DREAM THEATER – B-Gent, Capitole (25.06.2019)

Dream Theater, © Nick Müller
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Seit ihrer Gründung 1985 hat die amerikanische Progressive Metalband Dream Theater einen langen Weg zurückgelegt. Die gefühlvolle Stimme des Sängers Charlie Dominici wurde schon nach dem überraschenden Debüt When Dream and Day Unite durch die kühlere Technik von James LaBrie ersetzt, um damit technizistisch breitere Stilmöglichkeiten ausbauen zu können. Und das nicht ohne kommerziellen Erfolg! Die meisterhafte Beherrschung ihrer Instrumente sorgte oft für lang ausgesponnene, komplexe Solos und im Lauf der Jahre vor allem für großen Respekt von Musikerkollegen. Auch kommerziell fanden sie immer mehr Anerkennung, welchen Musikstil sie auch in ihren Sound integrierten. Und trotz einiger nicht unerheblicher Besetzungswechsel hat die musikalische Fachmannschaft in all den Jahren nie an Qualität eingebüßt.

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Dieses Jahr im Februar erschien das mittlerweile 14. Album der Progrocker, Distance over Time, mit dem sie nach einer Art Konzept-Rockoper ihrer letzten Platte The Astonishing, zum mehr klassischen Dream Theater Sound zurückkehren. Von der Originalbesetzung machen dabei nur noch Gitarrist John Petrucci und Bassist John Myung mit, zusammen mit Sänger James LaBrie und Keyboarder Jordan Rudess, die inzwischen zu den Veteranen zählen, und Mike Mangini, der bei der Gruppe seit 2011 am Schlagzeug sitzt.

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Die derzeitige Tour brachte Dream Theater für ihre einzige Show in Belgien nach Gent, wo erstmals das „Ghent Indoor Metal Fest“ im Capitole organisiert wurde, einem ehemaligen Kinosaal aus den 1930er Jahren, in einem Gebäude neoklassizistischen Stils. Eine wirklich einmalige Erfahrung: inmitten dieses prächtigen, authentisch historischen Decors mit ausgezeichneter Akustik in Plüschsesseln sitzen und der komplexen Musik von Dream Theater lauschen, die Aufmerksamkeit abverlangt und Aufmerksamkeit verdient. Wer die Gruppe nicht kennt, und einen ausgelassenen Auftritt erwartet, hat sich geschnitten. Dream Theater, das sind fünf Techniker, die konzentriert, statisch und so gut wie ausdruckslos ihr musikalisches Talent vereinigen. Sich hinsetzen und mit gespitzten Ohren lauschen, so sollte ihre Musik eigentlich immer gewürdigt werden. Und damit bewies die Gruppe direkt beim ersten Takt, dass die Organisatoren mit ihrer Idee des „Ghent Indoor Metal Fest“ Recht hatten. Und nicht nur das Konzept mischt die Epochen, auch Dream Theater selbst reisen durch ihre Geschichte. Eröffnet wird die Show mit Untethered Angel, Single des aktuellen Albums Distance over Time, und dann geht es auch schon zurück in die Vergangenheit mit A nightmare to remember der Platte Black Clouds & Silver Linings aus 2009, eine 16 Minuten dauernde Nummer in drei Teilen, in der die Band sich von ihrer härteren Seite zeigt. Wir hören das neue Fall into the Night, auf der sich Schlagzeuger Mangini voll ausleben kann, während er die Nummer mit aufgetriebenem Rhythmus und Rhythmusvariationen einleitet. 22 Jahre zurück in die Vergangenheit: Under Peruvian Skies (Falling into Infinity), und dann Presence of Enemies, Part I von ihrem neunten Album Systematic Chaos, eine Nummer, die mit ihren starken instrumentalen Elementen inzwischen zu den Klassikern zählt. Mit Dance of Ethernity kriegen wir ein instrumentales Stück zu hören, das man zu den Höhepunkten dessen zählen muss, was progressive Musik sein kann. Es stammt vom Konzeptalbum Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory aus 1999 und bringt die Zuhörer mit Tempowechseln, Stilvariationen und Soli von einem Extrem ins andere. Ihre Soli variieren die Musiker insgesamt bei diesem Auftritt allerdings nicht bis ins Unendliche, was diese Show in der Summe melodiöser macht als die Konzerte, die Dream Theater bisher schon so gegeben haben. Erst der Groove der Zugabe, As I am vom Album Train of Thought (2003), das unter den Liebhabern als The Heavy Album bekannt ist, treibt das konzentrierte Publikum aus seinen Sesseln, hier spielt Petrucci wahrscheinlich eins der schnellsten Gitarrensoli seines Repertoires.

In diesem Ambiente ist dieser Querschnitt aus drei Jahrzehnten Dream Theater eine besondere Erfahrung, die hoffentlich nächstes Jahr mit einer 2. Edition des „Ghent Indoor Metal Fest“ eine Fortsetzung kennt. Am Interesse braucht auf jeden Fall nicht gezweifelt zu werden, denn die Besucher waren zahlreich und mehr als zufrieden dabei!

Bericht: Patrick De Baere/Nick Müller, Bilder: Nick Müller

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