MONO INC. ‚Äď Hamburg, Markthalle (20.05.2017)

Mono Inc. © Thomas Papenbreer
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Der Abschluss einer Tournee ist f√ľr alle Beteiligten ein besonderes Ereignis. Man h√§ngt irgendwo zwischen Wehmut und Freude und wei√ü nicht so genau, wohin mit sich. So oder so √§hnlich werden sich vielleicht auch Mono Inc. an diesem Abend gef√ľhlt haben, f√ľr die Konzerte in Hamburg auch immer ein Heimspiel sind. Hinzu kommt, dass beim Tour-Abschluss neben dem regul√§ren Publikum auch die Fan-Clubs anreisen, die in der Regel noch einmal mehr f√ľr eine ganz besondere Stimmung sorgen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Und so war es auch an diesem sommerlichen Samstag in Hamburgs Markthalle. Der kultige Veranstaltungsort kann auf 40 Jahre bewegte Geschichte zur√ľckblicken und hat im Laufe dieser Zeit nicht nur √ľber zwei Millionen Besucher gesehen, sondern auch eine Vielzahl musikalischer Legenden: vergangene, lebende und kommende. Die Markthalle bietet in etwa 1.000 Personen Platz und war an diesem Abend mit Mann und Maus ausverkauft.

Die anwesende Fan-Schar rekrutierte sich zu einem nicht unbetr√§chtlichen Teil aus „Monofans“, also den Mitgliedern des gleichnamigen offiziellen Fanclubs. Der Konzertsaal war relativ z√ľgig bis zum Bersten gef√ľllt und die Luft schien vor lauter Vorfreude und Spannung zu flirren. Niemand schien zu diesem Augenblick zu ahnen, dass es f√ľr die Fans des D√ľster-Pop/Rock Quartetts auch ein Abend zwischen Schreck, Sorge, Hoffen und Bangen und schlie√ülich Erleichterung werden sollte.

Palast

Drei wei√üe Abblendschirme, wei√üe auf futuristisch gedraftete Instrumente, wei√üe Sneakers, drei durchgestylte Jungs mit blend-wei√üer Elektro-Pop/Rock Attit√ľde: das sind Palast. Dahinter stehen Sascha Pace, Tommy Apus und Marc Engel, drei Profi-Musiker, die ein Konzept aus Post-Hipstertum und „Fashion Minded Synthesizer Sounds“ so durchgeplant pr√§sentieren, dass man sofort mutma√üt: „Die m√ľssen aus Berlin kommen!“.

Kombiniert wird ein bisschen fr√ľhe Depeche Mode, O.M.D. und Hurts mit Bombast-Beats, modernen Synth-Sounds und Electro-Gitarren. Eine handwerklich √ľberzeugende, exakt ausgewogene Mischung, bei der nichts falsch gemacht wurde, die aber zu wenig Innovation aufweist, um wirklich haften zu bleiben ‚Äď optisch, wie musikalisch. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen heizten die Berliner der Menge ordentlich ein. Sp√§testens die bereits erschienen Singles Mirror Mirror und Hush brachten der Saal dann endg√ľltig zum Kochen.

Setlist PALAST @ Hamburg, Markthalle (20.05.2017):

01. Shut The Door
02. Crucify
03. Just Friends
04. Get Me
05. Strong
06. Mirror Mirror
07. Best Of Me
08. Hush

Mono Inc.

Trotz dr√ľckender Hitze verlie√ü kaum einer der Fans den Konzertsaal der Umbau-Pause, wohl eher aus Sorge den ergatterten Platz zu verlieren, als aus Lust √ľber best√§ndigen, warm-feuchten K√∂rperkontakt neue Bekanntschaften zu schlie√üen. Die Wartezeit wurde alsbald zu Geduldsprobe, denn obwohl der Umbau bereits l√§ngere Zeit abgeschlossen war und die Uhr bereits 40 Minuten nach Beginn des Auftritts anzeigte, war die B√ľhne wie ausgestorben. Erste Unmutsbekundungen seitens des Publikums f√∂rderten dann den Tour-Manager zu Tage, der ein wenig besorgt verlauten lie√ü, dass ein Mitglied der Band wohl hinter der B√ľhne kollabiert sei und man erst einmal abwarten wolle.

(Einschub: Erst nach dem Gig und wieder zu Hause erfuhren wir, dass Drummerin Katha Mia zusammengebrochen war und versorgt werden musste. Ihr geht es inzwischen wieder gut und auch das stattgefundene Konzert absolvierte sie mit Bravour, ohne dass etwas von dem Zwischenfall zu sp√ľren war. So viel Professionalit√§t verdient Respekt!)

Nach ungefähr einer Stunde geduldigen Wartens Рund seitens der Fans sicherlich auch des Hoffens und Bangens und der großer Anteilnahme Рwurden alle erlöst und das Konzert fand in voller Länge mit zwei Zugaben statt.

Die Together Till The End Tour 2017 stand ganz im Zeichen des aktuellen gleichnamigen Albums. Dieses f√ľhrt den H√∂rer ins fr√ľhe 18. Jahrhundert, hinaus in die weite, weite See. Um dem auch live Rechnung tragen, wurde die B√ľhne mit einem Steuerrad, einem Segel mit dem Mono Inc. Konterfei samt Mast best√ľckt, das Drum-Podest mit allerlei Kanonen flankiert und die Band mit auff√§lligen Uniform-Jacken und Augenklappen kost√ľmiert.

Die Performance setzte sich zusammen aus verschiedenen Versatzst√ľcken, die man mit Land und Leuten dieser Zeit am Wasser assoziieren kann, aber nicht muss. Mal lag die B√ľhne in dichtem Nebel und eine Ansammlung aus Kuttentragenden Leuten spielten auf Pauken eine Art Totenmarsch (Across The Waves). Ein anderes Mal besang ein in eine Art maritime Gala-Uniform gekleideter Herr (MajorVoice) die Vergessenen und unbekannt Verstorbenen. Immer wieder fanden Verbr√ľderungsrituale zwischen Martin Engler und allen Anwesenden statt. Die wiederum schienen jeden einzelnen Song von der ersten bis zur letzten Zeile mitsingen zu k√∂nnen.

Mono Inc. feierte seine Fans, die Fans feierten ihre Helden und sp√§testens bei Children Of The Dark –¬†hier war sogar Lord Of The Lost Protagonist Chris Harms mit auf der B√ľhne – feierten alle sich gegenseitig.

Was f√ľr eine Zirkusnummer w√ľrden die einen sagen, was f√ľr eine Aneinanderreihung kalkulierter, belangloser Bombast-Hymnen und klebrig s√ľ√üem Pathos. Aber die waren nun mal an diesem Abend nicht in der Markthalle und alle anderen hatten einen Wahnsinns-Spa√ü. Denn eins muss man dem Hamburger Quartett lassen, sie haben ein H√§ndchen f√ľr die Hymnen, Melodien und Texte, die einen nicht mehr loslassen, einen halten, tragen und Menschen so zusammenschwei√üen k√∂nnen, dass sie √ľber 90 Minuten lang gemeinsam gl√ľcklich eskalierend eine rauschende Party feiern.

Das zu bewerkstelligen und √ľber so lange Zeit aufrecht zu erhalten ist Kunst und sollte nicht bel√§chelt werden. Das Konzert in der Markthalle in Hamburg war trotz der Widrigkeiten ein w√ľrdiger Abschluss der Together Till The End¬†Tour.

Setlist MONO INC. @ Hamburg, Markthalle (20.05.2017):

01. Together Till the End
02. The Banks Of Eden
03. Arabia
04. This Is the Day
05. Never-Ending Love Song
06. Across The Waves
07. Boatman
08. Forgiven
09. Potter’s Field (MajorVoice)
10. Wonderful Life (Black Cover, MajorVoice & Mono Inc.)
11. Symphony Of Pain
12. Gothic Queen
13. After The War (Gary Moore Cover)
14. Children Of the Dark
15. Kein Weg Zu Weit (Z)
16. Voices Of Doom (Z)
17. Get Some Sleep (ZZ)

Weblinks PALAST:

Official: www.palastband.com/
Facebook: www.facebook.com/palastband

Weblinks MONO INC.:

Official: www.mono-inc.com
Facebook: www.facebook.com/monoinc

Weblinks MAJOR VOICE:

Official: majorvoice.de
Facebook: www.facebook.com/MajorVoiceOfficial

Geschrieben von
Mehr von Katja Spanier

FOSCOR ‚Äď Les Irreals Versions

Ein sphärischer Perspektivenwechsel auf Foscor und den Prog Seit ihren letzten beiden...
Weiterlesen