EGOamp – Replika EP (The Cabinet revisted)

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9 Bewertung

9


Gut ein Jahr ist es her, dass EGOamp ihr langerwartetes DebĂŒtalbum „Welcome To The Cabinet“ veröffentlicht haben. Anstaltsleiter Asmodi Caligari hat uns darauf in die dĂŒstere AtmosphĂ€re der Stummfilme eingefĂŒhrt und nur knapp, wenn auch ĂŒberaus zufrieden, waren wir dieser entkommen. Doch auch heute noch zieht es mich immer wieder dorthin zurĂŒck und damit auch weiterhin fĂŒr Abwechslung im Kabinett gesorgt ist, ist Mastermind Asmodi stets umtriebig und ĂŒberrascht uns jetzt mit „Replika“, einer sehr interessanten EP, die es aktuell als kostenfreien Download gibt. NatĂŒrlich freut sich der Maestro im Rahmen einer „pay as much as you like“-Aktion bei Gefallen aber sicher ĂŒber eine kleine Spende. „Replika“ bietet getreu dem Motto „Du musst Caligari werden!“ insgesamt fĂŒnf Neuinterpretationen verschiedenster KĂŒnstler von Tracks des „Welcome To The Cabinet“-Longplayers, sowie eine Demoversion des Meisters selbst. Als Bonus erhĂ€lt man bei der Bezahlversion (mindestens 1,00 Euro) zudem einen Remix von „Holstenwall“ erwerben und das Ganze damit komplett machen.

Los geht es mit Eternal Nightmare, die sich dem vielleicht grĂ¶ĂŸten Hit des Ursprungsalbums angenommen haben: „Egomanic Maniacs“. Allerdings muss man schon genau hinhören, um den Song wiederzuerkennen, denn er hat ein vollkommen neues Kleid bekommen. Die melodische Mitgehnummer ist zu einem dunkel-atmosphĂ€rischen StĂŒck geworden, das sich tief ĂŒber der Grasnarbe bewegt und so klingt, als wĂŒrde Andy LaPlegua (Combichrist, Icon Of Coil) einen ruhigen Track der Sisters Of Mercy intonieren und Skinny Puppy die Finger dabei an den Reglern haben. Ein wirklich guter Start, der schon einmal Lust auf mehr macht!

Die Sache umgekehrt gehen Menschliche Energie beim Song „The Camera“ an, denn hier werden Tempo und Dynamik im Vergleich zum Original deutlich angehoben und alles klingt sehr zackig und zielt eher auf eine mit schrilleren Figuren gefĂŒllte TanzflĂ€chen ab, als dass diese von schwarzen GewĂ€ndern und RĂŒschenkleidern bevölkert werden wĂŒrden. Ganz im Sinne eines klassischen Remixes bewegen sich dagegen The Atone bei ihrem „Red Nose Killer Mix“ des Songs „The Carnival“ recht nah am Original, wĂ€hrend die anderen Tracks der EP eher Coverversionen darstellen und vollkommen andere Facetten der Songs enthĂŒllen. Bereits von deren eigener „Dreammaster“-EP bekannt ist der nĂ€chste Track. The Nightchild haben sich „We Are Freaks“ angenommen und verleihen diesem mit ihrem Gothrock noch einmal zusĂ€tzliche Dynamik. Lediglich der Gesangsstil von Frontmann Alexey Nightchild A. ist etwas gewöhnungsbedĂŒrftig. Seine Stimme klingt interessant, allerdings mag ich persönlich die Art nicht, in der er jedes einzelne Wort enden lĂ€sst. Trotzdem eine wirklich gelungene Interpretation und ein Gewand, das dem Track ebenfalls durchaus gut zu Gesichte steht.

Ein vollkommen anderes Rezept verordnen Schimmer im Anschluss „The Veil“. Auch hier geht’s relativ zackig zu, allerdings mit GitarrenklĂ€ngen und einem ordentlichen Jazzeinschlag. Frontfrau Mo Stienen verleiht dem Song mit ihrer Röhre ein gĂ€nzlich anderes Erscheinungsbild und zeigt dadurch deutlich, dass sich EGOamp und ihre Songs nicht so leicht in Schubladen oder ausschließlich dĂŒstere Ecken drĂ€ngen lassen, sondern viel Raum fĂŒr Interpretationen lassen.

Als nĂ€chstes ist Asmodi Caligari dann aber auch selbst mal an der Reihe und prĂ€sentiert die Original Demo von „We Are Freaks“, die sich allerdings durchaus deutlich von der Albumversion unterscheidet. Meist stellen Demoversionen ansonsten ja eher einfachstes FĂŒllmaterial fĂŒr geekige Fans dar, hier können aber auch die anderen Zuhörer einiges entdecken, denn die Demo ist hörbar verspielter und hat daher eine absolute Daseinsberechtigung auf dieser EP.

An dieser Stelle endet der kostenlose Download. Hat man allerdings mindestens 1,00 Euro auf der Ionium-Homepage investiert, bekommt man als Bonustrack zudem noch den von Andreas Hornik angefertigten Andyage Remix von „Holstenwall“ zu hören, der mit viel Hall und dĂŒsterer MinimalatmosphĂ€re fĂŒr eine aufrĂŒttelnde Stimmung sorgt.

Sehr positiv fĂ€llt bei „Replika“ auf, dass hier wirklich jeder einzelne Track stimmig ist und nicht nur FĂŒllmaterial darstellt. Gerade die „echten Coverversionen“ erweitern den Horizont deutlich und zeigen auf, wie viel Potential die Songs von EGOamp besitzen und das man das Material vielfach verarbeiten könnte, um „Neues“ zu erschaffen. Die Replika-EP hebt sich dadurch angenehm von der Vielzahl einfachster Remix-EPs anderer Bands ab, bei denen man oft kaum Unterschiede zum Ausgangsmaterial hört und die dadurch eigentlich keinen Kaufanreiz bieten; von der Sammlerleidenschaft vielleicht mal abgesehen. Ganz anders hier bei EGOamp, wo auch ansonsten szenefremde Musikliebhaber durchaus fĂŒndig werden könnten. Hoffen wir, dass sich Asmodi seinen Schaffensdrang erhĂ€lt und man dann auch bald wieder neues Material von EGOamp zu hören bekommt, vielleicht ja den Nachfolger zu „Welcome To The Cabinet“. Wir warten geduldig, aber sehnsĂŒchtig


Tracklist:
01. Eternal Nightmare – Egomanic Maniacs
02. Menschliche Energie – The Camera
03. The Atone – The Carnival (Red Nose Killer Mix)
04. The Nightchild – We Are Freaks
05. Schimmer – The Veil
06. EGOamp – We Are Freaks (Original Demo)
07. EGOamp – Holstenwall (Andyage Remix) (Bonustrack)

Autor: Michael Gamon

Downloadlink: EGOamp – Replika EP bei Ionium Records

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