KALTE STERNE FESTIVAL – Oberhausen, Zentrum Altenberg (16.04.2017)

Fotos: AGENT SIDE GRINDER
Agent Side Grinder, © Michael Gamon
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Eigentlich hatten wir unsere Winterjacken ja schon in einer hinteren Ecke des Kleiderschranks versteckt. Doch pünktlich zum langen Wochenende pfiff einem nach Verlassen der eigenen vier Wände wieder ein eiskalter Wind durchs Gesicht. Mit dem daunengefütterten Textilstück bewaffnet ging es am sonst so langweiligen Ostersonntag auf ins Zentrum Altenberg nahe dem Oberhausener Hauptbahnhof, um sich beim Kalte Sterne Festival einige vielversprechende Acts aus den Bereichen Wave, Shoegaze und Postpunk anzuschauen. Nach der Erstauflage im vergangenen Jahr, bei welcher sich The Soft Moon, Mr.Kitty, Tempers und Ash Code dem Publikum präsentierten, statteten unter anderem die Schweden von Agent Side Grinder der kultigen Industrie-Location einen Besuch ab.

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Los ging es auf die Minute pünktlich um 18:30 Uhr mit Schonwald. Alessandra Gismondi und Luca Bandini enterten mit Gitarre und Maschine die Bühne. Erfreulich: Bereits zur verhältnismäßig frühen Stunde war die Räumlichkeit recht gut gefüllt. So richteten sich einige hundert Augen- und Ohrenpaare gen Stage, wo Bandini an den Saiten und Sängerin Gismondi an den Tasten und Mikro ihre dezent tanzbare Mischung aus Dream-Pop und Shoegaze spielten. Das italienische Duo gab einen angenehmen, hörenswerten Opening-Act ab, über die komplette Dauer von 45 Minuten schlichen sich mangels musikalischer Abwechslung allerdings kleine Ermüdungserscheinungen ein.

So ganz und gar nicht müde präsentierte sich im Anschluss Qual. Das Seitenprojekt von Lebanon Hanovers William Maybelline ist sicher etwas aggressiver angelegt als seine Hauptband – ein Umstand, den Maybelline mit einer sehr exzentrischen Bewegungsperformance spürbar unterstrich. Zwischendurch prügelte er für etwas Extra-Percussion mit einer Kette auf den Bühnenboden ein, sonst stand seine kräftige, bellende Stimme im Vordergrund. Diese ist im Gegensatz zu den pumpenden Instrumental-Konstruktionen allerdings sicherlich Geschmackssache.

Es mochte daher nicht verwundern, dass viele Besucher den Beginn des Auftritts von The KVB herbeisehnten. Denn hier gab es weder stimmlich noch musikalisch etwas zu meckern. Nicholas Wood und Kat Day haben sich in den letzten Jahren mit einigen starken Releases in die Herzen vieler Genrefans gespielt. Auch live funktioniert das Zusammenspiel aus einer starken Männerstimme, harmonischen Synthies und einem kräftig verhallten Saiteninstrument bestens. Stücke der aktuellen LP Of Desire wie White Walls und Night Games fanden ebenso den Weg ins Set wie einige Klassiker (wenn man bei einem 2011er-Debütalbum-Release überhaupt schon von Klassikern sprechen kann).

Nach diesem erfreulichen Auftritt war es gegen 21:45 Uhr vor nun proppevollem Haus Zeit, Tschüss zu sagen. Agent Side Grinder spielten ihren vorletzten Gig in Originalbesetzung, Sänger Kristoffer Grip sowie die Instrumentalisten Henrik Sunbring und Thobias Eidevald verlassen die Band. Johan Lange und Peter Fristedt machen weiter und sind aktuell auf der Suche nach neuen Mitstreitern, mit denen es “voraussichtlich nächstes Jahr” frisches Material und Konzerte geben soll. Einige aussichtsreiche Kandidaten für die vakante Stelle am Mikro hat das Duo schon im Blick. Vorher gab das Quintett in Oberhausen aber noch einmal Vollgas und brillierte bei bester Akustik mit einem Best-of-Programm, bestehend aus den Hits der letzten drei Alben Irish Recording Tape, Hardware und Alkimia. Ein neues Stück im bewährten ASG-Stil, welches wohl mit dem neuen Sänger für ein kommendes fünftes Alben aufgenommen wird, gab es oben drauf.

Setlist AGENT SIDE GRINDER @ Kalte Sterne Festival, Zentrum Altenberg, Oberhausen (16.04.2017)

01. Into The Wild
02. Life In Advance
03. Look Within
04. Giants Fall
05. Mag 7
06. For The Young
07. This Is Us
08. Wolf Hour
09. ? (Neuer Song)
10. Die To Live

Um 23 Uhr ging unter tosendem Jubel das Licht im Saal an – nicht wenige zog es danach eine Tür weiter zur ebenfalls bestens besuchten Eisenlager-Party, um die Osternacht bestmöglich ausklingen zu lassen. Gegen eine Wiederholung des Kalte Sterne Festivals im kommenden Jahr dürfte wohl kaum ein Anwesender etwas einzuwenden haben. Eine angenehme Location mit fairen Getränkepreisen und erstklassiger ÖPNV-Anbindung, gute Akustik über den ganzen Abend, zuverlässige Organisation ohne große Verzögerungen, ein mehr als ausreichend bestückter Merchandise-Stand und eine interessante Bandauswahl mit Acts, die – teilweise sicher zu Unrecht – nicht gerade zur Szene-Prominenz gehören, kurzum: Eine runde Sache für alle Beteiligten.

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