Lesedauer: 17 Minuten
Lesedauer: 17 MinutenDass die Architects derzeit zu den gefragtesten Live-Acts zählen, wurde bereits im Vorfeld deutlich: Die Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle war weit im Voraus restlos ausverkauft, 7.500 Metalheads strömten also an diesem Samstagabend in die angenehm temperierte Location. Zuletzt noch als Special Guest mit Linkin Park unterwegs, stand nun wieder ein eigener Triumphzug auf dem Programm. Während aus den Lautsprechern Songs von Nine Inch Nails, Deftones und Limp Bizkit die Wartezeit verkürzten, stieg die Vorfreude in der Halle unaufhaltsam an.
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Die Briten haben ein Talent, ihre Abende nicht nur mitreißend, sondern auch sorgfältig zu kuratieren. Schon in der Vergangenheit bewiesen sie ein feines Gespür für hochkarätige Supports – 2023 mit Sleep Token und Northlane, 2024 unter anderem mit Spiritbox. Diesmal war es an House of Protection und Wage War, den Abend stimmungsvoll zu eröffnen, ehe die Architects selbst das Ruder übernahmen.
Den Anfang machten House of Protection, ein Duo, das 2022 aus den Reihen von Fever 333 hervorging und sich seitdem mit Nachdruck einen eigenen Namen erspielt hat. Ihr Sound bewegt sich zwischen Alternative Rock, Post-Hardcore und modernen Electro-Elementen – kompromisslos und doch hymnisch. Mit ihrer Debüt-EP „Galore“ (2024), produziert von Jordan Fish, legten sie das Fundament, auf dem nur wenige Monate später bereits der Nachfolger „Outrun You All“ folgte. Innerhalb kürzester Zeit ging es für die beiden steil bergauf. Auftritte bei Rock am Ring und Rock im Park machten sie hierzulande bekannt und katapultierten das Duo endgültig ins Gespräch.
Als letztes Stück vor ihrem Auftritt erklang Belinda Carlisles Klassiker „Heaven Is a Place on Earth“ – schon zeigte sich, wie ausgelassen die Laune der Fans war. Stimmen wurden warmgesungen und erste Tanzbewegungen setzten ein, ehe eine eindringliche Ansage auf den Opener vorbereitete:
„Wir beschützen einander und heben uns gegenseitig auf. Koste es, was es wolle. Wir werden etwas erschaffen, das in dieser Form niemals wieder erlebt werden kann. Das hier wird nur uns gehören – und nur uns alleine. Tritt vor, mach mit und genieße, was auch immer als nächstes kommt.“
Stephen Harrison und Aric Improta stürmten auf die Bühne. „We’re House of Protection from California and we need a moshpit right here!“ – mit diesen Worten legten sie die Marschrichtung für ihr Set fest. Gleich zum Opener „Pulling Teeth“ wirbelte Stephen, ganz in Weiß gekleidet, über die Bühne und ließ seinen Kopf ungestüm kreisen, während Aric oberkörperfrei mit unbändiger Energie auf die Drums eindrosch. Der Song lebt von kompromissloser Wucht: harte Riffs, pulsierender Drive und eine Direktheit, die das Publikum sofort in Bewegung versetzte.
Ohne Pause folgte „Learn to Forget“. Stephen begab sich direkt in die Menge, verschwand mitten im Pulk und zündete den ersten Circle Pit des Abends, der ihn wie ein Wirbelsturm umkreiste. Mit „Being One“ nahm die Dynamik eine unerwartete Wendung: Stephen bat die Menge, das Moshen kurz einzustellen. Also verwandelte sich der Saal in ein Lichtermeer erhobener Smartphones. Aric nutzte den Moment für ein knackiges Drumsolo, während die ersten Crowdsurfer ihre Reise über die Köpfe der Fans antraten. Unbeirrt kämpfte sich Stephen singend durch die Menge, als wäre die Grenze zwischen Bühne und Publikum endgültig aufgehoben.
„I need people over the barricade. Crowd-surf to me! Hands up, hands up!“ – mit dieser Ansage steigerte Stephen die Intensität weiter, bevor „Fuse“ gezündet wurde. Aric stürmte kurzerhand nach vorn und performte seinen Part direkt an der Bühnenkante, während die Menge jubelnd reagierte. Der Track zeichnete sich durch explosive Rhythmen und unbändige Dynamik aus – ein Song, der wie ein Funke wirkte und sofort übersprang. Euphorisch riss Aric seine Hi-Hat in die Höhe und ließ sich von der Crowd feiern, bevor es mit „Godspeed“ nahtlos weiterging. Hier übernahm ein anderer Schlagzeuger den Part an den Drums, während Aric hüpfend über die Bühne fegte und Stephen gesanglich voller Eifer unterstützte. Schließlich nahm er Anlauf und setzte zu einem riesigen Sprung an, der vom Publikum gefeiert wurde.
„How are you feeling? I wanna dedicate this next song to Wage War. They’re fucking awesome. This song is called ‚Fire‘ – it’s fun, all you got to do is jump. Are we alive?“ Und schon setzte die erste Zeile ein: „You know what’s your desire? – Jump, jump, jump – fire!“ Kaum verklungen, brach pure Ekstase los. In seiner Machart und klanglich erinnerte das Stück durchaus an The Prodigy: treibend, elektronisch aufgeladen, mit einer Energie, die sofort überschwappte. Stephen legte seine Gitarre beiseite und drehte frei, während Aric plötzlich herbeistürmte und mal eben einen Rückwärtssalto hinlegte. In diesem Moment lösten sich alle Grenzen – House of Protection verfielen in Ekstase, Stephen wirbelte sein Instrument mehrfach um den Körper, und die Menge ließ sich bereitwillig von diesem Rausch mitreißen.
Bevor der letzte Song anstand, wandte sich Stephen noch einmal ans Publikum. Er erzählte, dass er schon immer der größte Fan der Architects gewesen sei – ein Geständnis, das ihm in dieser Halle viele Sympathien einbrachte. Dann kündigte er den Closer „It’s Supposed to Hurt“ an: „I need more than one circle pit. My people in the middle and over here. What are we doing? Open it up and motherfucker circle. Unite and have some fucking fun.“ Die Halle folgte wie bestellt. Aric schnappte sich unterdessen ein Shirt und schwenkte es von links nach rechts – tausende Arme taten es ihm nach und verwandelten den Moment in ein Bild kollektiver Energie. Der Song selbst lebte von roher Wucht: dichte Riffs, treibende Beats und ein Refrain, der sich wie ein Mantra in die Menge bohrte. Nach knackigen 30 Minuten bedankte sich Stephen überschwänglich: „You guys are fucking awesome – thank you so much for your energy. Wage War is up next. Have fun, be safe. Love you guys.“
In der kurzen Spielzeit bot das Duo eine beeindruckende Show, die nicht nur durch Energie, sondern auch durch Authentizität überzeugte. Ein kleiner Wermutstropfen blieb allerdings: Gerade bei Stephen geriet der Live-Gesang stellenweise etwas in den Hintergrund, da die Backing-Spuren vom Band sehr dominant waren. Mit etwas mehr Fokus auf die pure Stimme könnte House of Protection ihre Intensität künftig noch stärker zur Geltung bringen. Ansonsten war ihre Darbietung top und hinterließ ein Publikum, das bestens aufgeheizt für den nächsten Act war.
Setlist HOUSE OF PROTECTION – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (04.10.2025):
- Pulling Teeth
- Learn To Forget
- Being One
- Fuse
- Godspeed
- Fire
- It’s Supposed To Hurt
Weblinks HOUSE OF PROTECTION:
Webseite: www.houseofprotectionmusic.com/
Facebook: @houseofprotectionmusic
Instagram: @house_of_protection
Weiter ging es mit Wage War. Die US-Amerikaner aus Ocala, Florida, können bereits auf sechs Studioalben zurückblicken und zählen längst zu den festen Größen im modernen Metalcore. Musikalisch bewegen sie sich zwischen wuchtigen Breakdowns, melodischen Refrains und einer packenden Live-Energie – und genau die entfachten sie auch an diesem Abend mit voller Kraft.
Für ihre Show hatten Wage War eine eigene Lightshow mitgebracht: Der Hintergrund war eindrucksvoll erleuchtet, die Atmosphäre intensiv, doch die Gesichter der Musiker blieben über weite Strecken nur schemenhaft zu erkennen. Schade, denn dadurch ging ein Teil der visuellen Präsenz verloren. Klanglich legten Wage War jedoch ohne Umschweife los und setzten gleich mit „Tombstone“ ein markantes Ausrufezeichen. Brutale Riffs, druckvolle Drums und ein Frontmann, der die Menge sofort im Griff hatte, machten klar: Hier ging es kompromisslos zur Sache.
Zu „Nail5“ schnellten die Horns der Fans in die Höhe. Briton Bond feuerte die Menge mit aggressivem Sprechgesang an und unterstrich die Wucht des Stücks mit einer eindeutigen Geste – der Handkante am Hals, als würde er einen Schnitt andeuten. Mit „Godspeed“ folgte ein deutlicher Kontrast: melodischer, hymnischer, getragen von Cody Quistads Stimme, der sich nun gesanglich mit Briton abwechselte. Welch ein eingängiges Brett! „How are you feeling out there? Sing along if you know the words. The song is called ‚Low‘.“ – mit dieser Ansage startete einer der absoluten Fan-Favoriten. Ein dreckiges Blegh leitete den Song ein, bevor sich der druckvolle Sound über die Halle legte. Spätestens hier begann auch das Warm-up für die Securities, die nun im Minutentakt Crowdsurfer aus dem Graben zogen. Beachtlich war, wie viele Fans den Text kannten und ihn aus voller Kehle mitsangen.
„I love what I’m seeing tonight, Düsseldorf. Thank you so much for coming out. What I wanna see right now is those hands in the air. Everybody in the room. Hands up. Let’s go.“ – zu „Circle the Drain“ verwandelte sich die Mitsubishi Electric Halle in ein Meer erhobener Arme. Cody Quistads sanfte Stimme trug die Crowd, und im Takt schwang die Menge beglückt mit. Der traumhaft schöne Song ging unter die Haut – eine melancholische Hymne, die von innerem Schmerz erzählt und gleichzeitig wie eine tröstende Umarmung wirkt. Mit „Stitch“ kehrte die volle Vehemenz schlagartig zurück. Ein spitzer Schrei durchschnitt die Menge, und mit einem ekstatischen „Oh yeah, Baby!“ sangen die Fans – allen voran die Mädels direkt hinter mir (meine Ohren klingeln noch immer bei der Erinnerung) – jede einzelne Zeile mit. Ein vernichtender Growl fegte durch die Halle, abgelöst von fliegenden Haaren in den Moshpits.
„If you came to sing – this song is for you. Thanks for all the love, this one is called ‚Blur‘.“ Und natürlich stimmte die Menge engagiert in den Refrain ein: „Feels like it’s all a blur. It’s only getting worse and I know it’s killing me.“ Der Song bündelte das Wechselspiel von Wucht und Melodie, das Wage War so auszeichnet – ein Track, der trotz düsterer Zeilen seine mitreißende Kraft entfaltet.
„Alright, alright – who out there is seeing Wage War for the very first time? Oh wow – that’s almost all of you. But thank you for hanging out. Who’s been with Wage War since day one? Alright, we’re gonna take you back to the beginning. This is ‘The River’. Bang your heads, Düsseldorf! Can I get a hell yeah?“ – und dieses folgte auf dem Fuße, voller Inbrunst. Passend dazu entlud sich der Klassiker „The River“ roh, kompromisslos und voller ungestümer Energie. Im Vergleich zu neueren Songs wirkte der Titel kantiger, direkter und weniger elektronisch verfeinert – ein Stück, das die Wurzeln der Band unverfälscht widerspiegelte und die Crowd wie ein Sturm mitriss.
„This tour has been a blast. Thank you so much. Düsseldorf – let’s have some fun!“ – mit diesen Worten kündigten Wage War „Magnetic“ an. Nun waren die Securities endgültig im Dauereinsatz: Ein Körper nach dem anderen wälzte sich über die Menge nach vorn, sodass die Crew im Graben kaum hinterherkam, all die Crowdsurfer sicher über die Barriere zu heben. Auf der Bühne zeigte sich die komplette Band überaus präsent: Ständig wechselten die Musiker die Positionen, spielten sich gegenseitig die Energie zu und durchlebten gemeinsam jeden Song. Die Reaktionen waren entsprechend euphorisch – man konnte kaum glauben, dass es sich hier „nur“ um den Special Guest handelte.
Als letztes Stück setzten sie „Manic“ an – und damit auf eine deutlich elektronischere Note. Immer wieder schrie die Halle im Chor mit Briton das titelgebende „Manic!“ hinaus, während treibende Beats und ein brachialer Refrain die Atmosphäre zum Kochen brachten. Inhaltlich dreht sich der Song um den Kampf mit inneren Dämonen, um das Gefühl, den eigenen Gedanken ausgeliefert zu sein – live entlud sich diese Zerrissenheit als gewaltiger Ausbruch. „Manic“ steht exemplarisch für Wage Wars jüngere Ausrichtung: eine Mischung aus moderner Elektronik, unbändiger Energie und einer Dringlichkeit, die das Stück zum explosiven Finale machte.
Nach 40 kurzweiligen Minuten verabschiedete sich das Quintett unter frenetischem Jubel. Wage War hatten die Latte für den Hauptact hochgelegt – und die Halle war nun mehr als bereit für Architects.
Setlist WAGE WAR – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (04.10.2025):
- Tombstone
- Nail5
- Godspeed
- Low
- Circle The Drain
- Stitch
- Blur
- The River
- Magnetic
- Manic
Weblinks WAGE WAR:
Webseite: wagewarband.com/
Facebook: @wagewar
Instagram: @wagewar
Während der letzten der Umbaupause, untermalt u.a. von Linkin Park-Klassikern, stimmte das Publikum rundherum mit ein. Sofort kamen Erinnerungen an die Sommerkonzerte auf, bei denen die Briten als Special Guest in den Stadien Linkin Parks gespielt und ihre Fangemeinde noch einmal erweitert haben. Zwischen den Architects-Shirts blitzten immer wieder Linkin-Park-Shirts hervor – ein sichtbares Symbol für diese Verbindung. Mittlerweile lag ein Knistern in der Luft, die Spannung war greifbar.
Um 21:05 Uhr verdunkelte sich die Mitsubishi Electric Halle. Eine gewaltige Lightshow setzte ein – nicht nur der Bühnenrand leuchtete grell, auch im Hintergrund strahlten unzählige Spots auf und verwandelten die Halle in ein flirrendes Meer aus Scheinwerfern. Sam Carter betrat zunächst allein die riesige Bühne, genau in der Mitte, noch entfernt vom Rand, und setzte sanft zu den ersten Zeilen von „Elegy“ an: „I’ve done enough to figure out that nobody can take this feelin‘. I’m lookin‘ up, it’s clear now. I suffered but it gave me meaning…“ Allmählich gesellte sich der Rest der Band hinzu. Zum Ende des Refrains brach der Sturm los: Dan Searle drosch auf der Empore heftig auf seine Drums ein, Sam eilte nach vorn und entlud seine ganze Energie direkt vor der Menge, während Adam Christianson headbangte und der stimmstarke Chor aus 7.500 Kehlen einsetzte. Sam dirigierte das Publikum, das Wort für Wort mitsang – ein Auftakt, der unter die Haut ging.
„Elegy“ erzählt von Schmerz, inneren Dämonen und der Kraft, trotz allem wieder aufzustehen. Es geht um den Moment, an dem man fast zerbricht – und sich dann seine Würde zurückholt. Diese Mischung aus düsterer Thematik, kathartischer Energie und epischem Sound machte den Auftakt in Düsseldorf so überwältigend und ließ die Halle sofort erupieren.
Sam strahlte über das ganze Gesicht – doch viel Zeit zum Durchatmen blieb nicht, denn mit „Whiplash“ setzte die nächste Urgewalt ein. Gleich zu Beginn ging das gesamte Publikum geschlossen auf den Boden – nur um im nächsten Moment gemeinsam mit dem Fronter in die Höhe zu schnellen. Die Halle bebte, als tausende Kehlen die Zeilen „Is the world done fucking around? We bow to the crown, dripping in blood, lit under halos“ mitsangen. Gleichzeitig wirbelten mehrere Circle Pits auf, die sich wie tobende Strudel durch die Halle zogen. Zwischendurch schallte die beruhigende Stimme vom Band: „Everything is going to be fine“ – nur um direkt darauf von einem alles vernichtenden Growl hinweggefegt zu werden.
„Whiplash“ ist eine bitterböse Abrechnung mit Macht, Lügen und dem Gefühl, als junge Generation unter ständigem Druck zu stehen. Zwischen beißender Gesellschaftskritik und existenzieller Wut stellt der Refrain immer wieder die Frage: „Was I built for the whiplash?“ – Bin ich überhaupt gemacht für diesen Schlag, diese Härte des Lebens? Ein Song voller Anspannung und Wut, der sich live wie ein Orkan entlud. Nicht ohne Augenzwinkern: Beim Merch gab es den Spruch „I went to see Architects but all I got was whiplash“ – zu finden auf Stickern und Shirts. Nach diesem Song wusste man auch, warum.
Ohne Atempause ging es mit „When We Were Young“ weiter – ein Song, der mit seiner Mischung aus Eingängigkeit und Melancholie einen starken Kontrast zum wütenden „Whiplash“ setzte. Hier schwang weniger Zorn als vielmehr Nostalgie und das Gefühl verlorener Jugend mit. Die Halle sang aus voller Kehle mit, als wollte man die eigene Vergangenheit noch einmal kurz festhalten, bevor der nächste Schlag kam.
Sam war an diesem Abend prächtig gelaunt. Die Bühne war bis in die hinterste Ecke perfekt ausgeleuchtet, sodass man den Musikern jede Mimik vom Gesicht ablesen konnte – eine Intensität, die man so selten erlebt. Zudem fing eine Kamera sämtliche Live-Momente ein, die auch im Hintergrund auf der großen LED-Wand zu sehen waren. Der Sänger ließ es sich nicht nehmen, kleine Neckereien mit seinen Bandkollegen und Technikern einzubauen, ehe er grinsend forderte: „Oh motherfuckers! Open the pit!“ Parallel dazu tobte sich der Sänger selbst wie entfesselt aus, drehte sich um die eigene Achse und stachelte die Crowd immer weiter an. Riesiger Jubel belohnte die Band für ihre Darbietung, während laute „Architects!“-Rufe durch die Halle hallten – und Sam es sichtlich genoss, sich gebührend von den Fans feiern zu lassen.
„I mean, what are you saying? Dankeschön. Thank you so fucking much for being here. This is absolutely amazing. Seeing so many people here in a sold-out fucking show. So, we keep this moving? Let’s keep this vibe going. Every single one, jump up and down.“ – und schon sprang Sam wie entfesselt, schrie sich die Kehle aus dem Leib und die gesamte Halle folgte seiner Aufforderung. Mit „Black Lungs“ folgte eine wahre Urgewalt. Als sich der Song aufbäumte, fuhr der heftige Breakdown durch Mark und Bein – live wirkte er, als käme er straight from hell.

„Un-fucking-believable. How many people saw us the last time we played in this room?“ fragte Sam, und wir gehörten definitiv dazu – damals berichteten wir ebenfalls über diesen Abend. Er erinnerte er daran, dass er sich bei jenem Auftritt direkt am Anfang verletzt hatte: „Do you remember the fact, that about three or four songs in, I jumped a little bit too high and I really injured my leg. Do you remember that?“ (Tatsächlich passierte es bereits beim ersten Song, und wir alle hatten damals große Sorge, ob er den Abend überhaupt durchstehen würde. Noch während des Auftritts ließ er sein Bein abchecken. Als er humpelnd zurückkehrte und Entwarnung gab, ging ein Raunen durch die Menge.)
Heute wirkte Sam umso energiegeladener: „I have been thinking all day about how much energy I’ve got in me right now. And you know what? You’re giving me all the fucking energy I need to get this until eleven. So thank you so fucking much.“
Dann schlug die Stimmung erneut um: „How many people here have our new album ‚The Sun, The Sky and All Between?‘ Then be fucking loud to this one. This song is called ‚Curse‘.“ Unter großem Jubel zog Sam seine Jacke aus und offenbarte ein House-of-Protection-Tanktop – eine sympathische Geste in Richtung des Support-Acts.
Der Chor setzte wuchtig ein: „I give you my word. In the times I’ve had enough I still wish for the worst. As free as a bird, but the days keep crossing off. Heaven came with a curse.“ Gesanglich verlangte der Song Sam alles ab. Die schnellen Wechsel zwischen cleanen Parts, Screams, hochgestochenen, beinahe gerappten Passagen und brutalen Growls hätten jeden Sänger an die Grenzen gebracht – doch Sam ließ sich davon nicht bremsen. Energisch stapfte er über die Bühne, interagierte mit den Fans und legte all seine Kraft in diesen Auftritt hinein.
Mit „A Match Made in Heaven“ tauchten Architects tief in ihre Vergangenheit ein – und es wurde heavy as fuck. Growls reihten sich aneinander, ein Song wie ein Schlag in die Magengrube, bei dem all der Schmerz der Lyrics unmittelbar spürbar wurde. Die Halle bebte unter der Wucht der Breakdowns, während Sam Carter seine Stimme in ein Inferno verwandelte. Das Stück stammt aus einer Zeit, die von Schmerz und Verlust geprägt war: Am 20. August 2016 verstarb Gitarrist, Songwriter und Bandgründer Tom Searle im Alter von nur 28 Jahren nach dreijährigem Kampf gegen den Krebs. Ob der Song direkt für ihn geschrieben wurde, bleibt offen – doch in den Worten „You knew all along, that the cancer would spread / So don’t be surprised to find a price on your head“ kann man den Schmerz, die Wut und den Umgang mit diesem Verlust deutlich herauslesen.
Live entfaltete „A Match Made in Heaven“ eine kathartische Gewalt. Was auf Platte schon nach einer Abrechnung klingt, wirkte hier wie ein kollektiver Ausbruch: Die Fans schrien die Zeilen mit, als würde die Halle selbst den Schmerz der Band mittragen. Ein Moment, der die enge Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart von Architects eindrucksvoll greifbar machte.
Mit „Deep Fake“ ging es in die nächste Runde – ein Song, der die düsteren Future-Sounds der Briten perfekt einfängt. Immer wieder blitzten Sams herrliche Grübchen auf, so sehr genoss er diesen Auftritt. Mit viel Clean-Gesang und hymnischen Refrains spielten sich die Briten noch tiefer in unsere Herzen. Die elektronisch getriebenen Passagen gaben dem Ganzen einen fast futuristischen Charakter – stellenweise fühlte man sich tatsächlich ein wenig an den Knight-Rider-Sound erinnert. Doch spätestens, wenn die Gitarrenwände einbrachen und Sams Screams die Halle erschütterten, war klar: Das hier war pure Gegenwart.
Sam verstand es, seine Ansagen mit einem solchen Nachdruck und Timing zu betonen, dass schon die Vorfreude kochte, bevor der Song überhaupt begann. „Are you feeling good, motherfuckers? Do you guys know how to crowdsurf? Do you – or are you just gonna say you do? And when we start the song and then you don’t? Please don’t you fucking let me down! I wanna see as many fucking crowdsurfers as possible. Get over this fucking barrier right now. Get the fuck up here!“ Was dann geschah, war kaum in Worte zu fassen. Während „Impermanence“ die Halle erschütterte, hielt das Publikum tatsächlich Wort: Ein endloser Strom an Crowdsurfern wälzte sich über die Menge. Es war schlicht unmöglich, all die schwebenden Körper zu zählen.
Auf der Bühne stand mit Briton Bond von Wage War ein besonderer Gast an Sams Seite. Gemeinsam entfachten sie ein stimmliches Inferno – ein Wechselspiel aus Screams und Shouts, das die Mitsubishi Electric Halle in ein brodelndes Chaos verwandelte. Für viele Fans war dies einer der absoluten Höhepunkte des Abends: „Impermanence“ in doppelter Stimmgewalt, getragen von einer Crowd, die vollkommen eskalierte.
Als der nächste Song einsetzen sollte, unterbrach Sam plötzlich und wandte sich mit einem breiten Grinsen an Adam: „Your guitar is in the wrong tuning!“ Adam gab dies bedröppelt zu, woraufhin Sam lachend nachsetzte: „We’ll speak later! Adam, are you in the right tuning now? Let’s try again.“ Nachdem dieser die Gitarre kurz angespielt hatte, setzte die Band zufrieden neu an: „This song is called ‘Gravedigger’ – move!“ Was folgte, war ein kompromissloser Abriss. „Gravedigger“ besticht durch seine massiven Riffs, wuchtigen Drums und einen Refrain, der mit unnachgiebiger Härte durchfährt. Live verwandelte sich die Halle in ein Tollhaus: Körper stießen aufeinander, Pits taten sich auf, und die Energie explodierte.
„Nice one! I wanna see two fucking massive circle pits right here now. Spin it around.“ – und Sam bekam, was er verlangte. Zu dem rasend schnellen „Brain Dead“ stürmten plötzlich Michael, Stephen und Aric von House of Protection hinzu und entfachten gemeinsam das pure Chaos auf und vor der Bühne. Ein absoluter Eskalationsmoment, der deutlich machte, wie sehr sich dieser Abend auch durch spontane Überraschungen auszeichnete.
„Fuck yes! How are you feeling now? That shit went off so much, somebody has lost their shoe! Now, somebody has found their shoe!“ – lachend vernahm die Crowd diesen ulkigen Moment und feierte Sam für seine lockere Art. „So we keep this fucking energy up? Ok, we need to make this really fucking special. We’re doing this every night. But this is your night to make this the best one yet. Everybody in the seats, everybody on the floor – we all jump up and down together and this shit will go crazy. Get the fuck up!“
Bühne frei für „Meteor“. Und wirklich – tausende Fans trainierten gemeinsam mit Sam ihre Wadenmuskeln, die Halle hüpfte im Gleichklang. Der Sänger hatte sichtlich den Spaß seines Lebens. Über der Spielstätte bildeten die Lichtstrahlen eine v-förmige Schneise, die den Song noch imposanter wirken ließ. Die Stimmung war einfach nur Wahnsinn – euphorisch, ausgelassen und gleichzeitig unglaublich herzlich. Dazu war das Publikum extrem angenehm: pure Energie ohne Aggression, ein gemeinsames Feiern im besten Sinn. „Meteor“ zeigte live einmal mehr, warum Architects es verstehen, Härte mit Hymnenhaftigkeit zu verbinden – ein Song, der mitreißt, ohne die emotionale Tiefe zu verlieren.
„This is the highlight of the tour – for real. This show right here was the first show on this entire tour to sell out. So that means that you are clearly the biggest Architects fans. I think that makes you really pretty fucking cool. We’re really fucking appreciative. Everything wouldn’t be fucking worth it without you. We are a band that is very honest. And I hope that you already know this but we fucking love being in Germany so fucking much. And every time we’re here, whether it’s a headline show or it’s a festival, we are made to feel like we are at fucking home. And we feel like we’re fucking at home tonight. So I wanna thank you for all the years of supporting our band. I wanna thank you for being here this evening. And I wanna thank you for the next show that you’re gonna come to after this. But before we play this next song I want everyone to turn the lights on your phones on. I want you to look this room like a fucking space. Amazing! Wow.“
Es erklang „Everything Ends“. Die Fans zeigten sich beharrlich – selbst dieser Midtempo-Track wurde zur Fitness-Einheit für die Oberarme. Über die gesamten vier Minuten hinweg hielten tausende Menschen ihre Lichter empor und ließen sie im Takt hin- und herwiegen. Die Halle verwandelte sich in ein funkelndes Universum, während Sams glasklarer Gesang über dem perfekt eingestellten Sound schwebte. Ein Bild, das sich ins Gedächtnis brannte – ein Moment der Ruhe, Intimität und kollektiven Verbundenheit, der genau das unterstrich, was Sam in seiner Ansprache zuvor gesagt hatte: In Deutschland fühlt sich die Band zuhause.
„Royal Beggars“ brachte einen melancholischen Tiefpunkt des Abends. „Put your hands in the fucking air.“ – doch statt erhobener Fäuste bildeten die Fans lauter Herzen mit ihren Händen. Sam tat es ihnen nach, und plötzlich lag eine fast greifbare Wärme im Raum. So viel Liebe, so viel Verbundenheit. Für ein Snippet von „Gone With the Wind“ erschien auf der Leinwand ein Herz mit den Initialen T // S – ein stilles Andenken an Tom Searle. Dann setzte „Doomsday“ ein. Sam breitete die Arme aus, blickte berührt gen Himmel – ein Gruß an seinen verstorbenen Freund, voller Trauer, aber auch voller Stärke. Natürlich halfen die Fans über diesen bewegenden Augenblick hinweg: Die Halle sang vereint „They say ‚the good die young, no use in saying what is done is done ‚cause it’s not enough…“ – ein kollektives Bekenntnis, das die Stille durchbrach.
Inhaltlich geht es in „Doomsday“ um Verlust, Schmerz und den Versuch, nach einem Schicksalsschlag wieder aufzustehen. Sam schrieb den Song nach Toms Tod – und die Lyrics spiegeln genau diesen Kampf wider: zwischen Zusammenbruch und Neuanfang, zwischen dem Gefühl, alles sei verloren, und der Entschlossenheit, weiterzumachen. Die Zeile „And when the night gives way, it’s like a brand new doomsday“ steht sinnbildlich für diesen Zwiespalt – das Ende eines Tages als erneuter Absturz, aber auch als Chance auf Neubeginn.
Die Stimmung schwankte zwischen Ergriffenheit und unbändiger Energie. Sam bemerkte lachend: „We’re that good of a band, that even when we stop playing, crowdsurfing just happens. That’s just what happens. We just stand on stage – bang! It just starts.“ Dann setzten die Drum’n’Bass-Beats ein – der Auftakt zu „Black Hole“. Doch Sam stoppte abrupt, nachdem er die Fans zu einer Wall of Death aufgefordert hatte, die ihm zu spärlich vorkam: „Nope! Nope! I said side to fucking side. And that’s what you’re fucking giving me? Push this fucking shit back! You back there – side to fucking side! Three walls of fucking death. Let’s fucking go again. Bigger, bigger. Don’t move – until I say!“
Mit dem Einsetzen der harten Gitarren gab er schließlich das Signal, und die Menge schob sich in drei gewaltigen Fronten aufeinander zu. Chaos, Adrenalin, Ekstase – Sam lachte über das ganze Gesicht und freute sich wie ein Schnitzel über die entfesselte Energie. Als das Sextett nach dem Song die Bühne verließ, hallten laute „Architects!“-Rufe durch die Mitsubishi Electric Halle und machten klar: Das war noch nicht alles.
Zu „Seeing Red“ versetzten Licht und Sound die Menge noch einmal ins Staunen. Die Bühne war komplett in rotes Licht getaucht, während der Chor der Fans mit Sams Gesang verschmolz – alles vereinte sich zu einer mächtigen Woge der Einheit. „Are you happy now?“ hallte es aus den Boxen. Die einzig richtige Antwort war ein eindeutiges WTF, ja, man!
Die Hitze in der Halle war mittlerweile greifbar, doch die liebevollen Securities reichten unermüdlich Wasserflaschen in die Menge. Sam dankte es ihnen und dem Publikum gleichermaßen: „What a fucking amazing crowd you’ve been! Honestly, this has been one of my favourite shows we’ve ever fucking played. Thank you so much!“ Mit einem breiten Grinsen ließ er die Menge auch noch einmal für House of Protection und ihre neuen Freunde Wage War jubeln, ehe er ankündigte: „This is our last song and it goes out to all the fucking ‘animals’.“
Und dann brach der letzte Sturm los. Eine Sirene ertönte, und die Halle explodierte. Mit voller Wucht setzten Architects zum Closer „Animals“ an, und das Publikum war so unglaublich laut, dass Sam sich ungläubig umsah. Spontane Hey-Hey-Rufe peitschten den Song zusätzlich nach vorne. Inhaltlich wirft „Animals“ die unbequeme Frage auf, ob wir Menschen in unserer rastlosen, zerstörerischen Welt überhaupt noch mehr sind als bloße Tiere. Der Song ist ein Spiegel für unsere Zeit – getrieben von Instinkt, Gier und Selbstzerstörung. Gerade live entfaltet er diese Doppeldeutigkeit: eine hymnische Abrissbirne, die jeden zum Mitsingen reißt, und zugleich eine Mahnung, die zwischen den Zeilen hängen bleibt. „Thank you so much. Dankeschön. We’ve been Architects and we love every single fucking one of you.“
Welch würdiges Finale! Von der ersten bis zur letzten Minute ließ die unbändige Energie keine Sekunde nach. Die Architects hatten Düsseldorf fest in ihren Händen – und entließen 7.500 Fans in eine Nacht, die so schnell keiner vergessen wird. Und jetzt: ab an den Merchstand – nach mir ruft ein Whiplash-Shirt!
Setlist ARCHITECTS – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (04.10.2025):
- Elegy
- Whiplash
- When We Were Young
- Black Lungs
- Curse
- A Match Made In Heaven
- Deep Fake
- Impermanence
- Red Hypergiant
- Gravedigger
- Brain Dead
- Meteor
- Everything Ends
- Royal Beggars
- Gone With The Wind (Snippet)
- Doomsday
- Blackhole
- Seeing Red (Z)
- Animals (Z)
Weblinks ARCHITECTS:
Webseite: architectsofficial.com
Facebook: @architectsuk
Instagram: @architects
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