SPOCK’S BEARD – Snow Live

SPOCK'S BEARD - Snow Live
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10 Gesamtnote

Gesamtnote

10

Manchmal dauert es ein wenig bis zur Live-Aufführung. In diesem Fall sogar 14 Jahre. 2002 veröffentlichten Spock’s Beard das Konzept-Album Snow, das die Geschichte des auf diesen Namen hörenden Albino-Jungen erzählt, nach Fertigstellung der Arbeiten am Album verließ Neal Morse überraschend die Band, sodass es nie zu einer Live-Aufführung des Werkes kam. Bis 2016, wo die Band sich in Ur-Besetzung wieder zusammenfand, um auf dem Morsefest erstmalig Snow live zu präsentieren. Darauf haben viele Progressive Rock-Fans gewartet, es nahezu herbei gesehnt – warum sie das taten, wird schnell deutlich. Schon das Album Snow an sich kann als Meilenstein bezeichnet werden, denn mal eben ein Doppel-Album mit 26 Stücken rauszuhauen, das keine Schwachstellen bietet, ist beachtlich.

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Nun also die Live-Aufführung, die – was ein Blick in auf die Rückseite der Hülle der hier besprochenen 3-LP-Version (die inhaltlich deckungsgleich mit der CD-Aufnahme ist) zeigt – mit einem opulenten Bühnenbild einherging, bei dem nicht zuletzt auch zwei Schlagzeuge zu einem druckvollen Sound beitragen. Zumindest dann druckvoll, wenn er druckvoll sein soll, denn das hier Dargebotene ist äußerst vielseitig. Mit Made Alive/Overture eröffnet es erst einmal nachdenklich mit klaren Gitarrenlinien, aber da es sich um die Overtüre handelt, ist man schon bald schnell direkt im prallen Prog-Leben gelandet. Ein Ausblick auf die kommenden Stücke ist zu hören, mit verschnörkelten Riffs, verschachtelten Rock-Arrangements, klaren Momenten – eben allem, was das Album und die Band ausmacht.

Stranger in a Strange Land huldigt erst einmal den ruhigeren Tönen – mit Akustik-Gitarre und nachdenklichem Gesang, aber auch sehr harmonisch. Aber schon bald nähert man sich der verzerrten Gitarre an und ist im treibenden Long Time Suffering gelandet. Mit Riffs, schleifender Orgel und filigranem Drumming. So langsam ist man mittendrin im Geschehen des Albums. Wuchtige Passagen mit betontem Gesang, aber auch Piano-Passagen (Love Beyond Words) treffen auf einen und alles wirkt in sich schlüssig. Dabei begegnen so einige Highlights wie beispielsweise der Stampfer Devil’s Got My Throat, der gar nicht anders kann als einen mit schleifender Orgel, hohem Tempo und Solo-Passagen mitzureißen. Kein Wunder, dass hier mitklatschende Fans zu hören sind in dieser ausufernden Live-Version.

Immer wieder begegnen Momente, in denen man aufmerkt, stets brillieren die Musiker und man entdeckt immer wieder Highlights für sich. Man ist fasziniert, wie alles ineinander greift – nahezu metallische Gitarren, klare Momente, die wechselnde Dynamik. Durch das Storytelling sind zudem die nahtlosen Übergänge zwischen den Stücken zu beobachten. Auch zum Ende hin lässt all dies nicht nach. Man könnte beinah jedes Stück als Beleg hernehmen. Freak Boy beispielsweise zeigt gut die härtere Seite des Albums und geht dann direkt in das mit einem harmonischen Synth-Part eröffnenden All Is Vanity über, das viele instrumentale Spielereien beinhaltet. Kurzum: Bis zum Ende mit Made Alive Again/Wind at My Back gibt es immer wieder etwas zu entdecken, sodass Snow Live zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.

Man sollte sich bei der blau-marmorierten Vinyl-Variante jedoch nicht von der Tracklist in die Irre führen lassen, die auf der Rückseite der Hülle abgedruckt ist. So ist beispielsweise auf der ersten Scheibe bereits Musik zu hören, die eigentlich erst auf der zweiten Scheibe sein sollte und die Seite D beinhaltet das, was laut Hülle auf Seite E zu hören sein soll. Mit Seite E endet dann bereits Snow Live an sich. Dies ändert aber natürlich nichts an der musikalischen Qualität. Außerdem freut man sich unverhofft auf Seite F dann noch über eine epische Live-Version von Falling For Forever, das seinerzeit im Zugabenteil der Show gespielt wurde.

Neben der 3 LP-Version (die in vier verschiedenen Farben erhältlich ist), erscheint Snow Live auch als 2 DVD/2CD Digipack, 2 Disc Blu-ray und als 2 DVD/2 CD/2 Blu-ray Package mit 48-seitigem Artbook, Poster und Postkarten. Wofür man sich auch entscheidet: Bereuen wird man es nicht.

Tracklist SPOCK’S BEARD – Snow Live (3 LPs):

LP 1
A1 Made Alive/Overture
A2 Stranger in a Strange Land
A3 Long Time Suffering
A4 Welcome To NYC
A5 Love Beyond Words

B1 The 39th Street Blues (I’m Sick)
B2 Devil’s Got My Throat
B3 Open Wide the Floodgates
B4 Open The Gates Part 2

LP 2
C1 Solitary Soul
C2 Wind at My Back
C3 Second Overture
C4 4th of July
C5 I’m The Guy
C6 Reflection

D1 Carie
D2 Looking for Answers
D3 Freak Boy
D4 All Is Vanity
D5 I’m Dying
D6 Freak Boy Part 2

LP 3
E1 Devil’s Got My Throat Reprise
E2 Snow Night’s Out
E3 Ladies and Gentlemen, Mister Ryo Okumoto on the Keyboards
E4 I Will Go
E5 Made Alive Again/Wind at My Back

F1 Falling For Forever

Weblinks SPOCK’S BEARD:

Homepage: www.spocksbeard.com
Facebook: www.facebook.com/spocksbeard
Twitter: www.twitter.com/spocksb

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