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Lesedauer: 2 MinutenSympathisch ist nicht das erste Wort, das einem beim FC Bayern München einfällt. Und doch haben sie immer wieder Spieler in ihren Reihen, die das Herz am rechten Fleck besitzen. Thomas Müller war sicherlich einer. Ein anderer war – die älteren werden sich erinnern – Mehmet Scholl, der nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein Indie-Kenner war. Zu seinem Karriereende 2007 hat er damals The Hidden Cameras nicht nur in die Allianz-Arena, sondern auch zur Abschiedsfeier in die Reithalle eingeladen.
Diese offerierten eine provokative Show mit Gogo-Tänzerinnen und Songs über schwule Sexualpraktiken. Die Führungsetage des Rekordmeisters war zumindest irritiert, zum Teil sogar erbost. Zu diesem Zeitpunkt machte das queere Popkollektiv bereits in vielen Teilen der Erde von sich Reden. Zentriert auf den Musiker Joel Gibb, wuchs The Hidden Cameras teilweise zur Orchestergröße an, teilweise war es Gibb allein, der sein Publikum mit seinen Gedanken zum schwulen Leben provozierte.
Ob nun politische Fragen, alltägliche Probleme oder explizite Darlegung diverser Sexualpraktiken: The Hidden Cameras nahmen selten ein Blatt vor den Mund. Meistens hielt man sich aber vage und verklausulierte die Lyrics. Davon ist auf dem aktuellen Longplayer „Bronto“ nichts mehr zu hören – und auch nicht seiner „Gay Folk Church Music“, wie der Mastermind seine Musik selbst betitelte.
Gibb, der seit einer Dekade in Berlin lebt, hat seine Liebe für die Elektronik und das Spiel mit einschlägig bekannten Phrasen gefunden. Und mit einem solchen Nachnamen ist eine Nähe zur Disco-Musik eigentlich immanent. Letzten Endes passt es auch zur übergeordneten Thematik: Der Club war in der aufkommenden Gay-Pride-Bewegung in den 1970er Jahren Widerstandszelle, Rückzugsort und Kommunikationszentrum der Schwulen und Lesben.
Somit gelingt The Hidden Cameras mit „Bronto“ nicht nur ein Rückgriff auf die beginnende Forderung nach Gleichberechtigung der LGBTQ-Gemeinde, sondern auch ein wichtiges Zeichen für die gegenwärtige Situation, in der sich queere Personen aufgrund gesellschaftlicher und politischer Veränderungen zunehmend in ihrer Freiheit bedroht sehen. Diese Kiste machen The Hidden Cameras zwar nicht direkt auf, lassen aber den revolutionären Geist durch ihre anachronistischen und analog wirkenden Sounds wieder aufleben.
„State Of“ mit seinen funky Bläsern und dem finalen Drumsolo, der angedeutete Italo-Disco-Einschlag bei „Undertow“ und die existentielle Atmosphäre bei „Quantify“ ziehen alle Register tradierter Tanzmusikelemente. Die latent melancholische Stimmung der Nummern macht deutlich: Es ist noch ein weiter Weg, bis eine vollständige Gleichberechtigung stattfindet. Bis dahin müssen so helle Köpfe wie Joel Gibb mit ihrer Kunst weiter dafür kämpfen – und andere Freigeister wie Mehmet Scholl ihm eine entsprechende Bühne geben.
Tracklist:
01. How do you love?
02. Undertow
03. Full cycle
04. Quantify
05. I want you
06. You can call
07. Brontosaurus law
08. Wie wild
09. State of
10. Don’t tell me that you love me
Das Album kann hier vorbestellt werden: The Hidden Cameras – BRONTO
Weblinks THE HIDDEN CAMERAS:
Official: thehiddencameras.com
Facebook: thehiddencameras
Instagram: hiddencameras
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