De/Vision – Rockets and Swords

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9 Bewertung

9

Das 13. Studioalbum des Synthiepop Duos De/Vision steht in den Startlöchern um entdeckt zu werden. Und es gibt viel zu entdecken, hört man denn genau hin. Und es lohnt sich durchaus, denn das minimale Werk zeigt wieder mal auf, dass man auch ohne eine pompöse, ausufernde Produktion oder große Gesten elegante Popmusik produzieren kann.

Geheimnisvolle elektronische Soundscapes, dann ein puckernder Bass, Kraftwerkähnlicher Rhythmus, dann Steffens kalte, unverkennbare Stimme und Melodien aus einer scheinbar fernen Welt: so beginnt das neue Album des Synthpop Duos mit dem Track Boy Toy. Ebenso elegant geht es weiter, denn auch Superhuman hat ebensolche Qualitäten, die es zu erforschen gilt. Beauty of Decay ist die erste Ballade des Albums und das Stück hat es in sich: ein Song, der sich langsam aufbaut und stetig steigert, von Minimalismus der Strophen bis zum erlösenden Chorus, der sich wunderbar öffnet und Herz und Seele der Musiker freilegt. Hier und da wird der Song durch eine verzerrte Sirene á la „A Pain that i´m used to“ unterbrochen, welche die scheinbare Idylle wie ein scharfes Schwert durchbricht. Das Tempo wird auch bei Brotherhood of Men beibehalten, doch durch Gastmusiker wie Janosch Moldau und Backingvocals von Crystin Fawn der Band Hearhere geadelt. Eine feine Sache. De/Vision nehmen sich Zeit und lassen es langsam angehen, um ihre Botschaft zu vermitteln. Rockets & Swords schließt stilistisch da an, wo das Vorgängeralbum Popgefahr aufhörte. Bewusst minimal gestaltete Sounds, intime, leise Töne und Gesten. Unterstützt durch ein gut aufeinander abgestimmtes Produktionsteam, welches den einen oder anderen Song beigesteuert hat, haben Steffen und Thomas wiedermal ein schönes Gesamtwerk geschaffen. Aber man muss der CD eine Chance geben, der Charme vieler Songs erschließt sich erst nach mehrmaligen Hören. Der Höhepunkt von Rockets and Swords ist der Smasher Binary Soldier, der einfach Spaß macht. Stakkatobass, einfache Drumprogramierung, cooler, fast mechanischer Gesang, Vocoderstimme (“We march on“) und Ohrwurmrefrain, fertig ist der Hit und die Wiederholungstaste des CD Players macht Überstunden. Bravo! Bipolar haut in eine ähnliche Kerbe, auch hier wird mit wenigen Mitteln in der Strophe erst eine düstere Atmosphäre aufgebaut, bevor im Chorus eine positive Stimmung erzeugt wird, das Ganze unterlegt durch roboterartige Klänge. Hier werden Mensch und Maschine gekonnt gegenübergestellt. Running all Night schließt dann den Bogen „großartiger Electropopsongs“ (siehe unser Interview mit Thomas Adam) und lässt uns fast wehmütig in die Leere starren, bevor wir uns das Opus erneut zu Gemüte führen. Fazit: gut produzierte Popscheibe, der man Zeit lassen muss, um zu wachsen.

Diese CD könnte Euch gefallen, wenn ihr auf Minimalismus und deutsche Synthpopmusik steht.

Tracklist:
01. Boy Toy
02. Superhuman
03. Beauty Of Decay

04. Brotherhood Of Man
05. Stargazer
06. Binary Soldier

07. Want To Believe
08. Bipolar
09. Mystified
10. Running All Night

Autor: Frank Stienen

Aktuell gibts das Album übrigens bei Amazon zum Preis von nur 8,99 Euro (CD), als MP3-Download für 5,00 Euro oder als Limitiertes Album mit 12 Tracks für 15,99 Euro.

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