FRANZ FERDINAND – Always Ascending

FRANZ FERDINAND - Always Ascending
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7 Gesamtnote

7

“Dezente Veränderungen bei den Indie-Disco-Veteranen”

Viel passiert ist im Hause Franz Ferdinand seit der Veröffentlichung des letzten Albums Right Thoughts, Right Words, Right Action im August 2013. Gitarrist Nick McCarthy verließ die Band, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Was damit wohl bedeutet, dass wir in Zukunft bei Live-Konzerten auf die von ihm gesungenen Tell Her Tonight und Erdbeermund verzichten müssen. Dafür dürften zahlreiche neue Songs in die Setlist der März-Tournee rutschen, Dino Bardot und Julian Corrie ersetzen McCarthy nun an Gitarre beziehungsweise Keyboards.

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Die auf Platte hörbaren Veränderungen liegen aber klar eher im Detail als im großen Ganzen. Immer schon waren Franz Ferdinand eine Band, die mit mehr als nur einem Bein auf die Tanzfläche schielte. Nach einem balladesken Piano-Intro von circa 75 Sekunden Länge zielt Always Ascending auch wieder genau dorthin. Der Titeltrack ist ein klassischer FF-Song mit elektronischen Unterbau, der Indie-Disco- und Live-Konzert-Besucher zu ausführlichem Bewegungsdrang verleiten müsste.

Es folgt an Position Zwei: Der Spalter des Albums. „I’m not gonna get up, never. I’m not gonna get up, never. I’m a lazy boy, yes a lazy boy, lazy in the morning, boy, I’m a lazy boy, yes a lazy boy, lazy in the evening, boy.“ So geht der überwiegende Text-Teil des Stückes, von dem Sänger Alex Kapranos sagt, dass er es „eines Morgens bei seiner Freundin geschrieben hatte, als ich einfach nicht aus dem Bett wollte.“ Da kommt „Lazy Boy“ Kapranos mit ziemlich lazy Songwriting daher, irgendwie ist der Song aber verdammt catchy und tanzbar. Wie gesagt: Daran werden sich die Geister scheiden.

In der Folge wird das Tempo hier und da gedrosselt. Das klappt manchmal gut, wie bei der sicher nicht ganz ironiebefreiten Liebesballade The Academy Award oder dem heftig mit 60/70s-Pop flirtenden Paper Cages. Zwei Songs, die mit jedem Hören wachsen. Auf die vor sich hin dümpelnden Finally und Slow, Don’t Kill Me Slow hätten die Schotten allerdings getrost verzichten können.

Und drumherum? Darf wie so oft im urtypischen Franz Ferdinand-Rhythmus mit den Hüften gewackelt werden, kleine Experimente verleihen den Songs einen frischen Anstrich. Die Bläser zum Ende der Single Feel The Love Go oder die zunächst seltsam anmutende Rap-Einlage von Kapranos bei Huck And Jim fallen dabei besonders auf.

Franz Ferdinand - Feel The Love Go (Official Audio)

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Fazit: Wer ein Album mit der Hitdichte des 2004er Debüts erwartet, dürfte etwas enttäuscht werden. Aber mal im Ernst: Welche der „Class of 05-Bands“ lieferte in den letzten Jahren noch ein derartiges Album? Richtig: Keine. Auch daher ist Always Ascending die wohl zufriedenstellendste LP, die Franz Ferdinand nach fast 15 Jahren im Geschäft veröffentlichen können.

Tracklist FRANZ FERDINAND – Always Ascending

01. Always Ascending
02. Lazy Boy
03. Paper Cages
04. Finally
05. The Academy Award
06. Lois Lane
07. Huck And Jim
08. Glimpse Of Love
09. Feel The Love Go
10. Slow Don’t Kill Me Slow

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