SHADOWPLAY FEST 2011 Tag 1 – B-Kortrijk, XPO (22.07.2011)

    Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

    Eines der wohl schönsten und interessantesten Festivals Europas fand bisher im belgischen Waregem unter dem Namen „Gothic Festival“ statt. Diesen Namen sucht man im diesjĂ€hrigen Festivalkalender vergeblich, aber Totgesagte leben ja bekanntlich lĂ€nger und so erhebt sich das Shadowplay Fest in Kortrijk (nur wenige Autominuten von Waregem entfernt) 2011 wie Phoenix aus der Asche. Ort und Name haben sich geĂ€ndert, ansonsten bleibt das Konzept selbst aber unangetastet. Es werden Bands aus den Bereichen Wave. Gothic und Electro angeboten, wobei es sich vielfach um Formationen handelt, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Die Auftritte erfolgen auf zwei BĂŒhnen und ohne Überschneidungen! So steht einem kompletten Festivalerlebnis nichts im Wege, zumal das familiĂ€re Umfeld und die sympathischen Mitarbeiter ihr Übriges tun. Nach unserer lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lligen Premiere im Jahr 2010 [Review] machen wir uns daher gerne wieder auf in die NĂ€he der französischen Grenze um dabei sein zu können.


    Krystal System [GALLERY]

    Los geht es mit fĂŒr belgische VerhĂ€ltnisse ungewöhnlichen 45 Minuten VerspĂ€tung. Der erste Act sind die Franzosen von Krystal System. Sie bieten uns französische und englische Lyrics zu hĂ€rteren Sounds irgendwo zwischen Wave und Cyber-Hellectro angesiedelt und ab und zu lugt sogar etwas HipHop-Gesang durch. Zum Set gehören Songs ihrer beiden Alben „Nuclear“ und „Underground“, sowie das Depeche Mode Cover „Master & Servant“. Die Show ist allerdings noch etwas statisch, die beiden Protagonisten bewegen sich nur wenig und wirken betont cool. DafĂŒr gibt es eine recht coole Videoanimationen im Hintergrund zu bestaunen. Frontfrau Bonnie Valdor ist blond und könnte auch im Film „Sucker Punch“ mitspielen, ihr Mitstreiter No 7 ist als DĂŒstercyber ganz schwarz gewandet. Ein netter Auftakt, aber noch nicht wirklich mitreißend was uns die beiden uns hier bieten.

    Setlist:
    01. Intro
    02. New World
    03. Automatic Ideology
    04. Instar
    05. Fiction
    06. Elektrostal
    07. Nuclear Winter
    08. –
    09. I Love My Chains
    10. Demain N’existe Pas
    11. Idols
    12. Requiem
    13. The Day I Died
    14. Master & Servant (Depeche Mode Cover)


    The March Violets [GALLERY]

    Die March Violets sind sehr seltene GĂ€ste auf den Brettern dieser Welt. Sie wurden 1981 gegrĂŒndet und veröffentlichten ihre ersten beiden Alben auf dem Kultlabel Merciful Release, auf dem auch die Sisters Of Mercy bis zuletzt beheimatet waren. Ihr Goth Rock wird von treibenden Gitarren und pumpenden Beats bestimmt. AnfĂ€ngliche Probleme tut die Band gekonnt mit einem Scherz ab ("we broke Kortrijk") und konzentriert sich dann voll auf die eigenen Songs. Ihre Show ist relativ statisch, einzig SĂ€ngerin Rosie Garland bewegt sich etwas mehr und steht klar im Mittelpunkt der Performance. Den Gesang teilt sie sich natĂŒrlich mit Simon Denbigh, der aber weniger aktiv agiert. Die Band spielt neben altem Material auch neue Songs, von denen einer („Road Of Bones“)sogar Record Of The Week bei der BBC war. Ein souverĂ€ner Auftritt einer routinierten Band.

    Setlist:
    01. Crowbaby

    02. Children On Stun
    03. Radiant Boys
    04. Grooving In Green
    05. Dress For You
    06. It’s Hot
    07. Undertow
    08. A Little Punk Thing
    09. Steam
    10. Road Of Bones
    11. Strangehead
    12. Slow Drip Lizard

    13. 1 2 I Love You
    14. Walk Into The Sun
    15. Dandelion King
    16. Snake Dance


    Diary Of Dreams [GALLERY]

    Als nĂ€chstes stehen alte Bekannte auf der BĂŒhne der XPO Kortrijk: Diary Of Dreams! Auch sie haben schon neue Songs im GepĂ€ck, denn ihr kommendes Album Ego:X erscheint am 26.08.2011. Nach dem einleitenden Intro lĂ€dt die Band zur Hochzeit („The Wedding“) und es wird ausgiebig gefeiert. Die gute Stimmung können auch leichte technische Probleme mit den Gitarren nicht vertreiben und die mittlerweile auch zahlreicher anwesenden Fans zelebrieren jeden einzelnen Song, seien es alte Hymnen wie „The Plague“ und „MenschFeind“ oder die neuen Lebenszeichen „Undividable“ und „Echo In Me“. Frontmann Adrian Hates und seine Begleiter suchen verstĂ€rkt den Kontakt zum Publikum und das macht das Ganze fĂŒr viele noch greifbarer und besonderer. Spielspaß steht hier im Mittelpunkt und der ĂŒbertrĂ€gt sich auch aufs Publikum, das viel tanzt, aber trotzdem nicht ganz an die Euphorie von Diary Of Dreams Konzerten in Deutschland heranreicht. Trotzdem ein toller Auftritt, der dieses Mal ohne „TraumtĂ€nzer“ endet, nach „Kindrom“ ist endgĂŒltig Schluss und die Band macht Platz fĂŒr den ersten belgischen Act des Festivals.

    Setlist:
    01. The Wedding
    02. Undividable
    03. King Of Nowhere
    04. MenschFeind
    05. Echo In Me
    06. Unwanted
    07. Nekrolog 43
    08. Odyssey Asylum
    09. Splinter
    10. The Plague
    11. Chemicals
    12. Kindrom


    Suicide Commando [GALLERY]

    Das Shadowplay Fest ist ein Heimspiel fĂŒr Johan van Roy und auch wenn das Festival eher Gothic orientiert ist, tanzt der Saal natĂŒrlich ab den ersten KlĂ€ngen. TanzflĂ€chenfĂŒller wie „Dein Herz, Meine Gier“ und „Hate Me“ verfehlen ihre Wirkung bei den Belgiern natĂŒrlich nicht. Und natĂŒrlich kommt auch der wohl stĂ€rkste Song vom letzten Album „God Is In The Rain“ sehr gut an. Das besondere an Suicide Commando ist, dass Johan trotz aller HĂ€rte auch eine Menge zu sagen hat, wobei die Message des jeweiligen Songs immer perfekt durch die teils recht extremen Hintergrundvideos unterstĂŒtzt wird. So marschiert Johan bei „The Perils Of Indifference“ die BĂŒhne ab und endet mit "no more fucking wars", bevor „Love Breeds Suicide“ wieder zum unbĂ€ndigen Tanzen einlĂ€dt und spĂ€testens bei „Die Motherfucker Die“ hat er sie alle da, wo er sie haben will. Jetzt klatscht das gesamte Publikum und „Bind, Torture, Kill“ wird quasi zum SelbstlĂ€ufer bei dem alle feiern und Johan sich auch in den vorderen Bereich des Publikum mischt. Den Abschluss bildet das vielumjubelte „See You In Hell“ als Zugabe. Diese Hölle ist fĂŒr die belgischen Fans dann wohl das Bim Fest in Antwerpen Mitte Dezember, wo Suicide Commando ebenfalls auftreten werden.

    Setlist:
    01. Severed Head
    02. Hate Me
    03. Death Cures All Pain
    04. Dein Herz, Meine Gier
    05. God Is In The Rain
    06. Cause Of Death: Suicide
    07. Time
    08. The Perils Of Indifference
    09. Love Breeds Suicide
    10. Die Motherfucker Die
    11. Bind, Torture, Kill
    12. Kill
    13. See You In Hell (Z)


    Fields Of The Nephilim [GALLERY]

    Wegen der anfĂ€nglichen VerspĂ€tung beginnt der Auftritt erst um kurz vor ein Uhr nachts. Entgegen ihrer Gewohnheit verzichten die Fields heute weitestgehend auf Nebel, aber der war sowieso nicht nötig, denn die BĂŒhne war die meiste Zeit noch dunkler „beleuchtet“ als schon bei den Bands zuvor. WĂ€re nicht ab und zu ein Kamerablitz bis nach vorne gekommen, man hĂ€tte nicht wirklich sicher sein können, dass es Carl McCoy ist, der da nahe am BĂŒhnenrand steht. Doch er ist es und Carl und seine Mannen spielen eine grandiose Mischung aus neuerem Material und großartigen Klassikern wie „Love Under Will“ oder „Dawnrazor“. So spielt man sich routiniert durch eine Art aktualisierter Best Of Show, bis „Moonchild“ erklingt, die Fans ihre Arme in die Höhe reißen und die Band danach die BĂŒhne verlĂ€sst. Doch die Zuschauer wollen mehr und das bekommen sie nach einer kurzen Pause mit „Chord Of Souls“ auch, auf das großartige „Last Exit For The Lost“ warten wir jedoch vergeblich. Nach der ersten Zugabe ist es wirklich vorbei und damit endet auch der erste Tag des Shadowplay Fests.

    Setlist:
    01. Shroud
    02. Straight To The Light
    03. Preacher Man
    04. Love Under Will
    05. Penetration
    06. Dawnrazor
    07. From The Fire
    08. New Gold Dawn
    09. The Watchman
    10. Moonchild
    11. Chord Of Souls (Z)

    Die Berichte zu den beiden anderen Tagen folgen in KĂŒrze. Die kompletten Fotosets der aufgetretenen Bands erreicht ihr durch anklicken der entsprechenden Fotos oder [GALLERY]-Links.

    Autor & Fotos: Michael Gamon

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