MEGAHERZ/COMBICHRIST/JANOSCH MOLDAU – Oberhausen, Kulttempel (01.10.2023)

Fotos: Megaherz
Megaherz, © Schwarzpixel - Carsten Zerbe
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Leider hatten die Booker der gemeinsamen Tournee von Megaherz, Combichrist und Janosch Moldau etwas zu optimistisch geplant. Zumindest, was die einzige NRW-Show auf der Konzertreise angeht. Wenige Tage vor dem Sonntagabend wurde der Gig von der Turbinenhalle 2 in den ungefähr halb so großen und direkt nebenan liegenden Kulttempel verlegt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war dies den Vorverkaufszahlen geschuldet. Denn der Kulttempel, in dem Combichrist erst im Jahr zuvor zu Gast waren, war gut gefüllt, aber auch noch eine ganze Ecke vom Aushang des “Ausverkauft”-Schildes entfernt. Diejenigen, die kamen, sollten ihr Erscheinen aber ganz sicher nicht bereuen.

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Den Anfang machte, wie schon wenige Monate zuvor bei Front Line Assembly an Ort und Stelle, Janosch Moldau. Und dem Synthiepop-Singer-Songwriter sollte diesmal ein deutlich größeres, genauer gesagt zahlreicher anwesendes Publikum zugeneigt sein als noch im Mai. Auch wenn Moldau stilistisch nicht wirklich zur Aggrotech/Industrial-Metal-Abrissbirne Combichrist und den Neue Deutsche Härte-Pionieren Megaherz passte, wirkten die Leute vor der Bühne doch überwiegend angetan von den melodiösen Synth-Sounds, seiner warmen Stimme und der kreierten Atmosphäre, begünstigt durch recht wenig Licht. Mitgeklatscht und applaudiert wurde deutlich hörbar. Wer sich in das Werk Moldaus reinhören möchte, dem sei zum Einstieg die noch recht frische Single We Behaved Wrong sowie die dazugehörige EP namens Aid And Abet empfohlen.

Setlist JANOSCH MOLDAU @ Oberhausen, Kulttempel (01.10.2023)

01. Intro
02. This Is My Show
03. Aid And Abet
04. Light For Me
05. In Another World
06. Lovestar
07. We Behaved Wrong

Es folgte ein Stilwechsel um 180 Grad. Für pure Aggressivität sind Combichrist seit nunmehr fast 20 Jahren bekannt – egal, ob im Oldschool-Electro-Line-up oder im Rockband-Aufgebot. In Sachen Setlist gibt es, wenn man sich die Sets der vergangenen Jahre anschaut, nur drei echte Konstanten, die in beiden Versionen mit und ohne Gitarren funktionieren und konstant live gespielt werden: Neben Get Your Body Beat und Fuck That Shit ist dies Blut Royale – und etwas überraschend sollte es mit diesem Club-Hit aus den frühen Jahren auch losgehen. “I feel like being home again“, konstatierte Andy LaPlegua danach. Wenig verwunderlich, war es doch schon sein vierter Auftritt im Kulttempel innerhalb von gut fünf Jahren.

Danach war es dann aber auch erstmal gut mit Liebesbekundungen. Es regierte “Deathdisco Punk & Rock’n’Roll”, schließlich stand mit Maggots At The Party ein absoluter Brecher mit maximalem Feier-Faktor auf dem Programm. Immer wieder bildeten sich im Zentrums des Clubs deftige Moshpits, unterbrochen nur vom im Midtempo gehaltenen Denial, das nach neun Jahren etwas überraschend seine Rückkehr ins Live-Set feiern durfte. Ansonsten ging es immer schneller, härter, weiter. Brecher wie Can’t Control, Fuck That Shit, Hate Like Me oder das schwer an Ministrys Just One Fix erinnernde Heads Off ließen keine Verschnaufpausen zu. Und nicht nur auf den Moshpit galt es zu achten: Multiinstrumentalist Elliott ließ sich gleich mehrfach wortwörtlich auf Händen tragen und kam zum Glück jedes Mal wieder heile auf die Bühne zurück.

Ein großes Lob gebührt darüber hinaus dem Mann als Mischpult – der sicher nicht leicht abzumischende Sound zwischen Drums, zwei Gitarren, Keyboards sowie Vocals pumpte jederzeit fett und ausdifferenziert aus den Boxen. Es war quasi ein perfekter Auftritt für all diejenigen, die sich sowohl auf Combichrists Electro-, als auch die Metal-Phase einlassen können, My Life, My Rules setzte nach knapp 70 Minuten einen schmissigen Schlusspunkt. Andy LaPlegua richtete gegen Ende noch einen Appell an die ekstatisch tanzenden Fans, “nichts im Leben als garantiert anzusehen und Momente und Abende wie diese zu genießen” – wahre Worte, hat das Band-Mastermind doch erst kürzlich eine Krebserkrankung gut überstanden. Wir wünschen an dieser Stelle für etwaige Nachsorgeuntersuchungen nur das Beste und warten weiter geduldig auf eine neue Platte mit brutalen Brettern zwischen Aggrotech und Industrial Metal.

Setlist COMBICHRIST @ Oberhausen, Kulttempel (01.10.2023)

01. Blut Royale
02. Maggots At The Party
03. Modern Demon
04. Scarred
05. Get Your Body Beat
06. Can’t Control
07. Denial
08. Compliance
09. Heads Off
10. Fuck That Shit
11. Hate Like Me
12. Not My Enemy
13. Never Surrender
14. My Life My Rules (Z)

Bei den Konzerten in Deutschland war es an Megaherz, den jeweiligen Abend zu beschließen, im Ausland lief das ganze Spielchen umgekehrt. Letztlich funktionierte der Ablauf in Oberhausen gut. Gemessen an den getragenen Bandshirts dürfte beide Main Acts in etwa die gleiche Anzahl an Fans angelockt haben. Im Gegensatz zu Combichrist hatten die NDH-Veteranen ein neues Album im Gepäck. Im August erschien In Teufels Namen, die fünfte LP mit Lex Wohnhaas am Mikro. Gleich sieben Songs davon erklangen in den folgenden 75 Minuten, begonnend mit dem Titeltrack.

In mehreren Songs beziehen Megaherz dort einmal mehr klare Kante – Lex tat das auch im weiteren Verlauf des Konzerts mit seinem Oberteil, auf dem in großen Lettern mehrfach “Fuck Racism” geschrieben steht. Auch die Single Alles Arschlöcher, recht früh gespielt, spart nicht mit eindeutigen Worten. Gemischt mit einigen unverzichtbaren Klassikern aus der Ära in den 90er-Jahren, in der noch Alex Wesselsky am Mikrofon stand  – man denke nur an das großartige 5. März -, wirkte die Setlist rund und durchdacht. Dass mit Kopfschuss und Heuchler aber zwei mitreißende Standards vergangener Jahre fehlten, dürfte manch Fan vielleicht etwas sauer aufgestoßen sein, gemessen daran, wie diese Songs normalerweise mitgesungen und abgefeiert werden.

Der Sound war druckvoll, die Stimmung bestens, und das, obwohl Lex stimmlich schon mal besser aufgelegt war als an diesem Abend, gerade wenn man den direkten Vergleich zum Auftritt beim Castle Rock Festival drei Monate zuvor in der Nachbarstadt Mülheim ziehen kann. Der Frontmann klang in den härteren Passagen diesmal schon etwas zu kratzig und rau. Ein Kontrast wurde bei Für immer deutlich, das in einer reduzierten Version dargeboten wurde. Letztlich waren die Fans aber lautstark dabei, feierten eine große Party – und stürmten nach dem Himmelsstürmer nach Hause. Das Zusammenkommen dreier Acts, die auf den ersten Blick nicht wirklich zusammenpassen, funktionierte jedenfalls trefflich. Ein wirklich toller Konzertabend!

Setlist MEGAHERZ @ Oberhausen, Kulttempel (01.10.2023)

01. In Teufels Namen
02. Roter Mond
03. Horrorclown
04. Alles Arschlöcher
05. Vorhang auf
06. Amnesie
07. 5. März
08. Nicht in meinem Namen
09. Glas und Tränen
10. Rabenherz
11. Engelsgesicht
12. Freigeist
13. Für immer
14. Der König der Dummen
15. Miststück
16. Jagdzeit (Z)
17. Himmelsstürmer (Z)

Weblinks COMBICHRIST

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Weblinks JANOSCH MOLDAU

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