TWIN NOIR – Chapter 3

Twin Noir - Chapter 3
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Lesedauer: 3 Minuten
Unsere Wertung
9 / 10

Alle wollen fliegen. Alle wollen fliegen. Alle wollen fliegen. Doch keiner hat Flügel.

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Ganz ehrlich: Diese Zeilen werden vielen Musikhörerinnen und -hörern, die Post-Punk und Gothrock mögen, für lange Zeit nicht mehr aus dem Kopf gehen, so sie an dieses nun hier vorgestellte Album gelangen. Zwischen vielen potenziellen Club- und Bühnen-Hits auf Twin Noirs drittem Album „Chapter 3“ ist „Fliegen“ wohl der größte. Im Intro flirren atmosphärische Synthies, die schon erahnen lassen, was wenige Sekunden später als Klanglawine losrollt: Die Drums klatschen mit irrem Drive, das Gitarrenriff kommt messerscharf, der minimalistisch-monoton gehaltene Text bleibt haften wie Sekundenkleber. Liebe Editors-Fans der ersten Stunde, die Stücke wie „Blood“, „Munich“ oder „The Racing Rats“ bei Tom Smith & Co. seit mehreren Platten schmerzlich vermissen: Das müsste Euer Ding sein!

Twin Noir, bestehend aus Cody Barcelona (Stimme, Elektronik, Gitarre), Ian Volt (Stimme, Bass) und dem neuen dritten Mitglied Lina Avair (laut Mitteilung zuständig für den „operativen Bereich und kreative Impulse„), sind aber wahrlich kein One-Hit-Wonder. „Chapter 3“ bietet ganz viel Stoff, um auf der Tanzfläche des Szene-Clubs oder vor der Bühne beim nächsten Konzert komplett auszuticken. Man hat es als Musikjournalist ja häufig mit maßlosen Übertreibungen und blumigen Euphemismen zu tun – das in der Presse-Promo erwähnte Attribute-Trio „Dunkel, treibend und kompromisslos tanzbar“ trifft hier aber voll ins Schwarze.


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Ob „Luft für dich“, „Stimmen“, „Brille schwer“ oder das teils auf Englisch gehaltene „Abriss & Desire“ – alles supereingängige, schnörkellose Songs mit Ohrwurm-Riffs und -Refrains – in der Qualität und in ähnlichem Stil bekommen das in den vergangenen zehn Jahren wohl lediglich Then Comes Silence hin.

Twin Noir machen aber dankenswerterweise nicht den Fehler, zehn Mal den gleichen Song auf Vinyl zu pressen. „Ausfahrt“ hätte mit seinen arg im Stile der 80er genutzten Vocal-Effekte und Synthies wohl auch in der Hochzeit der NDW funktioniert – der prominent eingesetzte Sequenzerloop in den ersten 40 Sekunden stützt dann auch die Angabe im Promo-Text, dass DAF ein wichtiger Einfluss für die Berliner sind. In der jüngeren Vergangenheit waren Cody und Ian auch schon Support von Robert Görl, werden dies Mitte März bei einer weiteren Show in Oberhausen erneut tun (Dates siehe unten). Auch bei „Dark Love“ dominiert die Elektronik, eine liebliche Synthie-Melodie geht wieder sofort und dort auch nicht mehr so schnell hinaus.  „Hinterste Ecke“ wird erst nach einem gut zweieinhalbminütigen Aufbau so richtig von der Leine gelassen und sorgt mit pluckernden Electronica-Intro und industriell pumpenden Mittelteil für weitere Abwechslung.

TWIN NOIR veröffentlichen „Niemals Nie“ mit Mark Reeder und schlagen die Brücke zu „Chapter III“, das heute erscheint

Etwas zurückhaltender als die anderen Stücke ist „Niemals nie“, eine im frühen Postpunk verwurzelte Kollaboration mit der West-Berliner Elektronik-, Punk- und Wave-Ikone Mark Reeder. Diesen lernte die Band bei ihrem ersten Auftritt in der Hauptstadt kennen – ein Kumpel hatte Reeder ohne deren Wissen zum Konzert eingeladen, der sofort begeistert war.

Begeisterung ist dann auch der passende Begriff für das Gefühl, das nach gut 36 Minuten zurückbleibt. Zehn Songs, kein Ausfall. Pure Energie im Instrumentalen, grandiose Riffs und Synths, unterhaltsam lakonische Lyrics. Ein Beispiel: „Er ist eh ein Arsch …er hängt nur in der Kneipe rum, arbeitete bei Kaffee Hag, er war immer wieder im Knast und hat Stimmen gehört, hat Stimmen gehört“ . So texten Twin Noir Refrains. Ungewöhnlich, aber saugut.

Im Jahresverlauf spielen Twin Noir zahlreiche Clubshows. Ein Auftritt ragt aber aus dem Kalender heraus: Erstmals sind die Berliner Ende Juli beim Kölner Amphi Festival dabei. Vielleicht DIE Chance vor vielen Tausenden Fans, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen – zu gönnen wäre es der Band.

TWIN NOIR - Luft für dich (Official Video)

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TWIN NOIR Live 2026:

28.02.2026 Bremen, Lila Eule (+ Kurschatten)
13.03.2026 Übach-Palenberg, Rockfabrik (+ Ruebi, Ex-PTB)
14.03.2026 Oberhausen, Kulttempel (Support für DAF)
08.04.2026 Karlsruhe, Die Stadtmitte (+ Nite)
09.04.2026 Rüsselsheim, Das Rind (+ Ruebi, Ex-PTB)
10.04.2026 Jena, Rosenkeller (+ Ruebi, Ex-PTB)
11.04.2026 Trier, Mergener Hof (+ Ruebi + Venin Carmin)
25.07.2026 Köln, Amphi Festival 2026
23.10.2026 Hamburg, Hafenklang
27.11.2026 Essen, Grend

Weblinks TWIN NOIR:

Webseite: twinnoir.com
Facebook:  twinnoirofficial
Instagram:  twinnoir
Bandcamp: Bandcamp
YouTube: @twinnoirofficial


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