WITT – RĂŒbezahl

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Unsere Bewertung:


9 Musik

8 Artwork

8.5

Wie viele Leben hat ein DĂ€mon? Im Falle von Joachim Witt sind es unzĂ€hlige. Seit seiner NDW-Zeit hat der Herbergsvater schon so oft seinen musikalischen Kurs korrigiert und ist wie eine Katze immer wieder auf die FĂŒĂŸe gefallen. Als wahnsinniger Goldener Reiter gestartet und nach langer Zeit wieder mit der Flut herauf gespĂŒlt, hat er irgendwann den Neumond gesehen und gibt uns jetzt, im Jahr vor der großen 7 in seinem Leben, den kauzigen RĂŒbezahl.

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Kauzig vielleicht. Aber Witt ist zu jeder Zeit nie altbacken oder rĂŒckwĂ€rts gerichtet aufgetreten. Immer den Blick nach vorne gewandt, tritt RĂŒbezahl wie ein weiteres Bollwerk der ehemaligen Neuen Deutschen HĂ€rte auf und ist fĂŒr mich am ehesten mit seiner Bayreuth-Reihe zu vergleichen. Witt ist wieder hĂ€rter geworden. Und das nehme ich ihm so auch ab. Das ist seine HeimstĂ€tte. Der Sturm zieht auf, und Witt steht wie ein Fels in der Brandung.

Der Herr Der Berge eröffnet das Album pompös und angsteinflĂ¶ĂŸend. Doch der dunkle FĂŒrst Witt wĂ€re nicht Witt, wenn es nicht auch hier immer fĂŒr ein paar Takte einen Flug ĂŒber dunkle TĂ€ler geben wĂŒrde. Böse schreitet er durchs Land. Grimmig zeichnet Witt eine Landschaft, die es mit jedem Fantasy-Film aufnehmen kann und doch schreit er bei Ich Will Leben heraus, was ihn antreibt. „Tausend mal hab ich Leid gesehen, keiner wird wieder auferstehen“ und trotzdem hebt Witt sein Haupt und glaubt an die Zukunft.

Etwas ĂŒberraschend ist die Tatsache, dass Joachim Witt fĂŒr Quo Vadis mit Alex Christensen zusammen gearbeitet hat. Das Ergebnis ist ein Track, der nicht wie befĂŒrchtet fremd auf der Platte wirkt. Getragene Streicherarrangements und treibende Riffs sind so fett, dass Witt die Jungs von Santiano in die Schranken weist. Entweder man ist der dunkle FĂŒrst oder eben nicht. Schnell entwickelt sich Quo Vadis zu dem Mittelpunkt von RĂŒbezahl. Meine BefĂŒrchtung, dass der Track durch Christensen zu Pop verkĂŒmmern könnte, wird zerstreut und Quo Vadis ist ein Bollwerk, das erst jenseits der ZimmerlautstĂ€rke seine wahre GrĂ¶ĂŸe zeigt.

Witt wandert auf RĂŒbezahl immer wieder zwischen Leben und Tod, Zuversicht und Abschied. Mit Wenn Der Winter Kommt lĂ€utet er ein Finale ein, welches mir das Blut gefrieren lĂ€sst. Mit Schwermut und Traurigkeit  zeichnet er ein Bild, in der er alleine in der großen Schlucht zurĂŒck gelassen ist und sich trotz alledem wohlfĂŒhlt und eine innere Ruhe einkehrt. 1000 Seelen ist da ebenso ein gutes Beispiel, an dem Witt seine Welt skizziert.

RĂŒbezahl ist in seiner Gesamtheit ein Meisterwerk in der Diskografie Witts. Ein böses Bollwerk gezeichnet von einem Leben, mit vielen Höhen und Tiefen. Und ich höre keine hohlen Phrasen, die Witt von sich gibt. Ich nehme ihm den Wahnsinn, die Sehnsucht, die Trauer ab. Ein Weltuntergangsszenario, welches uns hoffentlich erspart bleibt.

RĂŒbezahl ist am 23. MĂ€rz bei Ventil Records erschienen.

Tracklist WITT – RĂŒbezahl:

01. Herr der Berge
02. Ich will Leben
03. DĂ€mon
04. Goldrausch
05. Mein Diamant
06. WofĂŒr Du stehst
07. Quo Vadis (feat. U96)
08. 1000 Seelen
09. Eis und Schnee
10. Agonie
11. Wenn der Winter kommt
12. Leben und Tod
13. Wiedersehen woanders

Weblinks WITT:

Official: http://joachimwitt.de/
Facebook: https://www.facebook.com/joachimwittmusik/

Geschrieben von
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