Es ist das beherrschende Thema im Moment und man kommt auch an dieser Stelle nicht daran vorbei. Denn: Das Lumpenpack war zum einen eine der ersten Bands, die mit betroffen war von der aktuellen Situation und zum anderen auch eine der ersten Bands, die das Beste draus gemacht hat und live im leeren Club auftrat. Nachdem die nötige Miete im Crowdfunding mehr als zehn Mal erreicht wurde, kam zudem noch einiges an Spenden zusammen. Aber eins nach dem anderen… Das Lumpenpack befand sich auf Tour mit dem Live-Album Halbzeit, auch der Autor dieser Zeilen wollte die Tour besuchen, buchte kurzerhand einige Tage vorher noch Bahnfahrt und Hotel in Salzburg, schnell kam raus: Das wird nichts. Krise verschärft, Daten verschoben, dafür aber Konzert im Stream (mit phasenweise bis zu 25.000 Zuschauern) und eben das Live-Album, das ihnen keiner mehr nehmen kann.
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Auf der Herbst-/Wintertour 2019 aufgenommen in der Alten Feuerwache Mannheim, wo sich das Duo einst kennenlernte, präsentiert sich die Band in Bestform vor einem dankbaren Publikum. Schnell merkt man dabei, dass die Band inhaltlich aus der Poetry-Slam-Szene kommt. Mit Gitarre, Gesang und einer Menge Humor (und zwischenzeitlich dem Flügelhorn) im Gepäck entern sie im treibenden Zwei die Show: „Allein zu nichts nütze, zu zweit eine Band“, singen sie. Inwieweit ersteres zutrifft, lässt sich nicht beurteilen, als Band aber funktioniert es hervorragend. Mit viel Wortwitz eröffnet folgt dann auch die erste Ansage #Hallo. Ein wichtiger Bestandteil des Albums, denn nebst der Musik dürfen auch die reinen Comedy-Elemente in den Ansagen nicht fehlen.
Das klingt zunächst mal alles sehr lustig, ist es auch sehr gerne mal, wie beispielsweise in Ford Fiesta (inklusive dem gegenwärtig unfreiwillig komischen Toyota Corona) mit dem Reisen in ebendiesem Auto, ohne Klimaanlage… Aber es darf nicht über die Doppelbödigkeit in vielen Stücken hinweggesehen werden. Guacamole beispielsweise mit vielen Sticheleien darüber, wie Parties so ablaufen, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Oder auch der Don des Dorfes, der auf ironische Weise gut das Leben auf dem Dorf beschreibt. Immer wieder dargeboten als guter Singer-Songwriter-Pop vor einem außerordentlich textsicheren Publikum.
Thematisch gibt es Evergreens aber auch gerade in heutigen Zeiten häufig auftauchende Themen. Der Syltaufkleber beispielsweise ist so ein Thema, das einem immer wieder begegnet, Heilpraktiker wiederum mit Zeilen wie „Heilpraktiker, kannst du mir Globuli geben?“ trifft auch aktuell einen Nerv. Zumal noch der Globuli-Tanz getanzt wird, über den man sogar ohne Bild lachen muss – schließlich wird das Thema „Sexyhot tanzen“ auch noch ausgiebig thematisiert.
Gerade in Zeiten wie diesen sind das die Veröffentlichungen, die man braucht. Sehr gute Unterhaltung mit doppeltem Boden, äußerst humorvoll rübergebracht, verbunden mit der Aussicht, dass auch bessere Zeiten kommen. Beispielsweise dann, wenn die Nachholtermine der Tour anstehen. Aber daran muss man Halbzeit gar nicht festmachen, denn auch in intakten Zeiten würde es voll und ganz überzeugen können.
Tracklist DAS LUMPENPACK – Halbzeit:
1-01. Zwei
1-02. #Hallo
1-03. Ford Fiesta
1-04. Eva P.
1-05. Die Tragödie vom Rest der Band
1-06. #Flügelhorn
1-07. Guacamole
1-08. Don des Dorfes
1-09. #Maßstab
1-10. Miriam
1-11. #Pfiffig
1-12. Kurze Hosen
1-13. #Fundbüro
1-14. Syltaufkleber
1-15. #Hits
1-16. Medley
2-01. Buntes Papier
2-02. #Oliven
2-03. Pferde stehlen
2-04. Heilpraktiker
2-05. #Sexyhot
2-06. Pädagogen
2-07. #Gute Nacht
2-08. Hauch mich mal an
2-09. Mark
2-10. Silvester
Weblinks DAS LUMPENPACK:
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“Das Coronalied”: www.youtube.com/watch?v=L5JfbQTCeSc