachen Gräber des Friedhofs von Sankt Grimmig Grausen blähen. Ja, und somit ist das Album für alle jene, die damit auch heute noch etwas anfangen können und daran Gefallen finden.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Der Gentlemen-Club A Forest Of Stars ist das Sinnbild dieser von Gegensätzen geprägten Epoche und packt das viktorianische Zeitalter an den dunklen Wurzeln ihrer faszinierenden und gingeschwängerten Halbwelten. Grave Mounds And Grave Mistakes sind acht Songs, die fiebrige Pirouetten auf dem Drahtseil über dem septischen Schlick der Themse drehen, Millimeter vor dem Sturz ins Verderben, aber stets von faszinierend fesselnder Anmut. Das ist selten einfach, niemals eingängig, aber immer von virtuoser Komplexität, die darauf wartet entschlüsselt, entwirrt und enträtselt zu werden.

Mit William Blakes Schlagwort “Exuberance Is Beauty” (Überfluss ist Schönheit) und psychedelischen Avantgarde Black-Metal legt das Septett mit reicher Instrumentierung und ausuferndem Klage-Rezitativen Schicht auf Schicht abstrakte Botschaften des metaphorisch Wahnhaften übereinander und entspinnen daraus Gaslicht-Horrorgeschichten. Der Hörer wird Zeit brauchen, um Grave Mounds And Grave Mistakes zu erschließen, denn seine Songs sind an schriller Komplexität kaum noch zu überbieten. Die Zutaten sind klar und einfach: Von allem reichlich, auch wenn der Kessel überschwappt und die Legierung schmilzt. Die Grenze ist nur die Beschränkung in deinem Verstand, die dich umschließt wie ein viktorianisches Korsett. Und dort musst du raus, auch wenn es weh tut.

Wer meint, dass er dafür nicht die Zeit und Geduld aufbringen kann, dem sei ein Blick auf das Making-Off des Art Works empfohlen. Allein die Arbeiten am Cover haben die Band zwei Jahre lang beschäftigt. Alles, was darauf zu sehen ist, wurde in detailversessener Handarbeit gefertigt, für die es nichts Vergleichbares gibt. Dieses Herzblut hat mich veranlasst, mir Grave Mounds And Grave Mistakes noch einmal vorzunehmen, nachdem ich bereits für mich beschlossen hatte, dass A Forest Of Stars nichts für mich seien. Ich hab’s nicht bereut.

Grave Mounds And Grave Mistakes ist am 28.09.2018 bei Lupus Lounge (Prophecy Productions) erschienen.

Anspieltipps: Precipice PirouetteScripturally Transmitted Disease

A Forest Of Stars - Precipice Pirouette [taken from "Grave Mounds And Grave Mistakes", out Sep 28]

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Tracklist A FOREST OF STARS – Grave Mounds And Grave Mistakes:

01. Persistence Is All
02. Precipice Pirouette
03. Tombward Bound
04. Premature Invocation
05. Children Of The Night Soil
06. Taken By the Sea
07. Scripturally Transmitted Disease
08. Decomposing Deity Dance Hall

Weblinks A FOREST OF STARS:

Official: http://www.aforestofstars.co.uk/
Facebook: https://www.facebook.com/aforestofstars/
Bandcamp: https://a-forest-of-stars.bandcamp.com/

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