Project Pitchfork – Dream, Tiresias!

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Project Pitchfork – Dream, Tiresias!

Nachdem wir vor einigen Wochen bereits zur aktuellen Project Pitchfork Single "Feel!" Stellung nehmen konnten, steht nun das zugehörige Album "Dream, Tiresias!" vor seiner Veröffentlichung. Wie von den Hamburgern gewohnt, wird hier wieder elektronischer Wave mit anspruchsvollen Texten geboten, die einen tiefen Einblick in unsere Gesellschaft geben, wobei Project Pitchfork dies im vorliegenden Falle aus der Sicht von Tiresias tun. Tiresias (auch Teiresias) entstammt der griechischen Mythologie und war ein blinder Prophet und Priester des Zeus. Man sagte ihm nach, als Seher unfehlbar zu sein, seine Ahnungen jedoch nur widerwillig preis zu geben.

Auf "Dream, Tiresias!" schlüpfen also unsere Helden in die Rolle des unfehlbaren Sehers und werfen einen mehr als kritischen Blick auf die Gesellschaft. Dabei wird das Hauptaugenmerk vor allem auf Grundsatzfragen gelegt, die unser Denken und Handeln bestimmen. So bekommt die derzeitige Einstellung, es gäbe für jedes Problem eine Medizin X, die einfach nach Schema F verordnet wird, ihr Fett in "Nasty Habit" ab. "pharmacy is always right" heißt es da und spätestens beim Refrain, wenn es heißt "your nasty habit saying NO" wird deutlich, dass es heute nur noch darum geht möglichst nicht aufzufallen und zu allem JA und AMEN zu sagen. Querdenker oder Leute die Zustände hinterfragen sollen gleichgeschaltet werden um "unnötige" Komplikationen für die heile Welt im Keim zu ersticken.

Musikalisch weiß direkt der Eröffnungssong "If I Could" zu überzeugen, der in einer speziellen Version ja bereits vorab auf dem Advanced Electronics Sampler Volume 7 veröffentlicht wurde und auch in der Albumversion großartig klingt und den Hörer direkt positiv dem Album gegenüber einstellt. Auch die neun weiteren Tracks wissen zu gefallen und erinnern soundtechnisch eher wieder an alte Pitchfork Zeiten. Die Rockeinflüsse der vergangenen Jahre sind weitestgehend verschwunden und stattdessen regieren wieder Stakkatobeats der elektronischen Art und durch den treibenden Rhythmus der Songs fühlt man sich dann auch tatsächlich wie ein Außenstehender Beobachter, der die Welt durchstreift und Missstände schonungslos anprangert. Das Tempo variiert dabei von langsam schwebend bis zerstörerisch wütend und sorgt so trotz der markanten Stimme von Sänger Peter Spilles für ordentlich Abwechslung. Zu den weiteren Höhepunkten des Albums gehört natürlich auch die oben angesprochene Singleauskopplung "Feel!", doch zeichnet sich der Longplayer vor allem durch seine geschlossen hohe Qualität aus.

Auffallend ist auf "Dream, Tiresias!", dass Project Pitchfork ihren Hang zu catchy Refrains trotz der zum Teil vorherrschenden Härte weiter herausgearbeitet haben und die Tracks so fast durchweg Hymnencharakter entwickeln. Ein gutes Album, das mir im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich besser gefällt und die Erwartungen an die anstehenden Konzerte im Frühjahr deutlich nach oben schraubt.

Tracklist:
01. If I Could
02. Nasty Habit
03. The Tide
04. Promises
05. An End
06. Your God
07. Feel
08. Full Of Life
09. Darkness
10. Passion

Bewertung : 8 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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