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Lesedauer: 3 MinutenEs ist nie schön als Band, Konzerte in kleinere Locations verlegen zu müssen, weil der Vorverkauf nicht so lief wie erwartet. Zugegeben: Es war schon eine mutige Entscheidung, den ersten Headliner-Club-Gig von Skynd in Nordrhein-Westfalen in die mehr als 1000 Personen fassende Turbinenhalle 2 zu buchen – das auch noch auf den bei Konzertgängern so unbeliebten Montagabend. Noch ist das Industrial-rockige Konzeptprojekt zum Thema True Crime trotz einiger umjubelter Festivalauftritte eben noch ein recht unbeschriebenes Blatt, es gibt weder reguläre Alben noch Club-Hits. Wenige Wochen vor dem Konzert der „Dead Serious“-Tour dann die Rolle rückwärts, die Show sollte im Szene-Gängern bestens bekannten Kulttempel stattfinden.
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Vor Beginn blieb ausreichend Zeit, mal am Merchandise-Stand vorbeischauen. Einige schicke schwarze Shirts (35 €) und einen Pulli (60 €) gab es, mit einer Art Stirnband (15 €) und glänzenden Metall-Amuletten (25 €) aber auch Fanartikel, die wahrlich nicht jeder Artist anbietet. Es ist und bleibt trotzdem schade, dass sich die weiterhin anonym auftretenden Bandmitglieder nicht dazu entschließen können, endlich mal reguläre Tonträger zu veröffentlichen. Denn die Musik mitsamt der oft aufwendig gestalteten Cover-Artworks will man doch als Fan auch mal vielleicht in vollen Zügen genießen.
Doch genug gemeckert, das Konzert war nämlich richtig gut! Ohne Vorband ging es zur angenehm frühen Uhrzeit um Punkt halb neun (ursprünglich war der Beginn gar für 20 Uhr angekündigt) los. Schnell wurde klar, dass der klare Fokus hier auf der Musik und nicht auf Visualisierungen der mörderischen Schauergeschichten liegt, die Skynd, bestehend aus der gleichnamigen Sängerin, Multiinstrumentalist Father und einem ebenfalls unbekannten Live-Schlagzeuger, in ihren Texten erzählen. Wie schon bei unserem ersten Live-Kontakt mit Skynd im Vorjahr wurde gänzlich auf Videoprojektionen verzichtet. Ein elektronisches Gerät, eine Gitarre, ein Drum-Set, ein Mikro und eine großartige Lichtshow – das ist alles, was das dem Vernehmen nach aus Sydney stammende Projekt live auffährt.
Was zunächst nach wenig klingt, macht in der Realität extrem Spaß. Erstens hat der Kollege am Pult wirklich alles erdenklich Mögliche aus der örtlichen Lichtanlage herausgeholt, zweitens packen Themen, Hooks und Skynds extrem wandelbare Stimme in absolut ausreichender Manier. Klarer, kraftvoller Gesang wechselt sich mit diabolischem Gesäusel ab, Skynd verstellt ihre Stimme in schöner Regelmäßigkeit, um die Geschichten rund um psychopathische (Massen-)Mörderinnen und -mörder möglichst authentisch herüberzubringen. Wie viele Effekte da wohl auf dem Mikro liegen? Man wird es wohl nie erfahren.
Eindeutig aus den Gesichtern abzulesen war hingegen die Freude der Crewmitglieder an den Sound- und Lichtpulten. Immer wieder fingen die Fans ohne Aufforderung an, rhythmisch zu klatschen, bis ganz nach hinten konnten lautstark mitsingende, textsichere Stimmen vernommen werden. Und das, obwohl die Kommunikation von der Bühne quasi gleich null war. Weiterhin gibt es bei Skynd keine echten Zwischenansagen, keinen Small Talk mit dem Publikum. Nachdem die euphorischen Reaktionen nicht abebbten, ließ sich Madame Skynd in der zweiten Konzerthälfte tatsächlich zu dem einen oder anderen „Thank you!“ hinreißen – das Höchste der Gefühle.
Doch vielleicht würden Zwischenansagen auch die Sogwirkung stören, die die Musik entfacht. Viele der Stücke beginnen mit Samples von Radio- und Fernsehbeiträgen über die Killer, nach denen sie benannt sind. Manche Fälle sind unsereins bestens bekannt – man denke nur an die „Columbine“-Highschool-Attentäter oder den „Kannibalen von Rotenburg“ Armin Meiwes -, andere wie „The Granny Ripper“ Tamara Samsonova dürften hierzulande nur echten True-Crime-Fans ein Begriff sein. Zu der Geschichte rund um die russische Serienkiller-Seniorin nahm die Frontfrau übrigens kürzlich einen rund 70-minütigen Podcast mit Kriminalexpertin Florence McLean auf – mal sehen, ob es irgendwann noch eine Armin-Meiwes-Episode mit Stargast Lydia Benecke geben wird …
Frau Skynd versteht es jeweils bestens, mit Betonung, Mimik und Texten den Horror in den Live-Kontext zu bringen. Nach 95 Minuten endete das Konzert mit den ordentlich elektronisch angetriebenen und noch gar nicht regulär veröffentlichten „Mikhail Popkov“ unter lautem Jubel. Zugaben spielen Skynd nicht – auch wieder so ein Verweigerungsakt, der für das Projekt irgendwie typisch ist. Und auch wenn es das Trio auf der Bühne natürlich nicht offen verraten würde: Vermutlich sind alle drei glücklich ins Bett gestiegen.
Denn der Kulttempel war, Empore inklusive, sehr gut gefüllt und verdammt laut. Mit Menschen, die ihren getragenen Oberteilen nach zu urteilen, sonst in verschiedenen Genres zuhause sind. Aufwendig gestylte Goth-Ladies, die man eher im klassischen Batcave-Kontext vermuten würde, trafen auf zottelige Bring Me The Horizon- oder Eisbrecher-Shirt-Träger – dies zu vereinen, gelingt auch nicht jedem. Sofern man mit dem speziellen Einsatz der Stimme und/oder dem omnipräsenten True-Crime-Kontext etwas anfangen kann, sei allen Gästen des kommenden Mera Luna Festival empfohlen, Skynd am Festival-Sonntag eine Chance zu geben. Es lohnt sich. Ganz bestimmt.
Weitere Auftritte gibt es in der Woche zuvor beim Wacken Festival und noch bis Ende April im Süden der Bundesrepublik sowie in Wien (Termine hier) – für letztere kosten die Tickets ca. 45 Euro.
Hinweis: Die hier gezeigten Fotos wurden am Tag nach dem Konzert in Oberhausen im Leipziger Täubchenthal aufgenommen – die Setlist war identisch.
Setlist SKYND @ Oberhausen, Kulttempel (13.04.2026)
- Michelle Carter
- Elisa Lam
- Tamara Samsonova
- Andrei Chikatilo
- Armin Meiwes
- John Wayne Gacy
- Edmund Kemper
- Richard Ramirez
- Robert Hansen
- Bianca Devins
- Jimmy Savile
- Mary Bell
- Aileen Wuornos
- Columbine
- Heaven’s Gate
- Jim Jones
- Gary Heidnik
- Tyler Hadley
- Mikhail Popkov
Weblinks SKYND:
Homepage: skynd-music.com
Instagram: skynd_music
Facebook: skynd.music
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