HEROES OF ROCK (URIAH HEEP, BONFIRE etc) – Köln, Theater am Tanzbrunnen (23.03.2013)

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Es war der 23. MĂ€rz 2013 als der Tanzbrunnen Köln, nahe dem Bahnhof Köln-Ehrenfeld, von einer Heerschar Rockfans heimgesucht wurde. Ziel der Fans war die erste (und hoffentlich nicht letzte) Ausgabe des Heroes Of Rock Festivals im Theater am Tanzbrunnen, welches mit einem hochkarĂ€tigen, vier Bands starken, Line-Up aufwartete. Zwei Bands und zwei Cover-Bands standen schon frĂŒh in den Startlöchern um den Fans ordentlich einzuheizen.

Den Einstieg gaben Demon’s Eye, eine Deep Purple Cover Band, welche bereits um 18:00 Uhr auf die BĂŒhne geschickt wurde. Keine dankbare Aufgabe, doch die Zeichen standen gut, denn die Fans feierten die Band direkt von der ersten Sekunde.

Die Band besteht aus David Readman (Gesang), Doogie White (Gesang), Mark Zyk (Gitarre), Florian Pritsch (Orgel, Keyboard), Maik Keller (Bass) und Andree Schneider (Schlagzeug), wobei immer nur einer der beiden SÀnger anwesend ist. David Readman, welcher beim Heroes Of Rock am Mikrofon war, ist auch als Stimme von Pink Cream 69 bekannt und Doogie White trat von 1994 bis zur Auflösung der Band 1997 als Rainbow-SÀnger in Erscheinung.

Der Sound war astrein und die Band war gut drauf: Es wurde viel gepost und SĂ€nger Readman machte ausgiebig vom Laufsteg Gebrauch, welcher ihm in der Mitte der BĂŒhne ein wenig in FannĂ€he brachte. Demon’s Eye prĂ€sentierten sich als eingespieltes Team und als Musiker, welche ihr Fach verstehen, sodass es nicht verwunderte, dass die Band schon mit einigen aktiven und ehemaligen Deep Purple Mitgliedern auf der BĂŒhne stand.

Nach circa einer dreiviertel Stunde war das als letzter Song angekĂŒndigte StĂŒck verklungen und es hieß Abschied nehmen, doch den enttĂ€uschten Blicken der Zuschauer konnte man entnehmen, dass noch was fehlte. Eine Deep Purple Cover Show ohne Smoke On The Water? Undenkbar und das wussten auch Demon’s Eye, sodass es den Über-Hit von Deep Purple dann doch noch gab. Obwohl die Spielzeit mit 50 Minuten fĂŒr die erste Band eines Abends nicht gering war verlangten die begeisterten Zuschauer lautstark nach einer Zugabe, welche jedoch wegen des strafen Zeitplanes nicht gegeben worden konnte.

Es folgte die deutsche Hard Rock Formation Bonfire, welche seit rund 40 Jahren (anfangs unter dem Namen Cacumen) auf den BĂŒhnen der Welt unterwegs ist. Mit einem Album welches in Deutschland Goldstatus erreicht hat und zahlreichen SamplerbeitrĂ€gen von Reihen wie der Kuschelrockserie gehören die Jungs sicher zu den GrĂ¶ĂŸen des deutschen Hard Rock.

Bonfire sind aktuell Claus Lessmann (Gesang), Hans Ziller (Gitarre), Chris „Yps“ Limburg (Gitarre), Uwe Köhler (Bass), Harry Reischmann (Schlagzeug). Letzterer war wegen der laufenden Tour mit Gregorian jedoch nicht mit dabei, sodass kurzerhand Alex Landenburg von Luca Turilli’s Rhapsody an das Schlagzeug gesetzt wurde und Harry auch gebĂŒhrend vertrat.

Zu Beginn ein wenig von Gittarrensoundproblemen begleitet ließen sich Bonfire nichts anmerken und rockten schon beim ersten Song Bells of freedom ordentlich los. WĂ€hrend sie mit relativ neuem Material in ihr Set starteten, konnten natĂŒrlich auch Klassiker nicht fehlen, sodass sie direkt im Anschluss mit Never Mind ein StĂŒck ihrer erfolgreichsten Albums Fireworks spielten, welches vor rund einem Vierteljahrhundert erschien.

Die BĂŒhnenshow von Bonfire war in großem Maße von SĂ€nger Claus Lessmann geprĂ€gt, welcher auch gerne mal in den BĂŒhnengraben spazierte um den Fans ein wenig nĂ€her zu sein. Auch die Ansagen zwischen den Songs fielen in seine Verantwortlichkeit, was er ein wenig zu sehr ausnutzte. Mehr Hard Rock und weniger Gerede wĂ€ren teilweise schon angebracht gewesen. Auf der anderen Seite konnte man so zumindest ein wenig mehr ĂŒber die Musiker und die Band erfahren. Neben dem Hintergrund zum Song Proud of my country und dem GestĂ€ndnis, dass er sich aufgrund des Festivalnamens nun auch als Held sieht, gab es auch einige witzige Ansagen, denn eines war klar: Sowohl Band als auch Fans hatten bei dem Auftritt von Bonfire einen riesen Spaß.


Setlist Bonfire:

01. The RĂ€uber (Intro)
02. Bells of freedom
03. Never mind
04. Hot to rock / Don’t touch the light
05. Fantasy
06. Proud of my country
07. Just follow the rainbow
08. You make me feel
09. Under blue skies
10. (Drumsolo)
11. American nights
12. Sweet obsession
13. Ready 4 reaction

Mit der dritten Band des Abends betrat das Rock Urgestein Uriah Heep die Kölner BĂŒhne. Die MĂ€nner um das einzige verbleibende GrĂŒndungsmitglied Mick Box (Gitarre, Hintergrundgesang) waren die ersten die mit ein wenig VerspĂ€tung erschienen. Diese dauerte jedoch nur rund zehn Minuten und war sofort vergessen, als Mick Box endlich mit Bernie Shaw (Gesang), Russell Gilbrook (Schlagzeug), Phil Lanzon (Keyboard) und Against the odds das Set begann. Dave ‚Shape‘ Rimmer (Bass) vertrat Trevor Bolder, welcher aufgrund eines Pankreastumors nicht dabei sein konnte.

Die Band, die seit 1969 existiert, mittlerweile ĂŒber 40 Millionen Alben verkauft hat und zu Recht zu den grĂ¶ĂŸten Hard Rock Bands aller Zeiten gehört, hatte keine Probleme das aufgeheizte Publikum im Kölner Theater am Tanzbrunnen von den ersten Takten an fĂŒr sich zu begeistern. Allein das Erscheinungsbild der Herren war von einer Coolness geprĂ€gt, welche bei Herren jenseits der 60 dann doch ein wenig ĂŒberraschte.

FĂŒr das Set in Köln setzten die Mannen um Box auf eine gute Mischung aus altem Material (bspw. Gypsy, Look at yourself) ohne die aktuellen Veröffentlichungen zu vergessen. Mit I’m Ready und Into the Wild wurden zwei Songs vom noch aktuellen 23. Studioalbum prĂ€sentiert. Laut Aussagen der Band wird um Weihnachten 2013 herum ein neues Album aufgenommen. Man darf also gespannt sein, was die Rockgemeinde Anfang 2014 erwartet.

Die Stimmung war zweifelsohne auf dem Höhepunkt des Abends, als Uriah Heep mit Lady In Black den grĂ¶ĂŸten Song der Bandgeschichte anstimmten und die Kölner aus voller Kehle mitsangen. Der Song welcher es dreimal in die Single-Hitparade schaffte (1971, 1975 und 1977) und sich wochenlang in den Charts hielt war wirklich jedem Anwesenden bekannt und bildete einen perfekten Abschluss des offiziellen Konzertteiles.

Bevor es mit der lautstark geforderten Zugabe weiter ging wurde Keyboarder Phil Lanzon geehrt, welcher auf dem Heroes Of Rock seinen 63 Geburtstag feierte. Dazu durfte natĂŒrlich ein entsprechender Geburtstagskuchen nicht fehlen, welchen er nur zu gerne entgegen nahm. Im Anschluss folgte mit Free ’n‘ Easy der Song der Band, der dem Heavy Metal am nĂ€chsten kam. Zur VerstĂ€rkung hatten sich Uriah Heep ausgewĂ€hlte Damen aus dem Publikum auf die BĂŒhne geholt, welche sie durch headbangen unterstĂŒtzen sollten. Die meisten beließen es jedoch beim Tanzen und ließen ihre Haare mehr oder minder ungeschĂŒttelt.


Setlist Uriah Heep:

01. Against the Odds
02. Overload
03. Sunrise
04. I’m Ready
05. Between Two Worlds
06. Stealin‘
07. Into the Wild
08. Gypsy
09. Look at Yourself
10. July Morning
11. Lady in Black
12. Free ’n‘ Easy (Z)
13. Easy Livin‘ (Z)

Eine ungĂŒnstige Startposition hatten Barock erwischt, welche nach dem Headliner des Abends auf die BĂŒhne geschickt wurden. Der AC/DC Tribute Band gaben einige Zuschauer gar keine Chance, als sie nach dem Uriah Heep Auftritt das Kölner Theater am Tanzbrunnen verließen. Auch ein paar andere Zuschauer waren verunsichert und fragten den nĂ€chstbesten Securitymitarbeiter, ob denn noch eine Band die BĂŒhne betreten wĂŒrde. Doch natĂŒrlich wĂŒrden Barock noch spielen, denn einige Fans schienen insbesondere fĂŒr Europas beste AC/DC Tribute-Band (so die Internetseite der Band) angereist zu sein.

Eugen Torscher (Gitarre), Dominik Frank (Gitarre), Grant Foster (Gesang), Ersin Kapsiz (Bass) und Patrick Caramagno (Schlagzeug) rockten jedoch von der ersten Sekunde an und sowohl der Sound, als auch die Reaktionen der verbliebenen Zuschauer zeigten, dass sich jeder geirrt hatte, der dachte nach Uriah Heep gĂ€be es nichts Lohnenswertes mehr zu sehen und hören. Von dichtem Nebel umhĂŒllt zeigten Barock, wie energiegeladene Rockmusik funktioniert und machten ihren Vorbildern dabei alle Ehre.

Dass ein wenig Witz und Spaß auch dazu gehören zeigte Frontmann Grant Foster, als er sich bei den anderen drei Bands bedankte und mit einem breiten Grinsen im Gesicht hinzufĂŒgte, dass sie noch niemals so tolle Vorbands hatten. Doch nicht nur er schien in bester Laune zu sein, so posten er und seine Mitmusiker gerne vor den Fotografen der Presse, aber auch vor dem Kameras der Besucher, sodass der ein oder andere sicherlich schöne Erinnerungsfotos mit nach Hause nehmen konnte.

Einziges Manko der Barock Show war, dass sie auf ein paar Showelemente verzichteten (verzichten mussten?) welche man auf ihren eigenen Shows und auf Fotos im Internet bewundern kann. Aber bei dem amtlichen Sound und der Spielfreude der Musiker fiel dies kaum ins Gewicht, sodass Barock den Abend sehr gelungen (aber sicher nicht ruhig!) ausklingen ließen.


Setlist Barock:

01. Rock ’n‘ Roll Train
02. Shoot To Thrill
03. High Voltage
04. You Shook Me All Night Long
05. Bad Boy Boogie
06. The jack
07. Back in Black
08. Hells Bells
09. T.N.T.
10. Touch Too Much
11. Highway To Hell
12. Whole Lotta Rosie
13. Let There Be Rock

Das Heroes Of Rock 2013 war ein schönes kleines Festival, welches hoffentlich auch 2014 wieder stattfindet und GrĂ¶ĂŸen der Rockszene prĂ€sentiert. Der Sound war jederzeit erstklassig und ließ keine WĂŒnsche offen. Einzig die GetrĂ€nkepreise waren – festivalĂŒblich – unverschĂ€mt…

Bilder des Festivals befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Fotos

Uriah Heep:

Bonfire:

Demon’s Eye:

Barock:

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