MASSIVE ATTACK / YOUNG FATHERS – K├Âln, Palladium (16.02.2016)

Massive Attack, (c) Michael Gamon
Massive Attack, (c) Michael Gamon
Gesch├Ątzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Endlich mal wieder Massive Attack live auf deutschen Indoor-B├╝hnen – kein Wunder, dass die insgesamt f├╝nf Konzerte in K├Âln, Berlin und M├╝nchen allesamt schon Wochen vor den eigentlichen Terminen ausverkauft waren. Nachdem zwei Deutschland-Konzerte vor einigen Jahren kurzfristig abgesagt wurden und die Band im Sommer 2013 einige kontrovers diskutierte Performances zu Videos von Doku-Regisseur Adam Curtis bei der Duisburger Ruhrtriennale mit Fremdmaterial spielte, hie├č es an diesem Dienstagabend endlich mal wieder „Massive Attack pur“.

Wer sich im mit ├╝ber 4.000 Besuchern gef├╝llten Palladium bereits vor 20 Uhr einfand, bekam zun├Ąchst 40 Minuten lang Musik von Young Fathers auf die Ohren. Das vierk├Âpfige Kollektiv aus Edinburgh lieferte einen Percussion-orientierten Sound zwischen HipHop, Pop und ein wenig Electronica. Auff├Ąllig: Die angenehm verschiedenen Stimmfarben der drei (!) Vokalisten Alloysious Massaquoi, Kayus Bankole und ‚G‘ Hastings, die zusammen mit der energiegeladenen Darbietung des Drummers durchaus ├╝berzeugen konnten. Sp├Ąter gastierten Massaquoi, Bankole und Hastings noch f├╝r die Songs Voodoo In My Blood und He Needs Me beim Set der Hauptband. Ersteres hatten Young Fathers und Massive Attack ohnehin gemeinsam f├╝r die zuletzt erschienene EP Ritual Spirit aufgenommen.

Massive Attack: Techno-Bombast, Trancezust├Ąnde und Kopfnicken

Bevor das Trio aus Edinburgh in Schottland aber seinen zweiten gro├čen Auftritt hatte, vergingen knappe zwei Stunden. Nach 35 Minuten Umbaupause er├Âffneten Massive Attack aus Bristol mit Battle Box 01 ihren Auftritt ├╝berp├╝nktlich um 21 Uhr. Schnell fiel auf, dass Robert Del Naja und Grant Marshall, unterst├╝tzt von zahlreichen weiteren Musikern und Vokalisten, live nicht nur die von den Alben gewohnt ruhigen T├Âne reproduzieren. Mit United Snakes ging es technoid in die Vollen, sp├Ąter h├Ąmmerte auch noch Battle Box 02 – 3D on Jupiter zu flackernden, bunten Videoanimationen ordentlich rein. Dass sich da einige Besucher direkt mal die Ohren zuhielten, verwunderte nicht. Sonst konzentrierte sich die Trip-Hop-Legende aus Bristol vornehmlich erstmal auf Songs des letzten Studioalbums Heligoland.┬áF├╝r die stimmliche Pr├Ąsenz sorgten dabei wie aus den Vorjahren gewohnt vornehmlich Horace Andy, Martina Topley-Bird und Deborah Miller. Melancholisch wurde es nach eben erw├Ąhntem Jupiter dann mit dem Klassiker-Block, den Topley-Bird mit einer etwas gew├Âhnungsbed├╝rftigen Gesangsperformance bei Teardrop er├Âffnete. Das nun folgende und auch dank heftig scheppernden Drums v├Âllig ├╝berzeugende Angel machte dies aber mehr als wett. Die unverzichtbaren Inertia Creeps und vor allem Safe From Harm beendeten nach 75 eindrucksvollen Minuten das Hauptset.

Massive Attack schaffen es auch nach 25 Jahren noch, Musik f├╝r Herz und Hirn zu schaffen

Dass ein Massive Attack-Konzert aber nicht nur zum Mitwippen, Kopfnicken und Mitsingen gedacht ist, zeigten die text- und bildgewaltigen Visuals auf neun rechteckigen LED-Leinw├Ąnden, die sich des ├ľfteren mit den Ausw├╝chsen der aktuellen Fl├╝chtlingsproblematik auseinandersetzten. Wobei die┬á h├Ąufig auch in deutscher Sprache eingeblendeten und nicht immer zwingend ernstgemeinten Schriften teilweise schon fast zu sehr von der Musik ablenkten. Aber dies k├Ânnte von der Band ja auch so beabsichtigt sein…

In jedem Fall blieb nach einem umwerfenden Unfinished Sympathy und den entspannten, l├Ąssigen Kl├Ąngen von Splitting The Atom nach insgesamt 105 Minuten nur eine Erkenntnis: Massive Attack schaffen es auch nach 25 Jahren noch, Musik f├╝r Herz und Hirn zu schaffen.

Setlist MASSIVE ATTACK – K├Âln, Palladium (16.02.2016):
  1. Battle Box 01
  2. United Snakes
  3. Risingson
  4. Paradise Circus
  5. Ritual Spirit
  6. Girl I Love You
  7. Psyche
  8. Future Proof
  9. Battle Box 02 – 3D On Jupiter
  10. Teardrop
  11. Angel
  12. Inertia Creeps
  13. Safe From Harm
  14. Take It There (Z)
  15. Voodoo In My Blood (Z)
  16. He Needs Me (Z)
  17. Unfinished Sympathy (ZZ)
  18. Splitting The Atom (ZZ)

Fotos: Michael Gamon

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