PLACEBO – München, Olympiahalle (26.10.2022)

PLACEBO - München, Olympiahalle (26.10.2022)
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Einfach nur im Hier und Jetzt sein, den Moment genießen und das Handy in der Tasche lassen… Wünsche, die von Seiten der Band in der Umbaupause geäußert wurden – in großen Lettern auf die Leinwand projiziert und minutenlang dort stehengelassen. Erst auf Deutsch, später noch auf Englisch, sodass jeder der Anwesenden es verstanden haben sollte. Die Frage, die sich stellte, war: Hilft es? Das sollte sich bald zeigen. Zunächst aber sei an dieser Stelle erst einmal ein wenig zurückgespult, denn Placebo waren nicht alleine da, sondern hatten mit Deadletter auch einen ansprechenden Support-Act im Gepäck.

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Mit geradlinig britpoppigem Indie-Rock legte das Sextett los und wirbelte gut über die Bühne. Man sah, dass die Londoner genau das machten, was Placebo sich später auch vom Publikum wünschten: Sie genossen den Moment! Den, hier vor vielen tausend Zuschauern zu spielen, die ihnen zudem nicht gerade abgeneigt zu sein schienen. Der rockige Sound der Band gefiel und konnte auch durch ein Alleinstellungsmerkmal begeistern: Die Saxophonistin der Band gab dem Ganzen eine sehr individuelle Note, während die Band insgesamt sehr druckvoll mit Stücken wie der jüngsten Single Binge, Hero oder auch Fit for Work ihr Set zelebrierte. Zudem schafften sie es bereits als Support-Act hier, das Publikum zu animieren, was bei einer solchen Größenordnung nicht immer so selbstverständlich ist. Ein guter Start des Abends!

Setlist DEADLETTER – München, Olympiahalle (26.10.2022):

01. Hysterical Strength
02. Pop Culture Connoisseur
03. More Heat!
04. Snitching Hour
05. Degenerate Inanimate
06. Binge
07. Hero
08. Fit for Work
09. Zeitgeist

Es folgte die Umbaupause und die besagte Botschaft bzw. der geäußerte Wunsch der Band. Das Erleuchten der Schrift führte zunächst einmal spontan zu Applaus, einige Aussagen im Sinne von „ist ja auch richtig so“ waren zu vernehmen und ansonsten stieg natürlich die Spannung auf den Beginn der Show. Als es um 21 Uhr dann soweit war, wurde schnell klar: Placebo wollen das aktuelle Album Never Let Me Go betouren und machen das auch gerade in der ersten Hälfte ziemlich deutlich. Begonnen mit Forever Chemicals und Beautiful James eröffneten sie die Show so wie das Album, gerade letzteres lässt sich bereits jetzt als Hit empfinden, denn das Publikum ging gut mit – wenn es nicht gerade vom Security angeleuchtet wurde, weil man doch unbedingt mit dem Handy filmen wollte…

Was die neuen Stücke auffällig zeigten: Sie haben in der Tat ein großes Arena-Rock-Potenzial, denn sie zünden sofort, obgleich die meisten sie wohl bisher noch nicht live gesehen hatten. Dennoch wurde direkt mitgegangen, nicht nur bei Beautiful James und dem späteren Try Better Next Time, die bereits als Auskopplungen bekannt waren. Aber auch, wenn das aktuelle Album zunächst dominierte, wurden auch andere Stücke eingeschleust. Mit Bionic bspw. ging man zwischenzeitlich mal eben bis zum Debüt-Album ins letzte Jahrtausend zurück. Als dann das besagte Try Better Next Time erklang, war man so langsam an der Schwelle zum Best Of angelangt. Mit Too Many Friends und Stefan Olsdal am Piano war der Jubel groß, Went Missing wurde noch einmal dazwischengeschaltet, danach folgten Hits.

Auch, wenn die Kommunikation mit dem Publikum auf der sprachlichen Ebene eher rar war, so sah man doch, dass Placebo es genossen, wie die Zuschauer bei Stücken wie For What It`s Worth oder auch Song To Say Goodbye mitgingen, wenn sie an den Bühnenrand gingen und den bewussten Blickkontakt suchten. Und auch, wenn der Titel es vermuten ließ, wurde hier doch noch nicht Goodbye gesagt, sondern es folgten noch The Bitter End und Infra-Red, bevor wirklich der Versuch unternommen wurde, das Konzert zu beenden. Wenig überraschend konnte das nicht gut gehen, der Wunsch nach der Zugabe war zu groß, sodass sich die Band nicht lange bitten ließ und noch einmal wiederkam.

Als wäre es völlig selbstverständlich, coverten sie nun Shout und zeigten, dass man den Tears For Fears-Klassiker auch zu einem ordentlichen Rock-Stück machen kann, bevor Fix Yourself als ruhiger Punkt folgte. Allerdings zeigte Brian Molko hier, wie gut man das Stück aus seinem fragilen Gewand holen kann und es ausufernd zelebrieren kann, bevor das abschließende Kate Bush-Cover Running Up That Hill (A Deal With God) ebenfalls noch einmal sehr in die Länge ging. Nach ca. 100 Minuten endete ein gelungener Konzertabend, bei dem Placebo mal eben elf der dreizehn Stücke des aktuellen Albums Never Let Me Go gespielt haben, aber dennoch auch Material aus sechs weiteren Alben zum Besten gaben. Es mag dem einen oder anderen etwas gefehlt haben in der Liste, aber Placebo haben eben auch gezeigt, dass sie Künstler und keine Dienstleister sind. Und als solche haben sie in der Olympiahalle auch so einiges geboten!

Setlist PLACEBO – München, Olympiahalle (26.10.2022):

01. Forever Chemicals
02. Beautiful James
03. Scene of the Crime
04. Hugz
05. Happy Birthday in the Sky
06. Bionic
07. Twin Demons
08. Surrounded by Spies
09. Chemtrails
10. Sad White Reggae
11. Try Better Next Time
12. Too Many Friends
13. Went Missing
14. For What It’s Worth
15. Slave to the Wage
16. Song to Say Goodbye
17. The Bitter End
18. Infra-Red
19. Shout (Tears For Fears Cover) (Z)
20. Fix Yourself (Z)
21. Running Up That Hill (A Deal With God) (Kate Bush Cover) (Z)

Weblinks PLACEBO:

Homepage: www.placeboworld.co.uk
Facebook: www.facebook.com/officialplacebo
Twitter: www.twitter.com/PLACEBOWORLD

Weblinks DEADLETTER:

Facebook: www.facebook.com/DEADLETTERTHEBAND
Bandcamp: deadletter-band.bandcamp.com

Bild: Mads Perch

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4 Comments

  • Hi,

    mein Eindruck nach den ersten recht kleinen Emotionen und das natürlich herrlichem Gefühl von Live-Musik, brach es schnell ab, nachdem (für mich) zu viele Lieder vom neuen Album gespielt wurden… Klar will man es präsentieren, aber Ihr wisst was ich meine… Zwischenmenschliches fand garnicht statt, die Lieder wurden einfach runtergerattert.. zwar gut gespielt, aber nicht mehr Gefühl als in einer Bandprobe! Klar kann man nie jeden Oldie erwarten, aber mir fehlten echt sehr Viele… Dass dann nach ner Std zum ersten mal “bye” gesagt wurde, schockte mich erstrecht. War klar dass noch was kommt, aber was da noch kam, naja… Cover von “Shout”, klar kommt das an, aber is nicht Placebo!! Das neue “Fix ureselfe” war laaaang gezogen, aber wäre inclusive ner netten Verabschiedung noch n gutes Ende gewesen.. aber warum kommt dann noch “Running up that hill”? + einem Ende like Nirvana. (i like nirvana, aber das effectübersteuern über paar Minuten und dann einfach gehen??). hmm.. Hat mich echt zermürbt das ganze! Hoff ich kann das schnell unterdrücken und liebe die Stimme und deren Musik weiterhin. Aber das war einfach im Nachhinein gut gemachte Arbeit von der Band, die gemacht werden musste, aber kein Stück mehr… Sehr sehr schade!
    Zum Sound in der Olympiahalle, falls es interessiert, meine Meinung ist: sehr sehr nice in ruhigen bis mittleren Passagen, aber sobald Action ist, zerfällt alles in sich und man hört fast nurnoch Krach… (also echt nur meine Meinung)..
    Vielleicht sind se nix mehr gewohnt, nachdem sie eine lange Pause hatten, aber ich denk so wenig Leidenschaft gegenüber dem Publikum kannst nicht bringen in dem Job.
    Das Publikum war nicht gelangweilt… War nicht Hardcore dabei, aber zumindest knapp drunter… Eigentlich motivierend.. Naja..
    Habt ne gute Zeit,
    Broken

    • Sry, noch ne kurze Anmerkung…
      Ein Dank an die Musiker rund um Placebo die einen tollen Job gemacht haben!!
      Bin es gewohnt dass die Frontmänner n Dank für nen guten Abend geben, aber ja…

  • Dem Review kann ich mich was die Musik angeht uneingeschränkt anschließen. Das Publikum war allerdings anders als bei den Placebo Konzerten früher sehr passiv, kaum jemand von den Sitzplätzen stand auf.
    Filmen mit dem Handy kann für andere Zuschauer recht nervig sein, daher kann ich die Bitte, das zu unterlassen, nachvollziehen. Wenn aber die Security während des ganzen Konzertes durch die Reihen geht und jeden anleuchtet, der nur mal für einen kurze Moment das Handy zückt, stört das erheblich mehr. als wenn mal kurz ein Foto gemacht wird oder eine Szene gefilmt wird.

  • Nun ja, als “gelungen” würde ich den Abend nicht bezeichnen, aber der Reihe nach.
    1. Handyverbot, ich muss dazu sagen ich filme nie weil es nervt, ein Foto ja, aber das war es. Letztendlich wurde man in großen Lettern gebeten! nicht zu Filmen weil es die Interaktion mit dem Publikum so schwierig macht. (Fragt sich nur welche, aber dazu später) Es war also eine freundliche Bitte, es wurde jedoch von der Security ziemlich aggressiv umgesetzt dass die Zuschauer zum Teil echt verwirrt waren weil es kein Verbot gab, lediglich eine Bitte.
    2. Der Sound. Ein Brei, Akustik katastrophal, ein Lied klang fast wie das andere, oder lag das am neuen Album?
    3. Die Performance: Keinerlei Interaktion mit dem Publikum von den Künstlern, nicht mal ein “Hallo”, nix. Es wurden die Song an Song ohne Pause einfach runtergespielt, man hatte fast den Eindruck die Jungs wollten in einer Stunde wieder im Hotel sein. Fast hätten sie es hingekriegt (1:35). Und zum Abgang auch nur ein wortloses rausmarschieren. Keine Klassiker, fast nur Lieder des neuen Albums, plus ein paar eher unbekannte. Auch okay, aber dann 2 Covers einzustreuen die so grottig performt waren das Kate Bush oder Tears for Fears den Stecker gezogen hätten wenn sie da gewesen wären.
    Die Stimmung bei den umstehenden war ebenfalls eher im Keller.
    In Summe muss man sagen sich die CD zuhause anzuhören wäre besser gewesen, denn ein Live Gefühl kam nicht auf.

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