MUMFORD AND SONS / JOHNNY FLYNN / LISA MITCHELL – Köln, E-Werk (14.04.2010)

2010-04-14_Lisa_Mitchell_-_Bild_002x.JPG
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Mumford & Sons stammen aus England und haben in kürzester Zeit den Durchbruch im Bereich Indiefolk vollzogen. Im letzten November spielten sie noch im, allerdings auch da schon schnell ausverkauften Gebäude 9 vor knapp 400 Zuschauen, lediglich fünf Monate später platzte das ebenfalls in Köln beheimatete E-Werk nun mit ca. 2600 Zuschauern aus allen Nähten und man hätte sicher locker noch einige hundert Tickets mehr verkaufen können. Und dass, obwohl die Londoner bisher auf lediglich ein Album ?Sigh No More? zurückblicken können. Aber wie stark dieses ist wird u.a. dadurch deutlich, dass ihre Single ?Little Lion Man? zum ?hottest Track of 2009? beim Triple J´s Hottest 100 Countdown in Australien gewählt wurde, dem mit knapp 800.00 abgegebenen Stimmen vielleicht größten Poll dieser Art weltweit.

Los ging es in Köln mit der zwanzigjährigen Lisa Mitchell, die sich ganz alleine mit ihrer Gitarre auf der großen Bühne des E-Werks präsentierte und dabei eine sehr gute Figur abgab. So allein ging sie on Stage zwar räumlich fast etwas verloren, aber das machte sie durch Ausstrahlung und Stimmvolumen locker wieder wett. Und apropos Volumen, schon bei ihrem Auftritt bemerkte ich, dass es heute lautstärkemäßig sehr angenehm sein würde. Nicht zu leise, aber gut auch ohne Gehörschutz zu genießen. Die kleine Australierin selbst wirkte sehr sympathisch, stellte ihre Songs durch kurze Erklärungen vor und deren Qualität wusste durchweg zu überzeugen. Zum Teil erinnerte sie mich etwas an eine jüngere Ausgabe von Heather Nova und sie bekam verdientermaßen sehr viel und lauten Applaus vom Publikum, dass die Halle schon frühzeitig gut füllte. Sehr schöner Auftritt der jungen Dame.

Die nächste Formation nutzte die Bühnenbreite dann räumlich schon deutlich mehr aus und hatte sich fast komplett weit vorne am Bühnenrand postiert. Johnny Flynn & The Sussex Wit traten zu fünft auf und der Songwriter, Poet und Schauspieler Johnny Flynn stand mittig vor dem Publikum und dirigierte seine Mannen, die sich, dem Motto des Abends folgend, natürlich auch dem Indiefolk verschrieben haben und mich von der Grundstimmung her etwas an die Decemberists erinnerten. Auch sie hatten keine Probleme das Publikum zu fesseln. Ihre Songs klangen angenehm warm und irgendwie bekannt, ohne zu kopieren. Dabei unterhielten sie mit flotteren Uptemponummern ebenso wie sie die anwesenden Zuschauer mit Balladen zum träumen brachten. Ebenfalls ein schöner Auftritt mit vielfältiger Instrumentierung von den Standards Gitarre, Schlagzeug und Keyboard bis hin zu Banjo und Kontrabass.

Nun musste sich der Headliner also schon ziemlich strecken um seine Position im Lineup rechtfertigen zu können, zumal die Halle mittlerweile brechend voll war! Gelingen sollte dies Mumford & Sons allerdings von Beginn an mit Leichtigkeit. Der Gig war einfach nur schön und die Band offensichtlich auch etwas überwältigt, wie rasant die Zahl ihrer Fans angestiegen ist. Das wirkte sehr authentisch und keinesfalls aufgesetzt wie bei vielen anderen Künstlern. Sehr amüsant und ebenfalls sympathisch dann auch die Reaktion der vier, als ein Zuschauer lautstark ?you fucking rule? rief und die Band aus dem grinsen kaum noch heraus kam. Beim zweiten dieser Rufe bedankte sich Sänger Marcus Mumford mit einem ?thank you friend? und erklärt danach, dass es toll wäre vor so vielen Leuten zu spielen, aber zugleich auch schwierig, weil es schwerer sei dem Publikum in so einer Halle nah zu sein, was ihm schmachtende "awwww" Rufe einbrachte. Um die Distanz so gering wie nötig zu halten hatten sich aber auch Mumford & Sons natürlich entsprechend nah am Bühnenrand postiert.

Auf den Songs des Albums ?Sigh No More? lag natürlich das Hauptaugenmerk am heutigen Abend, aber auch Songs anseits des Albums gehörten zum Programm. Sie passten sich perfekt in die bekannten Songs ein und es war schon beeindruckend zu hören, wie es Sänger Marcus gelang, seine Stimme so klar erklingen zu lassen, wie auf dem Silberling. Immer wieder gab es Ansagen, zum Teil sogar Versuche auf Deutsch. Marcus bedankte sich für die Stille wahrend der Songs, selten würden Fans ihre Musik so konzentriert genießen. Beim nächsten Song dürfe aber gerne auch während des Tracks gefeiert werden und das wurde es dann auch. ?Little Lion Man? erklang und nun klatschten alle Fans und es wurde lautstark mitgesungen und getanzt. Zu den neuen Nummern gehörte auch ?Lover In The Light?, ein toller Song mit vielen Tempowechseln, der am Ende fast schon punkig mit viel Geschrammel endete und entsprechend viel Beifall erhielt. Bei ?Thistle And Weeds? nahm Kontrabassspieler Ted Dwane an den Drums Platz und sorgte dadurch für zusätzliche Dynamik im Sound der Briten, ebenso wie etwas später Sänger Marcus, der bei ?Dust Bowl Dance? die Felle bearbeitete. Vor diesem Track bedankte sich die Band auf deutsch bei allen Leuten die gekommen waren und der Jubel kannte keine Grenzen mehr.

Ich muss zugeben, dass ich ?wohl weil ich beim Konzert im Gebäude 9 im letzten November leider terminlich verhindert war- zuvor etwas überrascht war, dass Mumford & Sons mit solch einer Leichtigkeit das E-Werk ausverkauften, aber nachdem ich sie nun auch selbst live erleben konnte muss ich sagen, dass dies absolut verdient ist. Ein wirklich grandioses Konzert, bei dem einfach alles passte, sogar die perfekt abgestimmten Opener.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:

Mumford & Sons:

Johnny Flynn & The Sussex Wit:

Lisa Mitchell:

Autor und Fotos: Michael Gamon

Kommentar verfassen