Interview : PASCAL FINKENAUER

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Pascal Finkenauer veröffentlicht dieser Tage mit ?Unter Grund? bereits sein drittes Album und versteht es hierbei wie nur wenige deutschsprachige Künstler, klare und deutliche Bilder nur mit Hilfe weniger Worte zu zeichnen. Sein neuestes Werk ist dabei gleichermaßen eine Auseinandersetzung seiner intimsten Sehnsüchte und Ängste, sowie Anklage an die Befindlichkeit jedes Einzelnen. Sozusagen nicht nur ein persönlicher Abriss, sondern ebenso ein Appell, sich in melancholischen Momenten und schwierigen Zeiten stets den Durst am Leben und Neuem zu bewahren. So verwundert es nicht, dass ?Unter Grund? fast ausnahmslos im Alleingang entstanden ist und für ihn selber ein Stück weit Lernprozess und Selbstkonfrontation darstellt.


Hallo Pascal,
schön, dass du dir die Zeit zur Beantwortung einiger Fragen nimmst. Eines zugleich vorweg: Das Plattencover zu ?Unter Grund? ziert den Namen ?Pascal Finkenauer", wohingegen auf älteren Veröffentlichungen nur ?Finkenauer? zu lesen war?

Ja, ich wollte das jetzt so. Meinen vollen Namen.


Mit ?Unter Grund?, deinem dritten Album, knüpfst du nahtlos an die beiden Vorgänger an. Mal wird da die Gitarre etwas lauter, wohingegen bei anderen Songs wieder mehr mit Elektronik gespielt wird. Wo du bei Texten sehr losgelöst deinen Gedanken freien Lauf lässt, reicht woanders nur ein einzelnes Wort. Abwechslung war somit schon immer ein großer Bestandteil. Wie siehst du das Album selber im Vergleich zu seinen Vorgängern?

Ich finde es ist dunkler geworden. Es sollte aussehen und sich anhören, als hätte man es in schwarze Tinte getaucht. Aber diese Dunkelheit ist eher positiv und euphorisch zu sehen. Aus ihr geht etwas Neues und Gutes hervor.


Gab es Dinge welchen du auf ?Unter Grund? besonderer Aufmerksamkeit schenken wolltest? Vielleicht eine andere Herangehensweise als auf den Alben zuvor oder hat sich dahingehend nicht wirklich was verändert?

Mir ging es um diese Reihenfolge: zu Boden gehen, sich eingraben, in einer Gesetzlosigkeit alles aufgeben und sich neu entdecken. Das ist keine neue Idee, aber ich habe mich darin verloren. Wie kann man heutzutage in den Untergrund gehen, Gegenbewegungen bilden, anders sein.


Wann hast du angefangen erste Ideen für das neue Album zu sammeln? Blieb bei der Zusammenarbeit mit Fettes Brot, welche du ja nicht nur ausgiebig bei ihren Konzerten unterstützt hast, Zeit an eigenen Ideen zu arbeiten? War dieser Ausbruch aus dem Alltäglichen (wenn man das so nennen kann) vielleicht gerade förderlich um Neues entstehen zu lassen?

Ich habe innerhalb von drei Monaten alles geschrieben und produziert. Die Zeit während und zwischen den Tourneen mit Fettes Brot habe ich eher als Freizeit von der Platte genutzt. Den Kopf wieder frei kriegen, andere Musik machen. Ich habe ja nebenbei auch noch ein eigenes Plattengewerbe gegründet und auch das hat Zeit und Energie gekostet.


Im Gegensatz zu deinem letzten Album, wo du mit mehreren Leuten im Studio Instrumente und dergleichen eingespielt hast, warst du bei ?Unter Grund? wieder fast komplett auf dich alleine gestellt. Hast du hier aus der Not eine Tugend gemacht oder war diese Arbeitsweise schon anfangs klar für dich?

Nein, es war nicht beabsichtigt. Es ist wohl so, dass ich mich noch mehr verlieren kann, wenn ich alleine arbeite. Ich habe alle Zeit der Welt um herumzuprobieren, neues einzuspielen etc. Freunde von mir bestätigten mich darin, dass die Demos schon sehr weit waren, und ich entschloss mich dazu alles so zu lassen.


Gibt es Menschen deren Meinung dir beim Arbeiten an neuen Songs wichtig ist, deren Kritik man sich besonders annimmt, auch wenn man letztendlich doch vieles im Alleingang vollzieht?

Ja, die gibt es. Familie, Freunde. Man kommt nicht umhin jemandem vorzuspielen was man macht und eine Meinung einzuholen. Aber manchmal akzeptiert man die Meinung eines anderen auch nicht. Dann ist die Verbindung zu dem Stück, so wie es ist, schon zu gefestigt.


Was mir bei deinem Vorgängeralbum ?Beste Welt,? schon bei Songs wie ?Mittendrin? aufgefallen ist und nun auch wieder auf deinem neuen Album in Songs wie ?Zu Glatt? oder ?Sucht? auffällt, dass du neben deinen recht poetischen Texten mit Worten auch sehr plakativ zu Tage trittst. Denkst du, dass dir die deutsche Sprache dahingehend mehr Möglichkeiten bietet in einer Art spielerisch und freier mit ihr umzugehen, als das beispielsweise auf Englisch der Fall wäre?

Ich finde die deutsche Sprache eher schwierig. Man konfrontiert die Hörer im ersten Moment mit den Inhalten. Das entscheidet vehement, ob das Lied gefällt oder nicht.
Ich war im Herbst für zwei Konzerte in Israel und habe zum ersten Mal vor nicht deutschsprachigem Publikum gespielt. Es hat funktioniert ? das war eine schöne Erfahrung.


Eine weitere Auffälligkeit bei deinen Texten ist das viel besungene Thema der Rebellion, das sich Stoßen an gewissen Dingen, nicht alles hinzunehmen, selbst Dinge in die Hand zu nehmen und sich nicht in Gleichgültigkeit einzubetten. So lautet zum Beispiel eine Textzeile aus deinem neuen Album ?Jugendlich ist wesentlich das man sich sucht was schwierig ist?. Glaubst du dass Jugendbewegungen heutzutage schwieriger zustande kommen als früher, wo eine Bewegung wie Punk nur noch eine Modeerscheinung ist?

Punk in den 70ern war ja auch eine Modeerscheinung. Ich denke schon, dass es heutzutage schwieriger ist für Jugendliche ein Ventil zu finden, um sich abzugrenzen. Ich glaube dieser Konflikt zwischen Jugend und Älteren ist essentiell. Die Messlatte wird immer höher gelegt. Eltern sind stellenweise genauso offen für Musik wie ihre Kinder. Ein Stück Musik zu finden, dass die Eltern zur Weißglut treibt, kann in manchen Haushalten ganz schön schwierig werden ? nur als Beispiel. Auch von diesem Dilemma handelt die Platte.

Musik ist dir nun schon ein längerer Begleiter, von den Anfängen in diversen Bands (Exhaust, Jaw, The Black Cherries) bis hin zu deiner jetzigen Aktivität als Solist. Inwieweit ist es heute ein anderes Arbeiten als früher? Kannst du heute Dinge gelassener sehen?

Ein bisschen gelassener vielleicht. Mir ist egal geworden, was und wie man ist. Mit Zwanzig sieht man das ein bisschen anders. Ich will Dinge ausprobieren und lasse mir nicht sagen, wie ich das zu machen habe. Das war zwar immer so, aber mittlerweile kennt man eben auch die Konsequenzen, die daraus entstehen können und wundert sich nicht über Reaktionen.


Du hast zum neuen Album auch dein eigenes Label gegründet. Warum dieser Schritt und welche Veränderungen bring es für dich mit sich?

Ich wollte mir den Traum erfüllen eine Platte selbst herauszubringen. Ich weiß nicht, ob alles klappt, wie ich es mir vorstelle, aber ich habe es wenigstens probiert. Ich muss mich im Zuge dessen natürlich mit viel bürokratischem Kram auseinandersetzen, was mir nicht liegt, aber ich gebe mir Mühe.


Zum Ende des vergangenen Jahres hast du einige kleine Konzerte gegeben, wird es jetzt aktuell zum neuen Album weitere Livepräsentationen geben?

Das hoffe ich sehr. Wie und in welcher Form weiß ich allerdings noch nicht. Ich könnte mir vorstellen mehr Solokonzerte zu geben. Aber ich will auf jeden Fall mit Band auf die Bühne.


Mitte Februar wirst du beim diesjährigen Bundesvision Songcontest von Stefan Raab bei Pro 7 auftreten. Setzt man sich mit den musikalischen Ergüssen seiner Kontrahenten auseinander und was ziehst du dir aus der Teilnahme an den Contest?

Ich finde die Sendung gibt auch spezielleren Künstlern die Möglichkeit sich einem breiten Publikum vorzustellen. Im deutschen Fernsehen sollte es viel mehr dieser Möglichkeiten geben. Natürlich setzt man sich dann mit dem auseinander, was die anderen an dem Abend machen. Das wird bestimmt ein interessanter Abend.


Von meiner Seite soll es dies gewesen sein, ich bedanke mich und Wünsche dir viel Erfolg mit deinem neuen Album!

Vielen Dank!

Interview per E-Mail Anfang Februar 2009: Thomas Tröger & Pascal Finkenauer

Weblinks:
www.pascalfinkenauer.com
www.myspace.com/pascalfinkenauer

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