EISBRECHER & MAERZFELD – Oberhausen, Turbinenhalle (14.03.2015)

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Nicht zum ersten Mal ließen sich Eisbrecher in ihrer mittlerweile knapp 13-jĂ€hrigen Bandhistorie in der Oberhausener Turbinenhalle blicken. Die –dem gĂŒnstigen Samstagabendtermin entsprechend– auch einige Tage vorher vermelden konnte, dass die Ruhrpott-Show der Tour zum neuen und damit sechsten Album Schock ausverkauft ist. Kein Wunder, konnte das neue Werk im Gegensatz zum ruhigeren und teilweise schlageresken VorgĂ€nger Die Hölle muss warten doch nahezu allerorts positive Kritiken einfahren. Als Support brachten Alexander Wesselsky und seine Kollegen die bayerischen Freunde von Maerzfeld mit.

Bevor Maerzfeld dann die BĂŒhne enterten und ihr insgesamt neun Songs langes Set mit Vaterland begannen, betraten aber erst einmal Eisbrecher-Frontmann Wesselsky und Gitarrist JĂŒrgen Plangger die BĂŒhne und erheiterten das mittlerweile gut gefĂŒllte Rund mit einer kurzen, anscheinend nicht zu oft eingeĂŒbten Theatereinlage aus „Nathan, der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing. NatĂŒrlich in gewohnter Art nicht, ohne den Fans im Anschluss ein paar „weise“ und sozialkritische Gedanken mit auf den Weg zu geben. Danach rockten sich Maerzfeld knappe 40 Minuten durch ihre Diskographie, ohne dabei eine Rammstein-Coverversion darzubieten. Den Schlusspunkt setzte mit Stalingrad ein weiterer Song von der im weiteren Verlauf des Jahres erscheinenden Nackt-LP. Wenig ĂŒberraschend wurden die Band und ihre eingĂ€ngigen Songs von den vielen Deutschrock- bzw. NDH-Liebhabern im Publikum mit mehr als nur dem ĂŒblichen Höflichkeitsapplaus bedacht. Aber wie es bei Bands in diesem Genre halt ĂŒblich ist: EigenstĂ€ndig klingt das Ganze nur in Maßen, insbesondere die Stimme von „Heli“ Reißenweber erinnert auch bei der Darbietung eigener Songs zu sehr an die von Rammstein-Fronter Till Lindemann. Was bei den „Stahlzeit“-Covershows dringend notwendig ist, um so authentisch wie möglich an die Legende aus Ostberlin heranzukommen, wird außerhalb dieses Kontextes, wie auch bei den Kollegen von Heldmaschine, zum Fluch. Wer auf klangliche Innovationen hofft, ist bei Maerzfeld jedenfalls eher an der falschen Adresse.

Setlist MAERZFELD – Oberhausen, Turbinenhalle (14.03.2015):
01. Vaterland
02. Ich flieg
03. HĂŒbschlerin
04. Maerzfeld
05. Fremdkörper
06. Es bricht
07. Treibjagd
08. La petite morte
09. Stalingrad

2002 ursprĂŒnglich endstanden aus der Band Megaherz, haben sich Alexander „Alexx“ Wesselsky (Gesang), Jochen „Noel Pix“ Seibert (Gitarre), Achim FĂ€rber (Drums), Rupert Keplinger (Bass) und JĂŒrgen Plangger (Gitarre) mittlerweile an die Spitze des „Neue Deutsche HĂ€rte“-Genres gespielt und verkaufen in schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit Konzerthallen mit mehreren tausend Menschen KapazitĂ€t aus. Vor dem Headliner-Auftritt beim kommenden Blackfield-Festival in Gelsenkirchen ließ sich das Quintett aus FĂŒrstenfeldbruck nicht bitten, dem Ruhrgebiet schon einmal einige neue Songs des aktuellen Albums Schock darzubieten.

Weniger schockierend begann die Show um Punkt 21.15 Uhr mit dem aktuellen Albumopener Volle Kraft voraus. Nach dem folgenden So oder so nahm sich Alexx dann ein wenig Zeit, die auf der Empore zahlreich anwesenden Kinder zu begrĂŒĂŸen, welche mit gewohnt ĂŒberdimensionalen OhrenschĂŒtzern bewaffnet fleißig mitrockten. NatĂŒrlich nicht, ohne den mitgereisten Eltern einen kleinen Hinweis darauf zu geben, dass in den folgenden zwei Stunden das ein oder andere nicht jugendfreie Wort fallen wird…

Das Set setzte sich dann bei druckvollem und lauten Sound ungefĂ€hr zur HĂ€lfte aus Songs der Schock und Ă€lteren StĂŒcken zusammen, unterstĂŒtzt von einer toll auf die Songs abgestimmten Lichtshow und einem BĂŒhnenaufbau mit großem LED-Screen, der bei einigen Liedern als eine Art „Mitsinghilfe“ fungierte. Dass die mit gut 2500 Besuchern ausverkaufte Halle diese wahrscheinlich kaum nötig gehabt hĂ€tte, bewiesen sie aber mehr als nur einmal, vor allem natĂŒrlich beim, wie immer gegen Auftrittsende dargebotenen, Klassiker MiststĂŒck, was ebenso unterhaltsam war wie das leicht verunglĂŒckte Trompetensolo des Frontmanns vor This is Deutsch. Eine Sache wird der ein oder andere Besucher, der die Band nicht zum ersten Mal live sah, aber bemĂ€ngeln: Eisbrecher spielen seit Jahren – von der letztjĂ€hrigen JubilĂ€umstour mal abgesehen – die immer gleichen alten Songs. Warum frĂŒhere Live-Kracher wie Phosphor, Zeichen der Venus oder Angst seit Jahren komplett ignoriert werden, bleibt weiterhin das Geheimnis der Band. Aufhorchen ließ aber eine sehr clubtaugliche und tanzbare Version des Uralt-Erfolgs Schwarze Witwe.

Trotz aller Überraschungsarmut wird aber wohl kein Anwesender die Turbinenhalle im Herzen Oberhausens unzufrieden verlassen haben. Die mĂ€chtige Ballade Schlachtbank beschloss nach gut zwei Stunden eine Show, mit der Eisbrecher einmal mehr unter Beweis stellten, warum sie sich in knapp zehn Jahren vom Geheimtipp zu einem Festival-Headliner entwickelt haben.

Setlist EISBRECHER – Oberhausen, Turbinenhalle (14.03.2015):
01. Volle Kraft voraus
02. So oder so
03. Antikörper
04. Willkommen im Nichts
05. 1000 Narben
06. Noch zu retten
07. Leider
08. Prototyp
09. Himmel, Arsch und Zwirn
10. Schwarze Witwe (Remix)
11. Zwischen uns
12. Rot wie die Liebe
13. Vergeissmeinnicht
14. This is Deutsch
15. Eiszeit (Z)
16. VerrĂŒckt (Z)
17. MiststĂŒck (Z)
18. Schlachtbank (ZZ)

Eisbrecher:

Maerzfeld:

Fotos: Frank GĂŒthoff

Geschrieben von
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