Interview: MONO INC. (Carl Fornia)

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Seit mehr als 10 Jahren gibt es nun schon Mono Inc. Ihr kommendes Album Terlingua wird am 22.05.2015 erscheinen und Sparklingphotos sprach am 01.05.2015 mit Gitarrist Carl Fornia ĂŒber die Entstehung, HintergrĂŒnde und persönliches zum neuen Album. Seid gespannt auf ein wirklich gelungenes Album und auf tolle Informationen. Die Rezension zum Album Terlingua folgt hier auf Sparklingphotos ebenfalls in KĂŒrze.


Das Album Terlingua ist euer 8. Studioalbum in 10 Jahren und der Name ist ziemlich ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser interessanten Namensgebung?

Der Name ist entstanden, weil wir vor ca. einem Jahr in einem texanischen WĂŒstenort namens „Terlingua“ fĂŒr eine Woche verweilten. Wir hatten in Austin (Texas) eine Show und haben gesagt, wenn wir schon einmal in den USA sind, lass uns doch nicht nur fĂŒr einen Tag rĂŒber fliegen und wieder zurĂŒck, sondern noch ein paar Tage dranhĂ€ngen und etwas Urlaub und ein paar Fotos machen oder die Landschaft anschauen. Daraus ist etwas erwachsen, was wir so nicht erwartet hatten. Es entstand eine wahre Banddynamik: du machst etwas und sagst dir: „lass uns mal ein paar Fotos machen und aus der Großstadt hinaus in den SĂŒden von Texas fahren“. Dann kommt man in eine andere Umgebung und die hat uns geholfen, weil dort auf dieser Ranch alles so spartanisch, staubig und so unsagbar einsam, still und vor allem weitlĂ€ufig war.
Als Band sind wir wieder mehr zusammengerĂŒckt und die eigentlichen UrsprĂŒnge, warum wir diese Band gegrĂŒndet haben, sind dadurch wieder wesentlich deutlicher zum Vorschein getreten, als wenn man sich einfach in Hamburg am FrĂŒhstĂŒckstisch getroffen hĂ€tte, ohne richtigen Tagesablauf. Da wird man wieder richtig frei. Dort haben wir uns gesagt „da mĂŒssen wir wieder als Band hin“ und waren dann glaube ich im November 2014 mehrere Wochen dort und hatten uns nur mit uns Vieren und einem Tontechniker auf einer Ranch eingemietet. Das war mit das Schönste was ich mit der Band erleben durfte. Wir haben uns wieder neu aufeinander eingelassen und auch viel zugelassen und der Großteil der Lieder auf dem Album handelt auch inhaltlich davon. Eben von jenen Dingen, die uns und insbesondere Martin dort durch den Kopf gegangen sind und dann sagten wir uns, das Album muss auch so heißen, weil es eben fĂŒr uns einen so großen Stellenwert hat.
Wenn du ein Album in Deutschland einfach nur „Texas“ nennen wĂŒrdest, dann weiß auch jeder wo das ist, aber wenn du es Terlingua nennst, dann klingt das erst einmal ungewöhnlich und geheimnisvoll und dann stellen viel mehr Leute Fragen. Die ganze Ecke dort in Terlingua, in der NĂ€he vom Rio Grande, hat ihren besonderen Reiz. Die Zeit vergeht viel langsamer, es ist so klar, so still und eine derartige Weite, wie man sie sich hier in Deutschland ĂŒberhaupt nicht vorstellen kann. In Terlingua stĂ¶ĂŸt man auf Ghost Towns, einen Nationalpark, wo sich viele kleine Geschichten verbergen, die irgendwo und irgendwie auch in unseren Texten wieder zu finden sind. Man muss die vielen EindrĂŒcke irgendwie auf sich wirken lassen und damit dann auch verarbeiten, ohne zu ahnen, ob es den Fans gefĂ€llt oder auch nicht.


Ihr seid ja als Band gereift und mit dem neuen Album wollt ihr wie angekĂŒndigt einen großen Schritt gehen. Das Album Terlingua soll anders klingen als alles, was ihr in eurer zehnjĂ€hrigen Geschichte als Band gemacht habt. Was genau ist denn das Neue am Album?

(lacht) gereift das klingt so negativ
das Neue soll der Zuhörer selbst beurteilen. Wir haben eine analoge Aufnahmetechnik verwendet, die den Klang entscheidend veredelt. Diese haben wir dann in Hamburg verfeinert. Neue Gitarrensounds, neue Nuancen
 und dann probierten wir erst den einen Gitarrensound aus und dann einen anderen. Wenn ein Song eher rockig ist, ich spreche jetzt mal aus der Sicht des Gitarristen, dann darf dieser auch ruhig noch etwas rockiger sein oder wenn es ein eher ruhiger Song ist, dann darf das Ganze ruhig auch etwas poppiger ausfallen. Also zusammengefasst: die Zutaten, die Mono Inc. verwendet, haben wir in einen Topf geschmissen und haben eine Zutat dann jeweils speziell hervorstechen lassen. Und all diese Ideen sind in Terlingua entstanden; dort haben wir uns entschlossen, etwas zu riskieren und etwas Neues zu tun.

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Wie sieht ein typischer Mono Inc.-Arbeitsalltag aus?

(lacht)
du meinst wahrscheinlich außerhalb des Live-Streams. Ja, also den ganz typischen Arbeitsalltag gibt es bei Mono Inc. so eigentlich nicht, denn wir mĂŒssen verschiedene Sachen selbst machen. Seit der Tour mit Unheilig, das ist jetzt ungefĂ€hr fĂŒnf Jahre her, sind wir rund um die Uhr Mono Inc. Musiker. Ich glaube, das nennt man dann Profi. Ich habe als einer der Letzten meiner Firma gekĂŒndigt, Martin hat schon immer professionell Musik gemacht. Denn wenn man so weit ist, muss man es auch richtig weitermachen. Und wenn du morgens aufstehst und die anderen dann schreiben, es ist jetzt Mittagspause, dann bequemt man sich los und dafĂŒr ist dann eben der restliche Tag lĂ€nger fĂŒr einen Musiker.
Du musst halt einmal dein Postfach aufmachen und schauen, was die Plattenfirma will, was fĂŒr die Tour oder fĂŒr irgendetwas anderes anliegt. Wir machen als Mono Inc. unser eigenes Management, stĂ€ndig mĂŒssen Sachen aus unserem eigenen Umfeld entschieden werden, wie zum Beispiel auch, wer gerade ein Interview machen kann. Eben all die Sachen, die tagtĂ€glich um uns herum sind. Wenn wir dann den „BĂŒroteil“ hinter uns haben, trifft man sich entweder bei Martin, bei mir oder in der Stadt, bespricht Dinge und schickt sich Titel hin und her. Dann werden Ideen zusammengetragen, wie man es vielleicht auch live umsetzen kann. Es gibt so viele Dinge um den Mikrokosmos Mono Inc. herum. Wenn man sich fragt, wo der Tag geblieben ist, dann weiß man das meistens gar nicht. (lacht) Das liegt auch daran, weil wir jetzt jedes Jahr eine neue Platte herausgebracht haben. Ein neues Album hat einen Vorlauf von 3 Monaten und etwa einen Nachhall von einem Monat was Interviews und Entscheidungen angeht und dann will die Plattenfirma oder der Vertrieb noch diesen oder jenen Bonustrack haben
 Einer muss nach Berlin oder Hamburg zum Videodreh, der andere fĂ€hrt zum Interview. (lacht) also zusammengefasst: Eine Antwort auf deine kurze Frage. Es gibt keinen typischen Mono Inc. Arbeitsalltag. Jeder Tag ist abwechslungsreich und immer anders.
Sind wir jedoch auf Tour, sieht das ganz anders aus. Da gibt es einen geregelten Arbeitsalltag. Da steht man am Vormittag auf und frĂŒhstĂŒckt. Erledigt dann die wichtigsten Dinge wie z.B. Facebook, denn auch wenn man sich da etwas zurĂŒckhĂ€lt, ganz raushalten geht nicht. Dann macht man meist Mittagsruhe und so richtig beginnt der Tag dann erst ab dem Soundcheck. Abends folgt der eigentliche Showteil und danach noch das Treffen mit den Fans und spĂ€ter fĂ€llt man tot ins Bett und am nĂ€chsten Tag geht’s weiter. (lacht) Das spannendste an diesem „Beruf“ ist, dass eigentlich kein Tag dem anderen gleicht.


?Man merkt auf euren Konzerten, dass ihr tierisch viel Spaß an der Musik habt und euch auch untereinander richtig gut versteht. Wie wird man so ein eingespieltes Team?

Wir sind alle schon ziemlich lange zusammen und haben uns auch sehr frĂŒh die Ziele von Mono Inc. festgesteckt. Es ist ein relativ harmonisches Miteinander, weil jeder den anderen respektiert. Wir sind ja auch nicht mehr ganz blutjung und gehen gelassener mit den Kollegen um und wenn man sich seit quasi 10 Jahren kennt -Katha ist jetzt seit 2007, also auch schon seit 8 Jahren dabei-, dann hat man sich schon so aneinander gewöhnt und kennengelernt, dass sich keiner so verhĂ€lt, dass es die anderen total nerven wĂŒrde. Man versteht sich, man respektiert sich, man kennt die Eigenheiten
 ganz wie in einer Beziehung. Ich brauche unterwegs Harmonie, das Wir-GefĂŒhl, sonst dreht man durch. Wir haben viel Spaß auf der BĂŒhne, nicht nur durch die Musik, sondern auch die Reflexion durch das Publikum spielt da eine entscheidende Rolle.

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Welche Erwartungen habt ihr selbst an „Terlingua“?

NatĂŒrlich erstmal gar keine. Da musst man die Frage schon anders formulieren/interpretieren, also anhand einer Erfolgsskala oder ob es ein Meilenstein werden soll. Die Musiker in uns haben ja dieses Album gemacht und finden dieses Album so toll und stark, dass wir frei davon sind, ob es auch anderen gefĂ€llt. Wir versuchen nicht die Musik danach auszurichten was Fans sagen oder was Facebook sagt, denn dann bist du gefangen in deiner eigenen Umklammerung.
Also die Erwartung ist, dass es uns gefĂ€llt, es muss uns glĂŒcklich machen und idealer Weise sind dann da draußen vielleicht ein paar Leute, die das Ganze auch mögen. Denn es ist fĂŒr den Fortbestand einer Band viel wichtiger, mit dem glĂŒcklich zu sein, was du hast, weil man es sowieso nicht schafft, die Bestrebungen und Erwartungen von allen Parteien (Plattenfirmen etc.) gleichermaßen zu erfĂŒllen. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass unsere Platten einigen Leuten gefallen haben und die letzten Platten sind immer höher in den Charts platziert, aber wenn es dieses Mal keine Platzierung geben wĂŒrde, dann wĂ€re es auch okay und es ist fĂŒr uns trotzdem noch immer eine gute Platte.
Ein neues Album ist nur ein wichtiges Element im Leben einer Band, neben vielen anderen Dingen. Wichtiger ist es live zu spielen. Ein neues Album ist zwar ein neuer Meilenstein, aber ob 20.000 oder 50.000 davon verkauft werden, das merkt man als Musiker nicht. Die Einzigen, die dies interessiert sind die Plattenfirmen und der Vertrieb. Die feiern das richtig. Die letzten Alben sind die erfolgreichsten von Mono Inc., aber die beiden ersten Alben haben wir genauso lieb. Als wir unsere erste Chartplatzierung hatten, schauten Martin und ich uns an und stellten uns die Frage: „Und nun? Was ist jetzt anders?“ Wir fanden schnell eine Antwort und die lautete: es Ă€ndert sich nichts. Wichtig fĂŒr uns ist es, dass wir Musik machen können. Das macht keinen Unterschied letztendlich.
Was man jedoch merkt ist die Akzeptanz des Publikums bei Konzerten, da hat man ein direktes Feedback. Gestern Abend (Stadthalle Attendorn Anm. d. R.) zum Beispiel hatten wir eine UrauffĂŒhrung vom neuen Album Terlingua und haben zwei neue Lieder gespielt und die sind monstermĂ€ĂŸig angekommen. Und das ist ein schönes GefĂŒhl, du spielst einen neuen Titel und die Leute feiern einfach nur ab als ob man Voices of Doom spielt oder andere Evergreens. Da ist ein neuer Sound, neue Optik, einfach das texanische LebensgefĂŒhl. Ich freue mich schon darauf mit meinem neuen Cowboyhut rumzulaufen. Nicht, dass ich jetzt ein Cowboy bin, sondern es ist einfach aus dem entstanden, was wir in Terlingua erleben durften.?


Heute, am 01.05.2015 um 00:00 Uhr, erschien ja eure erste Singleauskopplung. Es ist der Song Tag X. Wieso habt ihr speziell diesen Song als Auskopplung gewĂ€hlt? Was bedeutet „Tag X“?

Der Tag X ist ein freundlich gemeinter, erhobener Zeigefinger, das Hier und Jetzt bestmöglich zu gestalten und zu genießen. Man sollte sich fragen, ob man gut zu seiner Umgebung und zur Familie ist. Hat man dem besten Freund gesagt, dass man ihn schĂ€tzt oder der Frau, dass man sie liebt oder die Mutter angerufen und gesagt, ich denke an dich. Das alles macht man viel zu selten. Man lĂ€sst sich treiben von den TagesaktivitĂ€ten und wenn man nicht aufpasst, dann nimmt man seine Arbeit und Emails mit nach Hause, ist immerzu erreichbar und naja, man weiß selbst, wie das Leben so ist

Das ist auch so ein Punkt, der aus der Weite und Ruhe in Terlingua entstanden ist. Dadurch haben wir jetzt ganz andere Schwerpunkte, wir waren dort mit ganz anderen Vorzeichen, wir hatten Benzin oder Treibstoff fĂŒr wenig Geld in HĂŒlle und FĂŒlle, aber Wasser war Mangelware. Man hatte eine andere Sicht auf die Dinge, es ist dort halt alles nicht so selbstverstĂ€ndlich.
Der Refrain des Songs bringt den Gedanken auf den Punkt: „Hast du geliebt, hast du gelebt, wenn es heute zu Ende geht.“ Die Entscheidung fĂŒr diesen Song ist eine Radiopromotion, Entscheidung der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, alle möglichen Leute spucken in die Suppe, in unserem gesamten Team wurde eine interne Befragung gemacht, Familien, Fotografen und alle die etwas mit uns zu tun haben wurden befragt und da hat Tag X unter allen 22 Songs am besten abgeschnitten. Wir als Band haben gar nicht mehr das GespĂŒr dafĂŒr, was ein richtiger Song fĂŒr eine Single ist. Die Entscheidung ist dann eine Businessentscheidung und wir haben uns nicht dagegen gestrĂ€ubt, denn wir finden ihn gut und warum soll er dann auch keine Single sein? Die einzige Überlegung die wir als Band gemacht haben ist, ob wir einen deutschsprachigen oder einen englischen Song als erstes rausbringen. Wir wollten ursprĂŒnglich Never-Ending Love Song, aber wenn unsere Plattenfirma sagt, es wird Tag X, dann ist das auch okay.

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Welches ist fĂŒr euch jeweils das persönliche Lieblingslied auf dem Album?

FĂŒr Martin ist es eigentlich der Song Heiland, aber ihm gefallen eigentlich alle total, da er auch der Produzent ist und die Lieder von Anfang bis Ende betreut. FĂŒr Katha ist es das Lied Die Noten meines Lebens. Das ist natĂŒrlich auch tagesaktuell unterschiedlich, wir lieben alle unsere Songs, sonst wĂ€ren sie ja auch nicht auf dem Album. FĂŒr mich, heutiger Stand am 01.05.2015, ist es der Song 118 – unser Highway! Wir standen in Terlingua fĂŒnf Minuten auf der Straße und es kam kein Auto, Mensch, LKW, Ameise oder Fahrrad. Bei Manuel ist es hingegen nach wie vor der Song Never-Ending Love Song.?


Welche PlĂ€ne habt ihr bezĂŒglich Tourneedaten und fĂŒr die Zukunft allgemein?

Ich kann und darf dir nur so viel verraten, dass ab November eine Tour geplant ist, aber nÀhere Termine können aufgrund der Bestimmungen noch nicht bekannt gegeben werden. Hier noch ein paar aktuelle und bestÀtigte Daten:

01.05. 2015 Hexentanz-Festival

15.05.2015 WalsbĂŒll Open Air

21.05.2015 Album Release Party, Hamburg – Queen Calavera

24.05.2015 Wave Gotik Treffen – Agra Halle

13.06.2015 Blackfield Festival

20.06.2015 Feuertanz Festival – Burg Abendberg

09.08.2015 M’era Luna Festival – Flugplatz Hildesheim

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Vielen Dank fĂŒr dieses sehr offene Interview, bitte macht weiter so und grĂŒĂŸ mir auch den Rest der Band!

Das Interview mit Carl Fornia (Mono Inc.) fĂŒhrte Claudia Marquardt am 01.05.2015.

Die Promofotos stammen von Sebastian Schmidt.

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