Lesedauer: 4 Minuten
Lesedauer: 4 MinutenDie Europa-Tour zum aktuellen Album „Night Light“ können White Lies als großen Erfolg verbuchen. 25 Konzerte spielten Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown im UK, in Irland sowie auf dem Festland, gut drei Viertel davon waren restlos ausverkauft. Für den viertletzten Termin in der Kölner Live Music Hall gingen an der Abendkasse die letzten Tickets über den Tresen. Die Traditionslocation im vor kleinen Konzertclubs strotzenden Stadtteil Ehrenfeld war entsprechend bis in die letzte Reihe gefüllt. Die Fans waren gespannt, wie viele Songs der insgesamt siebten White-Lies-LP es ins Set schaffen würden – kommt die neue Platte doch mit einigen eher ungewohnten 70er-Jahre-Prog-&Krautrock-Einflüssen daher und erweitert die vom Trio gewohnte Soundpalette um neue akustische Farbtupfer.
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Zunächst aber waren She’s In Parties an der Reihe. Dass der gleichnamige Bauhaus-Song von 1983 für den Bandnamen Pate stand, ist zu erahnen. Melancholie ist beim Quartett um Sängerin Katie Dillon tatsächlich ein wichtiger Faktor. Die Band aus Colchester, England, steht für einen Sound, der hörbar in den 80er-Jahren verwurzelt ist, stellenweise auf Einflüsse aus der Shoegaze-Ecke zurückgreift. In ihrer Bio auf Bandcamp werden Slowdive, Cocteau Twins und The Cure als Einflüsse genannt – das hört man auch. Noch stehen She’s In Parties am Anfang ihrer Karriere, ein vollwertiges Studioalbum gibt es bis dato nicht. Drei EPs, zuletzt Are Your Dreaming?“ im November 2025, wurden nebst einigen Singles seit der Gründung vor gut fünf Jahren veröffentlicht.
Auf die Ohren gab es einen guten Querschnitt aus eben jenen Releases. Neben ihren recht stoisch spielenden Bandkollegen fiel Katie Dillon direkt mit ihrer motivierten, sympathischen, quietschfidelen Art auf. Sie hüpfte im Takt zur Musik umher, schenkte Fans wie Bandkollegen immer wieder ein strahlendes Lächeln und schien großen Spaß an dem zu haben, was sie da gerade tut. Ihr recht lieblicher Gesang vermochte gerade zu überzeugen, sofern sie sich nicht gerade an langgezogenen Tönen versuchte – da wackelte die Stimme doch hier und da hörbar. Musikalisch war das Gebotene zwischen Indie-Rock, Wave, Dreampop und Shoegaze absolut solide gut, eine perfekt zum Hauptact des Abends passende Wahl. Vielleicht am treffendsten als poppigere Alternative zu My Bloody Valentine zu klassifizieren. Nach ihrer Performance, die gefühlt von Song zu Song immer lauter vom Publikum rezipiert wurde, obwohl Dillons Gitarre sich nach „The Times“ verabschiedete, waren She’s in Parties auch am Merch-Desk zu finden und rundeten ihren sympathischen Eindruck ab.
Setlist SHE’S IN PARTIES @ Köln, Live Music Hall (24.02.2026)
- Fallen
- Are You Dreaming
- The Man
- Same Old Story
- The Times
- L Word
- R.E.M.
- Velveteen
Apropos Merch-Desk: Es ist ein leidiges Thema geworden. Man fühlt sich als Fan wirklich nur noch geschröpft. Mittlerweile verlangen selbst White Lies unverschämte 45 Euro für ein Bandshirt. Auf das – wie kreativ – das Bandlogo in weiß auf schwarz und hinten drauf ein paar Tourdaten gedruckt wurden. Nee, sorry, das lassen wir dann mal. Konzentrieren wir uns besser auf die musikalische Performance, denn an dieser gab es bei fantastischer Akustik genau gar nichts auszusetzen.
„Wir haben ein richtig langes Set für Euch vorbereitet und spielen aus jeder Phase unserer Karriere ein bisschen was, damit ihr hoffentlich alle Songs hören könnt, die Ihr wollt“ , versprach Sänger Harry McVeigh nach dem Opener „All The Best“. Und was soll man sagen: Er hielt Wort. Kein Album wurde komplett ignoriert, es gab die wichtigsten Hits, aber auch einige Raritäten aus nun 17 Jahren Geschichte. 2009 war es, als die Debüt-LP „To Lose My Life …“ in Indie-Kreisen wie eine Bombe einschlug. Was nicht zuletzt an dem unfassbar treibenden „Farewell To The Fairground“ liegt, eine Single, die wie kaum eine andere alle Stärken der White Lies zusammenbringt: Tanzbarkeit, Harmonie, Gefühle, aber auch Druck und große Melodien. Dem treibenden Drum-Intro geschuldet, verlor selbst der Sanitäter rechts vorne am Bühnengraben kurz die Selbstkontrolle und tanzte motiviert durch den abgesperrten Bereich. Ein Bild für die Götter.
Die allermeisten Fans dürften dies nicht mitbekommen haben und starrten nachvollziehbarerweise bevorzugt auf die Bühne. Diese war recht spartanisch, aber funktional eingerichtet, mit vier großen Boxen, die in verschiedenen Farben angestrahlt wurden, was je nach Song die jeweils passende Atmosphäre kreierte. Und für das Setzen verschiedener Atmosphären eignet sich die Diskografie des Trios, live verstärkt durch Keyboarder Tommy Bowen, ja ohnehin. „There Goes Our Love Again“ mit melancholischem Postpunk, „Hurt My Heart“ mit dröhnendem Breitwand-Electro-Rock, „Is My Love Enough?“ mit sexy Disco-Pärchentanz-Rhythmus oder das eher elegisch-epische Sieben-Minuten-Stück „Time To Give“: An Abwechslung mangelte es hier sicher nicht.
Mit einigen länger nicht mehr gespielten Raritäten konnte McVeigh & Co. überraschen. „Price Of Love“ fand letztmals 2019 den Weg ins Set, auch auf „Don’t Want To Feel It All“ vom nun zehn Jahre alten Album „Friends“ mussten Fans in der jüngeren Vergangenheit meist verzichten. Die Hits? Allesamt dabei. Natürlich, daran hat sich in 17 Jahren nichts geändert, wird bei einigen ganz bestimmten Stücken am lautesten mitgesungen. Auf „To Lose My Life…“, „Big TV“ und „Bigger Than Us“ können White Lies einfach nicht verzichten. Letzteres läuft, durchaus überraschend, auf dieser Tour als letzter Song des Haupt-Sets und nicht wie gewohnt ganz am Ende eines Konzerts. Die lauten Reaktionen brachten Frontmann Harry zunehmend zum Strahlen. „Ich habe gehört, dass die Show heute ausverkauft ist. Das ist, an diesem Punkt unserer Karriere einfach Wahnsinn und eine große Freude“ , sagte er – und man wollte es ihm auch wirklich glauben.
Als sich das Quartett nach 85 Minuten erstmals verabschiedete, starteten einige Fans vor der Bühne einen Fangesang: „Keep on running, keep, keep on running … there’s no place like home, there’s no place like home…“ – die Schlüsselzeile aus „Farewell To The Fairground“ schallte lautstark aus immer mehr Kehlen durch die Live Music Hall. Da ließen sich White Lies natürlich nicht lange bitten und gaben drei weitere Stücke zum Besten. Der Titelsong der aktuellen LP „Night Light“ ist eines dieser Lieder, die Zeit brauchen, weil sie eben nicht nach Strophe-Refrain-Schema funktionieren. Wer da ein wenig hineininvestiert, wird aber belohnt – hinten raus entwickelt sich das Stück zur prächtigen Hymne. Beim Klassiker „Death“ konnte alle nochmal kräftig mitsingen und tanzen, bevor das eher zurückhaltende „In The Middle“ diesen großartigen Konzertabend nach 100 Minuten Spieldauer beschloss. „Ich weiß nicht, wann wir das erste Mal hier waren – es müsste wohl so um 2008 herum gewesen sein. Aber es ist immer wunderschön hier und wir wollen bald wiederkommen“ , versprach Harry McVeigh und ließ das Publikum danach beseelt zurück. Auch wenn die Alben der White Lies nicht immer durchgehend gelungen sind und sich immer mal wieder uninspiriertere Stücke auf diesen befinden: Live ist und bleibt diese Band eine Macht!
Setlist WHITE LIES @ Köln, Live Music Hall (24.02.2026)
- All The Best
- Farewell To The Fairground
- There Goes Our Love Again
- Hurt My Heart
- My Lover
- Don’t Want To Feel It All
- Is My Love Enough?
- Keep Up
- Tokyo
- Time To Give
- Juice
- Price Of Love
- I Don’t Want To Go To Mars
- Big TV
- To Lose My Life…
- Bigger Than Us
- Night Light (Z)
- Death (Z)
- In The Middle (Z)
Weblinks WHITE LIES:
Homepage: whitelies.com
Facebook: whitelies
Instagram: whiteliesofficial
Weblinks SHE’S IN PARTIES:
Facebook: www.facebook.com/profile.php?id=100083289026947#
Instagram: www.instagram.com/shesinparties__
Bandcamp: shesinpartiesmusic.bandcamp.com
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